Ein Paar umarmt sich und ist füreinander da, um Mental Health in ihrer Beziehung zu fördern und gemeinsam durch Krisen zu kommen

Mental Health: Wie Stress, Krisen und psychische Erkrankungen Beziehungen fordern

Beziehungen  |  31.03.2022

6 von 10 Paaren haben bereits eine größere Krise zusammen bewältigt und jede:r fünfte Liierte hatte schon einmal eine:n Partner:in, der:die psychisch erkrankt ist: Auch wenn der Wunsch nach einer unbeschwerten Liebe groß ist, werden Paare immer wieder von schwierigen Lebensereignissen gefordert, das zeigen die Daten der bevölkerungsrepräsentativen ElitePartner-Studie 2022. Nicht jede:r ist sich dabei sicher, mit einer psychischen Erkrankung des:r Partners:in umgehen zu können. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Partnerschaften bieten besonders in schwierigen Zeiten emotionalen Halt und können vor Überlastung schützen.


Mann und Frau voneinander abgewandt haben Streit in der Beziehung

60%

… der Paare haben in ihrer aktuellen Beziehung schon eine größere Krise oder ein schwieriges Lebensereignis zusammen bewältigt

n = 3.981 Liierte


Jeder vierte Mann hat bereits erlebt, dass ein:e Partner:in psychisch erkrankt ist

Ob Krankheit, Arbeitslosigkeit, beruflicher Stress oder Pandemie – gesellschaftliche wie persönliche Krisen betreffen in einer Beziehung immer beide Partner:innen. Und sie sind nicht selten – das zeigt die bevölkerungsrepräsentative ElitePartner-Studie 2022, für die etwa 4.000 Liierte zu ihren Erfahrungen in der aktuellen und in früheren Partnerschaften befragt wurden. 6 von 10 Paaren haben in ihrer jetzigen Beziehung bereits eine größere Krise oder ein schwieriges Lebensereignis gemeinsam bewältigt und 21 Prozent der Liierten haben schon erlebt, dass ein:e Partner:in von ihnen psychisch erkrankt ist. Unter Männern berichtet das sogar jeder vierte (24 Prozent, Frauen: 18 Prozent). Bei 15 Prozent der Befragten war der:die Partner:in deshalb auch in ärztlicher Behandlung. In vielen Fällen überstehen Partnerschaften diese Herausforderung – doch 7 Prozent geben an, dass eine psychische Erkrankung schon einmal Auslöser für eine Trennung war.

„Ich habe schon erlebt, dass ein:e Partner:in von mir psychisch erkrankt ist (z.B. Depression, Burnout, Angststörung)“

„Ich habe schon erlebt, dass ein:e Partner:in von mir wegen einer psychischen Erkrankung in Behandlung war (z.B. Therapie, Medikation, Klinik, Kur)“

Frauen
Männer
3.981 Liierte (erwachsene deutsche Internetnutzer), bevölkerungsrepräsentativ quotiert und gewichtet nach Alter, Geschlecht und Bundesland sowie Beziehungsstatus. Angaben in Prozent

Stärkeres Bewusstsein oder höhere Belastung? Unter 30 spielt Mental Health eine besondere Rolle

Psychische Erkrankungen scheinen vor allem jüngere Beziehungen zu beanspruchen – oder das Bewusstsein dafür ist in dieser Altersgruppe größer. Liierte zwischen 18 und 29 geben am häufigsten an, schon einmal erlebt zu haben, dass ein:e Partner:in psychisch erkrankt ist (31 Prozent) – insbesondere junge Männer haben häufig Erfahrungen mit psychisch erkrankten Partner:innen gemacht (41 Prozent, Frauen u30: 23 Prozent). Aber auch in den 30ern spielt das Thema eine Rolle (26 Prozent; Frauen: 21 Prozent, Männer: 31 Prozent). In den älteren Altersgruppen sind es dagegen deutlich weniger Befragte – trotz womöglich umfangreicherer Beziehungserfahrung (40-49 Jahre: 20 Prozent, 50-59 Jahre: 16 Prozent, 60-69 Jahre: 13 Prozent). Jüngere haben außerdem weitaus häufiger erlebt, dass eine psychische Erkrankung zum Beziehungsaus geführt hat: Jede:r achte Liierte unter 30 hat bereits eine Trennung aufgrund einer psychischen Erkrankung hinter sich (12 Prozent).

