Was der Job verrät: Klischees auf dem Prüfstand

von: Annette Riestenpatt, 22. Juni 2009

Schließen Sie die Augen und stellen sich einen typischen Physiker vor. Sehen Sie einen blassen Typen mit Pullunder? Sie sind nicht allein: Ob sexy Stewardessen oder quirlige Werber - jeder Beruf hat einen Ruf. Wir verraten, welche es sind und wie Sie mit den Klischees bei der Partnersuche umgehen.

Was der Job verrät: Klischees auf dem Prüfstand

Klar. Das behauptet Lars (38), Werber: "Jeder Mensch wählt einen Beruf, der irgendwie zu ihm passt. Ich war schon immer kreativ und hatte viele abgefahrene Ideen. Undenkbar, dass ich beispielsweise Lehrer geworden wäre." Das bestätigt auch Diplom-Psychologin Lisa Fischbach: "Wir verbringen einen großen Teil unserer Lebenszeit im Beruf. Jeder Beruf verlangt bestimmte Kompetenzen und Eigenschaften. Eine hohe Übereinstimmung zwischen dem Anforderungsprofil des Jobs und der persönlichen Fähigkeiten ist die beste Voraussetzung für Erfolg im Beruf."

Du bist, was du arbeitest

Im Klartext: Wer nichts mit Zahlen und Fakten am Hut hat, wird nicht Mathematikprofessor oder Controller. Übrigens: "Auch umgekehrt prägt uns das berufliche Umfeld. Es verstärkt vorhandene Eigenschaften. Werte, die in einem Unternehmen herrschen, sprechen eher Menschen an, die sich damit identifizieren können. Das Unternehmensklima, die Kollegen, Kunden und die Aufgaben färben ebenfalls auf uns ab." Lars schaut deshalb sehr genau darauf, was eine Frau beruflich macht, wenn er sich für sie interessiert. Allerdings ist er sich schon im Klaren darüber, dass es nicht immer klappt mit den Rückschlüssen: "Es hängt natürlich auch davon ab, inwieweit sich jemand seinen beruflichen Werdegang tatsächlich ausgesucht hat. Ich traf kürzlich eine Kinderkrankenschwester, studierte Medienwissenschaftlerin, die nach dem Studium in ihren alten Ausbildungsberuf zurück ist, weil sie nichts Passendes gefunden hatte. Eine wirklich tolle und sehr kluge Frau."

Du arbeitest, was Du bist

Lassen Sie sich also lieber nicht dazu hinreißen, mit allzu festgezurrten Vorurteilen auf einen Finanzbeamten oder eine Wellnessredakteurin zuzugehen. Ausnahmen gibt es nämlich immer. " Machen Sie sich lieber ein persönliches Bild und fragen Sie nach", rät Lisa Fischbach. Hinzu kommt: "Zwar fordert und fördert der Beruf persönliche Eigenschaften, aber der Beziehungsstil eines Menschen kann von seinem Verhalten im beruflichen Alltag stark abweichen. Schließlich hat man im Job eine andere Rolle. Ich kann im Job durchsetzungsstark und strukturiert sein, mag aber in der Beziehung eher dem Partner das Ruder in die Hand geben." Wie aber finde ich heraus, ob und was der Job über mein Gegenüber aussagt? "Fragen Sie, wie er zum Beruf, der Firma und der Position gekommen ist", empfiehlt Single-Coach Lisa Fischbach. "Das zeigt den Grad der Identifikation." Auch Fragen zum typischen Berufsalltag, den Voraussetzungen und Anforderungen sind aufschlussreich. Oder spielen Sie mit den Klischees und fragen Sie z.B., ob der Lehrer wirklich so ein Besserwisser ist oder die Anwältin tatsächlich so knallhart. Aber Vorsicht: Das wird leicht missverstanden. Also bitte unbedingt mit Humor und Wertschätzung untermalen!

Und hier die Top 5 Klischee-Berufe und die dazugehörige Realität:

Der Beamte

Das Klischee: Langweiler, Erbsenzähler, überkorrekt und unflexibel.
Die Realität: Menschen wie du und ich. Das Spektrum reicht von…bis, auch abhängig vom jeweiligen Beruf. Die Polizistin und der Finanzbeamte haben womöglich alles und rein gar nichts gemeinsam. Unberechenbar, aber aufgrund der beruflichen Sicherheit durchaus für eine bodenständige Partnerschaft geeignet.

Der Arzt

Das Klischee: Gott in Weiß, vernascht reihenweise Krankenschwestern, fühlt sich nur auf dem Golfplatz wirklich wohl.
Die Realität: Häufig unterbezahlt und überarbeitet. Kaum Zeit für den Golfplatz. Zu Hause für Doktorspiele meist nicht die Nerven. Wenn, dann selbst als Patient. Hat was, wenn man drauf steht.

Der Kreative

Das Klischee: Selbstverliebt, oberflächlich und sprunghaft.
Die Realität: In Krisenzeiten neuerdings auch oft depressiv und schwermütig. Wenn es gut läuft, meist bestens gelaunt, sehr einfallsreich und ideal für eine inspirierte Beziehung mit einem Partner, der sich selbst eher zurücknimmt, um dem Selbstdarsteller Platz zu schaffen.

Der IT-ler

Das Klischee: Fachidiot, realitätsfern und meist ungepflegt.
Die Realität: Smarte Alleskönner, die in ihrer Freizeit auch gern mal den Rechner ausgeschaltet lassen, um sich ihrem großen Freundes- und Interessenkreis zu widmen. Immer gut vernetzt und tatsächlich heiß begehrt.

Der Frisör

Das Klischee: Neudeutsch auch Stylist, einfach gestrickt, wenn weiblich – blond, wenn männlich – schwul.
Die Realität: Vorsicht, schon lange nicht mehr das, was sie niemals waren. Viele werden regelrecht als Stars gefeiert, sind klug, erfolgreich – und natürlich äußerst stilvoll und sehr attraktiv. Als Partner nur für diejenigen geeignet, die stilmäßig mithalten können und wollen.

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