Asexuell

Asexuell: wenn Sex zur Nebensache wird

von: Kristina v. Klot

Asexuell zu sein, macht das Liebesleben für viele kompliziert. Denn der eigene Wunsch nach einer platonischen Beziehung kollidiert häufig mit der Erwartung homo-, hetero- oder bisexueller Partner nach Erotik. Doch was steckt genau dahinter? Und welche Probleme können bei der asexuellen Partnersuche auftreten? ElitePartner liefert Antworten und verrät, ob eine glückliche platonische Beziehung überhaupt möglich ist.

Was ist asexuell?

Martin O. ist 37 Jahre alt und er kann an zwei Händen abzählen, wie oft er mit einer Frau geschlafen hat. Denn Martin hat partout kein Verlangen nach Sex oder körperlicher Nähe. Umarmungen sind in Ordnung, Händchen halten auch – mehr aber bitte nicht. Er findet niemanden sexuell anziehend, denn Martin ist asexuell. Dieses Phänomen beschreibt Menschen, die keine sexuellen Impulse verspüren, und gilt als dritte mögliche sexuelle Orientierung neben der Homo- und der Bisexualität. „Ich bin asexuell, oder um eine Abkürzung zu verwenden: ich bin ein Ass“, schreibt ein anderer Betroffener in der „Zeit Online“. „Das bedeutet, dass ich Menschen nicht attraktiv finde, egal welchen Geschlechts. Weder ein Waschbrettbauch noch ein Paar Brüste wecken in mir irgendeine sexuelle Reaktion. Ob Angelina Jolie, Brad Pitt oder eine Perserkatze nackt am Strand vor grandioser Sonnenuntergangskulisse entlang rennen, macht für mich keinen Unterschied. Ich finde alle drei Anblicke schön, aber nicht mehr.“

Selbsttest

Geht es Ihnen ähnlich wie in dem beschriebenen Beispiel? Die Beantwortung folgender Fragen, könnte Hinweise auf eine (leicht) ausgeprägte Asexualität geben:

  • Fühlen Sie sich bei der Vorstellung von Sex wohl?
  • Sexualisierte Werbung, Nacktbilder, erotische Filme oder Pornos – erregt Sie das?
  • Tauschen Sie gern Intimitäten aus?
  • Fühlen Sie sich zu einem Geschlecht deutlich hingezogen?
  • Ist sexuelle Erregung für Sie ein angenehmes Gefühl?

Wenn Sie die meisten oder alle Fragen mit Nein beantworten, liefert das noch längst keine Diagnose oder eine Antwort auf die Frage „Was ist asexuell?“, aber zumindest kleine Indizien, die für Asexualität sprechen könnten. Laut Studien des Psychologen Anthony F. Bogaert betrifft das etwa ein Prozent der Weltbevölkerung. Doch wer asexuell ist, hält diesen Sachverhalt in der Regel geheim. Zu groß ist die Scham vor der Dominanz der „normalen“ anderen, die sich eine lebenslange platonische Partnerschaft nicht vorstellen können.

Ursachenforschung: Veranlagung oder schlechte Erfahrungen?

Kein Bedürfnis nach Sexualität zu haben, ist weder eine Krankheit noch notwendigerweise das Ergebnis schlechter Erfahrungen, sondern vermutlich genetisch veranlagt. Über die genauen Ursachen sind sich die Forscher bis heute uneins. Ein Betroffener schreibt in der „Zeit Online“:

„Ich bin nicht asexuell, weil ich schlechte Erfahrungen mit Sex gemacht habe – ich habe eine schlechte Erfahrung mit Sex gemacht, weil ich asexuell bin.“

Er fühle sich durch seine Kurzsichtigkeit um einiges stärker eingeschränkt als durch seine Asexualität. Wie man sexuelle Anziehung empfindet, kann allerdings sehr unterschiedlich sein. Lisa Fischbach, Psychologin und Paartherapeutin, klärt auf. „Die meisten Betroffenen haben wenig bis gar keine Libido und erleben deshalb auch keine sexuelle Anziehung. Andere sind zwar sexuell erregt, das heißt, sie fühlen eine biologische Erregung, haben aber nicht den Drang, diesen Sexualtrieb mit einem Partner oder auch alleine auszuleben“, sagt die Expertin. Problematisch sei vor allem die Erwartungshaltung anderer Menschen, besonders derjenigen, in die man sich zwar verliebt, mit denen man aber ausschließlich eine platonische Beziehung anstrebt.

