Parallelkontakte Online-Dating

So gehen Sie richtig mit Parallelkontakten um

von: Anna Kuchenbecker

Samstag, Weinprobe mit Martin. Sonntag, Spazierengehen mit Jasper. Dienstag, Lunch mit Stefan ... Parallelkontakte sind beim Online-Dating ganz normal. Doch sie stellen uns vor neue Herausforderungen: Wann wird aus parallel daten zweigleisig fahren? Wie vereinbart man Exklusivität? Wie beugen wir Verletzungen vor? Dieser Ratgeber gibt Antworten darauf.

Männer streuen breit, Frauen selektieren

Aus unserer langjährigen Vermittlungserfahrung heraus können wir sagen, dass Frauen und ältere Singles meist die traditionelle Kennenlernstrategie verfolgen: Sie picken sich einen tollen Kandidaten heraus, konzentrieren sich auf den Kontakt und erst wenn daraus nichts wird, wenden sie den Blick anderen zu. Männer halten ein anderes Vorgehen für erfolgversprechender. Sie tendieren dazu, breiter zu streuen. Wissenschaftlich wird dieses Verhalten gern mit der Evolutionsbiologie erklärt: Des Mannes Ansinnen ist es, sich möglichst viel zu vermehren und seine Gene großzügig zu verteilen. Frauen sind wählerischer, da sie im Falle von Nachwuchs länger – sagen wir mal – beschäftigt sind. Entsprechend unterschiedlich reagieren Männer und Frauen auf die Information, dass ihr Gegenüber noch andere trifft. „Frauen stört es überwiegend, wenn ihr Gegenüber nach einem erfreulichen Treffen erzählt, noch weitere Kontakte knüpfen zu wollen“, sagt Psychologin Lisa Fischbach. „Männer gehen damit meist offensiver um, sie spornt der Wettbewerb an.“ Auch das gesellschaftliche Bild unterscheidet sich und macht die unterschiedlichen Strategien erklärbar: Während eine Frau, die viel datet, leicht einen abwertenden Stempel erhält und ihrem Image schadet, können Männer damit eher ihren Marktwert erhöhen.

Suchphase 1: Viele A-Kandidaten anmailen

Soviel zum evolutionären Hintergrund, zurück ins Netz: In Phase 1 der Online-Suche sind Parallelkontakte nicht nur legitim, sondern äußerst sinnvoll. Zwar gibt es Singles, die tatsächlich nur ein oder zwei Anfragen senden und erst einmal warten, wie sich die Kontakte entwickeln. Doch diese vergeben sich viele Chancen. Schließlich ist der große Vorteil von Online-Dating die riesige Auswahl potenzieller Partner. Seien Sie also aktiv. Hinter den hunderten Profilen Ihrer Partnervorschläge verbirgt sich vielleicht der eine besondere Mensch, mit dem Sie künftig Ihr Leben teilen. Doch hinter welchem? Um das herauszufinden, sollten Sie intensiver Ausschau halten und den Blick offener gestalten. Wenn Sie viele Anfragen senden, steigern Sie die Wahrscheinlichkeit auf positive Resonanz deutlich. Und selbst scheinbar erfolglose Kontakte können einen Gewinn haben – durch sie bekommen wir ein genaueres Bild, wen wir eigentlich suchen: „Durch viele Dates schärft sich die Wahrnehmung der eigenen Wünsche; Vorlieben können sich ändern oder aufweichen“, bringt es jemand im ElitePartner-Forum auf den Punkt. Dabei gilt die Grundregel: Niemals wahllos Kontaktanfragen schicken oder daten – auch nicht in Phase 1: Zuerst die interessanten A-Kandidaten anschreiben und sich danach einen zweiten Blick gönnen.

