Korb-Kompetenz

Korb-Kompetenz entwickeln – so tun Absagen nicht mehr weh

von: Janin Minkus

Das Kennenlernen eines anderen ist ein unberechenbares System. Und genau das macht seinen Reiz aus: Im besten Fall führt es zu positiven Gefühlen und dem Wunsch nach noch mehr Nähe, im schlechtesten Fall steht am Ende eine Enttäuschung – wenn das Interesse nicht erwidert wird.

Einen Korb geben

Wenn das Kennenlernen stagniert oder der viel beschworene Funke einfach nicht überspringen will, kommt irgendwann der Punkt, an dem man dem anderen eine Absage erteilen muss oder an dem man selbst einen Korb kassiert. Doch woher stammt eigentlich der Ausdruck „einen Korb geben“?

Der bildliche Ausdruck „einen Korb geben“ stammt von einem Brauch aus dem Mittelalter. Zu jener Zeit wurden Liebende in Körben zu den Fenstern ihrer Liebsten hochgezogen. War der Anwärter nicht nach dem Geschmack der Angebeteten, wurde er auf halbem Wege fallen gelassen, oder man schickte ihm direkt einen morschen Korb, so dass er durch den Boden plumpste. Später ließen die Angebeteten ihren unerwünschten Bewerbern als deutliches Zeichen der Zurückweisung direkt einen Korb ohne Boden hinunter.

Absage: Der richtige Zeitpunkt

Natürlich ist es immer schwierig, einem anderen zu sagen, dass es keine Perspektive für eine gemeinsame Zukunft gibt. Man möchte den anderen nicht verletzen, vielleicht hegt man sogar Gefühle, aber sie reichen eben nicht, um gemeinsam mehr aufzubauen. Trotzdem: Wenn für Sie klar ist, dass Sie sich mit dem anderen nicht mehr vorstellen können, geben Sie ein deutliches Zeichen. Zögern Sie solche Entscheidungen nicht heraus, damit lassen Sie dem Gegenüber nur zuviel Platz für Spekulationen und Illusionen. In der Fantasie bauen sich Hoffnungen zu Wunschvorstellungen auf. Und umso netter der Kontakt ist, umso sympathischer Sie Ihr Gegenüber findet, umso größer werden diese. Und damit auch die Enttäuschung. Deshalb: Seien Sie ehrlich, sobald Sie wissen, dass aus ihnen als Paar nichts wird. Jeder sollte sich bewusst sein: Einen Korb zu geben, gehört zum Daten dazu. Davon abgesehen hat es etwas mit Stil und Wertschätzung der anderen Person gegenüber zu tun. Natürlich ist es die bequemste Lösung von allen, sich zurückzuziehen, wenn man kein Interesse hat. Doch fair ist so ein Verhalten mitnichten. Außerdem sollte man sich immer fragen, was man dem anderen antut, wenn man keine klare Absage erteilt. Ein Schweben im Ungewissen ist oftmals viel schwerer zu verkraften, als eine klare An- beziehungsweise Absage.

Fazit: Ein Korb ist in jedem Falle besser, als keine Resonanz, sprich Ignoranz zu zeigen und leise zu verschwinden. Das hinterlässt nur ein riesengroßes Fragezeichen. Übernehmen Sie Verantwortung und liefern Sie dem anderen eine Begründung für den gegebenen Korb.

Aus guten Körben kann man lernen

Beim Online-Dating ist das Geben und Nehmen von Körben an der Tagesordnung. Anonym im Netz wählen viele die einfache Variante und tauchen bei Desinteresse einfach ab, anstatt sich sauber aus einem Kennenlern-Prozess zu verabschieden. Dabei gibt es im Netz, genau wie im wahren Leben, klare Regeln für „gute“ und „schlechte“ Körbe. Im ElitePartner-Forum fasst ein User den Unterschied so zusammen: „Ein schlechter Korb ist: Sich nicht mehr melden, Treffen immer und immer wieder verschieben. Ein guter Korb: Die Treffen waren schön, leider ist der Funke bei mir nicht übergesprungen und ich weiß für mich, dass nicht mehr daraus werden kann. Für deine weitere Suche wünsche ich dir alles Gute.“

Ein anderer User drückt es so aus: „Ein schlechter Korb ist: einfach das Profil löschen, nicht antworten. Einen guten Korb gibt es – wenn der andere interessiert ist – nicht wirklich. Eine freundliche Absage, die auch die wahrgenommenen positiven Eigenschaften aufnimmt, ist immer besser als alles andere. Nur gut werden, kann ein Korb nicht.“ Denn klar: Zurückweisung tut immer weh, auch wenn sie begründet wird.

