Online-Partnersuche mit Handicap

Partnersuche mit Handicap

von: Saskia Balke

Jens zieht beim Gehen den linken Fuß ein wenig nach. Eva hat ein Hörgerät. Thorsten ist auf den Rollstuhl angewiesen. Sie alle haben eines gemeinsam: Mit leichten bis schweren körperlichen Einschränkungen sind Sie alle Singles mit Behinderung und stehen vor derselben Herausforderung – der Partnersuche mit Handicap. Muss man körperliche Beeinträchtigungen beim Online-Dating eigentlich unbedingt angeben? Und wann ist der richtige Zeitpunkt, sie zu erwähnen? Wir haben bei ElitePartner-Expertin und Single-Coach Lisa Fischbach nachgefragt.

Verschweigen kann bei der Partnersuche mit Handicap verschrecken

Die attraktive Ellen, Anfang 40, wollte endlich wieder einen Mann kennenlernen und meldete sich bei einer Online-Partnervermittlung an. Als sie einem interessanten Mann beim vierten Date auch körperlich näher kam und sich ihrer Kleider entledigte, zeigte dieser sich irritiert. Ellen hatte vor vielen Jahren aufgrund von Erfrierungen beim Alpinwandern drei Zehen verloren. Der Mann brach das Liebesspiel ab – und den Kontakt ebenso. Dabei kann Ellen trotz der Amputationen normal laufen und hat sich so sehr an ihre Behinderung gewöhnt, dass sie bei der Partnersuche mit Handicap schlicht vergessen hatte, den Mann vorzuwarnen. Der fühlte sich jedoch beim Anblick ihrer körperlichen Versehrtheit offenbar überfordert und suchte das Weite. Vielleicht wäre der Kontakt anders verlaufen, wenn Ellen ihm in einem passenden Augenblick erzählt hätte, dass ihre Füße ein wenig anders aussehen als erwartet.

Wie dieses Beispiel zeigt, kann sich für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen die Überlegung lohnen, wie offen sie mit diesen bei der Partnersuche mit Handicap umgehen möchten: Eine persönliche und höchst individuelle Entscheidung.

Partnersuche mit Handicap: wie und wann körperliche Einschränkungen offenbaren?

Betroffene nutzen immer häufiger das ElitePartner-Forum, um mehr über die Erwartungen der anderen Singles zu erfahren, wann diese gerne von einem Handicap erfahren würden. Ein Nutzer rät: „Persönlich bin ich der Meinung, dass Du das irgendwo bei ‚Das Besondere an mir ist, dass…’ oder woanders hineinschreiben bzw. bei den ersten Kontakten angeben solltest.“ Ein anderer Gast schreibt hingegen: „Nein, ich würde es nicht mit ins Profil schreiben, genau wie Krankheiten… Wenn du merkst, dass Interesse von der anderen Seite da ist, sagst/schreibst du es einfach. Dann wirst du schon sehen, was passiert. Aber trotzdem nicht zu spät damit rausrücken! Also innerhalb der ersten Mails oder beim ersten Telefonat.“

In der öffentlichen Diskussion wird deutlich: Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt der Offenbarung bei der Partnersuche mit Handicap polarisiert. Ist die Angabe einer körperlichen Einschränkung wirklich schon im Profil empfehlenswert oder besser erst im persönlichen Kontakt eine Erwähnung wert? Folgende Überlegungen können bei dieser Entscheidung helfen: Ist die körperliche Beeinträchtigung bei einer persönlichen Begegnung sofort erkennbar und schränkt zum Beispiel Mobilität oder normale Aktivitäten stark ein? Oder betrifft sie eher intimere Lebensbereiche?

Ehrlichkeit verschafft Singles mit Behinderung Vorteile

Sich als Person möglichst authentisch darzustellen, ist beim Online-Dating grundsätzlich die beste Wahl – das gilt auch für die Partnersuche mit Handicap. Thorsten ist auf einen Rollstuhl angewiesen und hat sich dafür entschieden, neben einem Porträtfoto zusätzlich ein Ganzkörperbild einzustellen, das ihn im Rollstuhl zeigt – denn das Hilfsgerät gehört zu seinem alltäglichen Leben einfach dazu, Thorsten möchte es nicht künstlich verbergen. Auch im Profil möchte er seine Einschränkung zumindest andeuten. Single-Coach Lisa Fischbach rät: „Eine Art Offenbarungspflicht besteht zu keiner Zeit. Dass Thorsten von Anfang an mit offenen Karten spielt, verschafft ihm jedoch den Vorteil, dass seine Kontakte von Anfang an von seiner Versehrtheit wissen und dieser offenbar aufgeschlossen gegenübertreten. Eine gute Voraussetzung für das weitere Kennenlernen. Wer wie Thorsten eine körperliche Beeinträchtigung im Profil angeben möchte, sollte sich gleichzeitig Gedanken über die eigenen Stärken machen und diese formulieren.

Wer auf einen Rollstuhl angewiesen ist, kann zum Beispiel schreiben: ‚Das Besondere an mir ist, dass ich trotz meines Rollstuhls sehr aktiv und sportlich bin.’

