Eltern und Kinder Füße unter der Decke als Symbol für Kuckuckskind

Kuckuckskinder – wenn die Wahrheit ans Licht kommt

von: ElitePartner Redaktion , 14. Februar 2018

Martin kann den Gedanken nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Warum sieht Jonas so anders aus als seine anderen beiden Kinder? Heller Teint, rote Haare und ein viel schlankerer Körperbau als Leon und Luise. Seine Zweifel zum Thema Kuckuckskinder gegenüber Katharina offen anzusprechen, traut sich Martin nicht. Was, wenn Jonas wirklich nicht sein leiblicher Sohn ist? Schließlich hegte Martin bereits damals den Verdacht, dass Katharina eine heimliche Affäre hatte. Aber woran ist ein solches Kind zu erkennen und was ist beim Verdacht auf ein Kuckuckskind zu tun?

Wie viele Kuckuckskinder gibt es in Deutschland?

Das Gerücht, dass bis zu zehn Prozent aller Kinder in Deutschland Kuckuckskinder sind, hält sich hartnäckig. Immer mehr Studien belegen, dass der tatsächliche Anteil nur bei knapp zwei Prozent liegt. Allerdings ist jeder dieser Fälle für die Betroffenen ein schwerer Schicksalsschlag. Schon der Verdacht, dass es sich beim Sohn oder der Tochter um das Kind eines anderen Mannes handeln könnte, stürzt einen Vater in blanke Verzweiflung. Entsetzen, Wut, Angst, Ohnmacht – all das sind Emotionen, die auf ihn einprasseln. Entsetzen und Wut über die Ungeheuerlichkeit, von der Frau betrogen und belogen worden zu sein. Verzweiflung und Angst, dass die Familie auseinanderbricht, auch die Beziehung. Und schließlich Ohnmacht, wie der Verdacht aus der Welt geschafft oder zur Gewissheit werden kann.

Was ist überhaupt ein Kuckuckskind?

Um ein Kuckuckskind handelt es sich, wenn ein durch Heirat oder eingetragene Lebenspartnerschaft „rechtlicher“ Vater ohne sein Wissen nicht der biologische Vater des gemeinsamen Kindes ist. So werden aber nicht nur Kinder bezeichnet, deren Vater ein anderer ist als angenommen oder von der Frau behauptet wird. Es gibt auch Kuckucksmütter und Kuckuckseltern, wenn Kinder im Krankenhaus vertauscht werden oder bei der künstlichen Befruchtung irrtümlich Eizellen mit dem Samen eines fremden Mannes befruchtet werden.

Woran lässt sich ein Kuckuckskind erkennen?

Hinweise darauf, dass es sich um ein Kuckuckskind handeln könnte, geben zum einen auffällige äußerliche Unterschiede zu den eigenen Eltern, etwa bei der Hautfarbe, der Haarfarbe, der Körpergröße oder dem Körperbau. Auch wenn sich Geschwister von vermeintlich gleichen Eltern optisch nicht ähnlichsehen, weder einander, noch Vater oder Mutter und anderen engen Verwandten, kann ein Verdacht entstehen. Wenn es darum geht, ein Kuckuckskind zu erkennen, kann das Gerede über frühere Beziehungen oder Affären der Mutter zum Verdacht führen, dass sie etwas verschweigt. Schließlich gibt es Fälle, wo sich durch eine Blutuntersuchung zufällig herausstellt, dass das Kind gar nicht mit dem Vater (oder der Mutter oder beiden) verwandt ist.

Kuckuckskind: Vater unbekannt?

Manche Mütter sind sich nicht sicher, wer der Vater ihres Kindes ist, etwa weil sie beim errechneten Schwangerschaftsbeginn mehr als einen Sexualpartner hatten. So ging vielleicht die alte Beziehung gerade zu diesem Zeitpunkt zu Ende und die neue schloss direkt an. Wenn das Kind größer wird und möglicherweise dem Ex-Partner stark ähnelt, verdichten sich die Verdachtsmomente, dass es sich um ein Kuckuckskind handelt. Weiß der Partner nichts von dem früheren Nebenbuhler, ist die Frau zusätzlich in der Zwickmühle.

So manche Frau schweigt aus Scham und aus Angst, vom Partner verlassen zu werden. Sie schiebt ihm dadurch bewusst ein Kind unter. Der Preis für diese Lüge ist hoch. Die Frau zerstört vorsätzlich die Vertrauensbasis zu ihrem Partner und zu ihrem Kind, denn beide werden betrogen. Zudem muss sie damit rechnen, dass ihr Betrug jederzeit aufgedeckt werden kann. Außerdem muss sie mit ihrem schlechten Gewissen und Schuldgefühlen gegenüber Mann und Kind zurechtkommen. Paartherapeut Peter Thiel erklärt im Interview mit stern.de:

„Für die Frau bedeutet Schweigen, dass sie jahrzehntelang eine Lüge aufrechterhalten muss. Das kostet sie enorme Kraft. Auch für die Beziehung ist es eine Belastung. Thiel rät allen Frauen, die Möglichkeit eines Kuckuckskindes offen auszusprechen. Sein Fazit: „Die Wahrheit ist langfristig leichter.“

Kuckuckskind – was kann man(n) tun?

