Mingle - Mann flirtet mit Frau

Mingle oder Single? Die neue Form der Beziehung

von: ElitePartner Redaktion , 15. Februar 2018

Mingle – halb Beziehung, halb Single. Was steckt eigentlich hinter dieser Bezeichnung, die jemanden beschreibt, der irgendwie in einer Halbbeziehung steckt, aber eben keine richtige Beziehung führt? Unsere ElitePartner-Expertin und Diplom-Psychologin Lisa Fischbach geht dem Mingle-Status auf den Grund.

Mingle: Die Alternative zur Vater-Mutter-Kind Konstellation

Was ist so spannend an einer Mingle-Beziehung? Ist sie eine selbst gewählte Lebensform oder nur den Umständen der mobilen Gesellschaft geschuldet? Den Mingle als beziehungsunfähigen Großstadtneurotiker abzutun, greift jedenfalls zu kurz. Stellen wir uns vor, dass es Menschen gibt, für die das größte Partnerglück nicht aus der klassischen Vater-Mutter-Kind Konstellation besteht. Die im trauten Heim mit Hund und Garten-Idylle eher Luftnot bekommen, auch wenn diese Liebesformel für die meisten nach wie vor als erstrebenswertes Ideal gilt.

Seit einiger Zeit ist also dieser zaghafte Mingle-Trend auszumachen, der eine nicht weniger befriedigende Alternative anbietet. Und es ist nichts elementar Neues, dass alternative Lebensformen Singles ebenso glücklich machen können wie traditionelle, entsprechen sie nur den Bedürfnissen und Wünschen beider Partner. Schließlich entscheiden allein diese beiden darüber, was für sie Liebe und Partnerschaft bedeutet und ob das am besten mit einer klassischen oder doch einer Mingle-Beziehung zu vereinbaren ist. Wer sich vom gesellschaftlich vorherrschenden Ideal löst, kann freier entscheiden und denken. Dann gibt es bei der individuellen Gestaltung des Miteinanders kein von außen festgelegtes Richtig oder Falsch mehr, sondern der selbst definierte Maßstab als Paar zählt.

Der Mingle: eine neue Spezies oder alter Wein in neuen Schläuchen?

Was ist also neu daran, Mingle zu sein? Ohne Frage: der Begriff. Es handelt sich um Frauen und Männer, die in der Liebe neue Wege gehen. Der Begriff kommt laut dem Hamburger Trendforscher Wippermann von „mixed singles“. Dieser Typ Mensch hat sich für eine Kreuzung aus der Lebensform des Singles und der eines Paares entschieden. Stellt sich die Frage, ob es eine raffinierte Wortkreation ist oder ein ernstzunehmender Trend. Vermutlich beides. Von einer Massenbewegung ist die Partnerschaft mit einem Mingle sicherlich noch weit entfernt. Aber es genießt sicherlich wachsende Beliebtheit.

Mit der weiteren Zunahme der Individualisierung von Lebensentwürfen, also dem Trend zur Selbstverwirklichung und Unabhängigkeitswünschen vor allem in den Jahren zwischen Mitte 20 und Ende 30 als Single und der steigenden Forderung nach beruflicher und privater Flexibilität, trifft diese Halbbeziehung auf die Bedürfnisse nach Freiheit, Experimentieren, aber auch Geborgenheit und Sex auf Abruf ohne verpflichtende Verantwortung. Bei Betrachtung der Ergebnisse unserer ElitePartner-Studie zu den Trennungsgründen wird das erhöhte Bedürfnis nach Freiraum und auch der Grund für das Erstarken dieser Bewegung besonders deutlich: 66 Prozent der Deutschen würden sich von ihrem Partner trennen, wenn er sie einengt.

Ein Mingle ist ein Mensch, der einen Zeitgeist der verbindlichen Unverbindlichkeit feiert und damit steht er nicht alleine da. Denn laut unserer ElitePartner-Studie treffen zwei Drittel der Deutschen bei der Partnersuche zunehmend auf wenig verbindliche Menschen. Bei der Gruppe der Single-Frauen in den Dreißigern fällt das Ergebnis besonders hoch aus: 78 Prozent von ihnen begegnen bei der Partnersuche immer häufiger unverbindlichen Männern, die keine Beziehung wollen. Frauen sind im Übrigen nicht minder unverbindlicher. Doch worin besteht der Reiz der Unverbindlichkeit, der zu solch einer Mischung aus Single und Beziehung führt?

