Singlekompetenz

Was Singles wollen: Über die Wünsche und Ansichten Alleinlebender in Deutschland

von: Kristina v. Klot , 11. April 2018

Frauen sind als Single glücklicher als Männer. Männer wünschen sich häufiger eine Beziehung, versprechen sich mehr von der Ehe – sind aber auch offener für Sex beim ersten Date und Affären. Single-Frauen sind wegen ihrer hohen Ansprüche solo, Single-Männer weil sie schüchtern sind. Diese und weitere Ergebnisse stammen aus über zehn Jahren ElitePartner-Studie. Lesen Sie hier die spannendsten Erkenntnisse.

Inhaltsverzeichnis:

Männer möchten sich bald verlieben – Frauen haben ein anderes Ziel…

Gefragt nach ihren persönlichen Zielen für die nähere Zukunft, landet bei Single-Männern das Finden einer neuen Beziehung auf Platz eins. Jeder zweite männliche Singles, aber nur 38 Prozent der weiblichen Singles sehen dies als oberstes Ziel für die nächste Zeit. Single-Frauen dagegen setzen etwas Anderes auf ihre To Do-Liste: Wichtiger als sich zu verlieben ist ihnen ihre Figur zu verändern. Und das Reisen und Entdecken neuer Länder ist Single-Frauen nahezu ebenso wichtig wie die neue Liebe. Auch der Beziehungstrend „Cushioning“ ist vor allem bei Männern auf dem Vormarsch, wie unsere ElitePartner-Studie 2018 zeigt:

Etwa jeder zehnte Mann in Deutschland hat sich schon mal während er in einer Beziehung war andere Frauen warmgehalten, um im Falle einer Trennung weich zu fallen.

Kein Wunder: Jeder Vierte möchte laut unserer ElitePartner-Studie 2018 nach einer Trennung schnell wieder in einer Beziehung sein. Und etwa jeder Dritte sagt, dass er eine Beziehung braucht, um sich nicht alleine zu fühlen – unter den Frauen sagt dies nicht einmal jede Vierte.

Die häufigsten Gründe fürs Alleinsein

Die Mehrheit der Singles ist gerade gern Single, wünscht sich aber irgendwann wieder einen Partner. Darüber hinaus geben Frauen als Grund für ihr Single-Sein in unserer ElitePartner-Studie 2018 vor allem die Angst vor Enttäuschungen (59,4%), fehlende Gelegenheiten jemanden kennenzulernen (48,3%) sowie ihre hohen Ansprüche (48,3%) an. Männer dagegen schieben zu 49 Prozent ihrer eigenen Schüchternheit die Schuld für die fehlende Beziehung in die Schuhe. Etwa ein Fünftel der Singles – egal ob Männer oder Frauen – sagen, sie möchten sich zunächst auf die Karriere fokussieren und sind deshalb gerade solo. Nahezu ebenso viele klagen darüber, dass sie sich nicht festlegen können.

Ein weiterer interessanter Geschlechterunterschied: Mehr als jeder dritte Single-Mann sagt, er wäre solo, weil er einer Frau nicht genügend finanzielle Sicherheit bieten kann – knapp jede fünfte Frau wiederum sagt, ihre Karriere bzw. ihr Bildungsniveau würde Männer beim Kennenlernen einschüchtern. Hier drängt sich der Gedanke nach Down-Dating geradezu auf, doch dieses Modell scheint sich kaum durchzusetzen, denn nur 46 Prozent der Frauen würden sich für einen Partner entscheiden, der deutlich weniger verdient als sie selbst. Wo wir gerade beim Thema sind: Nach dem erwünschten Bildungsniveau ihres Partners gefragt, geben schließlich 48 Prozent der Frauen an, dass ihr Partner einen Uni- oder Fachhochschulabschluss haben sollte, während bei den Männern nur 37 Prozent darauf Wert legen. Dieser Logik folgt auch, dass es die überwältigende Mehrheit der männlichen Singles, nämlich 76 Prozent, nicht stören würde, wenn ihre Partnerin weniger verdienen würde als sie, während das nur bei 46 Prozent der Frauen der Fall ist. Bei den genannten Wunschberufen eines potenziellen Partners führt bei beiden Geschlechtern in unserer ElitePartner-Studie 2017 Arzt/Ärztin die Liste an, bei Männern dicht gefolgt von den Berufen Krankenschwester, Wissenschaftlerin, Lehrerin und Architektin; und bei den Frauen lautet die Rangfolge nach dem Arzt: Handwerker, Architekt, Polizist und Geschäftsführer.

Was erwarten Singles von Dates – und von festen Beziehungen?

Die Wünsche und Sehnsüchte in Hinblick auf das erste Date sind durchaus konträr: So finden es zum Beispiel 54 Prozent der Frauen gut, wenn der Mann den ersten Schritt macht und sich wie ein Gentleman verhält, während fast ebenso viele Männer es umgekehrt begrüßen würden, wenn die Frauen die Initiative ergriffen. Deutlich weniger Männer dagegen haben Lust auf die ihnen zugedachte Gentleman-Rolle. Dagegen können sich mit 39 Prozent dreimal mehr Männer als Frauen vorstellen, auch schon beim ersten Treffen Sex zu haben, „wenn die Chemie stimmt“.

