Beziehung mit einem Narzissten

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Oft beginnt sie wie ein Feuerwerk, die Liebe mit einem charismatischen Egomanen. Schicksalhaft, explosiv, destruktiv. Warum es so schwierig ist, einen Narzissten zu lieben und wie es dennoch klappen kann.

Beziehung mit einem Narzissten

„Du willst immer zu schnell zu viel“, warnen Kathrins Freunde. Tatsächlich laufen ihre Beziehungsversuche stets ähnlich ab: Sie lernt einen Mann kennen und innerhalb kürzester Zeit entflammt in ihr ein loderndes Feuer der Leidenschaft und Verliebtheit. Kathrin schwebt mit glückseligem Gesichtsausdruck auf Wolke 7, in ihrem neuen Freund meint sie ein Geschenk des Himmels zu erkennen, ihren Seelenverwandten. Er schenkt ihr Aufmerksamkeit und Bewunderung, gemeinsam entwickeln sie ein Gefühl der Grandiosität. Doch die neue, aufregende Zweisamkeit in luftiger Höhe eines Podestes bietet dem Alltagsleben einer Partnerschaft und späteren Krisen kein stabiles Fundament: Sobald sich der idealisierte Partner in all seinen menschlichen Facetten zeigt, stürzt er vom Thron und erfährt durch den narzisstischen Partner eine schmerzhafte Entwertung. Nach der ersten Euphorie droht also bald schon der Absturz aus dem siebten Himmel. „Eitle Liebe“ nennt Bärbel Wardetzki dieses Phänomen und verfasste ein gleichnamiges Buch darüber, wie narzisstische Beziehungen gelingen oder – was häufig der Fall ist – scheitern können. Denn die Explosion vermeintlicher Gefühle erweist sich häufig als Strohfeuer, das verbrannte Erde hinterlässt, aber nicht zu einer zufriedenstellenden Beziehung führen kann.

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Narzissten leiden unter einem schwachen Selbstwertgefühl

Viele Narzissten umgibt auf den ersten Blick eine charismatische Aura, die den Eindruck von vermeintlicher Stärke erzeugt. Nicht selten umgeben von Statussymbolen und einer gepflegten, attraktiven Optik, gelten sie landläufig als selbstverliebt. Dabei sind sie lediglich selbstbezogen, denn echte Liebe vermag der Narzisst weder für sich noch für andere zu empfinden. Hinter der mangelnden Empathie und Liebesfähigkeit steht eine Selbstwertproblematik, die auf paradoxe Weise die Angst vor Nähe und Bindung mit der tief empfundenen Sehnsucht nach Verschmelzung vereint. Sie ist häufig in der Kindheit entstanden und fand ihren Nährboden in einem dramatischen Zuviel oder Zuwenig an Liebe und Aufmerksamkeit. Folglich suchen Narzissten ihr Leben lang nach der ersehnten Aufwertung, die sie in der Kindheit entweder vermissten oder erlebten.

Narzissten suchen sich häufig das passende Gegenstück

Menschen mit diesem Hintergrund fühlen sich oft voneinander angezogen. Ein egoman agierender Narzisst trifft dabei auf den Komplementärnarzissten, der sich eher minderwertig fühlt und sich selbst entwertet und daher auf den ersten Blick nicht als Narzisst zu erkennen ist. Beide streben jedoch innerhalb der Beziehung nach Anerkennung und leben den schwachen oder starken Anteil durch die andere divergent veranlagte Person aus. Dabei kreisen beide Narzissten allein um die eigenen Bedürfnisse, instrumentalisieren den anderen für das eigene Wohlbefinden, ohne echtes Interesse für den anderen aufzubringen oder Sorge um ihn zu verspüren.
Kathrin beispielsweise hegt unerfüllbar hohe Ansprüche an sich selbst – und an ihren Partner. Mit dem Blick einer Verliebten schwärmt sie noch für ihr Objekt der Begierde, sieht aber den Mann an ihrer Seite nur als Repräsentanz ihres eigenen Selbsts mit der Funktion, sie aufzuwerten, nicht aber als liebenswertes Individuum mit Stärken und Schwächen. Ständig fragt sie sich: Wie kommt er bei meinen Freunden an, wie bei meinen Eltern? Eigenschaften, die ihn in ihren Augen schwach oder unperfekt wirken lassen, lehnt sie ab. Sie kann sie nicht in ihr ursprünglich idealisiertes Bild von ihm integrieren, weil es ihr nicht gelingt, sich ausreichend von seiner Person abzugrenzen. Also entwertet sie ihn schließlich für seine vermeintlichen Unzulänglichkeiten, fühlt sich ihm überlegen und erhöht sich selbst -abermals durch ihren Partner.

Die 4 Es: Wie man einen Narzissten erkennt

Der Psychiater Rainer Haller, Autor des Buches „Die Narzissmusfalle“, verweist auf die vier Es, die einen Narzissten als solchen identifzieren:

  • Egomanie
  • Empfindlichkeit (denn Narzissten sind schnell gekränkt und vertragen kaum Kritik)
  • Empathiemangel
  • Entwertung anderer

Bärbel Wardetzki liefert in ihrem Buch zudem einen Leitfaden, der dabei helfen kann, einen Narzissten zu erkennen. In Gesellschaft eines solchen fühlt sich der andere womöglich minderwertig oder im Gegenteil außergewöhnlich stark aufgewertet, während das Gegenüber ihm ideal erscheint. Er verspürt den Impuls, sich zu kontrollieren und dem anderen gefallen zu wollen. Sprich, wer das Gefühl hat, sich im Kontakt zum anderen stark zu verbiegen und nicht ehrlich und wahrhaftig sein zu können, sollte wachsam sein und etwas genauer hinschauen.

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Wie können narzisstische Beziehungen gelingen?

Der Partner eines Narzissten dient ihm wie im Beispiel von Kathrin als lediglich „erweitertes Selbst“ und wird daher nicht als eigenständiges Individuum wahrgenommen und geliebt – ein Dilemma, das jede narzisstische Partnerschaft überschattet. Die Mechanismen von Idealisierung und Entwertung stellen das charakteristische Gefälle dar, das auch Bärbel Wardetzki beschreibt. Sobald sich die Schmetterlinge der Verliebtheit verflüchtigen und der schöne Schein nicht aufrecht erhalten werden kann, böte die Neudefinition der Beziehung eine große Chance. In der sogenannten Ko-Evolution liege die Möglichkeit, „das eigene Selbstwertgefühl und die eigene Autonomie in der Beziehung auf eine Weise zu stärken, die die Partner nicht einschränkt, sondern bereichert.“ Voraussetzung hierfür ist die Bereitschaft, mit dem Partner in Dialog über die eigenen Wünsche, Grenzen und Gefühle zu treten und Manipulationen, Interpretationen und Neid zu vermeiden. Auch psychotherapeutische Hilfe kann den Weg zu einer neuen Qualität der narzisstisch veranlagten Partnerschaft ebnen.

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