An und für sich ist das Mingle-Leben keine neue Erscheinungsform der Liebe. Neu allerdings ist, dass es nun einen Namen dafür gibt. Für die einen bedeutet der Begriff einfach eine Schublade mehr, für die anderen kann so eine „Namensgebung“ erleichternd und identitätsstiftend wirken, da sie jetzt wissen, dass sie in der Form leben.

Was zeichnet die Mingle-Beziehung aus?

  • Mingles wählen das Beste aus zwei Welten, etwas Paarleben auf Raten, viel Single-Leben nach Bedarf. Eine echte Halbbeziehung eben – von allem etwas.
  • Es sind Paare, die sich keine Versprechen machen, exklusiv und verbindlich zu sein. Wenn, dann nur mit einer Halbwertszeit von ein paar Monaten.
  • Zukunftspläne sind Tabu.

Das Mingle-Leben: Freie Wahl oder Beziehungsangst?

Der feine Unterschied, ob eine solche Lebensform – egal wie sie etikettiert wird – glücklich macht oder nicht, liegt an der persönlichen und vor allem bewussten Entscheidung dafür und ob sie der Bedürfnislage beider Partner entspricht. Wer ein starkes Bedürfnis nach Freiheit und Unabhängigkeit hat, für den ist diese Lebensform erfüllend. Jedenfalls übergangsweise. Für denjenigen, der sich aber nach viel Nähe, Alltag und Gemeinsamkeit sehnt, ist das nichts. In einem solchen Fall, sollte die Mingle-Beziehung lieber beendet werden.

Männer und Frauen, die eigentlich eine feste Beziehung suchen, aber an einen Mingle geraten sind und stillschweigend hoffen, dass er diese freiheitsorientierte Beziehungsform in nicht allzu weiter Ferne aufgibt, können nicht glücklich werden. Nicht von der Hand zu weisen ist die Tatsache, dass sich hinter dem neumodischen Wort und vermeintlich kosmopolitischer Lebensweise in Zukunft die eine oder andere Beziehungsunfähigkeit versteckt. Nichts ist gegen eine Phase einzuwenden, in der es besser ins Lebenskonzept passt, unverbindlich zu leben. Doch wer sich unfreiwillig durchs Leben mingelt, der leidet eher an einer Bindungsstörung.

Wie kann eine Mingle-Beziehung funktionieren?

Wie bei so vielen Aspekten und Bedürfnissen in einer Partnerschaft braucht es für das Mingle-Leben das passende Pendant. Kann man denn überhaupt glücklicher halb Single, halb Beziehung sein? Oder ist es immer besser, eine Mingle-Beziehung zu beenden? Was für den einen der Königsweg ist, mag für den anderen unvorstellbar, für den Dritten nur eine Übergangsphase sein. Essenzielle Voraussetzung:

  • Beide sind sich in ihren Nähe- und Freiheitsbedürfnissen ähnlich und einigen sich zusammen darauf.
  • Seien Sie ehrlich zueinander. Wichtig ist, dass Sie als Mingle dem Übergangspartner reinen Wein über die aktuelle Bedürfnislage einschenken. Wer Klartext redet, ermöglicht dem Partner, sich zu orientieren und zu entscheiden, ob er sich einlassen will oder nicht.
  • Keiner darf sich in den anderen verlieben.
  • Die Mingle-Beziehung zu beenden ist eine Option, die beiden Parteien ohne Drama und großen Erklärungen zusteht.

Fazit: Neben dem Mingle-Trend ist die feste Partnerschaft das Beziehungsideal

Die gute Botschaft zum Schluss: Der Wunsch nach einer festen Partnerschaft und nicht etwa der Halbbeziehung, ist für die meisten nach wie vor das angestrebte Ideal. Das zeigen auch die Zahlen unserer ElitePartner-Studie: 87 Prozent der Deutschen wünschen sich eine feste Beziehung – und das möglichst ein Leben lang. Schließlich weiß man um die positiven Wirkungen einer glücklichen Partnerschaft auf die Gesundheit, das Selbstwertgefühl und die innere Zufriedenheit.

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