Trennung trotz Liebe

Trennung trotz Liebe: Warum es manchmal besser ist, eine Beziehung zu beenden

von: Maren Jannen

Trotz tiefer Gefühle kann eine Beziehung zerbrechen. Gründe dafür gibt es viele. Warum eine Trennung trotz Liebe manchmal die bessere Entscheidung ist.

Am Anfang der Beziehung schweben wir durchs Leben, der neue Partner erscheint makellos und die Fehler, die wir entdecken, finden wir charmant und amüsant. Doch irgendwann ändert sich das. Die Baustellen lassen sich nicht mehr ignorieren, und obwohl das Herz „Ja“ sagt zu unserem Partner, sagt der Kopf immer lauter „Nein“. Die Beziehung wird zu einer Belastungsprobe und tut uns nicht mehr gut. Denn manchmal gibt es gute Gründe für eine Trennung trotz Liebe. Lesen Sie hier, warum eine Trennung, obwohl man sich liebt, manchmal die bessere Entscheidung ist und was unsere Diplom-Psychologin Lisa Fischbach rät.

Trennung trotz Gefühle füreinander – 5 Gründe

Die Liebe ist natürlich die wichtigste Basis für eine gute Beziehung. Doch manchmal reicht sie allein nicht aus, um ein gemeinsames Leben zu führen. Nicht wenige Paare stoßen nach einer Berg- und Talfahrt in der Partnerschaft irgendwann an einen Punkt, an dem sie alles infrage stellen und sich für eine Trennung trotz Liebe entscheiden. Gründe dafür können sein:

  1. Die Fernbeziehung: Eine räumliche Distanz kann eine Beziehung enorm belasten. Denn Zeit zu Zweit und vor allem auch ein gemeinsamer Alltag sind wichtig, um eine Weiterentwicklung in der Partnerschaft zu ermö Besteht auch in der Zukunft nicht die Perspektive auf einen näher gelegenen Wohnort, bleibt für einige Paare nur die Trennung, obwohl man sich liebt.
  2. Der einseitige Kinderwunsch: Für einige ist sie die größte Erfüllung, andere schrecken schon beim bloßen Gedanken zurück: die Familienplanung. Unterschiedliche Vorstellungen davon, wann und ob überhaupt Kinder ins Spiel kommen, können zu einer Trennung trotz Liebe führen.
  3. Der untreue Partner: Vertrauen ist das wichtigste Fundament in einer Partnerschaft. Wenn der eine Partner fremdgegangen ist, wird in den meisten Fällen etwas irreparabel zerstört. Wenn die hintergangene Person sich in einer glücklichen Beziehung wähnte und dann erfährt, dass der Partner untreu war, ist eine Trennung aus Vernunft oft unausweichlich.
  4. Der mangelnde Respekt: Eine Beziehung soll tragen und stärken, Sicherheit geben und glücklich machen. Je länger und intensiver man zusammen ist, desto größer ist auch der Einfluss, den die Partner aufeinander haben. Fühlt sich jemand jedoch dauerhaft respektlos behandelt und nicht wertgeschätzt und akzeptiert, macht das unglücklich. Da hilft auch die Liebe nicht weiter – und eine Trennung trotz Gefühle füreinander ist die Konsequenz.
  5. Die fehlende Verbindlichkeit: Sie haben eine Affäre mit der Liebe Ihres Lebens, doch die Sache hat einen Haken: Ihr Partner ist verheiratet und zieht eine Trennung seinerseits nicht in Erwägung. Irgendwann erlischt die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft und es bleibt nur die Trennung trotz Liebe.

Wie Sie mit einer Trennung trotz Liebe umgehen: Das rät Lisa Fischbach

Diplom-Psychologin Lisa Fischbach ist seit vielen Jahren sowohl bei ElitePartner als auch in ihrer eigenen Praxis als Single- und Paarberaterin tätig, coacht bei persönlichen Veränderungsprozessen und hilft bei Liebeskummer. In unserem Kurzinterview gibt sie Tipps, wann eine Trennung aus Vernunft sinnvoll ist und wie man mit der Situation und dem Liebeskummer umgeht.

Frau Fischbach, wieso ist eine Trennung, obwohl man sich noch liebt, manchmal die bessere Entscheidung?

Lisa Fischbach: Die Bandbreite reicht von emotionalen über materielle Gründen bis hin zu trennenden Lebensumständen. So kann eine Borderline-Persönlichkeitsstörung eine Beziehung durch Dramatik oder Nähe-Distanz-Zerreißproben aushöhlen. Auch wiederholte Alkoholexzesse können den Glauben an nachhaltige Veränderung versiegen lassen. Aber auch ein unvereinbarer Kinderwunsch kann zur Trennung trotz Liebe führen, obwohl noch viel Anziehung da ist. Entscheidet sich ein Partner für eine Karriere im Ausland, der andere ist jedoch vor Ort gebunden, ist das nicht für jeden aushaltbar. Wird kein für beide zufrieden stellender Kompromiss gefunden, kann es auch zu einer Trennung aus Vernunft kommen.

Woran erkennt man, dass einem die Partnerschaft nicht mehr gut tut? Wann erscheint eine Trennung trotz Liebe sinnvoll?

Fischbach: Die meisten haben eigentlich ein gutes Gespür dafür, inwieweit die Beziehung mehr erfüllt als nimmt. Doch viele verdrängen diese Gefühle oder reden sich die Anzeichen schön. Ein ehrlicher Blick ins Innenleben würde oft die Unausweichlichkeit der Trennung aus Vernunft bedeuten. Doch herrschen noch Liebesgefühle, ist dieser folgenreiche Schritt sehr schmerzlich. Eindeutig sind psychosomatische Anzeichen wie Schlafstörungen, Appetitveränderungen, diffuses körperliches Unwohlsein, Magenschmerzen oder Haarausfall.

