Emanzipation beim Dating

Dating heute: so emanzipiert verläuft die Partnersuche wirklich

von: Saskia Balke

Wer macht (im Netz) den ersten Schritt – er oder sie? Wer ergreift beim Flirten die Initiative? Und wer zahlt den Kaffee? Die Ergebnisse unserer ElitePartner-Studie zeigen: Feste Regeln sind passé und Frauen gehen mittlerweile verstärkt auf Männer zu. Letztere lehnen sich wiederum in der Lebensmitte in puncto Initiative beim Online-Dating gern zurück. Wir haben Licht ins Dunkel der Dating-Welt gebracht und klären über die Emanzipation bei der Partnersuche auf.

Früher war die Partnersuche ein Kinderspiel. Dem Tanztee folgte ein gemeinsames Gespräch und wenn alles passte, lud der Gentleman seine Herzdame ganz selbstverständlich noch auf ein Getränk ein und brachte sie bis vor die Haustür. Heute setzen verschwommene Rollenbilder die traditionellen Balzrituale außer Kraft. Die Folge: mitunter treffen Alpha-Softies auf Karrierefrauen – Unsicherheiten und Missverständnisse bei beiden Geschlechtern sind quasi vorprogrammiert.

Ansprechen und Anschreiben: Online nicht mehr nur Männersache

Der gesellschaftliche Konsens schreibt Männern noch immer die Initiative beim Kennenlernen zu. Doch nicht jedem Mann kommt beim Ansprechen ein lockerer Spruch über die Lippen. Schüchterne Männer haben das Nachsehen – ihre eigene Zurückhaltung geben 40 Prozent der Solo-Herren als Hauptursache für ihre Partnerlosigkeit an.

Für schüchterne Männer bietet daher die Internet-Partnersuche eine große Chance: Hier wagen auch Frauen, die Initiative zu ergreifen – die Emanzipation ist virtuell weiter fortgeschritten als im realen Date-Leben. Insbesondere Single-Frauen mit akademischen Hintergrund scheuen sich nicht, bei der Online-Partnersuche den ersten Schritt zu machen: Laut ElitePartner-Studie 2017 schreiben 39 Prozent der Akademikerinnen interessante Männer an und warten nicht, bis sie angesprochen werden. Bei den Frauen ohne Hochschulabschluss herrschen allerdings noch immer große Zurückhaltung und klassische Rollenmuster: Nicht einmal jede Dritte von ihnen würde im Netz auf Männer zugehen.

Ab der Lebensmitte wandelt sich das klassische Rollenverhalten im Netz

Doch auch das Alter nimmt großen Einfluss auf den Grad der Initiative und der Emanzipation bei der Online-Partnersuche. Besonders großes Engagement bei der Anbahnung eines Kontakts zeigen etwa die Single-Frauen in den Dreißigern: Während 77 Prozent der unter 30-jährigen Single-Frauen darauf warten, von Männern angeschrieben zu werden, ergreifen die 30-39-Jährigen vermehrt selbst die Initiative und gehen aktiv auf Männer zu.

Männer hingegen verhalten sich bei der Online-Partnersuche in der Lebensmitte immer passiver: Anstatt wie in jungen Jahren Frauen anzuschreiben, lehnen sich die Herren der Schöpfung ab Mitte vierzig verstärkt zurück und warten darauf, dass Frauen den ersten Schritt machen. Fast zwei Drittel der Männer zwischen 40 und 49 Jahren warten darauf, im Netz angeschrieben zu werden. Lisa Fischbach, Diplom-Psychologin bei ElitePartner, erklärt dieses Phänomen folgendermaßen:

