Sapiosexualität

Sapiosexualität: Ein intelligenter Chat als Vorspiel?

von: Maren Jannen

Vor allem auf Dating-Portalen bekennen sich immer mehr Menschen zur Sapiosexualität. Das bedeutet: Liebe geht nicht mehr durch den Magen, sondern durchs Gehirn. Wir verraten Ihnen, was hinter diesem Phänomen steckt und inwiefern Online-Dating-Plattformen eine ideale Umgebung für Sapiosexuelle bieten.

„Sapiosexualität“ ist ein relativ neuer Begriff, hinter dem sich das Phänomen verbirgt, dass sexuelles Begehren durch den Intellekt eines Menschen und nicht durch sein Äußeres geweckt wird. Das Wort setzt sich aus dem lateinischen sapere (Wissen) und sexus (Geschlecht) zusammen und taucht vor allem im Internet immer häufiger auf. Durch die eingeführte Kategorie „sapiosexuell“ auf vielen Dating-Portalen wurde der Begriff erst in den letzten Jahren so richtig populär. Man ist nun also nicht mehr nur hetero-, homo-, bi- oder transsexuell, sondern liegt mit der zusätzlichen Selbstbeschreibung „sapiosexuell“ voll im Trend. Denn Intelligenz drückt sich vor allem in Sprache aus und besonders beim Chatten ist das Phänomen häufig zu beobachten – die User sehen sich nicht, fühlen sich aber dennoch aufgrund der geschriebenen Worte zueinander hingezogen.

Sapiosexualität: die Anziehungskraft eines schlauen Menschen

Die Psychologin Diana Rabb erklärt diese spezielle Vorliebe so:

„Das Gehirn ist unser größtes Sexualorgan. Leute, die sich eingestehen, sapiosexuell zu sein, werden sagen, dass sie vom Intellekt eines Menschen heiß werden, und von den inneren Werten einer anderen Person angezogen. Als Vorspiel stehen Sapiosexuelle vielleicht eher auf philosophische, politische oder psychologische Diskussionen.“

Vorbei sind damit die Zeiten, in denen mit einem Waschbrettbauch oder den idealen Maßen von 90-60-90 beeindruckt werden konnte. Was zählt, ist geballtes Wissen! Kurzum: In der Sapiosexualität geht die Liebe also nicht mehr durch den Magen, sondern durchs Gehirn.

Deshalb ist eine Partnervermittlung ideal für Menschen geeignet, die einen besonders intelligenten und schlauen Partner suchen. Denn beim Flirt in virtuellen Räumen steht die schriftliche Kommunikation im Vordergrund. Der Mensch präsentiert sich über seine Worte, kreiert ein Bild von seinem Humor und Intellekt. Wenn Sie also auf Eloquenz und Wissen Wert legen, werden Sie anhand der Nachrichten ziemlich schnell einschätzen können, mit wem Sie es zu tun haben. Sie lernen Ihr Gegenüber schließlich als erstes auf einer sprachlichen und nicht auf einer körperlichen Ebene kennen. Das kommt erst später, doch dann spielt das Aussehen speziell für Sapiosexuelle schon keine große Rolle mehr.

Auf die erste Nachricht kommt es an

Doch zunächst muss der Kontakt hergestellt werden. Ähnlich wie im realen Leben gilt dabei auch im Chat – und ganz besonders für Bekenner zur Sapiosexualität: Der erste Eindruck zählt. Was einmal geschrieben wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden. Während es bei einigen Dating-Apps zu Beginn lediglich auf das Foto ankommt, das man in sein Profil geladen hat, und somit nur rein vom Äußerlichen her entschieden wird, ob man jemanden attraktiv findet oder nicht, ist das bei Menschen, die Wissen als anziehend empfinden, genau umgekehrt.

Hier kommt es im Chat gleich auf die erste Nachricht an, was bedeutet: Mit einfallslosen Banalitäten wie „Hi“ oder „Hallo Süße“ werden Sie vergeblich auf eine Antwort warten. Wenn Sie jemanden anschreiben wollen, der sich das Prädikat „sapiosexuell“ gegeben hat, dann geben Sie sich Mühe beim ersten Anschreiben. Achten Sie beim Verfassen Ihrer ersten Nachricht deshalb besonders auf folgende Aspekte:

  • Achten Sie auf eine korrekte Rechtschreibung.
  • Schreiben Sie in vollständigen Sätzen.
  • Vermeiden Sie Floskeln.
  • Suchen Sie nach speziellen und interessanten Informationen im Profil und feuern Sie auf ein Detail eine Wissensraktete ab.

