Streitfalle: Nörgeleien in der Beziehung

Streitfalle: Nörgeleien in der Beziehung

von: Annette Riestenpatt

"Nie erzählst Du mir etwas...", "Nimm die Füße vom Tisch" - Nörgeleien zwischen Paaren gehören zum Alltag. Vollkommen sinnlos: Denn das Gequengel bringt die Beziehung nicht voran. Wie Sie es besser machen können, verrät Paar-Therapeutin Lisa Fischbach.

Immer machst Du alles falsch…

„An meiner Freundin würde ich nie so herummeckern wie an meinem Freund“, gibt Sandra (33) zu. Zwischen ihr und Ben (30) kommt es immer wieder zum Streit. „Meist sind es Banalitäten: Warum hat er die Spülmaschine wieder nicht ausgeräumt, warum hängt die Wäsche seit drei Tagen auf dem Dachboden?“ Nach drei Mal freundlichem Anmahnen, platzt Sandra irgendwann der Kragen. Und dann tut Ben erst Recht nicht das, was sie von ihm will. Warum nörgeln wir so oft an unserer besseren Hälfte herum? „Darin drücken sich oft unerfüllte Erwartungen an den Partner aus“, erklärt Paar-Coach Lisa Fischbach. „Aber auch Unzufriedenheit mit der Beziehung im Allgemeinen kann ein Grund sein.“ Und: Wer einen stressigen Tag im Job hatte, sucht manchmal auf diesem Wege nach einem Ventil für den eigenen Ärger.

Du bist voller Fehler!

„Früher hat Sandra nicht genörgelt“, klagt Ben. Genau das mochte er an ihr. Nun ja, nach der ersten Verliebtheitsphase folgt leider meist die Entzauberung und wir sehen den Liebsten mit allen kleinen Fehlern und Macken. Für viele Beziehungen wird das laut Lisa Fischbach zur Zerreißprobe. „Oft haben wir schon von Anfang an Eigenschaften und Verhaltensweisen beim Partner bemerkt, die wir schwierig fanden. Aber wir dachten, das ließe sich ändern. Die Strategie geht nur leider selten auf.“
Wichtig ist die Ursachenforschung: Woher kommt mein Frust eigentlich? Von außen oder hat es etwas mit der Beziehung zu tun? Erst, wenn Sie sich selbst sortiert haben, sollten Sie Ihrem Unmut freien Lauf lassen. Formulieren Sie dabei Ihre Wünsche und Erwartungen deutlich. Verstecken Sie sie nicht hinter Nörgeleien. Sonst weiß Ihr Partner nicht, was Sie von ihm wollen.
Mit Nörgeleien erreichen wir meist das genaue Gegenteil von dem, was wir eigentlich beabsichtigen: Sie werden als Kritik, Angriff, Vorwurf oder Verletzung empfunden. Typische Reaktionen, dich auch auf Bens Verhalten zutreffen: Verteidigungshaltung, Rechtfertigung, Gegenangriff oder Rückzug. „Ich mache dann einfach dicht“, sagt er.

Zurückhaltung ist angesagt

Sandra hat inzwischen gelernt, sich ein wenig zurückzunehmen, wenn sie Ben dazu bringen will, im Haushalt zu helfen: „Letztlich ist es egal, ob er den Müll heute Abend raus bringt oder morgen früh“, gesteht sie. Gut so. Das Festbeißen an bestimmten Zeitvorgaben bringt nur Frust. Sandra macht es nun so: „Ich sage ein einziges Mal, dass er bitte den Müll wegbringen soll und dann lege ich eine leere Mülltüte auf den Tisch.“ Meist klappt das wunderbar und Ben erledigt ohne Zank und Streit seinen Part im Haushalt. Er findet es gut, dass Sandra versucht, nicht überkritisch zu sein. Stattdessen freut sie sich über sein Engagement.
Anderes ist noch immer schwer zu ertragen für Sandra: Sie findet es beispielsweise schrecklich, dass Ben sein Bett nicht macht. Lisa Fischbach rät zur Coolness: „Übertragen Sie nicht Ihre Wünsche auf die des Partners.“ Wenn sich Ben also mit einem „ungemachten“ Bett wohl fühlt, dann ist das sein Problem und nicht Sandras. Sie muss lernen, das hinzunehmen – oder eben selbst sein Bett machen, wenn es ihren Sinn für Symmetrie zu sehr stört.

Dauernörgler unerwünscht

Und wie gehe ich damit um, wenn mein Partner ein Dauernörgler ist? „Lassen Sie das nicht an sich heran“, rät Lisa Fischbach. „Gehen Sie nicht in die Verteidigungshaltung oder zum Gegenangriff. Sprechen Sie lieber sachlich darüber, wenn die Wogen sich geglättet haben und versuchen Sie gemeinsam zu ergründen, woher die Unzufriedenheit genau kommt.“ Eine gute Taktik ist es, der Kritik erst einmal zuzustimmen und zumindest zum Teil wirkliche Einsicht zu zeigen. Dadurch entspannt sich die Situation und das Aufeinander-Zugehen wird erleichtert.
Ebenfalls oft hilfreich, wenn Sie sich unangemessen kritisiert fühlen: Sprechen Sie den Nörgler direkt auf seine Gefühle an. Zum Beispiel: „Ich vermute, Du bist ärgerlich auf mich und fühlst Dich vernachlässigt und deshalb bist Du jetzt so wütend.“ Wenn Ihr Partner aus irgendeinem Grund auf Sie sauer ist, dann soll er das deutlich zum Ausdruck bringen und nicht hinter vorgeschobenen Nörgeleien verstecken.
Und wenn es ganz arg kommt und Ihr Gegenüber seinen Frust und Ärger aus dem Job an Ihnen auslässt, drücken Sie die Stopp-Taste: Sagen Sie deutlich, dass dieses Schimpfen bei Ihnen an der falschen Adresse ist. Offenheit ist noch immer die beste Grundlage für ein harmonisches Miteinander.

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