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Partnerwahl: So entscheiden Frauen und Männer in der Liebe

von: Saskia Balke

Die Partnerwahl ist ein Mysterium, dem sich die Paarforschung mit der Frage widmet: Welche Kriterien sind für Frauen und Männer entscheidend, um sich zu binden? Fest steht, dass noch immer uralte Muster wirken. Aber es zeichnet sich ein Wandel ab – die Ergebnisse der ElitePartner-Studien zur Partnerwahl liefern einige Überraschungen.

Die Geschichte der Partnerwahl: Programmiert auf Fortpflanzung

Liebe und Romantik, Begehren und Beziehungen basieren Evolutionsbiologen zufolge auf einer wichtigen Motivation, die in der Evolution der Menschheit das Fortbestehen der eigenen Spezies sichern sollte: Es geht um Fortpflanzung, um die Zeugung und Aufzucht eigener Nachkommen, die aus biologisch-soziologischer Sicht am erfolgreichsten eine gesunde, junge Frau und ein leistungsfähiger Mann gewährleisten können. Diese Selektion erfolgt vielfach auf einer unbewussten Ebene. So lässt die optische Attraktivität Rückschlüsse auf „gute Gene“ zu und Duftstoffe, sogenannte Pheromone, signalisieren über einen subjektiv empfundenen guten Geruch, dass beide Immunsysteme miteinander harmonieren, um gesunden Nachwuchs zu zeugen. „Genetisch hochkompatible Menschen empfinden füreinander das seltene Gefühl der perfekten Chemie“, fasst die Schweizer Biologin Joelle Apter in einem Artikel in der Welt am Sonntag zusammen.

Männer achten auf die Optik, Frauen auf Eigenschaften

Bei der Frage, ob zwei Menschen zu einem Paar zusammenfinden, wirken also noch immer jene archaischen Programme, die vor Tausenden von Jahren durch die Evolution geprägt wurden. Das zeigen viele Studien wie auch die des Psychologen Adrian Furnham vom University College London, der im Jahr 2009 insgesamt 250 Männer und Frauen ihren Traumpartner beschreiben ließ. Männer fokussierten sich dabei eher auf optische Faktoren, Frauen auf Eigenschaften. Die Wunschpartnerin der männlichen Befragten bringt vor allem ein jugendliches Alter sowie äußerliche Merkmale mit, die auf eine gute Fruchtbarkeit und Gesundheit hinweisen. Der Attraktivitätsforschung zufolge sprechen hohe Wangenknochen, große Augen und volle Lippen für einen hohen Östrogenspiegel, eine reine Haut und glänzende Haare für Gesundheit. Auch ein harmonisches Taille-Hüft-Verhältnis spricht Männer an.

Die ElitePartner-Männer Studie aus dem Jahr 2012 mit über 12.000 Befragten kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass 55 % der Männer bei der Partnerwahl besonderen Wert auf ein attraktives Aussehen legen, während dies nur auf 34 % der Frauen zutrifft. Umgekehrt bestätigte die ElitePartner-Studie 2014 die Erkenntnisse durch die Erhebung von Ausschlusskriterien für eine Partnerschaft: 67 % der Männer nannten mangelnde Attraktivität als Ausschlusskriterium, aber nur 58 % der Frauen. Eine Figur, die nicht den eigenen Vorstellungen entspricht, ist für 63 % der Männer ein Hinderungsgrund für eine Beziehung, aber nur für knapp 50 % der Frauen. Übrigens: Eine britische Studie ergab, dass das vorherrschende Schönheitsideal der schlanken Frau von gewissen Faktoren offenbar ausgehebelt wird. So finden gestresste Männer dickere Frauen attraktiver, weil sie ein höheres Sicherheitsbedürfnis haben – und das höhere Gewicht eine bessere Gesundheit und einen stabilen Zyklus verspricht. Hier wird deutlich, wie stark die evolutionären Strategien wirken: Sie können zumindest vorübergehend kulturelle Prägungen überlagern.

