Die Generation Y tickt in der Liebe anders als oft gedacht

So liebt die Generation Y wirklich

von: Beatrice Bartsch

Beziehungsunfähig, selbstbezogen, oberflächlich. Es gibt vieles, was der Generation Y nachgesagt wird. Immer wieder wird die Gruppe der 18 bis 35-Jährigen eingeschätzt, vermessen und in Schubladen gesteckt. Aber wie gut können Außenstehende die Wünsche und Sehnsüchte einer Generation wirklich nachvollziehen? In unserer ElitePartner-Studie 2017 haben wir die Menschen selbst gefragt, was sie über Beziehungen und Partnersuche denken – und was sie sich für die Liebe wünschen. Mit erstaunlichen Ergebnissen.

Eine Generation zwischen zwei Welten

Die Generation Y ist, weit mehr als andere Generationen, Produkt eines kulturellen Wandels. Aufgewachsen in einer analogen Kindheit, als man noch im Flur stehend auf dem Festnetz telefonieren musste, wurde sie in ihrer Jugend geprägt durch die ersten Jahre des breit verfügbaren Internets, der unbegrenzten Kommunikation. In diesem Kontrast entstand schon in jungen Jahren eine Sehnsucht nach früheren Zeiten, eine gewisse „weißt du noch in den 90ern“-Nostalgie. Und die scheint sich nicht nur in der Wahl des Party-Mottos, sondern auch in ihrer Sicht auf die Liebe niederzuschlagen. Denn die Generation Y gibt sich in Liebesdingen nicht immer so modern und vorwärtsgewandt, wie häufig angenommen.

In Liebesdingen ist die Generation Y konservativer als ihre Eltern

Ein Beispiel: Heiratsanträge. Die Generation-Y wünscht sich einen traditionellen, fast schon konservativen Heiratsantrag. Für 32 Prozent sollte der Partner auf die Knie gehen und jeder Siebte wünscht sich sogar die Zustimmung der Eltern zur Verlobung. In ihrer Elterngeneration, der Generation X, wollen das gerade einmal neun beziehungsweise drei Prozent. Die Gruppe der 36- bis 51-Jährigen gibt sich also weit offener. Jeder Dritte entscheidet hier lieber gemeinsam, zu heiraten – und würde gern auf den klassischen Antrag verzichten. In der jüngeren Generation Y findet das gerade einmal jeder Fünfte so richtig gut. Und auch sonst steht ewige Liebe bei den Jüngeren hoch im Kurs – Scheidungsstatistiken und Co zum Trotz: Unsere ElitePartner-Studie 2017 zeigt, dass sich 64 Prozent der Generation-Y-Singles und 80 Prozent derer, die vergeben sind, idealerweise nur eine einzige, lebenslange Partnerschaft wünschen. Obwohl sie sich längst vom gesellschaftlichen Zwang zur Heirat emanzipiert hat, sehnt sich die Generation Y nach dieser einen Beziehung, die ein Leben lang hält.

Selbstbestimmt heißt nicht kompromisslos egoistisch

Man fragt sich bloß, wie diese eine Liebe halten soll, wenn man nur an sich denkt. Denn das ist schließlich einer der häufigsten Vorwürfe gegenüber der Generation Y. Immer wieder heißt es, sie sei verhätschelt, gerade im Berufsleben besonders fordernd und sowieso vor allem auf sich selbst bezogen. Tatsächlich macht es auf den ersten Blick den Eindruck, als ginge es der Generation Y auch in der Liebe vorrangig um das eigene Wohlbefinden. Mit 87 Prozent stimmen fast neun von zehn Vergebenen der Aussage zu „eine Beziehung muss mich erfüllen (und nicht ständig fordern)“.  Die junge Generation hat auch merklich höhere Ansprüche an die Eigenschaften des Partners als die vorangegangene und wäre generell etwas eher bereit, sich zu trennen.

