Mann und Frau Arm in Arm, als Zeichen für Monogamie

Monogamie: Ist die exklusive Liebe noch zeitgemäß?

von Luisa Münch , 9. Februar 2020

Was ist Monogamie? Die meisten Menschen verstehen darunter eine Beziehung zwischen zwei Menschen, die sich sexuell treu sind. Für die einen ist diese Form der Liebe das persönliche Ideal, für die anderen eine längst überholte Form der Partnerschaft. Wir gehen der Frage nach, was es mit der Kritik an monogamen Beziehungen auf sich hat und ob monogam zu leben noch zeitgemäß ist.

Inhaltsverzeichnis

Unterschiedliches Monogamie-Potenzial

Früher galt die Ehe vor allem als Zweckbündnis zur Sicherung der Fortpflanzung. Amerikanische Forscher vermuten außerdem, dass Männer durch dauerhafte Paarbeziehungen innerhalb einer Gesellschaft gleichgestellt wurden und somit die gesamte Gruppe gestärkt werden konnte. Die Paarbindung als solche beziehungsweise der Wunsch nach dieser ist biologisch in uns Menschen verankert, sexuelle Treue allerdings nicht. Inzwischen hat sich die Monogamie jedoch als so starke kulturelle Norm durchgesetzt, dass viele Menschen sie von sich selbst einfordern – obwohl das Potenzial zu dieser Beziehungsform bei verschiedenen Menschen ganz unterschiedlich ausgeprägt ist. Womit genau das zusammenhängt, konnten Wissenschaftler bis heute noch nicht herausfinden – an der Libido liege es jedoch nicht.

Die Treue als größte Herausforderung

Während hierzulande Monogamie als das klassische Beziehungsmodell betrachtet wird, ist sie in anderen Gesellschaften keineswegs die typische Form. Nur in 16 Prozent aller Kulturen wird sie vorgeschrieben, sexuelle Treue ist damit nicht automatisch gegeben. Und auch unsere ElitePartner-Expertin und Diplom-Psychologin Lisa Fischbach beleuchtet das monogame Konzept kritisch:

„Monogamie kann in vielen Beziehungen mit Sicherheit gelingen. Ein Monogamiemodell für jedermann ist jedoch unwahrscheinlich.“

Das zeigen auch die Zahlen unserer ElitePartner-Studie 2020: So sind 31 Prozent der Männer und 27 Prozent der Frauen in Deutschland schon einmal fremdgegangen1.

Das Gegenteil der Monogamie

Auch wenn die exklusive Liebe als gesellschaftliche Norm in unseren Köpfen verankert ist, prägen sich gegenteilige Beziehungsmodelle immer stärker aus – so etwa offene Beziehungen. Hier wird die Partnerschaft zwischen zwei Menschen nach außen hin geöffnet, sodass beide Partner auch mit anderen intim werden dürfen. Eine enge Bindung zwischen zwei Menschen existiert also auch hier, das Ausleben der Sexualität außerhalb dieser steht allerdings in starkem Kontrast zum Ideal der lebenslangen Treue in monogamen Beziehungen.

In der Wissenschaft werden gegenteilig zur Monogamie drei Begriffe unterschieden:

  1. Polygamie beschreibt nach dem heutigen Sprachgebrauch eine Lebensform, in der offen kommuniziert unterschiedliche (körperliche) Bindungen mit verschiedenen Menschen eingegangen werden, egal welchen Geschlechts. Ursprünglich bedeutete der Begriff jedoch die Vielehe und ist in vielen westlichen Kulturen gesetzeswidrig.
  2. Polyamorie bedeutet, dass Menschen mehrere Liebesbeziehungen zur gleichen Zeit führen – auch wenn nicht jeder Beteiligte mehrere Partner hat, wissen alle Beteiligten über die verschiedenen Beziehungen Bescheid und sind damit einverstanden.
  3. Polygynie ist aus Kulturen bekannt, in denen es Männern erlaubt ist, mit mehreren Frauen verheiratet zu sein.