Männer schreiben Frauen an, die bis zu 15 cm kleiner sind als sie

partnerwahl-kriterienÜbereinstimmend mit den Ergebnissen der ElitePartner-Studien betonten Frauen in der Londoner Studie die äußerlichen Faktoren eines Mannes weniger, legten aber Wert auf eine stattliche Körpergröße. Studien zur Attraktivitätsforschung ergaben, dass ein Größenunterschied von etwa einem halben Kopf zwischen den Geschlechtern als ideal gilt. Selbst beim Online-Dating lässt sich diese Vorliebe in der Partnerwahl nachweisen, wie eine umfassende Auswertung der ElitePartner-Nutzerdaten zeigt. Sie ist besonders aussagekräftig, da sie tatsächliches Verhalten beschreibt, das anders als Umfrageergebnisse nicht von sozialer Erwünschtheit beeinflusst ist. Frauen schreiben Männer an, die durchschnittlich maximal zehn Zentimeter größer sind als sie selbst. Männer versenden Partneranfragen an Frauen, die im Schnitt bis maximal 15 Zentimeter kleiner sind. Diplom-Psychologin Lisa Fischbach konstatiert: „Hier zeigt sich ein evolutionsbiologisch wirksames Muster. Größe wird meist mit Stärke assoziiert. Ein größerer Mann kann als Beschützer seine Familie vor Gefahren bewahren. Das spricht bei Frauen das Bedürfnis nach Sicherheit an.“ Männer unter 1,75 Meter erhalten demzufolge weniger Partneranfragen, ebenso wie Frauen ab etwa 1,85 Meter. Die durchschnittliche Körpergröße eines Mannes in Deutschland liegt bei 1,80 m liegt. Keineswegs sind kleinere oder größere Singles jedoch dem vollständigen Desinteresse des anderen Geschlechts ausgesetzt: „Ein Profil, das Neugierde weckt, sympathisch wirkt oder spannende Hobbys offenbart, lässt über fehlende Zentimeter hinwegsehen. Gerade Partnersuchende, die kein Gardemaß mitbringen, können bei der Online-Partnersuche auf vielschichtigeren Ebenen punkten,“ erklärt der Single-Coach.

Frauen legen Wert auf Intelligenz und Bildung

In der ElitePartner-Männerstudie 2012 tritt zutage, dass 65 % der Frauen besonderen Wert auf die Bildung ihres Partners legen. Aufschlussreich sind in diesem Zusammenhang auch die Auswertungen des Nutzerverhaltens bei ElitePartner: So ist es für Frauen mit hohem Bildungsniveau am häufigsten von Bedeutung, dass ihr Partner ebenfalls Akademiker ist. Aber auch rund ein Drittel der Nicht-Akademiker sucht einen Partner mit akademischem Hintergrund. Unter den männlichen Akademikern sind 33 % auf der Suche nach einer Akademikerin als Partnerin, unter den männlichen Nicht-Akademikern 31 %. Je höher der eigene akademische Grad, desto wichtiger ist es den ElitePartner-Mitgliedern, ganz besonders Frauen, einen Partner mit einem vergleichbaren akademischen Status zu finden.

Mit dieser Erkenntnis korrelieren auch die Ergebnisse der ElitePartner-Studie 2014: Für 54 % der Frauen ist es Hinderungsgrund, wenn ein potenzieller Partner arbeitslos ist, für die Hälfte, wenn er ein anderes Bildungsniveau hat, für 44 %, wenn er beruflich wenig erfolgreich ist und für 30 %, wenn er weniger verdient als sie. In der ElitePartner-Männerstudie 2012 ist es der Hälfte der befragten Frauen wichtig, dass der Mann beruflich erfolgreich und finanziell gut gestellt ist. Sie wurden gefragt, warum ihnen der höhere Verdienst wichtig ist. Der Wunsch nach finanzieller Sicherheit für die Familie steht bei ihnen im Vordergrund. Allerdings fühlen sich einige Frauen weniger verdienenden Männern überlegen und vermuten bei den finanziell weniger gut gestellten Männern ein mangelndes Selbstvertrauen. „Alte Rollenmuster scheinen nach wie vor sehr wirksam zu sein, so dass sich Frau wohler fühlt, nach ‚oben‘ zu schauen oder auf gleicher Augenhöhe zu sein. Sie empfindet es seltener als Gewinn, in diesem Bereich die klassischen Rollen aufzubrechen und sich über alte Konventionen hinwegzusetzen“, erläutert Fischbach.

