Kind per Samenspende Singlemütter

Kind per Samenspende: Die neuen Solo-Mütter

von: ElitePartner Redaktion , 10. Juli 2015

Ohne Mann kein Baby - das war einmal. Immer mehr Single-Frauen lassen sich von diesem Dilemma nicht von ihrem Kinderwunsch abbringen und wagen die Familiengründung im Alleingang. Karina ist eine von ihnen. Sie erzählte Autorin Saskia Balke von ihrem mutigen Plan, ohne Partner schwanger zu werden. Ihr Entschluss wirft aber auch die Frage auf: Ist eine Kindheit ohne Vater ethisch vertretbar?

Karina liebt von jeher das Abenteuer. Die unabhängige, aktive Single-Frau ist 30 und marschiert auf eigene Faust durch Kanada. Doch die aufregendste Reise ihres bisherigen Lebens steht ihr erst noch bevor: Sie wird sie Anfang nächsten Jahres ins beschauliche Dänemark führen. Dort möchte sich Karina ihren Lebenstraum erfüllen und per Samenspende schwanger werden – im Alleingang, denn einen Partner hat sie nicht. Und sie braucht ihn für den Zeugungsvorgang auch nicht: Der Samen eines fremden Mannes wird eingepflanzt. Das ist mehr als die persönliche Entscheidung einer einzelnen Frau, es ist ein gesellschaftlich brisanter Akt: Der Mann wird nicht nur von Beginn eines Menschenlebens an auf den Erzeugerstatus reduziert, sondern auch vollständig der Versorgerrolle enthoben. Die neuen Solo-Mütter erfüllen sich auf eigene Faust den Traum von Familie.

Muss alles perfekt sein?

Hierzulande könnte aber auch Karina ihren Kinderwunsch nicht realisieren. Schuld ist ihr Single-Status. Ein in Deutschland gezeugtes Spenderkind hat ein Recht auf Auskunft über den biologischen Vater. Und sobald dieser bekannt ist, kann der Spender auf Unterhalt verklagt werden, ebenso wie behandelnde Ärzte oder Hebammen und sogar Kliniken, die eine Auskunft über den Spender verweigern. Alleinstehenden Frauen hilft unter solchen Voraussetzungen kaum ein Mediziner. Sie werden mit ihrem Kinderwunsch in Deutschland alleine gelassen. Dabei leben wir mittlerweile in einer Single-Gesellschaft, in der dennoch die Sehnsucht nach Familie pulsiert. Doch ein Wandel ist nicht absehbar. Und so rüttelt die Entscheidung von Karina am klassischen Modell, fragt wie das deutsche Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in ihrer aktuellen Studie „Familienleitbilder in Deutschland“: Muss alles perfekt sein? Oder darf man einem Kind zumuten, ohne Vater aufzuwachsen? „Es werden hohe persönliche Ansprüche an die Bedingungen gestellt, die erfüllt sein müssen, um sich für ein Kind zu entscheiden [wie] eine solide materielle Grundlage und eine stabile Partnerschaft […]“, sagt die Leitbildforschung dazu.

„Deutschland ist in Sachen Samenspende antiquiert.“

Ethische Einwände, mit denen nicht nur Solomütter, sondern auch Regenbogenfamilien konfrontiert sind, wehrt Karina ab: „Klar ist das Modell Mutter, Vater, Kind eine schöne Vorstellung. Aber nicht die einzig mögliche, die mit dem Wohl des Kindes einhergeht“, so Karina. Doch unabwendbar zeichnet sich ab, dass neue Rollenbilder gefragt sind, weil die alten der Vielfalt unserer Lebenswirklichkeit nicht mehr gerecht werden. Wie eine aktuelle ElitePartner-Studie ergab, lebt jeder dritte Deutsche heute allein, eine Rekordzahl. In der Welt verstaubter Paragraphen ist diese Entwicklung noch nicht angekommen, auch wenn dank der modernen Reproduktionsmedizin auch Single-Frauen die Wege zum Mutterglück offenstehen und ein Drittel der deutschen Spender laut einer Studie von Thorn, Katzorke und Daniels trotz rechtlicher Unsicherheiten bereit zum Kontakt zu ihren Spenderkindern wären.
Wie Karina wagen daher immer mehr deutsche weibliche Singles die Insemination im Ausland. 300 ließen sich allein im letzten Jahr in einer Kopenhagener Fertilisationsklinik behandeln, viele davon alleinstehend oder homosexuell. „Deutschland ist in Sachen Samenspende völlig antiquiert“, resümiert Karina kopfschüttelnd. Noch ist in deutschen Köpfen kein Platz für das Modell der Solo-Mutter, in Dänemark ist das anders. Wir sind hierzulande ja auch noch immer damit beschäftigt, die Rollenbilder von Mann und Frau neu zu denken. Doch es dauert, bis die Verkrustungen, die unsere Vorstellungen zum Thema Familie beherrschen, in der Realität aufweichen. So wollen 52% der jungen Väter gerne die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen, so die aktuelle Umfrage des Allensbach-Instituts. Erst 18% tun es. Nicht wenige Frauen fühlen sich alleinerziehend – in einer Partnerschaft.

