Trennung mit Kind

Trennung mit Kind – mehr als nur das Beenden einer Partnerschaft

von: Maren Jannen

Wer bekommt das Sorgerecht, wie sage ich es meinem Kind, was ist zu beachten? Bei einer Trennung mit Kind stehen viele Fragen und Unsicherheiten im Vordergrund. Doch wenn die Liebe erloschen ist, ist das Beenden einer Beziehung oft unausweichlich.

Inhaltsverzeichnis:

Es beginnt oft so schön: Aus der ersten Verliebtheit erwächst ein gemeinsames Leben und ein gemeinsames Zuhause mit Ehe, Kindern und einem gemeinsamen Zukunftstraum. Und dann? Die Erkenntnis, dass es einfach nicht mehr als Paar funktioniert, dass man einander mehr Kraft und Nerven raubt als Geborgenheit und Glück bringt. Geht eine Beziehung zu Ende, ist das sowohl für die Kinder als auch für die Partner eine herausfordernde Situation. Die Entscheidung, sich zu trennen, ist langwierig und schwer, doch ist sie manchmal unausweichlich. Die sichere Einheit zwischen der Mutter und dem Vater bricht auseinander und lässt das Kind oder die Kinder verunsichert zurück. Jetzt stellt sich die Frage Wie bei einer Trennung mit Kind vorgehen? Lesen Sie hier, vor welchen besonderen Herausforderungen Paare bei einer Trennung mit Kind stehen und welche Fehler es zu vermeiden gilt.

Eine Trennung mit Kind erfordert viel Kraft und Mut

Eine Trennung trotz Kind ist sowohl eine psychische Belastung als auch ein bürokratischer Kraftakt und erfordert viel Durchhaltevermögen, Mut und Zuversicht. Denn trennt sich ein Paar, das Kinder hat, steht es vor weit mehr Herausforderungen als ein kinderloses Paar, das seine Beziehung beendet. Schließlich gilt es nicht nur für sich selbst zu sorgen: Auch das Leben des Nachwuchses muss neu sortiert und organisiert werden. Viele Fragen, Ängste und Unsicherheiten stehen bei einer Trennung mit Kind im Vordergrund:

  • Sollen wir lieber warten, bis das Kind älter ist?
  • Wer bekommt das Sorgerecht und wer muss wie viel Unterhalt zahlen?
  • Wie sieht künftig meine finanzielle und wohnliche Situation aus?

Während kinderlose Partner auseinandergehen, einen Schlussstrich ziehen und mit dem/der ehemals Liebsten keinerlei Berührungspunkte mehr haben müssen, ist das mit Kindern nicht möglich. Denn klar ist: Auch wenn die Beziehung nicht hält –die Elternschaft bleibt das ganze Leben bestehen und verbindet das Paar für immer.

Wie also am besten bei einer Trennung mit Kind vorgehen? Natürlich ist das immer eine Frage des Einzelfalls. Doch damit Kinder diesen gravierenden Einschnitt verarbeiten können, ist eine gute Zusammenarbeit der Eltern erforderlich.

„Bei Trennungen mit Kind, die vor allem verheiratete Paaren mit gemeinsamem Sorgerecht betreffen, werden viele Ebenen berührt. Und oft stehen große Zerwürfnisse friedlichen Regelungen im Wege. Eltern sollten unbedingt miteinander differenzieren, was sie selber betrifft, ihre Verletzungen und Sorgen, und was das Beste für die Kinder ist. Wenn man sich schon in vielerlei Hinsicht schwer einigen kann, sollte die Regelung mit den Kindern zu deren Wohl sein“

, rät unsere Diplom-Psychologin Lisa Fischbach.

Dem Kind die Trennung schonend beibringen

Auch stellt sich die Frage, wie man dem Kind die Trennung am besten beibringt. Denn was ist besser: Dem Nachwuchs so viel wie möglich oder so wenig wie nötig von den Umständen und Hintergründen erzählen?

