Michael Mary

Single-Sein ist kein Schicksal, sondern beruht auf Entscheidungen

von: Juliane Rietzsch

Der Hamburger Singleberater und Autor Michael Mary stellt im ersten Band "Wie man dauerhaft ein Single bleibt!" seiner fünfteiligen E-Book-Reihe „Kann denn Single Zufall sein?“ die These auf, dauerhaft suchende Singles hätten sich fürs Alleinbleiben entschieden. Aber ist die Rechnung wirklich so einfach? Wir haben mit ihm gesprochen und verraten Ihnen, warum man eine Beziehung nicht finden kann und welche Rolle Kommunikation und Authentizität beim Kennenlernen einnehmen.

Wenn Singles aktiv nach einem Partner suchen, wenn auch sehr lange, verbinden sie damit doch bereits die Intention, ihren Solo-Status zu beenden? Welchen Zweck sollte die Partnersuche sonst verfolgen?

Michael Mary: „Dauerhaft suchende Singles haben durchaus Dates und auch darüber hinausgehende Kontakte.

Der grundlegende Fehler der Partnersuche zeigt sich aber bereits in der Aussage: ‚Ich suche jemanden, der zu mir passt‘.

Die Frage ist dann, aufgrund welcher Kriterien ich entscheide, ob jemand passt oder nicht. Wenn scheinbar keiner ‚zu mir‘ passt, ist es Zeit, einen Blick auf meine Kriterien, meine Urteile und Bewertungen sowie mein Verhalten, zu werfen. Dann wird es spannend.“

Sie schreiben „Wenn ich zehn oder zwanzig oder dreißig mögliche Partner treffe und alle aussortiere, habe ich mich fürs Alleinbleiben entschieden…“ Wie verhält es sich, wenn ich nur fünf oder sechs Kandidaten „aussortiere“? Machen Sie die eigene Verantwortung für den Beziehungsstatus quantitativ an der Anzahl der Ablehnung potentieller Kandidaten fest?

Michael Mary: „Jemand, der fünf Kandidaten aussortiert hat, kommt noch nicht zur frustrierenden Ansicht, da draußen wären alle Guten längst vergeben. Dieser Eindruck entsteht mit der Dauer der Suche, und er ist in vielen, wenn nicht den meisten Fällen, selbstgemacht. Durch Schnellgerichte, Stöckchenspiele und andere mehr als fragwürdige Deutungen und Verhaltensweisen, auf die ich in der Reihe eingehe.“

Sie behaupten, dass sich Singles, die die Partnersuche einstellen, fürs Alleinbleiben entschieden haben. Dem kann ich absolut zustimmen. Doch solange sie suchen, können Sie ihnen doch nicht unterstellen, alleinbleiben zu wollen.

Michael Mary: „Ich unterstelle niemanden alleine bleiben zu wollen. Ich sage, es ist kein Zufall, wenn jemand unter Tausenden suchender Singles auf Dauer alleine bleibt. Was suchen die meisten Singles? Sie suchen eine Beziehung.

Eine Beziehung kann man nicht finden, eine Beziehung will aufgebaut werden.

Dazu kommt es aber nicht, weil beim ersten Anzeichen fehlender Passung gleich abgeurteilt und aussortiert wird. So können sich keine positiven Gefühle aufbauen, die aber gebraucht würden, um sich näher zu kommen und mehr zu ermöglichen.“

Und wie steht es um den Einfluss von äußeren Umständen und Schicksalsschlägen? Ob Alter, Krankheit, nicht verarbeitete Traumata oder psychische Leiden nach dem Verlust eines Lebenspartners – erschwerende Umstände behindern die Partnersuche oftmals, auch wenn sich ein Single bewusst dazu entschieden hat, einen Partner zu finden.

Michael Mary: „Äußere Umstände sind äußere Umstände, auf sie hat man kaum Einfluss. Man hat nur auf das eigene Verhalten Einfluss, und daher kann man nur dort ansetzen. Es ist also nicht vermessen, hier anzusetzen, sondern die einzige Möglichkeit.

Nur wenn man selbst die Hände im Spiel hat, kann man etwas an seiner Lage verändern.