„Hier zeigen sich auflösende Rollenstereotype und das Wissen um den persönlichen ‚Marktwert‘. In Zeiten, in denen die Ressource ‚beruflich etablierter und gebildeter Mann‘ rarer wird, suchen immer mehr Frauen nach genau diesem Männertypen, während Männer es sich leisten können, sich in der Lebensmitte zunehmend zurückzulehnen. Sie genießen es, nicht durch aktives Kontaktverhalten ins Korbrisiko gehen zu müssen, was jahrzehntelang qua ihres Geschlechts unabdingbar einseitig von ihnen erwartet wurde.“

 Weibliche Initiative finden einige Männer sexy – andere nicht

Männer mögen Frauen, die lieber dem Mann das Zepter überlassen? Weit gefehlt! Denn die Emanzipation beim Dating beurteilen die meisten Männer äußerst positiv: Immer mehr wünschen sich, aus ihrer aktiven Rolle abgelöst zu werden und empfinden die Erfahrung, von einer Frau angesprochen oder angeschrieben zu werden, als angenehm. Im ElitePartner-Forum beschreibt ein Teilnehmer: „Ich finde es als Mann sehr entspannend, wenn mal eine Frau den ersten Schritt macht. […] Für mich zeigt eine Frau damit Selbstbewusstsein als auch die Fähigkeit, ihre eigenen Geschicke selbst in die Hand nehmen zu können.“ Und genau das ist gefragt – denn laut ElitePartner-Studie 2017 wünschen sich ganze 78 Prozent der Männer in Deutschland eine selbstbewusste Partnerin an ihrer Seite. Übrigens: Diese Eigenschaft schätzen die Herren der Schöpfung sogar noch mehr als die Attraktivität ihrer besseren Hälfte. Eigeninitiative ist also nicht nur sexy, sondern sogar erwünscht, wie ein Kommentar eines Single-Manns im ElitePartner-Forum beweist: „Dieser erste Schritt wird meiner Meinung nach total überwertet. Nicht mehr nachdenken: Tun Sie es!“ Liebe Damen, befreien Sie sich also von der Vorstellung, strikte Zurückhaltung sei das Nonplusultra. Nutzen Sie die Möglichkeit, sich immer wieder zwischen Initiative und Abwarten entscheiden zu können. Ein großer Teil des starken Geschlechts kann es genießen, wenn er nicht immer den ersten Schritt wagen muss und überlässt gern einmal die Führung. Lisa Fischbach ergänzt: „Das gilt sicherlich nicht für alle Männer, vielmehr für diejenigen, die sich von alten Mustern lösen können, sich im Geschlechterverständnis emanzipiert haben und frei von Rollenklischees sind. Der Jäger-Typ braucht immer noch zwingend das Eroberungserleben.“ Weiter rät Fischbach:

„Für Frauen gebe ich in diesem Dating-Dschungel zu bedenken: Zu viel Initiative, vor allem im weiteren Verlauf des Kennenlernens, kann zu viel des Guten sein. Denn bekanntlich liegt in der Dosis das Gift. Es ist ratsam, als Frau immer wieder den Fuß vom Gas zu nehmen und Männer machen zu lassen.“

Einladen oder getrennt zahlen?

Ist der Kontakt erfolgreich hergestellt, wartet schon die nächste Herausforderung: Wer zahlt beim ersten Date den Kaffee? Hier scheiden sich die Geister. Laut ElitePartner-Studie 2012 erwarten 40 Prozent der Frauen, dass er sie einlädt – wiederum der gleiche Anteil hat diese Erwartungshaltung überhaupt nicht. Für Männer sicher ziemlich unklare Erwartungen: Welchen Typ Frau hat er gerade vor sich sitzen? Dabei sprechen viele Männer bei Interesse gerne eine Einladung aus, um ein positives Signal zu setzen. „Beim ersten Date sollte ganz klar der Mann zahlen, Punkt!“, meint eine Nutzerin des ElitePartner-Forums. Doch nicht jede Frau zeigt sich offen für diese Geste. „Mir (w, 29) ist es lieber, beim ersten Treffen mit jemandem selbst zu bezahlen. Wenn man sich besser kennt und häufiger ausgeht, gerne abwechselnd“, wirft eine andere ein. Ein männlicher Forum-Teilnehmer äußert: „Eigentlich bin ich als Mann gewohnt, dass ich zahle. Auch wenn es für das Budget im Moment nicht optimal ist.“ Die Einstellung zur geteilten, beziehungsweise getrennten Rechnung ist also so verschieden wie die Menschen, die aufeinander treffen.