Einen Korb bekommen

Wie gehe ich damit um, wenn ich einen Korb bekomme? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn das Gefühl der Zurückweisung erlebt niemand gern. Unsere Psychologin Lisa Fischbach rät: „Wird Interesse nicht erwidert, kränkt das und tut weh. Daher ist es hilfreich, von Anfang an mit einem gesunden Eigenschutz an die Sache ranzugehen, und ein gesundes Maß an Einlassen und Abgrenzung zu finden. So hält man auch im Fall eines Korbs die nötige Balance. Und aus guten Körben kann man vielleicht etwas lernen. Das Positive an der unschönen Situation: Man erspart sich eine Menge Zeit der Ungewissheit und wird wieder schneller frei.“ Denn was würde es bringen, sich weiterhin mit jemandem zu treffen, für den sich die Frage nach einer gemeinsamen Zukunft bereits erledigt hat?

In Bezug auf die Partnersuche gilt: Da es im Zuge von Online-Dating zu mehr Dates kommt, ist man öfter in der Situation einen Korb geben zu müssen oder zu bekommen. Die Logik dahinter ist simpel: Oftmals stimmt es beim rationalen Miteinander. Sprich, man hat einen netten Mailkontakt, findet den anderen interessant, aber beim realen Treffen stellt sich heraus, dass man den anderen im wahrsten Sinne des Wortes nicht riechen kann. Die Biochemie mit ihren Pheromonen macht uns einen Strich durch die schöne Rechnung und sie lässt sich nicht überlisten. Man kann sich nicht per Knopfdruck verlieben. Wir können festhalten: Wer mehr datet, holt sich auch mehr Abfuhren. „Das Korbrisiko steigt mit der eigenen Aktivität“, so Lisa Fischbach.

„Wir können nicht Everybody’s Darling sein. Wir selber nehmen uns ja auch das Recht zum Neinsagen heraus und wählen nicht jeden. Auch wenn hier ein Perspektivwechsel besonders schwer fällt, weil es um Gefühle geht: Was wir für uns beanspruchen, müssen wir auch anderen zugestehen“

, so die Psychologin. Wer diese Begründung verinnerlicht, kann Körbe so aufnehmen, wie sie gemeint sind: Als natürlichen Vorgang innerhalb eines Kennenlernens und nicht als persönlich gemeinte Ablehnung.

Absage: Unterschied Frau – Mann

Frauen sind in der Regel die besseren Korbformulierer, weil sie oftmals empathischer sind und einfühlsamere Worte finden. Auf der anderen Seite agieren Frauen oft in sozial angepassterer Weise als Männer und lassen Dates „über sich ergehen“, die Männer ohne mit der Wimper zu zucken abbrechen würden. Da das weibliche Geschlecht in der Erziehung eher auf Höflichkeit getrimmt ist, fällt es Frauen besonders schwer, Körbe zu verteilen. Psychologin Lisa Fischbach: „Frauen sollten darauf achten, sich selbstbewusst zu artikulieren und abzugrenzen. Um klar zu kommunizieren, braucht es deutliche Worte, die durch deutliche Gesten verstärkt werden, wenn sie einen Korb geben. Kongruente Kommunikation ist am wirkungsvollsten, wenn also die Botschaft auf der körpersprachlichen und inhaltlichen Ebene einheitlich ist.“ Überspitzt gesagt: Lächeln Sie nicht, wenn Sie einen Korb verteilen. Sondern lassen Sie Worte und Körpersprache Hand in Hand gehen – sonst bleibt Ihre Botschaft missverständlich. Sendet nämlich ein Lächeln auf Körperebene eine positive Botschaft, obwohl verbal etwas Negatives verkündet wird, bleibt es dem Empfänger überlassen, die Botschaft zu hören, wie sie ihm besser passt. Männer sind per se egoistischer und neigen dazu, sich einfach nicht mehr zu melden und unterzutauchen, anstatt reinen Tisch zu machen. Hier findet Lisa Fischbach klare Worte: „Männer müssen lernen, empathischer zu sein und mit mehr Diplomatie einen Korb zu verteilen. Schließlich kann jeder daran wachsen.“