Lieber zu viele Mails als zu wenige

Qualität steht zwar generell vor Quantität. Doch eine ausreichende Anzahl braucht es beim Online-Dating – gerade zu Beginn. Denn im Netz verhält es sich wie im Alltag: Wenn Sie ihre Freunde zu einer Feier einladen, wird sicher nicht jeder kommen. Sei es, dass jemand im Urlaub ist, anderweitig eingeplant oder es schlicht vergessen hat. Ähnliches gilt – verstärkt durch die virtuelle Anonymität – auch im Netz: Nicht jeder, den Sie liebevoll formuliert anschreiben, wird Ihnen antworten. Für das ungehörte Verhallen gibt es viele Gründe: Vielleicht ist der Empfänger gerade verreist oder konzentriert sich auf einen anderen Kontakt, hat gerade eine Dating-Pause eingelegt, hat noch keine aktive Mitgliedschaft oder schlicht kein Interesse, weil er bestimmte Suchkriterien hat, denen Sie nicht entsprechen.

Ohne Leidenschaft läuft nichts

Die Empfehlung unserer Diplom-Psychologin Lisa Fischbach, die seit vielen Jahren Singles berät und bei der Partnersuche unterstützt, hat zum Suchvolumen eine klare Haltung: „Finden Sie Ihr eigenes Wohlfühl-Maß.“ Sehr gut. Doch wie? „Wenn Sie bemerken, dass das Anschreiben Routine wird, Sie lediglich einen Text heruntertippen oder gar bewährte Textbausteine aneinanderreihen und Ihnen Spaß und Engagement verloren gehen – dann ist es höchste Zeit, Ihr Volumen zu reduzieren.“ Jeder Kontakt braucht nämlich ausreichend Neugier und Elan. Eine lieblos formulierte oder aufgewärmte E-Mail führt selten zu positiver Resonanz, ein persönliches, zugewandtes Schreiben ist hingegen viel erfolgversprechender.“ Dazu ein schönes Beispiel von ElitePartner-Mitglied Johanna: Nach drei Monaten leidenschaftlicher Suche war ihre Anfangseuphorie aufgebraucht, ihre Anfragen schrieb sie nur mehr halbherzig zwischen Tür und Angel. Ein Negativkreislauf begann: Sie bekam weniger Resonanz, ebenso leidenschaftslose Antworten. Als sie sich bei einer Freundin beklagte, hatte diese eine ungewöhnliche Idee: Sie bot sich als Ghostwriterin für die ersten Mails an. Sie hatte so viel Lust auf das Schreiben, dass sie ein kleines Strohfeuer zündete. Und nach einer Woche war in Johannas Mailbox richtig viel los.

Suchphase 2: Der richtige Zeitpunkt X

Solange ein Kontakt noch in der Anfangsphase steckt, per Telefon oder Mail, dürfen Sie andere Eisen im Feuer haben. Auch wenn Sie sich schon einmal getroffen haben, ist das nicht anstößig. Es gibt keinen genau definierten Zeitpunkt X, an dem aus parallelem Dating etwas moralisch Verwerfliches wird. Doch zwei Anhaltspunkte sollten Sie beachten. Erstens, die emotionalen Signale: „Sobald Sie merken, dass der andere emotional involviert ist und sich Hoffnungen macht, seien Sie offen und konsequent“, empfiehlt Lisa Fischbach.

„Übernehmen Sie Verantwortung für die Gefühle des anderen.“

„Übernehmen Sie Verantwortung für die Gefühle des anderen und das heißt: Keine Spielchen treiben und ehrlich sein. Somit hat der andere die Chance, mit der Situation angemessen umzugehen. Es ist egoistisch, sich selber alles offen zu halten und damit beste Möglichkeiten zu bewahren, den anderen jedoch im Unklaren zu lassen.“ Der zweite kritische Zeitpunkt: Wenn es zu Körperlichkeiten gekommen ist. Denn für die meisten entsteht damit der Wunsch nach Verbindlichkeit. Wer danach weitersucht, weckt damit beim anderen meist ein schales Gefühl von Täuschung und Betrug.

Fair Play oder Happy End

Wenn Sie merken, dass der andere mehr möchte und Sie ebenfalls Interesse haben, stellen Sie andere Kontakte zurück. Wenn Sie keines haben: Spielen Sie mit offenen Karten, so dass der andere die Wahl hat, wie er sich weiter verhalten möchte. Meist beantwortet sich die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt übrigens ganz von allein: Sie werden spüren, wenn Sie einen Menschen näher kennenlernen wollen – ohne Konkurrenz von anderen Seiten. Das bestätigt ein User im ElitePartner-Forum: „Als ich mich verliebt habe, habe ich sofort den ElitePartner-Account stillgelegt und allen Kontakten eine Abschiedsmail geschrieben.“ Manche frisch Verliebten zelebrieren sogar das gemeinsame Löschen der Accounts als romantisches Ritual.