Alte Rollen oder auf Augenhöhe: „Frauen sehen das unterschiedlich“

„Das weibliche Flirt-Verhalten ist schwer zu deuten“, bescheinigt Diplom-Psychologin Lisa Fischbach. „Die Frauenwelt scheint heute tatsächlich uneins hinsichtlich ihrer Bedürfnisse zu sein. Zum einen bevorzugen viele die traditionelle weibliche Rolle und genießen es, wenn Männer als Gentlemen auftreten. In anderen Flirt-Bereichen dagegen agieren Frauen mit neuem Selbstbewusstsein, emanzipiert und unabhängig – übernehmen zum Beispiel beim Date die Rechnung.“ Laut Fischbach sei das Dilemma, dass die Flirt-Landschaft sehr zwiespältig und unübersichtlich geworden ist:

„Es gibt nicht länger eine für alle gültige Dating-Kultur, die den Geschlechtern Klarheit bieten könnte. Vielmehr existieren moderne Verhaltensweisen neben konservativen oder gar Mischformen. Daraus resultieren beim Flirten und Dating nicht selten Missverständnisse. Ob die Verständigung zwischen Mann und Frau beim Kennenlernen funktioniert, hängt davon ab, welche Kulturen aufeinandertreffen und wie gut sie sich darauf einstellen können.“

Handeln Sie daher beim Date am besten nach Ihrem Bauchgefühl. Im Endeffekt ist das Bezahlen oder „Eingeladen-Werden“ nicht der ausschlaggebende Faktor dafür, ob man sich wiedersieht oder nicht.

Fazit: Es gibt keine Regeln mehr, setzen Sie auf Ihre Intuition

Ob es darum geht, bei der Online-Partnersuche den ersten Schritt zu wagen, Selbstbewusstsein beim Daten zu signalisieren oder das Portemonnaie zu zücken: Es gibt keine klaren Regeln, was richtig oder falsch ist. Doch die positive Seite der Medaille und die befreiende Botschaft daraus: Es gibt auch weniger starre Regeln und Korsette. Lassen Sie sich also im Umgang mit Ihrem Gegenüber nicht von gesellschaftlichen Normen und Rollenerwartungen leiten, sondern vertrauen Sie in erster Linie Ihrem Bauchgefühl. Verbannen Sie traditionelle, längst überholte Rollenmuster dabei langsam aber sicher aus Ihrem Kopf und genießen Sie stattdessen die Zweisamkeit mit Ihrem Date.

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2 Kommentare

Laura81

1. Oktober 2013, 09:10 Uhr

Wir leben ja nicht mehr im Mittelalter. Die Frau sollte ihre Getränke selbst zahlen und nicht mehr erwarten, dass das Männersache ist.

Taxus

22. November 2013, 10:55 Uhr

Dass der Mann bezahlt dürfte überholt sein.
Ursprung dieser Geste war der Unterschied im Einkommen (und Auskommen). Auch wurde eine gewisse Unterwürfigkeit erwartet.
Ich würde als Mann trotzdem gern zahen wollen, ohne auf die vorigen Worte zu bauen. Ich würde den Glanz in ihren Augen gern sehen. Gut, in einem normalen Lokal dürfte der Glanz etwas flach ausfallen un in einer SuperNobelKlause dürften meine Augen eher glänzen wegen der austretenden Tränenflüssigkeit. Und wenn das Date auch noch ein Reinfall war, …

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