Wie oft kann man sich verlieben?

Können wir uns wirklich nur dreimal verlieben?

von: Juliane Rietzsch

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Das gilt – zumindest angeblich – auch für die Liebe. Laut Sozialpsychologen gibt es exakt drei Arten der Liebe, die wir im Laufe unseres Lebens durchlaufen. Aber ist die Rechnung wirklich so einfach? Wir haben unsere Diplom-Psychologin Lisa Fischbach gefragt.

Die drei Lieben unseres Lebens

Mit nur einem Menschen gemeinsam alt werden – das wünschen sich laut unserer ElitePartner-Studie 60 Prozent der Singles und sogar 80 Prozent der Liierten in Deutschland. Monogamie und das Streben nach der einen wahren Liebe im Leben stehen also auch in Zeiten proklamierter Beziehungsunfähigkeit hoch im Kurs. Doch die Wissenschaft macht uns einen Strich durch die rosarote Rechnung. Ihre These: Wir durchlaufen in unserem Leben exakt drei Arten der Liebe, die sich grundlegend voneinander unterscheiden und unser Beziehungsverhalten nachhaltig prägen.

Die erste Liebe – das bunte Traumschloss

Unsere erste große Liebe erscheint uns wie aus dem Bilderbuch. Die Zukunft mit ihm, den wir als unseren Prinzen wahrnehmen, malen wir bunt aus. Unliebsame Seiten überblättern wir schnell, Macken und Makel werden im Liebesrausch gekonnt ausradiert. Doch mit der Zeit erkennen wir, dass unsere Phantasie vielleicht ein bisschen mit uns durchgegangen ist. Dass das Pferd, mit dem unser Prinz so edel angeritten kam, doch nur ein ganz normaler Gaul ist und dass nicht alles Gold ist, was glänzt – so wie das Krönchen, das wir ihm eigenhändig aufgesetzt haben.

Was wir aus ihr lernen: Dass Liebe nicht vollkommen ist und Menschen fehlbar sind.

Die zweite Liebe – die wilde Achterbahn

Nachdem wir uns unserer Träumerei vollständig hingegeben haben und dann doch wieder aufgewacht sind, wissen wir jetzt ganz genau, was wir wollen. Gemeinsam mit unserem Partner wollen wir Fahrt aufnehmen, allerdings unter unseren Bedingungen. Alltägliches wird ab jetzt bis aufs Äußerste verhandelt, ein kleiner Funke kann schnell ein ganzes Feuer entfachen. Die zweite Liebe gleicht einer turbulenten Achterbahnfahrt – voller Höhen und Tiefen. Viel zu lang halten wir nach der Desillusionierung, die die erste große Liebe mit sich brachte, an der zweiten fest, anstatt einfach auszusteigen.

Was wir aus ihr lernen: Dass ein Ende mit Schrecken besser als ein Schrecken ohne Ende ist.

Die dritte Liebe – der unbekannte Weggefährte

Den anderen auf ein Podest zu stellen oder nur seinen eigenen Kurs zu fahren, beides hat sich auf der Reise zur wahren Liebe als fataler Fehler herausgestellt. Jetzt verstehen wir, dass die Balance aus Geben und Nehmen zählt – und dass wir auch ohne Partner glücklich sein und ans Ziel gelangen können. Erst an diesem Punkt ist es uns möglich, unseren inneren Kompass neu zu justieren und „wahrhaftig zu lieben“. Meist trifft uns die dritte Liebe wie ein Schlag, wie ein unbekannter Weggefährte, und entspricht nur selten unseren Idealvorstellungen. Daher knüpfen wir an die dritte Liebe auch kaum Erwartungen und werden dafür im Gegenzug positiv überrascht.

Was wir aus ihr lernen: Dass Liebe nicht über persönliches Glück entscheidet und verblüffend anders sein kann.

So simpel die Theorie auch klingt, so viele Fragen wirft sie gleichzeitig auf. Darum haben wir das Konzept der drei Lieben gemeinsam mit Lisa Fischbach, Diplom-Psychologin und ElitePartner-Expertin, einer kritischen Betrachtung unterzogen.

