Affäre oder Beziehung? Mann und Frau gemeinsam im Bett

Affäre oder Beziehung – kann aus einer Liaison etwas Ernstes werden?

von Maren Jannen , 11. Februar 2020

Ein Treffen hier, ein Treffen da, die Chemie stimmte und es machte Spaß. Doch schon bald stellte sich Sehnsucht ein. Alles wurde intimer und dann war klar: Eine Affäre reichte nicht mehr. Plötzlich waren Gefühle im Spiel und das Verlangen nach einer richtigen Partnerschaft wurde größer. Doch worin besteht eigentlich der Reiz eines Verhältnisses – vor allem, wenn einer der Beteiligten vergeben ist? Und ist der Sprung von einer Affäre in eine Beziehung überhaupt zu schaffen?

Inhaltsverzeichnis

Warum lassen sich Singles auf eine Affäre ein?

Es muss nicht immer gleich eine feste Beziehung sein: Viele Singles sind zunächst gar nicht auf der Suche nach einer Partnerschaft, sondern lassen sich lieber erst einmal auf eine unverbindliche Affäre ein. Dafür gibt es viele Gründe:

  • Der Vergnügungsfaktor: Eine Affäre klingt zunächst einfach nur nach Spaß – der Single kann sich körperlich auf jemanden einlassen und die Vorzüge der Nähe genießen, ohne sich emotional öffnen oder binden zu müssen.
  • Der Unabhängigkeitsfaktor: Sich nur auf eine Person festzulegen, fällt einigen schwer. Bleibt es bei einer oberflächlichen Affäre, sind die Beteiligten in der Regel weiterhin frei, zu tun und zu lassen, was sie möchten. Das betrifft auch den Blick in die Zukunft: Wer beruflich viel auf Reisen ist oder nicht weiß, wo es ihn demnächst hinverschlägt, ist weniger offen für eine verbindliche Partnerschaft.
  • Der Zeitfaktor: Gerade im heutigen Alltag geht vieles hektisch zu. Wie praktisch, wenn man dann nicht noch zusätzlich in eine Beziehung investieren muss, sondern seine Freizeit so verbringen kann, wie man möchte. Eine Affäre ist da weniger zeitintensiv als eine Partnerschaft und verspricht daher einmal mehr: Unabhängigkeit.
  • Der Hoffnungsfaktor: Auch wenn sich viele Singles bewusst einen Affärenstatus aussuchen, gibt es natürlich auch diejenigen, die sich eigentlich eine Beziehung wünschen. Mit einer Affäre verbinden sie dann einen ersten Schritt der Annäherung, jedoch mit der Hoffnung verbunden, dass daraus im Laufe der Zeit mehr entstehen könnte.

Warum lassen sich Vergebene auf eine Affäre ein?

Doch nicht nur Singles, sondern auch viele Vergebene führen trotz ihrer Beziehung eine Affäre. Woran liegt das?

  • Sie wollen den Sex: Vor allem in länger bestehenden Beziehungen kommt es vor, dass das körperliche Verlangen nach dem Partner abnimmt. Obwohl alles andere zwischen ihnen stimmt, sind sie dann unter Umständen empfänglicher für Abenteuer außerhalb der Partnerschaft. Sie stillen dann lediglich die körperlichen Bedürfnisse und holen sich die selbstbestätigenden Streicheleinheiten, die ihnen in ihrer Beziehung fehlen.
  • Sie reizt das Verbotene: Natürlich darf auch nicht unterschätzt werden, welche Macht der Reiz des Verbotenen ausüben kann. Für viele ist es verlockend, aus der Routine auszubrechen und etwas für sich selbst zu tun. Ist das dann auch noch etwas, von dem keiner wissen darf, macht die prickelnde Heimlichkeit die Affäre umso reizvoller und aufregender.
  • Sie genießen die Aufmerksamkeit: Oft ist eine Affäre deshalb so unwiderstehlich für vergebene Menschen, weil sie das Gefühl haben, wieder von einem anderen Menschen wirklich und völlig neu wahrgenommen zu werden. In der eigenen Beziehung werden keine lebendigen Gespräche mehr geführt, die Erotik fehlt, die Aufmerksamkeit schwindet. Das gezeigte Interesse an der eigenen Person wirkt dann wie ein Aphrodisiakum und übt oft eine größere Anziehungskraft aus als die Aussicht auf Sex. Es ist der Hunger nach einer zwischenmenschlichen Beziehung, die die Betroffenen in die Untreue treibt.
  • Sie suchen Selbstbestätigung: Ein weiterer Grund, der Vergebene dazu bringen kann, sich auf eine Affäre einzulassen, ist das Bedürfnis, das eigene Selbstwertgefühl zu heben. Dies kommt häufiger bei Männern vor, die sich durch ein abnehmendes Sexualleben mit der Partnerin schnell abgewertet und nicht gewollt fühlen.