Wichtig ist ein positiver und lebensbejahender Tenor, der nicht das Handicap, sondern die Persönlichkeit und Interessen betont.“

Wann sich frühe Offenheit bei der Partnersuche mit Handicap auszahlt

Ein Forenteilnehmer zeigt sich vorsichtiger: „Ob ich eine Behinderung allerdings sofort im Profil angeben würde, empfinde ich als sehr zweifelhaft, denn hier werden schon Leute nur wegen ihrer Haarfarbe, Beruf, Kindern o.ä. sofort gelöscht, bevor man den Menschen dahinter überhaupt jemals beleuchtet hat.“ Lisa Fischbach gibt zu bedenken: „Wer schon im Profil auf seine körperlichen Einschränkungen hinweist, erhöht tatsächlich das Risiko, auf versendete Partneranfragen häufiger eine Absage zu erhalten. Die Selektion erfolgt hier also zu einem sehr frühen Zeitpunkt. Bei der Partnersuche für Behinderte sollte dies keinesfalls persönlich genommen werden und Ausdauer bewiesen werden. Gleichzeitig ist es vorteilhaft, dass Betroffene so vor allem Response von ehrlich interessierten Singles erhalten, die mit einem Handicap umgehen können.

Je später ein Betroffener seine sichtbare Einschränkung preisgibt, umso stärker steigt das Risiko, dass sich ein interessierter Kandidat getäuscht fühlen könnte.

Frühe Offenheit bei der Partnersuche mit Handicap kann sich also auszahlen, wie auch einige Forenstimmen zeigen. Ein 33-jähriger Mann berichtet: „Ich habe auch schon eine Frau mit einer körperlichen Behinderung (Gehbehinderung) gedatet. Der Kontakt war sehr gut und ich habe mich in sie sogar verliebt, leider hat es dann von ihrer Seite her nicht gepasst.“ Ein anderer schreibt: „Ich bin 48 und habe eine Frau mit spastischer Lähmung kennengelernt. Ich habe mich in sie verliebt und es spielte für mich keine Rolle, dass sie im Rollstuhl saß. Wir haben geheiratet und drei tolle Kinder bekommen.“

Offenbarungen verdienen eine Vertrauensbasis

Ist das Handicap eines Singles mit Behinderung nicht offenkundig, sondern handelt es sich um eher um ein nicht sichtbares oder womöglich intimes Handicap, ist eine frühe Offenbarung nicht indiziert. Der richtige Zeitpunkt ist stattdessen so individuell wie die Beeinträchtigung, verdient aber bei der Partnersuche mit Handicap jedem Fall einen vertrauten Moment. Dazu berichtet Diplom-Psychologin Lisa Fischbach von einem Fall aus ihrer Praxis: Ein Mann, Ende Dreißig, der an Morbus Osler leidet, einer Bindegewebsschwäche der Gefäße. Diese Erbkrankheit bleibt im Alltag eher unbemerkt, bringt keine großen Einschränkungen mit sich, kann allerdings in bestimmten Situationen zu sehr starkem Nasenbluten führen – vor allem bei Erregung. Also war dem Betroffenen klar: Vor dem ersten Sex muss er sein Handicap ansprechen. An einem intimen und vertrauten Abend weihte er sein Date ein. Für die offene Art erntete er einen innigen Kuss.“ Fazit: Richtiger Zeitpunkt, passendes Gegenüber.
Vorkommen kann es jedoch immer, dass der Partner in spe eine solche Bekundung zu einem späteren Zeitpunkt falsch auffasst oder sich getäuscht fühlt. Doch Forennutzerin, 32, beschwichtigt: „Sicher kann man jetzt argumentieren, dass ein möglicher Partner das Recht hat zu wissen worauf er sich einlässt. Auf der anderen Seite hat jeder das Recht auf Intimität, was für mich hier schwerer wiegt.“

Partnersuche für Behinderte – kein Handicap für die Liebe

Manche Menschen lassen beim Online-Dating eine gewisse „Katalog-Mentalität“ walten, andere nutzen das Medium, um schon früh einen authentischen Eindruck der anderen Person zu erhalten, der über den optischen Faktor hinausgeht, um einen passenden Partner zu finden. Daher empfiehlt es sich grundsätzlich, spielerisch, mit einer gewissen Leichtigkeit und ohne große Erwartungen an die Partnersuche für Behinderte heranzugehen. Die erhöhte Angst Betroffener, auf Ablehnung zu stoßen, ist verständlich – aber unnötig. „Ich erhalte viele Absagen. Ist mein sichtbares Hörgerät Schuld?“ fragt sich ein Forenteilnehmer besorgt. Ein anderer antwortet: „Es bekommen auch viele ohne Brille und Hörgeräte Absagen, vielleicht gefällst du den Damen einfach nicht. Passiert hier fast allen.“ Viele Menschen gehen aufgeschlossener mit einem Handicap um, als es mancher Betroffene für möglich hält. Ein Nutzer schreibt: „Bei vielen Behinderungen kann ich mir [eine Beziehung] vorstellen, ich habe auch schon eine Frau mit Behinderung gedatet. Dass es nichts wurde, lag nicht an der Behinderung.“ Und ein weiterer Nutzer bestätigt: „Nur oberflächliche Menschen schließen einen Partner mit Behinderung aus.“ Insofern eröffnet die Partnersuche mit Handicap Singles eine gute Chance, mit ihrer Persönlichkeit zu punkten und online auf Menschen zu treffen, die unvoreingenommen auf der Suche nach einem passenden und nicht nach einem vermeintlich „perfekten“ Partner sind.

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