Die drei Arten der Liebe suggerieren einen prozessualen Verlauf hin zur dritten, wahren Liebe. Aber müssen wir unbedingt die ersten beiden Stadien der Liebe durchlaufen, um die dritte Liebe zu finden?

Lisa Fischbach: „Ein zwingend linearer und kausaler Zusammenhang zwischen den einzelnen Liebeserfahrungen ist mir nicht bekannt. Ich sehe in dem Prozess auch keine Art Stufenplan, deren Phasen durchlaufen werden müssen, um ein höheres Liebesniveau zu erreichen. Doch bin ich davon überzeugt, dass uns Liebeserfahrungen prägen und auch die Ansprüche für neue Lieben verändern.

Zudem hat die Art der Liebe viel mit dem Lebensabschnitt zu tun, in dem wir uns gerade befinden.

Viele starten in das Abenteuer Liebe mit einer romantisierten Erwartung und sind bereit, mit Haut und Haar zu lieben. Nach dieser Erfahrung sehnen sich viele nach Experimentieren, stellen die Selbstverwirklichung in den Mittelpunkt des Lebens und der Liebe, entdecken ihre wahren Bedürfnisse und wollen diese ausleben. Oft eine wilde Zeit. Ungefähr ab 30 nehmen die Bedürfnisse nach Sicherheit, Stabilität und Ruhe zu und damit verändern sich auch die Ansprüche an eine Partnerschaft.“

Bei dem Konzept der drei Lieben kommt zwangsläufig die Frage auf, ob wir sie auch mit nur einem Lebenspartner erleben können. Immerhin berichten viele davon, mit ihrem ersten Partner bis heute glücklich liiert zu sein. Was ist mit ihnen?

Lisa Fischbach: „Langjährige Liebesbeziehungen, die die erste romantische Liebe überleben und zu einer reifen, stabilen Beziehung werden, unterscheiden sich von den gescheiterten Lieben. Und zwar durch einen entscheidenden Punkt: Die Liebe ist mit den Jahren gewachsen, die Partner haben sich gemeinsam mit ihrer Beziehung entwickelt und innerhalb der Partnerschaft auf eine andere Ebene gebracht.

Man muss nicht notwendigerweise den Partner wechseln, um in der Liebe neue Dimensionen zu erreichen.“

Und was ist mit allen, die sich bereits häufiger als dreimal verliebt haben? Zählen die anderen Beziehungen nicht oder wird der Ansatz der drei Arten der Liebe ihnen einfach nicht gerecht?

Lisa Fischbach: „Ich denke, für einen Teil gilt dieser Ablauf nicht. Die Art der dritten Liebe zeichnet sich durch eine reife und realistische Einstellung zur Liebe und Partnerschaft aus. Die Partner, denen das gelingt, haben verstanden, dass der Liebe gedient ist, sie nicht mit Idealvorstellungen zu überfordern, aber auch nicht dem Anspruch an egoistische Bedürfnisbefriedigung in eine destruktive Schräglage zu bringen. Stattdessen, sie zu pflegen, gemeinsam zu wachsen und Kompromisse einzugehen. Die Liebesbeziehung ist erwachsen geworden.“

Welche Voraussetzungen benötigt Ihrer Meinung nach diese „erwachsene“ Liebe?

Lisa Fischbach: „Dafür braucht es Partner mit einer gefestigten Persönlichkeit und der Fähigkeit, sich auf diese Art der Liebe einzulassen. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die mehr Erfahrungen sammeln wollen und müssen oder auch Gefallen am Auf und Ab in romantischen oder experimentellen Liebesbeziehungen finden.“

Fallen Ihnen (aus Ihrer Praxis) noch eine oder mehrere weitere Arten der Liebe ein, die das vorgestellte Konzept der drei Lieben vernachlässigt oder außer Acht lässt?

Lisa Fischbach: „Die erotische Liebe. Nach den ersten Jahren in Liebesbeziehungen wächst oft die Lust auf sexuell neue Erfahrungen. Das sexuelle Selbstbewusstsein ist gestiegen und man will sich ausprobieren. Es gibt Partnerschaften, die stark durch Leidenschaft und Sexualität geprägt sind, aber wenig partnerschaftliche Tiefe entwickeln.“

Vielen Dank für das interessante Gespräch, Frau Fischbach.

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