Frau steht in der Bahn und hat Schuldgefühle nach der Trennung

Schuldgefühle nach einer Trennung: Wie Sie damit umgehen

von: Maren Jannen , 8. Juni 2018

Wut, Trauer, Enttäuschung, ein schlechtes Gewissen: Für das Beenden einer Beziehung gibt es kein Drehbuch. Doch woher kommen Schuldgefühle nach einer Trennung und wie werden Sie sie wieder los?

Inhaltsverzeichnis:

Schuldgefühle kommen häufig vor und können hartnäckig und belastend sein. Was hätte ich anders machen können?, Wie konntest du mir das antun?oder Was ist aus uns geworden?– diese Fragen beschäftigen viele Menschen nach dem Scheitern einer Partnerschaft. Wir machen uns Vorwürfe, hinterfragen unsere Entscheidungen und unser Verhalten und suchen nicht selten die Gründe dafür, dass die Beziehung am Ende ist bei uns. Immer wieder durchleben wir bestimmte Szenen in unseren Gedanken und erörtern, was schiefgelaufen ist. Lesen Sie hier, warum Sie ein schlechtes Gewissen gegenüber Ihrem Ex-Partner empfinden und wie Sie die Schuldgefühle nach einer Trennung überwinden können.

Woher kommen Schuldgefühle nach einer Trennung?

In einer Beziehung tragen fast immer beide Partner gleich viel Verantwortung für ihr Gelingen oder Scheitern. Eine Bilderbuchtrennung ohne Schmerz gibt es in den seltensten Fällen. Doch wer die ganze Schuld für das Trennungsdesaster bei sich sucht, neigt zu Irrationalität. Unser Blickwinkel ist eingeschränkt und stellt nur eine Person ins Rampenlicht der Schuld. Denn Vorwürfe nach einer Trennung entstehen durch ein schlechtes Gewissen, Unsicherheiten und aus dem Gefühl heraus, dass man sich falsch verhalten hat.

Gründe dafür gibt es viele: Der Klassiker ist der Seitensprung. Er bringt Leid, ist konkret, greifbar und lässt wenig Spielraum für Interpretationen oder Ausreden. Er stellt für viele das Höchstmaß an Verrat dar und kann im Nu alles zerstören, was sich ein Paar aufgebaut hat. Oft ist es für denjenigen, der fremdgegangen ist, schwer, die Schuldgefühle nach der Trennung loszuwerden. Vor allem, wenn sich daraus eine neue erfüllende Liebe entwickelt – schließlich ist man selbst nun glücklich, während der andere leidet.

Doch auch verbale Entgleisungen lassen viele Menschen nachts nicht schlafen und sorgen für starke Schuldgefühle nach einer Trennung. Vor allem in Konflikthochphasen kommt es oft zu Kommunikationsproblemen auf beiden Seiten. Eine Trennung ist ein Ausnahmezustand. Klar, dass man in solchen Momenten nicht ganz rational handelt. Aus Wut und Enttäuschung sagen wir daher Dinge, die wir später bereuen. Ging es uns zunächst darum, den (Ex-)Partner maximal zu verletzen, bedauern wir die kleinen Giftpfeile, die wir abgeschossen haben, im Nachhinein. Dazu zählt auch das Ziehen der Mitleidskarte: Indem derjenige, der verlassen wurde, klammert, die Trennung nicht wahrhaben will und betont, wie schlecht es ihm geht, setzt er seinen ehemaligen Partner unter Druck und überträgt ihm die Verantwortung für die eigene Misere. Unfaire Äußerungen und „emotionale Erpressung“ sind daher oft der Grund für ein schlechtes Gewissen nach der Trennung.

Lügen, Misstrauen und Desillusionierung können uns ebenfalls mit Schuldgefühlen nach einer Trennung plagen. Je intensiver eine Partnerschaft ist, desto langfristiger und größer sind auch Pläne, die wir miteinander schmieden. Sei es eine gemeinsame Wohnung, ein Umzug in eine andere Stadt oder gar ein Eheversprechen – platzt der Beziehungstraum, müssen zwangsläufig beide Seiten ihr Leben neu sortieren. Da wir uns verantwortlich für den anderen fühlen, führen derartige Veränderungen schnell zu einem schlechten Gewissen nach einer Trennung.

Und auch Kinder sind häufig ein Grund dafür, dass sich Trennende mit Selbstvorwürfen plagen. Schließlich wünscht man sich ein stabiles Umfeld für Nachwuchs und vergisst darüber schnell die eigenen Bedürfnisse.