„Eltern sollten vorher gemeinsam absprechen, wie und was sie sagen. Natürlich in einer kinderverständlichen Sprache und mit Raum und Zeit, die Gefühle der Kinder aufzufangen und darauf einzugehen“

, erklärt Fischbach. Wichtig sei, dass die Eltern zwar vom Ende ihrer Liebe in der Partnerschaft sprechen, aber den Kindern die Liebe zu ihnen weiter vermitteln. Danach gelte es, den Kindern so viel Stabilität wie möglich zu geben und sich immer wieder als Gesprächspartner anzubieten.

„Denn Kinder brauchen viel Zeit, die für sie als sehr bedrohlich erlebte Veränderung zu realisieren. Die Fragen, die Ängste, die Gefühle von Trauer und auch Wut kommen erst mit der Zeit.“

Bei einer Trennung trotz Kind rät Fischbach, die bei uns Forschung und Matchmaking leitet, zudem, dass Eltern den Nachwuchs nicht als Trostpflaster nutzen sollten. Das bedeutet nicht, dass Tränen vor den Kindern versteckt werden müssen, doch tiefer Kummer und Verzweiflung sollte mit der besten Freundin, Familienangehörigen oder einer psychologischen Beratung geteilt werden.

Trennung mit Kind: verheiratet vs. nicht verheiratet

Sorgerecht, Aufenthaltsbestimmungsrecht, Unterhalt, Besuchs- und Umgangsrecht – auch die Rechtslage ist für Partnerschaften mit Kindern eine besondere. Ist ein Paar bei einer Trennung mit Kind nicht verheiratet, gelten teilweise andere Parameter als für Paare mit Trauschein. Ein verheiratetes Paar hat zum Beispiel ein gemeinsames Sorgerecht, das auch nach der Trennung oder Scheidung noch Bestand hat. Bei nicht verheirateten Paaren hat automatisch die Mutter das alleinige Sorgerecht, außer, beide haben eine beurkundete Sorgeerklärung abgegeben. Wurde in einer unverheirateten Partnerschaft einmal das gemeinsame Sorgerecht beantragt, bleibt es auch nach der Trennung noch bestehen. Und ob verheiratet oder nicht verheiratet: Jedes Kind hat das Recht auf Unterhalt. Der Partner, der die Kinder hauptsächlich betreut, kann einen finanziellen Ausgleich fordern.

Bei all dem Wirrwarr, das die Partner bei einer Trennung trotz Kind erwartet, sollte bei den Rechtsfragen jedoch stets das Wohl des Kindes im Vordergrund stehen. Und: Kinder dürfen mitreden. Vor allem beim Sorgerecht, der Aufenthaltsbestimmung und dem Umgang haben sie durchaus ein Mitspracherecht, das auch vor Gericht berücksichtigt wird. Denn bei aller Bereitschaft der Eltern lässt sich nicht immer eine einvernehmliche Lösung finden. Hilfe und Beratung bieten in dem Fall entweder die kommunalen Jugendämter oder – als letzte Instanz – das Familiengericht.

Was ist bei einer Trennung mit Kind zu beachten? 5 Tipps

Eine Bilderbuchtrennung ohne Schmerz gibt es nicht. Aber Paare mit Kindern können versuchen, möglichst besonnen, feinfühlig und verständnisvoll mit der Situation umzugehen. Folgende Tipps können bei der Trennung mit Kind helfen:

1. Konflikte nicht vor dem Kind austragen

Wichtig ist, zu versuchen, die Auseinandersetzungen und Spannungen mit dem Partner nicht in Gegenwart des Kindes auszutragen. Es sollte in keinen Situationen anwesend sein, die unterschwellig aggressiv oder beleidigend sind.