Ich habe schon erlebt, dass ein:e Partner:in von mir psychisch erkrankt ist (z.B. Depression, Burnout, Angststörung)

Liierte nach Alter

18-29
30-39
40-49
50-59
60-69
3.981 Liierte (erwachsene deutsche Internetnutzer), bevölkerungsrepräsentativ quotiert und gewichtet nach Alter, Geschlecht und Bundesland sowie Beziehungsstatus. Angaben in Prozent

Frühwarnsystem Partnerschaft: Wie die Liebe schützen kann

Die gute Nachricht: Partnerschaften haben durchaus das Potenzial, vor Überlastung zu schützen. Drei Viertel der liierten Frauen und Männer bestätigen, dass ihre Partnerschaft ihnen in Krisenzeiten emotionalen Halt gibt (76 Prozent). Je länger Paare zusammen sind, desto stärker wirkt sich dieser Effekt aus. Darüber hinaus achten zwei Drittel der Liierten bei ihrem:r Partner:in ganz gezielt auf Anzeichen von Stress, Sorgen und Überforderung – Frauen (72 Prozent) sind hier noch einmal wachsamer als Männer (66 Prozent). Gerade mit Blick auf Arbeitsstress ist allein das Vorhandensein einer Beziehung schon ein positiver Faktor. Mit 55 Prozent sagen jedenfalls gut die Hälfte der Befragten, dass ihre Partnerschaft ihnen hilft, auf ihre Work-Life-Balance zu achten – Männer (58 Prozent) profitieren hier tendenziell etwas mehr als Frauen (54 Prozent).


Frau sitzt verzweifelt im Bett und blickt aus dem Fenster um herauszufinden wie sie Trennung verarbeiten kann

Partnerschaften können Überarbeitung vorbeugen und dafür sorgen, dass mentale Probleme früher erkannt werden:

n = 4.041 Liierte

69%

„Ich achte bei meinem:r Partner:in bewusst auf Anzeichen von Stress, Sorgen oder Überforderung“

56%

„Meine Partnerschaft hilft mir, auf meine Work-Life-Balance zu achten“


Aus Unsicherheit oder Rücksicht: Jede:r Zweite verharmlost Stress und Sorgen

Allerdings sind Liierte nicht immer ehrlich mit ihrem:r Partner:in, was ihre Sorgen und Probleme angeht – offenbar aus falsch verstandener Rücksichtnahme. So hat jede:r zweite schon Stress, Ängste oder Überforderung verharmlost, um den:die Partner:in nicht zu belasten – Frauen (52 Prozent) übrigens genauso häufig wie Männer (53 Prozent). Eine mögliche Erklärung: Jede:r Dritte hat oft das Gefühl, dass der:die Partner:in nicht damit umgehen kann, wenn es ihnen schlecht geht (32 Prozent). Wie viel Unsicherheit im Umgang mit psychischen Erkrankungen vorherrscht, zeigen nicht zuletzt die folgenden Zahlen: Unabhängig von der Beziehungszufriedenheit hat jede:r Vierte Angst, der:die Partner:in könnte sich trennen, wenn man selbst psychisch erkranken würde (25 Prozent). Und auch die Selbstzweifel sind groß, denn umgekehrt sind sich ebenso viele unsicher, ob sie mit einer psychischen Erkrankungen ihres:r Partners:in umgehen könnten (je 25 Prozent).

Frauen
Männer

„Ich habe schon Stress, Sorgen oder Überforderung verharmlost, um meine:n Partner:in nicht zu belasten“

„Wenn es mir schlecht geht, ist mein:e Partner:in oft unsicher, wie er:sie damit umgehen soll“

„Ich hätte Angst, dass mich mein:e Partner:in verlassen würde, wenn ich psychisch erkranke“

„Ich weiß nicht, ob ich damit umgehen könnte, wenn mein:e Partner:in psychisch erkranken würde“

4.041 Liierte (erwachsene deutsche Internetnutzer), bevölkerungsrepräsentativ quotiert und gewichtet nach Alter, Geschlecht und Bundesland sowie Beziehungsstatus. Angaben in Prozent

Zukunftsängste, Zweifel und Corona: Nicht jede:r fühlt sich gewappnet für die nächste Krise

Nicht zuletzt hat auch die Erfahrung mit der Corona-Pandemie Spuren hinterlassen: Jede:r vierte Liierte gibt an, dass die Pandemie die Beziehung zumindest phasenweise belastet hat und 15 Prozent der Frauen sowie 22 Prozent der Männer sind sich unsicher, ob ihre Beziehung noch eine weitere Krise wie Corona übersteht. Dass Zukunftsängste und Sorgen Beziehungen auch weiter begleiten werden, zeigt folgende Zahl: Angesichts der Weltlage zwischen Pandemie, Klimakrise und politischen Entwicklungen hatte schon im Befragungszeitraum Ende 2021 jede:r dritte Liierte in Deutschland Angst vor der Zukunft (Frauen: 37 Prozent, Männer: 34 Prozent).