Auch in der Londoner Traumpartner-Studie erwarten die Frauen von einem Mann vor allem Intelligenz, Beständigkeit und Bildung, aber auch soziale Kompetenzen. „Diese Eigenschaften sichern aus evolutionsbiologischer Sicht das Bestehen einer Familie“, konstatiert Fischbach.

Alpha-Softie: Wie sich die Partnerwahl verändert

partner-findenObwohl deutsche Frauen so gut ausgebildet sind wie nie und 39 % von ihnen wirtschaftlich unabhängig sind, stehen die Versorgerqualitäten des Mannes bei der Partnerwahl also noch immer hoch im Kurs. „Unser Partnerwahlverhalten hat sich über Jahrtausende entwickelt, so dass sich die Überlebensstrategie – die Wahl des Alpha-Mannes und Versorgers – nicht von heute auf morgen verändert. 30 Jahre Emanzipation bringen die lange Entstehungsgeschichte der Geschlechterverhältnisse nicht so leicht ins Wanken,“ fasst Lisa Fischbach zusammen. Allerdings zeichnet sich dafür in anderen Kriterien ein Wandel ab. Ein sympathisches und freundliches Wesen ist 95 % der Frauen wichtig. 90 % legen Wert auf Charme, Humor, Bildung und vielseitiges Interesse, Intelligenz und einen fürsorglichen Charakter. Und Romantik spielt immerhin für 73 % eine große Rolle. Die Anforderungen an den modernen Traummann sind also gewachsen, er muss sogar so viele Erwartungen erfüllen wie nie zuvor in der Geschichte der Partnerwahl. Der Alpha-Mann ist dem Alpha-Softie gewichen. Unter den jungen Frauen zeichnet sich zudem ein weiterer Wandel der Kriterien ab: Den unter 30-Jährigen ist Sex und Leidenschaft sowie die Attraktivität wichtiger als älteren Frauen.

Geborgenheit in der Beziehung zählt für Männer immer mehr

Und auch was die Sicht der Männer auf die Frauen betrifft, überraschen die neuesten Erkenntnisse aus der ElitePartner-Studie 2016 „So liebt Deutschland“: Maximal 12 % lassen sich von erfolgreichen, sehr gebildeten und gutverdienenden Frauen abschrecken. 70 % würden es auch mit einer dominanten, durchsetzungsstarken Partnerin aufnehmen. Eine Umfrage unter 500 Männern und Frauen zwischen 20 und 34, die von der Soziologin und Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin Jutta Allmendinger durchgeführt wurde, zeigt: Immer weniger Männer identifizieren sich mit der alleinigen Versorgerrolle: Drei von vier Männern wünschen sich finanziell unabhängige Partnerinnen mit ähnlichem Bildungsstand.

Und auch sonst scheinen sich die Einstellungen des bisher eher optik-fixierten Mannes zu wandeln. Laut der ElitePartner-Studie 2012 sind dem modernen Mann das Gefühl von Geborgenheit in der Beziehung, das Bildungsniveau seiner Partnerin und ein ähnlicher Sinn für Humor wichtiger als die sexuelle Passung und das attraktive Äußere. Mit 70 % liegt den meisten Männern bei der Partnerwahl überraschenderweise der gute Austausch am Herzen. Prof. Dr. Burghard Andresen gibt allerdings zu bedenken, dass frühere Studien zur Partnerwahl diese Persönlichkeitswerte einfach nicht ausreichend beleuchtet hätten – womöglich ist die Entwicklung weniger neu als gedacht.

Der Einfluss von Kultur und Emanzipation

Die zahlreichen Studien zeigen: Archaische Muster wirken nach wie vor – doch auch unsere Kultur prägt und verändert die Partnerwahl. Hierbei spielt auch eine Rolle, wo ein Single lebt und mit welchen Wertevorstellungen er oder sie konfrontiert ist. „Auf dem Land wirken konservative Einflüsse stärker auf Bindungsabsichten und emotionale Beziehungserwartungen“, konstatiert Fischbach. Die urbane Offenheit der Großstadt weicht die alten Rollenbilder zusätzlich auf. 2012 kamen die englischen Forscher der University of York Marcel Zentner und Klaudia Mitura zu dem Schluss, dass die Gleichberechtigung der Geschlechter in einer Gesellschaft eine Schlüsselrolle einnimmt. Je stärker sie ausgeprägt ist, desto weniger stimmen die Vorlieben in der Partnerwahl mit den archaischen Mustern überein.

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