Und genau auf diese Möglichkeiten gehe ich in der Single-Reihe konkret ein. Übrigens habe ich mit 120 Testlesern zusammengearbeitet, die das Buch auf Herz und Nieren geprüft haben. Dort sind keine Einwände verblieben.“

Darüber hinaus ist eine Beziehung auch immer eine Entscheidung von zwei Personen. Ich kann noch so sehr wollen, wenn mein Gegenüber nicht will, bleibe ich, obschon ich „meine Hände im Spiel“ habe, allein. Ich kann das Spiel durch Eigeninitiative zwar beeinflussen, nicht aber seinen Ausgang bestimmen. Wie bewerten Sie diesen Gedanken?

Michael Mary: „Wenn ich will, mein Gegenüber aber nicht, ist das schon ein Zeichen dafür, dass ich nicht bezogen bin. Dann habe ich meine Hände schon im Spiel. Ich nenne diesen Fall das ‚Phänomen der verschlossenen Tür‘.

Singles sollten sich jemanden zuwenden, der sie will und nicht daran arbeiten, verschlossene Türen aufzustemmen.

Im Übrigen kann niemand den Ausgang einer Sache bestimmen. Leider besteht das Problem darin, dass meist bereits der Eingang in eine Beziehung verbaut wird.“

Sie sind kein Befürworter von Strategien, um eine Beziehung zu initiieren, da sie von anderen entworfen werden. Wie verhält es sich aber, wenn ich meine eigenen entwerfe? Ist nicht jede Art der Kontaktanbahnung bereits eine Art von Strategie, da sie ein gewisses Bewusstsein über die eigenen Handlungen voraussetzt?

Michael Mary: „Strategien zeichnen sich dadurch aus, dass man sein Vorgehen am Ziel ausrichtet und nicht an der gegenwärtigen Kommunikation. Das ist schon deshalb falsch, weil man niemals weiß, wie jemand auf das eigene Verhalten und die eigenen Aussagen reagieren wird.

Wenn ich jemanden will, der mich liebt, wie ich bin, muss ich mich als der zeigen, der ich bin.

Das ist der richtige Einstieg in die Kommunikation, auch schon beim ersten Date; und das ist auch der einzige richtige Weg, um unpassende Partner auszusortieren.“

Sie raten von strategischem Suchen ab und motivieren in Ihrem Buch dazu, kommunikativ zu suchen? Wie gestaltet sich eine solche Partnersuche?

Michael Mary: „Bei der strategischen Suche unterstellt man dem Verhalten oder den Aussagen des Gegenüber eine Bedeutung und urteilt dementsprechend. Bei der kommunikativen Suche geht es ganz im Gegenteil darum, die Bedeutung herauszufinden, die ein Verhalten oder eine Aussage für den anderen hat. Dann macht man die überraschende Entdeckung, dass etwas anders gemeint ist, dass der Andere doch andere Motive hat als man ihm unterstellt hat, dass er doch interessante oder gar faszinierende Seiten hat. Aber wir sprechen jetzt nur über die Frage, wie jemand verhindert, einem potentiellen Partner näher zu kommen. Es bleiben andere Fragen: Was tun, wenn jemand näherkommt? Wie eine zaghaft beginnende Beziehung gestalten? Was tun, wenn man jemanden gefunden hat? Auf diese Themen gehe ich in den anderen Bändern dieser Single-Reihe ein.

Vielen Dank für das interessante Gespräch, Herr Mary.

 

Über den Autor und das Buch

Michael Mary arbeitet seit 1980 als Paar-, Individual- und Singleberater und leitet Workshops, Seminare und Fortbildungen auf Grundlage der von ihm entwickelten Methode, der sogenannten „Erlebten Beratung“Mittlerweile hat er als Autor für Themen rund um Liebe, Beziehung und Partnerschaft über 36 Bücher veröffentlicht. Weitere Informationen zum Autor finden Sie hier: www.michaelmary.de

Michael Marys Buchreihe „Kann denn Single Zufall sein?“ können Sie als gedrucktes Buch oder E-Book hier bestellen

Finden Sie jemanden, der Ihr Leben verändert, nicht nur Ihren Beziehungsstatus
Kostenlos anmelden