Wer in einem ruhigen Moment ehrliche Innenschau betreibt und sich selber über die letzten Monate reflektiert und erkennt, wie der persönliche Energiehaushalt immer mehr gegen Null läuft und die Erschöpfung zunimmt, der sollte die Notbremse ziehen und handeln – vor allem, wenn schon viele Anläufe zur Verbesserung der Situation angestrebt wurden. Eventuell ist eine Trennung trotz Liebe die bessere Entscheidung.

Eine Beziehung sollte auf Dauer kein Kampf sein oder ein großes Ungleichgewicht im Geben und Nehmen darstellen.

Das soll nicht heißen, in schweren Phasen nicht fest an der Seite eines Partners zu stehen und eine Zeit lang mehr Kraft, emotionale oder materielle Ressourcen zu investieren. Doch dabei sollte nicht aus dem Auge verloren gehen, wie es um die eigenen Reserven steht und Belastungsgrenzen wahrgenommen werden.

Was raten Sie jemandem, der unsicher ist, ob eine Trennung trotz Gefühlen füreinander besser für ihn ist?

Fischbach: Hier gibt es keine pauschale Empfehlung. Die Bereitschaft, Energie und persönliche Ressourcen in eine Beziehung einzubringen, Schmerzen und Leid auszuhalten, ist individuell ganz verschieden. Jeder ist anders bereit, in eine Partnerschaft zu investieren. Ich helfe dabei, wahrzunehmen, wo die eigenen Grenzen sind, inwieweit man diese ignoriert, bereit ist, sie zu überschreiten oder wann der Punkt kommt, sich selber zu schützen und eine Trennung trotz Liebe in Betracht gezogen werden sollte. Oft geht die Selbstwahrnehmung in einem schleichenden Prozess verloren. Ich unterstütze dabei, eine gesunde Selbstfürsorge zu entwickeln.

Wie geht man am besten mit der Trennungssituation und dem Liebeskummer nach dem Beziehungsende um?

Fischbach: Wer sich für eine Trennung trotz Liebe entscheidet, ist meist bereiter, das Ende einer Beziehung wertschätzend, fair und offen zu führen. Für das Trennungsgespräch gilt, die Beweggründe verständlich zu formulieren, eine klare Haltung zu zeigen und auch das Ende eindeutig auszusprechen. Wichtig ist, sich innerlich darauf vorzubereiten, dass der Partner möglicherweise kämpfen und alle möglichen Versprechungen präsentieren wird. Hier gilt es, seinen Entschluss als Ergebnis einer langen Zeit des Überlegens und Leidens klarzustellen.

Der Liebeskummer verläuft ähnlich im Prozess, nur mit einem Vorteil: Für einen selbst kommt die Trennung nicht überraschend, man fühlt sich nicht ausgeliefert und hat daher mehr Kontrolle über die eigenen Gefühle. Aber Schmerz und Trauer werden ebenfalls Raum und Zeit zur Heilung benötigen.

Fazit: Eine Trennung trotz Liebe ist schmerzhaft, aber manchmal auch erlösend

Sich für eine Trennung zu entscheiden, obwohl man sich liebt, erfordert viel Mut und Kraft. Gründe dafür gibt es viele, wie zum Beispiel eine Fernbeziehung, ein einseitiger Kinderwunsch oder ein respektloser Umgang mit dem Partner. Vor allem psychosomatische Anzeichen wie Schlafstörungen, Magenschmerzen oder Haarausfall signalisieren, dass es Zeit ist, die Notbremse zu ziehen. Denn eine Beziehung soll glücklich machen und stärken, statt den persönlichen Energiehaushalt gen Null zu fahren. Doch auch eine Trennung trotz Liebe verläuft nicht ohne Schmerz. Aber wenn Sie am Ende einen neuen Partner finden, der besser zu Ihnen passt und Ihre individuellen Bedürfnisse erfüllen kann, hat sich die Mühe doch gelohnt.

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2 Kommentare

Micha

23. Februar 2010, 14:00 Uhr

Thomas Mann Sagte einmal:
Das Glück besteht nicht darin, geliebt zu werden.
Das Glück ist: zu lieben.

Es ist schon schwer sich von seinem Glück zu trennen, aber manchmal sind die Belastungen größer als das Glück.

Alexandra

27. April 2010, 17:00 Uhr

Vor fast 10 Jahren haben der Vater meines Kindes und ich uns getrennt…aus Liebe. Die Situation war so verworren, dass wir beide zusammen nicht glücklich geworden wären, trotz unser Liebe. Diese Liebe existiert heute noch, aber hat sich verändert, in Respekt und Freundschaft.
Lange Jahre war ich allein und nun passierte es mir wieder. Er hat Angst vor einer neuen Bindung und dies führte immer wieder zu Konflikten, da wir auch noch eine Fernbeziehung geführt haben. Wenn wir uns sehen, liegt soviel Liebe in der Luft, dass wir kaum ein Wort heraus bekommen, aber sobald die Distanz dazwischen liegt, scheint alles vergessen. Ich finde, sich von einem Menschen zu trennen, wenn beide sich noch lieben, ist absolut schwierig, da das Herz dem Verstand mit dem Wissen um die gegenseitigen Gefühle immer wieder den Kontakt suchen läßt und das macht es nicht einfacher. Es ist einfacher eine Beziehung zu beenden, wenn der andere nichts oder nicht genug fühlt. Damit kann der Verstand und das Herz schneller eine Übereinstimmung finden.
Im übrigen gibt es kaum zwei gleiche Persönlichkeiten, daher ist jede Freundschaft und Liebe gleichwohl auch von Kompromissen begleitet.