Wenn ein Mann den Verdacht hegt, dass er ein Kuckuckskind untergeschoben bekommen hat, kann er die Mutter des Kindes offen darauf ansprechen, so schwer es auch fällt. Wenn sie den Vorwurf abstreitet und er dennoch Gewissheit will, kommt es darauf an, ob er als „rechtlicher“ Vater des Kindes unterhaltspflichtig ist. Juristisch gesehen ist er das durch Heirat oder eingetragene Lebenspartnerschaft mit der Mutter. Dann kann er die Vaterschaft vor Gericht offiziell anfechten.

Was ist jetzt rund um das Thema Kuckuckskinder zu tun? Will ein Freund klären, ob er der biologische Vater des Kindes ist, kann er eine Vaterschaftsfeststellungsklage einreichen. Dann wägen die Gerichte in jedem Fall einzeln ab, ob die Rechte des Kuckuckskindes oder auch der aktuellen Familie höher zu bewerten sind, als das verständliche Interesse des Mannes an Aufklärung. Bei Klageeinreichung muss der (Ex-)Freund seinen Verdacht schlüssig begründen, vage Vermutungen genügen nicht. Großeltern, Verwandte oder Freunde haben nicht die Möglichkeit, eine fremde Vaterschaft feststellen zu lassen. Heimliche DNA-Tests, etwa durch das Einschicken von Haarproben an Labore im Ausland, sind illegal und in Deutschland nicht als Beweismittel zugelassen.

Die psychischen Folgen für das Kuckuckskind

Wenn Kinder erfahren oder selbst den Verdacht haben, ein Kuckuckskind zu sein, belastet sie das emotional extrem. Ihr Seelengefüge gerät durcheinander. Die Frage nach der eigenen Identität und damit auch der genetischen Herkunft ist existenziell und bestimmt häufig das ganze Leben. Wer bin ich überhaupt? Warum belügt mich meine Mutter? Was, wenn mein Zweifel an die Beziehung zu meinen Eltern zu Unrecht besteht? Verletze ich damit meine Eltern?

Traut sich ein Kind, seine Zweifel auszusprechen und es stellt sich heraus, dass es stimmt und der Vater vielleicht sogar davon weiß, hat das ebenfalls massive psychische Folgen für das Kuckuckskind. Denn nun fühlt es sich von Mutter und Vater betrogen. Dass es sich nicht um den leiblichen Vater handelt, spielt dabei weniger eine Rolle als das erschütterte Urvertrauen.

„Die emotionale Bindung zu den tatsächlich vorhandenen Eltern ist entscheidend“

, erklärt Diplom-Psychologe Klaus Neumann vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP).

Identität entscheidend – auch für Kuckuckskinder

Kuckuckskinder haben wie Adoptivkinder oder Kinder aus einer Samenspende das dringende Bedürfnis und auch das Recht zu erfahren, wer ihre leiblichen Eltern sind. In Fällen, in denen sich der rechtliche Vater mit der Mutter darauf geeinigt hat, dennoch über die Herkunft des Kindes zu schweigen, wird das Vertrauen des Kindes zu beiden nachhaltig gestört. Das Kind muss dann mit Hilfe eines Vormundes vor Gericht selbst einen Vaterschaftstest durchsetzen, um sich als Kuckuckskind anerkennen zu lassen.

Peter Thiel erklärt gegenüber stern.de, ein Kind spüre meist, dass etwas in der Familie nicht stimmt. „Unklare, widersprüchliche Verhältnisse sind eine große Gefahr für seine psychische Entwicklung. Und oft kommt die Lüge später doch irgendwann heraus.“ Thiel rät daher, „dem Kind spätestens im Grundschulalter die Wahrheit zu sagen“.

Fazit: Bei Kuckuckskinder gilt – Ehrlichkeit ist das A und O

Im Allgemeinen gibt es in Deutschland weitaus weniger Fälle von Kuckuckskindern als vermutet. Doch wenn ein Familienmitglied den Verdacht hegt, sollte die offene Kommunikation im Mittelpunkt stehen. Ob es nun das Kind selbst ist, welches die Fragen hat oder der misstrauische Vater, beide sollten das Thema behutsam ansprechen. Dabei gibt es mehrere Gründe, wie es dazu kommen kann – und vorsätzlicher Betrug ist nicht immer der Fall. So können Babys im Krankenhaus vertauscht worden oder etwas bei der künstlichen Befruchtung schiefgegangen sein. Manchmal weiß auch die Mutter selbst nicht so genau, wer der eigentliche Vater des Kindes ist. Um psychische Folgen für das Kuckuckskind zu vermeiden, ist Ehrlichkeit der Sorgeberechtigten der einzig richtige Weg. Nur wenn die Eltern mit offenen Karten spielen und dem Kind vermitteln können, dass es nicht weniger geliebt wird, nur weil es einen anderen Vater hat, kann das Kuckuckskind unbeschadet aus der Situation hervorgehen. Die Familie, in der es lebt und deren Liebe ist – wie für andere Kinder auch – wichtiger als die Gene. Außerdem ist es von großer Bedeutung, dem Kind nicht vorzuenthalten, wer sein leiblicher Vater ist, falls es das wissen möchte.

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