Asexuelle Partnersuche: ein anspruchsvolles Unterfangen

Tatsächlich ist die asexuelle Partnersuche inmitten einer Gesellschaft, die mehrheitlich hetero-, homo- oder bisexuell geprägt ist, nicht einfach. Warum? Viele Betroffene berichten davon, dass sie sich meist schon seit ihrer Pubertät anders gefühlt haben als Gleichaltrige, die mit ersten sexuellen Erfahrungen geprahlt und kaum etwas anderes als Sex im Kopf hatten. Die Folge: Wer kein sexuelles Verlangen verspürt, fühlt sich meist seit seiner Jugend ausgeschlossen, schämt sich und gibt sich nach außen hin nicht zu erkennen. „Wenn du in einem gewissen Alter noch Jungfrau bist, ist doch eh alles klar. Stempel: Versager“, schreibt ein Betroffener auf „Welt.de“. Dennoch: Auch Menschen ohne sexuelles Verlangen sehnen sich nach einer innigen Partnerschaft, allerdings in Form einer platonischen Beziehung.

Kann eine platonische Beziehung glücklich machen?

Die gute Nachricht vorweg: Auf Sex zu verzichten und dennoch eine glückliche Partnerschaft zu führen, ist möglich. Der Anthropologe und Autor Javier Léon stellt in seinem Buch „Asexualität – kann man ohne Sex leben?“ klar: Auch eine platonische Beziehung kann emotional erfüllend sein. Lisa Fischbach teilt diese Auffassung, nennt aber auch Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit kein Frust entsteht: Das Umfeld muss die Beziehungsform akzeptieren und das asexuelle Paar mit konventionellen Erwartungen an ein erotisch aufgeladenes Liebesleben verschonen. Die Betroffenen selbst sollten um die Risiken einer Beziehung mit einem Partner, der keine Lust auf Sex verspürt, wissen und sich diesen Umstand konsequent und bewusst vor Augen führen:

„Sexualität ist für viele Menschen ein Grundbedürfnis. Dieses nicht in einer Liebesbeziehung ausleben zu können, führt auf Dauer zu einer immensen Frustration.“

Eine solche Konstellation kann nur dann gelingen, wenn der Partner auch eine sehr gering ausgeprägte Libido aufweist oder wenn er sich mit dem asexuellen Partner darüber verständigt, wie er seine eigene Lust außerhalb der Beziehung ausleben kann. Hier müsse man sehr offen und ehrlich miteinander verhandeln, schon allein, um emotionale Schräglagen zu vermeiden. Die Psychologin ist überzeugt: „Frustrierte Sexualität hat eine große Sprengkraft. Und wer glaubt, dieses elementare Bedürfnis bei sich verleugnen zu können, der überschätzt sich vermutlich.“

Drei Tipps für die asexuelle Partnersuche

Klar ist: Auch wenn Menschen kein Verlangen nach körperlicher Liebe haben, sehnen sie sich dennoch nach einer zärtlichen Beziehung. Ein anonymer Nutzer fragt dazu im ElitePartner-Forum: „Ich möchte wirklich gerne wieder eine Partnerin für eine liebevolle Beziehung finden. Sollte ich ihr denn sofort die asexuelle Tendenz bei mir offenbaren?“ Userin Frederika ist überzeugt: „Ja, Du solltest Deine Asexualität früh offenbaren, denn für die allermeisten gehört eine erfüllte Sexualität unbedingt zu einer Partnerschaft dazu. Du verschwendest nur Deine und ihre Zeit, wenn Du damit zu lange wartest. Für die allermeisten Menschen ist eine Partnerschaft ohne Sex weder wünschenswert noch vorstellbar.“ Für eine erfolgreiche asexuelle Partnersuche sollten also folgende Aspekte beachtet werden:

  • Kommunizieren Sie offen Ihre sexuelle Orientierung – so vermeiden Sie später Enttäuschung und Frust.
  • Überlegen Sie sich vor einer Beziehung, ob und inwieweit Sie bereit sind, Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin sexuelle Befriedigung zu verschaffen.
  • Die Aspekte Kinderwunsch und Fruchtbarkeit sind für viele Menschen auf Partnersuche essenziell. Seien Sie ehrlich, wenn Sie über diese Themen sprechen.

Fazit: So gelingt eine platonische Beziehung

Wer noch nie in seinem Leben körperliche Lust und Verlangen verspürt hat, ist möglicherweise asexuell. Das Gleiche gilt für Menschen, die sich weder von sexualisierter Werbung noch von Pornos oder anderen Darstellungen nackter Körper erregt fühlen. Auch wenn dieser Umstand für viele seltsam wirkt, so gibt es keinen Grund zur Sorge: Kein sexuelles Verlangen zu verspüren, ist keine Krankheit, und Betroffene können sich dennoch verlieben und eine glückliche Partnerschaft führen. Wer auf asexueller Partnersuche ist, sollte sich im Idealfall jemanden suchen für den Sex eine untergeordnete Rolle spielt. Denn es gilt: Eine solche Beziehung ist meist geprägt von einem ungleich größeren Verständnis füreinander und ist weit weniger konfliktträchtig als Partnerschaften mit Menschen, die mehr wollen als eine platonische Beziehung.

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