Individualität wird bei der ersten Nachricht großgeschrieben, schließlich wollen Sie Ihren potenziellen Partner beeindrucken. Und keine Angst: Es kann gar nicht intelligent genug sein, abschrecken werden Sie jemanden, der auf Wissen steht, damit ganz sicher nicht!

Ist schlau wirklich das neue sexy?

Denn Intelligenz kann nur für jemanden interessant sein, der selbst über einen gewissen Intellekt verfügt und auf Augenhöhe auf sein Gegenüber eingehen kann. Dabei kommt es nicht darauf an, dass man dasselbe Nischenwissen besitzt, sondern vielmehr in den Bereichen Gesprächsniveau, Humor oder Sprachwitz auf einer Wellenlänge ist.

Sapiosexuelle Menschen sind also weniger auf den Körper als auf den Geist fixiert. Doch ist es wirklich möglich, sich komplett von allen Äußerlichkeiten frei zu machen und jemanden ausschließlich aufgrund seiner Intelligenz erregend zu finden? In diesem Punkt scheiden sich die Geister.

Mehr Frauen sapiosexuell als Männer

Laut diverser Studien bekennen sich mehr Frauen zur Sapiosexualität als Männer. Dazu passt die Theorie des Sexualforschers Ulrich Clement, der in einem „Zeit“-Interview feststellt:

„Intelligenz ist attraktiv, weil sie vermittelt, dass jemand Ressourcen hat und auch auf lange Sicht eine interessante Perspektive bietet. Hinzu kommt, dass das Empfinden von Attraktivität, wie überhaupt jede Emotion, über das Gehirn läuft.“

Heißt: Sapiosexuelle Frauen sind eher an einer tiefergehenden Beziehung interessiert als an einem kurzen Techtelmechtel. Auch haben Untersuchungen von Sapiosexualitätsforschern ergeben, dass ein direkter Zusammenhang zwischen dem IQ eines Mannes und der Qualität seines Spermas besteht. Das würde die These von Clement stützen.

Intelligente Gespräche als erotisierendes Vorspiel

Doch wie funktioniert das mit der Sapiosexualität, wenn man nach dem intensiven Wissensaustausch auf der Dating-Plattform schließlich in der Realität aufeinander trifft? Marc Messer, Gründer des Hochbegabten-Netzwerkes „Mensa“, sorgt sich im Interview mit der „Welt“ um die Authentizität: „Mein Gegenüber kann mir schmeicheln, sich schmalzige Worte zurechtlegen, ein Image spielen. Ich selbst könnte monatelang eine Rolle spielen, ohne dass es auffliegt. Das ist alles nur virtuelle Onanie.“

Der intelligente Chat mag für Sapiosexuelle den Weg zu einer Beziehung oder gar zum Sex ebnen, die körperliche Befriedigung erfordert dann allerdings mehr. Somit muss man den tiefsinnigen Austausch von Worten vielmehr als eine Art Vorspiel verstehen, der bei Menschen, die Geist und Intellekt sexy finden, einen höheren Stellenwert einnimmt als der Liebesakt per se.

Sapiosexualität: ein neues Phänomen?

Ist Sapiosexualität nun also ein Phänomen der Generation Y, für die das Internet und die darin verbreiteten Trends eine übergeordnete Rolle spielen? Nein, die Weisheiten „Schönheit ist vergänglich – Wissen bleibt bestehen“ oder auch „Intelligenz macht sexy“ gibt es schließlich nicht erst seit gestern. Schon der französische Dichter Arthur Rimbaud gab im 19. Jahrhundert in seinen Werken zu bedenken, dass der Körper schneller verfalle als der Geist und stellte in dem Zusammenhang gleich die Frage, was von beidem für uns wohl in Bezug auf die Anziehung eine größere Rolle spiele. Abschließend wird man diese Frage wohl nie beantworten können.

Fazit: trotz Sapiosexualität muss die Chemie stimmen

Egal, wie viel und wie schlau man über eine Online-Dating-Plattform miteinander gechattet hat: Letztendlich stellt in den meisten Fällen das erste Aufeinandertreffen im realen Leben die Weichen für den weiteren Verlauf und das Zustandekommen einer Beziehung. Nicht umsonst heißt es, dass die Chemie zwischen zwei Menschen stimmen muss, und die ist nun mal eindeutig eine körperliche Reaktion. Bestenfalls verbirgt sich hinter einem schönen Körper auch noch ein ein smarter Kopf, mit dem eine bereichernde Partnerschaft auf Augenhöhe und ein geistiger Austausch auf hohem Niveau möglich ist.

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