Auch bei der Frage nach den Erwartungen an die nächste Partnerschaft sind Unterschiede zwischen den Geschlechtern unübersehbar. So steht bei Frauen eine Partnerschaft, die sie inspiriert und ihnen ausreichend Freiheiten und Raum zur Weiterentwicklung lässt, um knapp zehn Prozentpunkte höher im Kurs als bei Männern. Und umgekehrt wünschen sich zehn Prozent mehr Männer als Frauen, mit ihrer nächsten Beziehung eine Familie zu gründen. Und: Fast doppelt so viele Männer (50,9 Prozent) wie Frauen kreuzten an, dass das Sammeln sexueller Erfahrungen für sie große Priorität hat.

Was Singles über die Ehe denken

68 Prozent aller Singles stimmen darin überein, dass man idealerweise ein paar Jahre zusammen sein sollte, bevor man heiratet. Männer sind darüber hinaus scheinbar konservativer als Frauen: Denn sie denken deutlich häufiger, dass spätestens mit der Familiengründung der Bund der Ehe eingegangen werden sollte. Sie sind es auch, die im größeren Ausmaß als Frauen daran glauben, dass eine Ehe länger hält als eine Beziehung ohne Trauschein und dass sie hilfreich dafür ist, Beziehungskrisen zu überwinden. Interessant wird es beim Thema Heiratsantrag: Jede zweite Frau, aber noch nicht einmal jeder dritte Single-Mann finden, es wäre Sache des Mannes, den Antrag zu machen.

Frauen möchten eher getrennt wohnen als Männer

So sind Frauen zwar konventioneller in Sachen Antrag, aber deutlich liberaler was die Form des Zusammenlebens angeht: So favorisiert über die Hälfte der weiblichen Singles eine Partnerschaft mit getrennten Wohnungen, während es bei den Männern nur 44 Prozent sind. Dagegen kreuzten mehr als doppelt so viele Männer (25 Prozent) wie Frauen an, dass sie sich statt einer festen Bindung zukünftig auch mal nur eine Affäre vorstellen könnten. Offen für eine Fernbeziehung wären übrigens rund ein Drittel der Singles. Und für den Richtigen oder die Richtige würde rund jeder Fünfte seinen Wohnort aufgeben.

Single-Frauen empfinden ihr Leben anders als Single-Männer

Zu ihrem Single-Leben befragt, antworten Männer und Frauen in unserer ElitePartner-Studie 2018 in einer Hinsicht übereinstimmend: 56 Prozent aller Singles kreuzten „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“ an. Das Klischee vom verzweifelten Alleinlebenden sei damit weitgehend wiederlegt. Darüber hinaus zeigen sich allerdings Unterschiede im Single-Leben von Männern und Frauen: Während Frauen ihr Leben häufiger mit Attributen wie „stressig“, „kreativ“ und „unruhig“ beschreiben, finden Single-Männer ihr Leben öfter „entspannt“, „ruhig“, sogar „leidenschaftslos“ und „langweilig“. Interessant: Bei Frauen unter 30 ist die Zufriedenheit über den Ist-Zustand am größten, bei Singles ab 60 am geringsten. Mit ihrem Freundes- und Bekanntenkreis sind auffallend mehr weibliche als männliche Singles zufrieden. Dagegen konstatieren alleinstehende Männer eine höhere Zufriedenheit bei den Themen Aussehen, finanzielle Situation und Fitness.

Frauen haben eine höhere Single-Kompetenz als Männer

Nur ein Drittel der Single-Frauen wollen laut ElitePartner-Studie zeitnah eine neue Beziehung finden – aber die Hälfte der Männer. Warum ist das so? Tatsächlich haben Frauen eine höhere Single-Kompetenz, ein Begriff, den Diplom-Psychologin Lisa Fischbach von ElitePartner geprägt hat. Single-Kompetenz, das bedeutet, sich allein zufrieden zu fühlen, ein gutes Leben aufzubauen. Da immer mehr Menschen zumindest zeitweise als Single leben, wird eine solche Kompetenz immer wichtiger.

Was macht Frauen zu den besseren Singles?

Frauen haben einen aktiveren, engeren Freundeskreis, wo sie Unterstützung und Geborgenheit erfahren und sich emotional austauschen können. Sie gestalten ihr Zuhause angenehm, sorgen sich um sich selbst. Unsere bevölkerungsrepräsentative ElitePartner-Studie zeigt: 69 Prozent der Frauen finden es besonders erstrebenswert, gute Freunde zu haben, 59 Prozent möchten für die Familie da sein, 56 Prozent legen viel Wert auf Freizeit, wollen das Leben genießen. Ebenso viele möchten reisen. Eine Partnerschaft kommt hinter all diesen Zielen erst auf Platz acht. Bei Männern dagegen spiel sie eine größere Rolle.