Wie kann aus einer Affäre eine Beziehung werden? Die Anzeichen

Nicht immer bleibt es unverbindlich und unkompliziert: Es fing zwar harmlos an, doch inzwischen merken Sie, dass Sie sich mehr wünschen als lediglich den Status einer/eines (heimlichen) Geliebten. Die Affäre wird immer intensiver und schließlich gestehen Sie sich ein, verliebt in einen vergebenen Mann oder eine vergebene Frau zu sein. Folgende Anzeichen können dafür sprechen, dass die Chancen für eine Beziehung ziemlich gut stehen.

1. Es geht nicht nur um Sex

Eine Affäre lebt vom Unverbindlichen, Spontanen. In der Regel geht es dabei vor allem um erotische Abenteuer. Verbringt er/sie jedoch auch außerhalb des Bettes immer öfter Zeit mit Ihnen, lässt sich auf intensive Gespräche ein und zeigt gesteigertes Interesse an Ihrer Person, scheinen bereits Emotionen im Spiel zu sein. Auch, wenn Sie sich selbst zunehmend Fragen wie „Vermisst er/sie mich?“ oder „Was bedeutet die Affäre für den Mann bzw. die Frau“ stellen, kann es darauf hindeuten, dass bereits mehr zwischen Ihnen entstanden ist.

2. Sie zeigen sich zunehmend zusammen in der Öffentlichkeit

Von wegen Heimlichkeit: Obwohl Sie sich nicht in einer offiziellen Beziehung befinden und er/sie vielleicht sogar vergeben ist, verbringen Sie viel Zeit miteinander. Auf der Straße laufen Sie vielleicht Hand in Hand, Sie gehen zusammen auf Partys oder Veranstaltungen, selbst wenn Sie Gefahr laufen, dass Sie jemand erkennen könnte. Kurzum: Sie verstecken sich und ihre Gefühle nicht. Das ist ein gutes Zeichen dafür, dass Sie die Affäre in eine Beziehung umwandeln können.

3. Sie haben viel Kontakt

Eine WhatsApp-Nachricht am Morgen, eine kleine Sprachnachricht zum Mittag und am Abend dann das vertraute Telefonat: Wer ständig in Kontakt miteinander steht, intensiviert automatisch das Verhältnis zueinander. Schnell wird so aus der unverbindlichen Affäre ein innigerer Kontakt – schließlich lernen Sie sich auf diese Weise immer besser kennen und kommen sich auch emotional näher.

4. Sie sprechen offen über Ihre Gefühle

Über Gefühle zu sprechen, ist oft ein Anzeichen für das Ende einer Affäre. Denn mit Emotionen gehen Verbindlichkeit, Verantwortung und Ernsthaftigkeit einher. Tauschen Sie sich dennoch offen darüber aus und schrecken dabei auch nicht vor dem Wort „Beziehung“ zurück, kann es gut sein, dass aus dem anfänglichen Abenteuer mehr entsteht.

5. Sie malen sich gemeinsame Zukunftsszenarien aus

Auch wenn es zunächst Luftschlösser sind, die Sie malen – sobald Sie anfangen, Pläne zu schmieden, die in etwas entfernterer Zukunft liegen, dürfen Sie „Beziehungsluft“ wittern. Sei es ein gemeinsamer Urlaub oder ein gebuchter Tanzkurs – wer bereit ist, sich nicht nur für das Jetzt, sondern auch für das Morgen festzulegen, zeigt, dass ihm/ihr bereits mehr an der Affäre liegt.

6. Sie stellen sich gegenseitig Ihren Familien vor

Sobald Sie sich gegenseitig mit Ihren Freunden oder Familien bekannt machen, stehen die Zeichen in Richtung Beziehung: Denn durch das Kennenlernen nahestehender Personen wird der Flirt zwischen Ihnen real und verlässt die Sphären heimlicher Unverbindlichkeit. Aber: Das bloße Versprechen und Vorhaben, Sie vorzustellen, reicht nicht aus – hier zählen allein die Taten, denn Worte können in diesem Fall nur Schall und Rauch sein.