Psychologin Lisa Fischbach von ElitePartner: „Wenn Paare aufmerksam sind, über Belastungen sprechen und Ängste teilen, stärken sie ihr seelisches Immunsystem“

„Die besondere Bedeutung von Partnerschaften für die Stärkung unserer Resilienz wird gerade in Zeiten sichtbar, die jede:n einzelne:n von uns wie auch das Paarleben sehr fordern“, so Diplom-Psychologin und ElitePartner-Expertin Lisa Fischbach. „Die aktuelle Zunahme an Stressoren wie Zukunftsangst, Ungewissheit, erlebte Hilflosigkeit oder finanzielle Sorgen bringt junge Erwachsene und insbesondere Frauen stärker aus dem Gleichgewicht und die Psyche erkrankt. Ein weniger tabuisierter Umgang mit psychischen Erkrankungen ermöglicht, früher niedrigschwellige Angebote aufzusuchen und Hilfe zu erhalten. Wenn Paare gegenseitig aufmerksam sind, offen über ihre Belastungen sprechen sowie Kummer und Ängste teilen, stärken sie ihr seelisches Immunsystem und haben ein großes Potenzial, miteinander zu wachsen.“


„Von Krisen und kritischen Ereignissen – z.B. Krankheit, Arbeitslosigkeit, beruflicher/familiärer Stress, Pandemien, Katastrophen – sind auch Partnerschaften betroffen. Welche der folgenden Aussagen treffen auf Sie zu?“

GesamtFrauenMänner
In meiner aktuellen Beziehung haben wir schon eine größere Krise oder ein schwieriges Lebensereignis zusammen bewältigt59,664,355,1
Ich habe schon erlebt, dass ein:e Partner:in von mir psychisch erkrankt ist (z.B. Depression, Burnout, Angststörung)20,817,923,6
Ich habe schon erlebt, dass ein:e Partner:in von mir wegen einer psychischen Erkrankung in Behandlung war (z.B. Therapie, Medikation, Klinik, Kur)15,211,818,5
Eine psychische Erkrankung (z.B. Depression, Burnout, Angststörung) hat schon einmal zu einem Beziehungsaus geführt7,06,67,4
Keine davon27,726,528,9
3.981 Liierte (erwachsene deutsche Internetnutzer), bevölkerungsrepräsentativ quotiert und gewichtet nach Alter, Geschlecht und Bundesland sowie Beziehungsstatus. Angaben in Prozent

„Und inwieweit treffen die folgenden Aussagen auf Sie bzw. auf Ihre aktuelle Partnerschaft zu?“

GesamtFrauenMänner
Meine Partnerschaft gibt mir in Krisenzeiten emotionalen Halt76,076,675,4
Ich achte bei meinem:r Partner:in bewusst auf Anzeichen von Stress, Sorgen oder Überforderung68,771,765,7
Meine Partnerschaft hilft mir, auf meine Work-Life-Balance zu achten55,853,957,6
Ich habe schon Stress, Sorgen oder Überforderung verharmlost, um meine:n Partner:in nicht zu belasten52,752,453,0
Angesichts der aktuellen Weltlage (Corona, Klimakrise, politische Entwicklungen) habe ich Angst vor der Zukunft35,136,533,8
Wenn es mir schlecht geht, ist mein:e Partner:in oft unsicher, wie er:sie damit umgehen soll32,135,229,1
Die Corona-Pandemie hat meine Beziehung zumindest phasenweise belastet25,924,327,4
Ich hätte Angst, dass mich mein:e Partner:in verlassen würde, wenn ich psychisch erkranke25,222,527,8
Ich weiß nicht, ob ich damit umgehen könnte, wenn mein:e Partner:in psychisch erkranken würde24,521,227,7
Ich weiß nicht, ob meine Partnerschaft noch eine weitere Krise wie die Corona-Pandemie überstehen würde18,415,221,6
4.041 Liierte (erwachsene deutsche Internetnutzer), bevölkerungsrepräsentativ quotiert und gewichtet nach Alter, Geschlecht und Bundesland sowie Beziehungsstatus. Angaben in Prozent

Informationen zur Studie
  • Art der StudieBevölkerungsrepräsentative ElitePartner-Studie 2022
  • MethodeOnline-Befragung
  • TeilnehmerErwachsene deutsche Internetnutzer von 18 bis 69 Jahren
  • Fallzahl3.981 Liierte / 4.041 Liierte
  • ErhebungszeitraumOktober/November 2021
  • InstitutFittkau & Maaß
  • Region/Stadt/LandDeutschland / bevölkerungsrepräsentativ quotiert und gewichtet nach Alter, Geschlecht und Bundesland sowie Beziehungsstatus