In den USA gängig: Die Exklusiv-Frage

In den USA gelten klare Datingregeln, die jedes Kind kennt. Von Freunden und Kollegen arrangierte Blind Dates sind dort genauso die Regel wie die – für uns Europäer unromantische – Exklusiv-Frage. Sie lautet: Wollen wir aufhören, andere zu treffen und exklusiv werden? Im Klartext: Wir sind zusammen. Das klingt rational, doch wenigstens weiß jeder, wie gespielt wird. In Deutschland fehlen solch klare Regeln bislang: „Wir müssen modernes Dating erst lernen“, sagt Lisa Fischbach. „Durch die Zunahme von Online-Dating und der damit verbundenen steigenden Kontaktzahl wird das zunehmend zum Thema.“

„Wir müssen Dating erst lernen.“

Sollte man nun mit seinem Date über andere Kontakte sprechen, die man gerade hat? „Beim ersten Treffen lieber nicht zum Thema machen“, findet die Singleberaterin. „Das verursacht eine sozial schwierige Situation.“ Umgekehrt gilt: Wenn der andere Sie konkret fragt, ob Sie noch andere treffen, lügen Sie nicht. Besser ehrlich, aber diplomatisch zurückhaltend sein. Heißt: Details über andere Datingpartner für sich behalten. Anders war es bei Wiebke, die nach vier Dates mit Bastian das Gefühl hatte, er hätte noch weitere Eisen im Feuer. „Ich wollte einfach Gewissheit und habe ihn gefragt, wie es mit uns aussieht“, sagt die Bauingenieurin. Völlig richtig, findet Lisa Fischbach. Nach einigen Treffen können Sie das ansprechen, um Klarheit zu haben. Wenn der andere weiter datet, können Sie selbst entscheiden, wie Sie sich am besten zum Schutz Ihrer Gefühle verhalten. Allerdings rät die Psychologin: „Beziehen Sie es nicht gleich auf sich, wenn Ihr Gegenüber noch andere trifft.“ Manchmal treffen einfach verschiedene Datingtypen aufeinander, der Exklusiv-Dater und der Parallel-Dater: „Stülpen Sie dem anderen nicht Ihre eigene Erwartung über. Aber sprechen Sie offen über Ihren Wunsch.“

Zwei an einem Tag?

Mittagessen mit Katrin. Abends Vernissage mit Tanja. Wer aus der Partnersuche einen Kontakt-Marathon macht, läuft Gefahr, in eine Art Shoppingmentalität zu verfallen: Es geht nicht mehr um den einzelnen Menschen, sondern die Suche an sich. „Wer an diesen Punkt gerät, merkt nicht mehr, wenn er dem oder der Richtigen begegnet. Er schenkt dem Gegenüber nicht ausreichend Aufmerksamkeit, so dass kein echter Kontakt entstehen kann und alles an der Oberfläche bleibt. Das führt dazu, das Date abzuwerten und sofort weiter zu jagen“, sagt Psychologin Fischbach. „So jemand gerät in eine Endlosschleife aus ersten Dates.“ Häufige Anzeichen dafür: Man wirft Namen durcheinander oder wünscht sich einen Spickzettel mit den Eckdaten des Gegenübers.

„Eine Endlosschleife aus ersten Dates.“

Fazit: Bauchgefühl und Fairplay

Parallelkontakte sind beim Online-Dating omnipräsent. In der Anfangsphase sind diese richtig und legitim. Wer sich nach einigen Dates immer noch nicht entscheiden kann, sollte wenigstens mit offenen Karten spielen. Meist jedoch werden Sie merken, wenn der oder die Richtige vor Ihnen steht und die Reduktion der Kontakte ergibt sich ganz von allein. Hören Sie einfach auf Ihr Gefühl und behandeln Sie andere so, wie Sie selbst behandelt werden möchten. Dann kann eigentlich nichts schief gehen.

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