Die drei Korbtypen – eine kleine Typologie

  • Typ 1: Der Maulwurf

Er ist das Paradebeispiel für einen schlechten Korb. Ob aus purem Desinteresse oder aus Angst vor der Konfrontation: Dieser Typ zieht den Schlussstrich nicht von sich aus, sondern eiert um die Entscheidung herum, bleibt schwammig in seinen Formulierungen und taucht im Notfall ab, ohne irgendeine Begründung zu hinterlassen. Besonders Männer tendieren zu dieser Art der Abfuhr. Wer einen Maulwurf gedatet hat, dem rät die Expertin: „Wenn ein Date trotz eigenen Bemühens nicht in Schwung kommt, sondern ständig stockt, dann ist das Interesse nicht beidseitig gleich stark. Hier ist es besser, sich zurückzuziehen und nicht in der kleinen Rest-Hoffnung zu schwelgen. Nehmen Sie das Verhalten vom ‚Maulwurf’ nicht allzu persönlich, sondern gönnen Sie sich einen klaren Blick: Dieser Kandidat hat die Note mangelhaft im Umgang mit Gefühlen anderer Menschen verdient .“

  • Typ 2: Der Pädagoge

Der Pädagoge erklärt Ihnen die Welt und benennt ebenso ausführlich, warum es mit Ihnen als Paar nicht klappen kann. Vielleicht erörtert er jede Ihrer Charaktereigenschaften und begründet umständlich, warum diese nicht mit seiner Sicht der Dinge zusammen passt. Das ist anstrengend für beide Seiten, zeugt aber von Wertschätzung dem anderen gegenüber. Solche Körbe haben immerhin einen Vorteil: Vielleicht kann man etwas lernen, was man beim nächsten Mal besser machen kann. Lisa Fischbach: „Auch wenn die vielen Worte die Enttäuschung eines Korbes nur geringfügig schmälert ist, so sollte das Bemühen registriert werden und der darin enthaltene Erkenntnisgewinn.“

  • Typ 3: Die angepasste Nettigkeit

Diese Korb-Attitüde legen vor allem Frauen an den Tag. Aus Höflichkeit und weil sie ihr Gegenüber nicht verletzen wollen, vermeiden sie deutliche Worte. Die Folge ist, dass indirekte und direkte Kommunikation konträr laufen: Verbal wird ein Korb ausgeteilt, die Körpersprache signalisiert aber, dass man weiterhin an dem anderen interessiert ist. Die Psychologin wirft ein: „Hier fällt es besonders Männern schwer, die Botschaft richtig zu verstehen.“ Diejenigen, die sich in diesem Korb-Typus wiederfinden, sollten darauf achten, dass sie deutliche Signale senden.

Fazit

Einen Korb zu geben ist die Königsdiziplin unter den Date-Kompetenzen. Aber sie gehört dazu, wenn man sich mit dem anderen keinen weitergehenden Kontakt vorstellen kann. Seien Sie fair und lassen Sie den anderen frühzeitig wissen, wenn Sie kein Interesse haben. Im Optimalfall liefern Sie eine diplomatische Begründung, warum Sie abspringen wollen. Diese kann je nach Kennenlerngrad von knapp bis ausführlich reichen. In jedem Fall gilt: Jeder klar kommunizierte Korb ist besser als keine Resonanz zu zeigen und einfach unterzutauchen. Erhalten Sie einen Korb, ist es okay, sich anfangs traurig zu fühlen. Aber bleiben Sie positiv, es sollte nicht sein und Sie haben sich die Zeit gespart, jemanden kennenzulernen, der im Endeffekt sowieso abgesprungen wäre. Vorbeugend ist eine gesunde Mischung aus „sich auf jemanden einlassen“ und Abgrenzung das beste Mittel, um auch nach Körben die Balance zu halten.

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