Doch auf der anderen Seite gibt es vieles, was die Menschen zwischen 18 und 35 ihrem Partner und ihrer Beziehung zuliebe tun oder aufgeben würden – sogar jede Menge. 63 Prozent würden für die Liebe in eine andere Stadt ziehen, ein ähnlich großer Anteil seine Lebensgewohnheiten ändern und fast jeder Zweite eine Paartherapie machen. Zwar finden sowohl in Generation X als auch Y mit 96 Prozent so gut wie alle Befragten, dass Kompromisse zu einer Beziehung dazugehören. Doch hakt man gezielt nach, wozu sie wirklich bereit sind, dann stellt sich die Generation Y als weit kompromissbereiter heraus. Ob treu sein, das Rauchen aufgeben, beim Sex Neues probieren, sich für das Hobby des Partners begeistern oder der Verzicht auf einen Flirt – in allen Aspekten weist die Generation Y eine deutlich höhere Kompromissbereitschaft auf als die Generation X. Nur das Berufliche stellen drei von fünf Ypsilonern über eine Beziehung.

Tiefgang ausdrücklich erwünscht – Männer wollen über Gefühle reden

Wenn sie also schon nicht liebesmüde oder kompromissunfähig ist, ist die Generation Y dann nicht zumindest ganz schön oberflächlich in der Art, wie sie Beziehungen führt? Immerhin haben Menschen zwischen 18 und 35  schon mehr sexuelle Erfahrungen gesammelt als der Durchschnitt – obwohl sie viel weniger Zeit dazu hatten. Jeder Vierte hatte sogar schon mit einem guten Freund Sex. Spricht das nicht für flüchtige Bindungen, Wille zur ewigen Liebe hin oder her? Vieles spricht aber dafür, dass die Art, wie die Generation Y ihre Beziehungen führt, nicht oberflächlich ist. Und im Gegenteil sogar jede Menge Tiefgang hat, emotional wie intellektuell. Unsere ElitePartner-Studie 2017 zeigt: Für 18- bis 35-Jährige ist es das Wichtigste in einer Partnerschaft, über Gefühle zu sprechen. Ganze 96 Prozent legen großen Wert darauf, sich dem Partner emotional zu öffnen. Vor allem die jüngere Männer-Generation möchte Gefühle zeigen: mit 93 Prozent deutlich mehr als die X-Männer mit 85 Prozent. Und auch tiefsinnige und gesellschaftliche Themen will die Y-Generation mit ihrem Partner diskutieren (74 Prozent gegenüber 67 Prozent). Tiefgang ist also ausdrücklich erwünscht.

Und was ist nun mit der Beziehungsunfähigkeit?

Das häufigste Attribut, das die Generation Y sich anhängen lassen muss, ist wohl ihre vermeintliche Beziehungsunfähigkeit. Aber mal ehrlich: Pauschal deutet dieser Mix aus Selbstbestimmtheit und Ansprüchen auf der einen und Kompromissbereitschaft sowie emotionaler Offenheit auf der anderen Seite nicht wirklich auf eine Beziehungsunfähigkeit hin. Von einer generellen Beziehungsunwilligkeit kann bei dieser Generation, die so sehr nach ewiger Liebe strebt, auch nicht die Rede sein. Aber vielleicht kann man ihr zumindest eines attestieren: Leichte Startschwierigkeiten. Unverbindlichkeit ist durchaus ein Thema, jedenfalls scheint man sich gegenseitig unverbindlich zu finden: Immerhin 65 Prozent der Generation-Y-Singles meinen, sie treffen häufiger auf Männer und Frauen, die sich nicht festlegen wollen. Andererseits: Über sich selbst sagen dann wieder nur 30 Prozent, dass sie sich schwer auf einen einzigen Partner festlegen können. Das ist nicht mehr als in anderen Altersgruppen, entspricht sogar ziemlich dem Durchschnitt. Vielleicht möchte man die Schuld bloß lieber bei den anderen suchen, als bei sich selbst? Eine Generation, die besonders gut in Ausreden ist? Oder eine, die ihre gegenseitigen Signale kolossal fehlinterpretiert?

Schaut man sich allerdings das Selbstvertrauen der Generation-Y-Singles an – nur gut jeder zweite Single zwischen 18 und 35 glaubt, bald einen Partner zu finden – liegt eine Schlussfolgerung auch gar nicht so fern: Vielleicht haben wir es ihnen einfach nur zu sehr eingeredet – dieses Ding mit der Beziehungsunfähigkeit.

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