So werden Sie das Schuldgefühl nach einer Trennung los

Eine gescheiterte Beziehung zu verarbeiten, ist schmerzhaft und erfordert Zeit. Doch egal, ob jemand verlassen wurde oder selbst Schluss gemacht hat: Niemand ist allein Schuld an dem Scheitern einer Beziehung. Dies zu erkennen, ist der erste Schritt, um Schuldgefühle nach einer Trennung zu überwinden. Und auch diese Punkte können Ihnen helfen, die negativen Gefühle zu bekämpfen:

  • Trennungsgründe bewusst machen: Eine Beziehung scheitert nie ohne Trennungsgrund. Sei es, dass einer der Partner fremdgegangen ist, unehrlich war, geklammert hat oder sich einfach beide auseinander gelebt haben. Für wenigstens einen der Beteiligten war die Beziehung nicht mehr erfüllend genug. Ob Sie nun verlassen wurden oder selbst die Partnerschaft beendet haben: Machen Sie sich bewusst, dass es nicht reicht, wenn nur einer von beiden glücklich war in der Beziehung.
  • konkrete Szenen aufarbeiten: Überlegen Sie, welche Situationen besonders an Ihrem Gewissen nagen und zu Schuldgefühlen nach der Trennung führen. Gehen Sie sie im Kopf noch einmal Schritt für Schritt durch. Überlegen Sie, was an Ihrem Verhalten Sie belastet und gestehen Sie sich die Fehler ein. Reflektieren Sie aber genauso kritisch das Verhalten Ihres Ex-Partners – mit etwas zeitlichem Abstand erkennen Sie vielleicht, dass auch er/sie sich nicht immer korrekt verhalten hat. Übernehmen Sie Ihren Anteil am Scheitern und lassen Sie seinen/ihren bei ihm/ihr.
  • sich entschuldigen: Auch wenn die Trennung am Ende die richtige Entscheidung war, bereuen Sie vielleicht die Art und Weise, wie Sie mit Ihrem Partner umgegangen sind. Suchen Sie noch einmal ein klärendes Gespräch, entschuldigen Sie sich für eventuell verletzende Äußerungen und erklären Sie Ihre Beweggründe mit neutralen Worten. Dies können Sie persönlich, aber auch in schriftlicher Form machen, falls Sie keinen Kontakt mit Ihrem Ex-Partner möchten. Sie können Ihre Schuldgefühle nach einer Trennung erst durch eine aufrichtige Entschuldigung verbannen.
  • sich selbst verzeihen: Um inneren Frieden schließen und die Schuldgefühle nach der Trennung überwinden zu können, müssen Sie sich selbst vergeben. Akzeptieren Sie, dass Sie in den betroffenen Situationen so gehandelt haben, wie Sie es zum damaligen Zeitpunkt für richtig hielten – auch wenn Sie heute vielleicht anders darüber denken. Nur so können Sie aus Ihren Erfahrungen lernen und es beim nächsten Mal anders machen.
  • die eigenen Bedürfnisse anerkennen: Jeder hat das Recht, in einer Beziehung glücklich zu sein. Folglich hat auch jeder das Recht sich zu trennen, wenn diese nicht mehr erfüllend ist. Sie sind für Ihr eigenes Glück verantwortlich, nicht für das Ihres (Ex-)Partners. Schuldgefühle nach einer Trennung sind in diesem Fall also nicht angebracht.
  • neue Familienstrukturen akzeptieren: Natürlich wünscht sich jeder, der mit seinem Partner Kinder bekommt, dass dieses Familiengefüge für immer bestehen bleibt. Doch die Realität sieht oft anders aus. Viele Eltern leiden unter Selbstvorwürfen nach einer Trennung, weil sie sich einreden, ihr Kind im Stich gelassen zu haben. Doch sich an eine Beziehung zu klammern, die nicht mehr erfüllend ist, ist für niemanden befriedigend. Auch wenn das Wohl des Kindes wichtig ist, dürfen Eltern ihre eigenen Wünsche, Träume und Bedürfnisse nicht ignorieren. Und wenn eine Trennung mit Kind die einzig logische Konsequenz ist, wird auch der Nachwuchs langfristig mehr vom jeweiligen Elternteil haben, wenn er/sie glücklich ist.

Fazit: Schuldgefühle nach einer Trennung hinter sich zu lassen, erfordert Ehrlichkeit

Ob Untreue, Unehrlichkeit oder einfach ungünstige Umstände – Gründe für Selbstvorwürfe nach einer Trennung gibt es viele. Doch zum Scheitern eines Paares gehören zwei. Meist zieht derjenige, der die Beziehung beendet, nur die Konsequenzen aus einem bereits länger andauernden Auflösungsprozess, für den beide Partner verantwortlich sind. Um die Schuldgefühle nach einer Trennung zu überwinden, müssen Sie Ihre innere Einstellung ändern und aus Ihren Erfahrungen lernen. Schließen Sie mit der Vergangenheit ab und verzeihen Sie sich und Ihrem Ex-Partner für das Fehlverhalten – denn mit Schuldgefühlen nach einer Trennung lässt sich keine Beziehung retten. Ein Neuanfang nach der Trennung ist für alle Beteiligten besser, als in einer unglücklichen Beziehung zu verharren. Denn nun ist der Weg frei für Partner, die besser zu Ihnen beiden passen.

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