Die höhere Single-Kompetenz führt dazu, dass Frauen häufiger eine Beziehung beenden, wenn sie nicht mehr glücklich sind

Sie haben schlicht weniger Angst vor dem Alleinsein als Männer. Gerade Frauen, denen heute beruflich wie auch privat alle Möglichkeiten offenstehen, profitieren von einer bewussten (Aus)Zeit von Paarbeziehungen, in der sie sich auf sich selbst fokussieren und sich entfalten können. Eine Studie der US-Psychologin und Buchautorin Bella DePaulo („Singled Out“) belegt das ebenfalls. Ihre Forschungsergebnisse zeigen, dass Singles lebendigere Netzwerke haben, größeren Wert auf sinnstiftende Jobs legen und ein insgesamt ausgefülltes Leben führen. Und so wächst mit der besseren Sicht auf sich selbst dann auch der Wunsch nach einer neuen Partnerschaft.

Frauen – besonders im Alter – gelinge es deutlich besser als Männern, mit ihrem Alleinleben zufrieden zu sein

Die Begründung: Sie kümmern sich deutlich stärker um Aufbau, Erweiterung und Pflege ihres Bekannten- und Freundeskreises. Das damit einhergehende Gefühl des Eingebundenseins in ein soziales Netz, in dem man Verbindlichkeit und Nähe erlebt, löse seltener das Gefühl des Alleinseins und der Einsamkeit bei Frauen aus. Stattdessen seien weibliche Singles glücklich und emotional weitgehend ausgelastet, sie träfen sich für gemeinsame Hobbys oder zu Unternehmungen und würden miteinander verreisen.

„Auffallend viele Frauen leisten sich zunehmend höhere Ansprüche, insofern sie sagen: ‚Bevor ich mich in eine Partnerschaft begebe, in der ich unzufrieden bin, bleibe ich lieber Single‘.“

Diese Haltung, die sich in den Umfragen nicht zuletzt in ihrem deutlich geringeren Interesse an der Institution Ehe widerspiegele, könnten sie sich aber nur leisten, weil sie imstande seien, Nähe und Intimität auch aus anderen Beziehungen zu ziehen, so Fischbach.

„Zum emotionalen Aufgehobensein gehört auch ein körperliches Geborgenheitsgefühl, das Freundinnen einander vermitteln, etwa wenn sie bei einem gemütlichen Fernsehabend vertraut unter einer Decke zusammen liegen.“

Egal, ob es darum gehe, für sich allein zu kochen oder generell für sich zu sorgen: Frauen, so die Erfahrung der Psychologin, haben offenbar eine größere Begabung, sich auch als Single wohlzufühlen.

Männer brauchen häufig eine Partnerin, um sich wohlzufühlen

Für Männer dagegen, so Fischbach, sei das Alleinleben deshalb häufig belastender, weil sie, auch wenn sie in Partnerschaften seien, sehr viel seltener und weniger Freundschaften pflegten und als Single, wie die Umfragen belegten, häufiger als Frauen berufliche Erfolge und materielle Güter wie ein neues Auto anstrebten.

„Und wenn dann eine Trennung kommt, erleben sie die Einsamkeit unverhältnismäßig stärker als Frauen, was sie auch häufig in Partnerschaften treibt, nur um diesen Zustand zu beenden.“

Das erklärt auch, warum weitaus mehr männliche als weibliche Singles in den Erhebungen ein auffallend großes Sicherheitsbedürfnis offenbaren und sich deutlich häufiger als Frauen für eheähnliche Formen des Zusammenlebens aussprechen, weil sie sich von diesen eine größere Sicherheit und Verbindlichkeit versprechen.

Bei der Partnersuche seien Männer in einer Hinsicht deutlich im Vorteil, so Fischbach. Denn was die Ansprüchen an eine Partnerin angehe, würden sie sich als deutlich flexibler erweisen als Frauen, denen ihre überzogenen Erwartungen an eine Beziehung tendenziell im Weg stünden.

„Je größer die Sehnsucht ist, nicht länger allein zu leben, etwa weil man sich allein nicht wohl- oder sogar nicht komplett fühlt, desto größer ist auch die Kompromissbereitschaft.“

Andererseits seien Frauen aber auch nach einer zwei, drei Jahre andauernden Partnersuche zufriedener als Männer:

„Frauen fühlen sich als Single nicht nur als Suchende, als inkompletter Mensch, sondern nutzen diese Phase häufig, um sich selbst weiterzuentwickeln.“

So erlebt die Psychologin in den von ihr einmal wöchentlich angebotenen Single-Coaching-Sprechstunden immer wieder, dass die Mehrheit der weiblichen Singles 50plus sehr zufrieden ist mit ihrem Leben und zum Beispiel bekundet: „Ein Mann an meiner Seite wäre jetzt noch das i-Tüpfelchen!“ Von Männern dagegen kämen solche Sätze seltener, sie seien im Vergleich dazu mit ihrem Alleinsein deutlich unglücklicher. „Die sagen häufiger: Ich brauche eine Partnerin, um mich wohlzufühlen.“

 

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