2. Das Kind nicht instrumentalisieren

Bei einer Trennung mit Kind darf der Nachwuchs nicht in einen Loyalitätskonflikt gebracht und vor eine Wahl gestellt werden. Vermeiden Sie daher Situationen, in denen das Kind für eine Seite Partei ergreifen muss und sprechen Sie in seiner Gegenwart nicht schlecht über den ehemaligen Partner.

„Auch wenn meist aus Sicht der Eltern ein Partner mehr Schuld am Ende der Beziehung hat, so sollte das Kind niemals gedrängt werden, Partei zu ergreifen“

, bestätigt Fischbach.

3. Das Kind in der vertrauten Umgebung lassen

Aber was ist bei einer Trennung mit Kind noch zu beachten? Ganz klar: das Umfeld des Kindes. Es ist natürlich nicht immer machbar, aber falls die Möglichkeit besteht, ist es für das Kind ein Sicherheitsanker, nach der Trennung der Eltern im bekannten Umfeld zu bleiben. Die neue Lebenslage ist schon Herausforderung genug, und das vertraute Zuhause, die Freunde und Hobbys können stabilisierend und beruhigend wirken.

4. An einem Strang ziehen

Auch wenn Sie sich eventuell nicht mehr lieben und der Ex-Partner momentan nicht zu Ihren Lieblingspersonen zählt: Versuchen Sie bei einer Trennung mit Kind, sich vor dem Nachwuchs zusammenzureißen und in der Planung und Organisation des neuen – getrennten – Alltags gemeinsame Sache zu machen. Das entspannt die Situation vor allem auch während der Übergabemomente, in denen das Kind dabei ist.

5. Trennung mit Kind heißt die Gefühle des Kindes ernst zu nehmen

Die Reaktion des Kindes – egal wie heftig oder explosiv – sollte akzeptiert und nicht bekämpft oder unterdrückt werden. Oft dauert es eine Weile, bis der Nachwuchs die Situation wirklich realisiert und versteht, daher können bei einer Trennung trotz Kind auch die Auswirkungen und Reaktionen zeitverzögert kommen.

Eine Trennung mit Kind ist auch eine Chance

Bei all den schwierigen Herausforderungen, die eine Trennung trotz Kind mit sich bringt, kann der Nachwuchs langfristig aber auch von einer Trennung der Eltern profitieren. Angespannte Situationen mit vielen Streits und Disharmonien zu Hause haben ein Ende – das Kind wächst zwar nicht mehr bei beiden Elternteilen auf, lebt aber in einem insgesamt harmonischeren Umfeld. Und die Entwicklungsbedingungen sind in einem entspannten und optimistischen Haushalt wesentlich besser als in einem konflikt- und spannungsgeladenen Milieu.

Fazit: Bei der Trennung mit Kind steht das Wohl aller im Vordergrund

Eine Trennung mit Kind – ob verheiratet oder nicht verheiratet – stürzt alle Beteiligten immer in eine Lebenskrise, stellt aber gleichzeitig auch die Chance auf einen Neubeginn dar. Sich an eine Beziehung zu klammern, die nur noch eine leere Hülse ist, bringt niemanden etwas, schon gar nicht dem Kind. Denn Kinder sind kleine Seismographen und durchschauen die vorgetäuschte Harmonie einer lieblosen Ehe. Auch wenn das Wohl des Kindes wichtig ist, sollten die Eltern ihre eigenen Wünsche, Träume und Bedürfnisse nicht ignorieren. Paare dürfen und müssen sich trennen, wenn sie sich nicht mehr lieben und unglücklich sind. Aber sie dürfen bei der Trennung mit Kind nicht aufhören, zusammen Eltern zu sein.

Jetzt kostenlos anmelden

Ich bin
Ich suche

Mit Ihrer Anmeldung erklären Sie sich mit unseren AGB und den Datenschutzbestimmungen einverstanden. Sie erhalten Informationen zu Elitepartner per E-Mail (Abmeldung jederzeit möglich).