7. Der Vergebene zieht Konsequenzen und beendet seine Beziehung

Ein klares Signal ist natürlich außerdem, wenn sich der Vergebene vor seinem Partner zum Fremdgehen bekennt und im besten Fall auch gleich die Beziehung beendet, weil er Gefühle entwickelt hat. Dann wäre er/sie frei und Ihnen stehen für die Zukunft alle Wege offen, sich zusammen auszuprobieren.

Wann und warum ist es wichtig, eine Entscheidung zwischen Affäre und Beziehung zu treffen?

Egal, ob Sie alleinstehend oder vergeben sind – sobald einer von Ihnen beiden ernstere Absichten entwickelt hat, hört der unverbindliche Spaß auf. Spätestens dann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem Sie die Entscheidung treffen müssen, ob Sie den Sprung von der Affäre in eine Beziehung wagen möchten. Denn durch die Gefühle können schnell unterschiedliche Erwartungshaltungen entstehen. Der Verliebte sehnt sich nach einem beständigeren Kontaktaustausch, wünscht sich mehr Zeit und träumt von einer gemeinsamen Zukunft. Dann kann es passieren, dass der Betroffene beginnt, akut unter der Unverbindlichkeit zu leiden – ist sie doch schließlich genau das Gegenteil von dem, was gewünscht wird.

Haben sich bei Ihnen keine Gefühle entwickelt, sollten Sie die Affäre beenden. Jemanden mit vagen Versprechungen abzuspeisen oder hinzuhalten, nur um weiterhin die prickelnde Liaison zu genießen, ist nicht fair. Und auch, wenn Sie sich in einer Partnerschaft befinden, ist es ratsam, sich irgendwann zwischen Affäre und der bestehenden Beziehung zu entscheiden. Ein schlechtes Gewissen kann Ihren inneren Seelenfrieden auf Dauer belasten, auch kann Ihr Partner durch Ihr verändertes Verhalten misstrauisch werden. Die aufkommenden Konfliktsituationen sind für alle Beteiligten belastend und – sind Kinder mit im Spiel – nicht dauerhaft tragbar.

Beziehung oder Affäre? Diese Fragen können helfen

Sie sind hin- und hergerissen zwischen Ihrer Affäre und Ihrer Beziehung und wissen nicht, wie Sie sich entscheiden sollen? Stellen Sie sich folgende Fragen, um mehr Klarheit zu gewinnen in dem, was Sie wirklich möchten:

  1. Ist die Affäre zufällig entstanden oder haben Sie sie aktiv provoziert?
  2. Sind Sie schon öfter fremdgegangen?
  3. Vermissen Sie die Affäre, wenn Sie sie länger nicht gesehen haben?
  4. Haben Sie ernsthafte Gefühle für Ihre Affäre entwickelt?
  5. Ertappen Sie sich dabei, sich Zukunftsvisionen mit der Affäre vorzustellen?
  6. Sind Sie schon länger unglücklich in Ihrer Beziehung?
  7. Überlegen Sie schon länger, Ihren Partner zu verlassen?
  8. Wie sehr beeinflusst Sie die Meinung Ihres sozialen Umfelds in Ihrem Handeln?

Fazit: Aus einer Affäre kann durchaus eine Beziehung werden

Eine Affäre kann prickend, aufregend und belebend sein – keine Frage. Für jemanden, der sich zeitlich und örtlich nicht festlegen möchte, nur ein Abenteuer sucht oder seine Unabhängigkeit genießt, ist ein unverbindliches Verhältnis oft die attraktivere Variante zu einer Beziehung, in die investiert werden muss. Schwieriger wird es jedoch, wenn mindestens einer der Beteiligten vergeben ist oder sich in die Affäre verliebt. Dann muss die Entscheidung her: Wagen wir den Schritt in eine ernsthafte Beziehung? Sollten Sie bereits vergeben sein, dann machen Sie sich klar: So schade es ist, aber Sie können auf Dauer nicht alles haben. Sind Sie der- oder diejenige, die frei ist und sich mehr erhofft haben, dann bleiben Sie optimistisch: Wenn Sie bereits offen über Ihre Gefühle sprechen, immer häufiger den Kontakt zueinander suchen, von einer gemeinsamen Zukunft träumen und einander eventuell schon Freunden oder der Familie vorgestellt haben, dann stehen die Zeichen für eine mögliche Beziehung ziemlich gut. Denn authentische Gefühle und eine Affäre schließen sich nicht aus. Erst wenn Sie beginnen, ernsthaft unter der Situation zu leiden, sollten Sie die Notbremse ziehen. Führen Sie sich vor Augen, was Sie wert sind: Sie sind keine Zweitbesetzung, sondern eine Erstbesetzung!