Monogame Beziehungen – Was dafür und dagegen spricht

Monogamie ist unrealistisch – das würden zahlreiche Wissenschaftler ohne Zögern bestätigen. Da dennoch so viele Menschen an diesem Beziehungsmodell festhalten, lohnt es sich, einen Blick auf die Vor- und Nachteile zu werfen. Welche Argumente sprechen für die exklusive Zweierbeziehung, welche dagegen?

Die Vorteile der monogamen Beziehung

  • Ein hohes Maß an Sicherheit
    Viele Jahre mit einem Partner zusammenleben, gemeinsam schwierige Phasen überstehen – das schweißt zusammen, stärkt das Gefühl von Sicherheit und gibt uns Halt. Etwas, wonach sich viele Menschen auch heutzutage in einer Partnerschaft sehnen.
  • Der Wunsch nach Treue
    Biologisch verankert oder nicht: Laut einer Statista-Studie wünschen sich über 70 Prozent der 20- bis 35-Jährigen Treue in ihrer Partnerschaft2. Aus dieser kann ein tiefes Vertrauen wachsen, dass die Bindung zusätzlich stärkt.
  • Stärkung der psychischen Gesundheit
    Umfragen zur Lebenszufriedenheit zeigen, dass Liebe und Partnerschaft für viele Menschen zentrale Faktoren für das Wohlbefinden sind. Langfristige Partnerschaften stellen somit eine der wichtigsten Quellen für Lebensfreude und psychische Stabilität dar.

Die Nachteile der exklusiven Partnerschaft

  • Biologischer Hang zum Seitensprung
    Forscher sind sich einig, dass Monogamie nicht in unseren Genen liegt. Das Bedürfnis zur Untreue muss in monogamen Beziehungen unterdrückt werden. Zumindest im Kopf oder der Fantasiewelt, so Sexualmediziner Alfred Pauls, ist es Menschen nicht möglich, ein Leben lang nur einen einzigen Menschen attraktiv zu finden.
  • Beziehungsglück unter Anstrengungen
    Neben der Unterdrückung der sexuellen Lust auf andere Menschen gibt es weitere Aspekte, die exklusive Beziehungen mitunter sehr anstrengend machen: Eifersucht, Misstrauen oder ein schlichtes Auseinanderentwickeln beider Partner erfordern intensive Beziehungsarbeit.
  • Kein Raum für Selbstverwirklichung
    Menschen entwickeln sich weiter, Bedürfnisse und Ansprüche ändern sich. Wer monogam lebt, kann diese Veränderungen jedoch häufig nicht einfach ausleben, denn eine uneingeschränkte Freiheit zur Selbstverwirklichung besteht nicht.

8 Tipps, damit Monogamie gelingt

Auch wenn es nicht genetisch in uns verankert ist, gibt es einige Gründe, die dafürsprechen monogam zu leben. Nicht zuletzt, dass sich so viele Menschen danach sehnen, die große Liebe zu finden und mit dieser ein gemeinsames Leben zu führen. Wir haben die acht wichtigsten Tipps für Sie gesammelt, mit denen eine erfolgreiche Zweierbeziehung auch in der heutigen Zeit gelingt:

  1. Beiderseitig Freiräume gewähren
    Ein einziger Mensch kann nicht all unsere Bedürfnisse erfüllen, daher sind Freiräume auch in einer Beziehung wichtig. Gönnen Sie Ihrem Partner diese also regelmäßig und nehmen Sie sich selbst ebenfalls Zeit mit guten Freunden, der Familie oder für ein Hobby. So sorgen Sie beide als eigenständige Menschen für Ihr persönliches Wohlgefühl.
  2. Gemeinsame Freizeitaktivitäten finden
    Ein gemeinsamer Alltag gehört in vielen monogamen Beziehungen dazu, sollte aber immer wieder aufgelockert werden. Finden Sie Aktivitäten, die Ihnen beiden Spaß bereiten und mit denen Sie immer wieder aus Ihrem Beziehungsalltag aussteigen können – zum Beispiel eine gemeinsame Sportart oder eine ehrenamtliche Tätigkeit.
  3. Vertrauen als Beziehungsbasis
    Wer Treue als Grundstein seiner Beziehung formuliert, braucht viel Vertrauen. Mangelt es an diesem, wird Ihre Beziehung von Unsicherheit, Eifersucht und Misstrauen beherrscht, was nach und nach immer mehr Probleme hervorrufen wird.
  4. Gegenseitige Akzeptanz
    Wir Menschen haben Eigenheiten, die uns liebenswert machen – die manchmal aber auch ganz schön stören können. Dass Sie sich gegenseitig so akzeptieren, wie Sie sind, ist ein entscheidender Faktor für eine erfüllende exklusive Paarbeziehung.
  5. Ein befriedigendes Sexleben
    Gerade zu Beginn einer Partnerschaft sind wir sexuell gern offen und probieren viel Neues. Haben wir einmal gefunden, was uns gefällt, schläft diese Experimentierfreude mit der Zeit ein. Beleben Sie Ihre Beziehung also in körperlicher Hinsicht immer wieder neu, nehmen Sie sich bewusst Zeit für Intimität und sprechen Sie offen darüber, wenn Sie sexuelle Wünsche haben. So können Sie sicherstellen, dass Sie beide sexuell befriedigt werden.
  6. Wertschätzende Kommunikation – auch in Konflikten
    Wer zusammenlebt, der streitet. Und das ist nicht immer einfach. Eine offene und wertschätzende Kommunikation ist also notwendig, um auch in Konflikten fair miteinander umzugehen. Aber auch in Alltagssituationen sollten Sie viel auf den Austausch untereinander achten. Sprechen Sie darüber, was Sie bewegt und beschäftigt, um die emotionale Nähe zwischen Ihnen immer wieder zu stärken.
  7. Absolute Ehrlichkeit
    Ihnen fehlt etwas in Ihrer Beziehung? Sie haben Sorgen oder wünschen sich etwas von Ihrem Partner? Kommunizieren Sie das ganz offen und ehrlich, denn nur so können Sie gemeinsam dafür sorgen, die fehlenden Bausteine in Ihre Beziehung zu integrieren.
  8. Die Bereitschaft, an der Partnerschaft zu arbeiten
    Eine monogame Beziehung bedeutet Arbeit, diese zahlt sich jedoch aus, wenn Sie beide gleichermaßen dahinterstehen. Seien Sie also bereit dazu, sich immer wieder neu auf Ihren Partner einzulassen und Probleme gemeinsam anzugehen. Dann kann Ihre Bindung auf Dauer für Sie beide erfüllend sein.

Fazit: Die Monogamie hat noch lange nicht ausgedient

In der Wissenschaft wird die Monogamie sehr kritisch betrachtet, denn statt genetisch in unseren Wurzeln zu liegen, hat sie sich vielmehr kulturell entwickelt. Nichtsdestotrotz sehen viele Menschen Treue als einen der wichtigsten Bestandteile einer Partnerschaft und wünschen sich, mit ihrer wahren Liebe dauerhaft eine exklusive Zweierbeziehung zu führen. Unser biologischer Hang zur Untreue oder die Einschränkung der eigenen Bedürfnisse spricht für viele Menschen dagegen – insbesondere für diejenigen, die unter Bindungsangst leiden oder sich selbst als beziehungsunfähig wahrnehmen. Dem hingegen zeigt die Forschung, dass langfristige Partnerschaften zu unserem Wohlbefinden beitragen und damit unsere psychische Gesundheit fördern. Letztendlich ist die Wahl des passenden Beziehungsmodells also so individuell wie wir Menschen selbst. Wer sich dazu entscheidet, monogam zu leben, der sollte unter anderem darauf achten

  • wertschätzend und ehrlich zu kommunizieren
  • sich und dem Partner genügend Freiräume zu gewähren und
  • eine große Bereitschaft für die Beziehungsarbeit mitzubringen.

So wird es Ihnen gelingen, eine erfüllende Beziehung mit einem Menschen zu führen, der sich diese ebenso sehr wünscht wie Sie selbst