Karinas Beziehungen endeten, bevor Kinder Thema wurden

Ein Apfelbaum ist das Symbol dafür, wie sie selbst als Mutter sein möchte und zugleich ja auch irgendwie Vater. „‚Kletter rauf! Wenn du fällst, fange ich dich auf“, wird sie ihrem Kind zurufen, das weiß sie genau, anders als die besorgten Helikopterelter, die ihre Kindern lieber vor Gefahren warnen als sie zu ermutigen, eigene Erfahrungen zu machen. Karina möchte ihre Freude an Herausforderungen weitergeben, am Ausprobieren, am Vertrauen ins Leben. Dass sie sich eine eigene Familie wünscht, weiß sie schon seit ihrer eigenen Kindheit. „Mein Kinderwunsch ist eine Konstante in meinem Leben“, erzählt sie. In ihren Kleinmädchenträumen war ganz selbstverständlich vorgezeichnet, dass sie irgendwann eine feste Beziehung führen, heiraten und ein Haus bauen und zwei Kinder bekommen würde. „Einen Jungen und ein Mädchen.“ Doch es kam anders.
Die beiden prägenden Beziehungen in Karinas Leben endeten vor zehn bzw. fünf Jahren, noch bevor das Thema Kinderkriegen ernsthaft auf den Tisch kam. Zwar konnten sich beide Männer grundsätzlich eine Familie vorstellen. „Aber ich hatte damals noch viel mit mir selbst zu tun“, erklärt Karina.

„Ich kann mir nicht vorstellen, auf das Muttersein zu verzichten.“

Jetzt allerdings spürt sie, dass die Zeit reif ist für die Verantwortung, für die neue Dimension Liebe, sie hat sich etwas aufgebaut, ist gereift, steht finanziell auf sicherem Boden. „Meine biologische Uhr tickte aber nie so stark, dass ich mich unter Druck gefühlt habe“, erklärt Karina. „Eher ist es jetzt so, dass ich sage: Jetzt passen die Umstände.“ Eingebunden in ein großes Netz aus Freunden, leidenschaftlich berufstätig, sportlich, unternehmungslustig und reisebegeistert, fühlt Karina, dass zu ihrem Glück nur noch ein Kind fehlt. Und klar, auch ein Partner. Denn Single ist sie nicht aus Überzeugung. Es geht ihr wie 40% der kinderlosen Singles, die bei einer Umfrage des Allensbach-Instituts im Jahr 2012 angaben, noch nicht den richtigen Partner gefunden zu haben, um ihren Kinderwunsch in die Tat umzusetzen. „Ohne Frage wünsche ich mir, mit einem Partner eine Familie gründen zu können. Aber ich kann nicht wissen, was die Zukunft bringt. Ob ich noch jemanden kennenlerne, der sich auch ein Kind wünscht und nicht noch zwei, drei Jahre warten will. Aber eines weiß ich: Ich kann mir nicht vorstellen, auf das Muttersein zu verzichten.“ Karina ist jetzt 37. Und ein One-Night-Stand oder eine halbgare Beziehung einzugehen, kommt für sie nicht in Frage. Samenspende ist für sie auch aus moralischer Sicht der beste Weg.

„Streiche den Mann und ersetze ihn durch eine Samenspende.“

Torschlusspanik oder Verzweiflung verbindet sie nicht mit ihrer Entscheidung, auf diese Weise schwanger zu werden. Die Trennungen von ihren Partnern waren schmerzhaft, natürlich, aber sie blieb von dem Gefühl verschont, nun keinen Vater für ihre Kinder mehr an ihrer Seite zu haben. „Ich trage ein Grundvertrauen und eine tiefe Sicherheit in mir, dass ich Mutter werde“, erklärt sie. Zunächst bezog sich die positive Grundstimmung noch auf das klassische Modell, „ich ging einfach davon aus, dass ich den passenden Partner schon noch finde.“ Doch es klappte nicht mit einer ernsthaften Bindung. Nach einigen Jahren als Single ließ ihr ausgeprägter Pragmatismus sie umdenken: „Streiche den Mann und ersetze ihn durch eine Samenspende.“ Sie erinnert sich noch genau an den Tag, als sie das erste Mal ernsthaft über diese Möglichkeit nachdachte. Beim Besuch der Bundesgartenschau mit einer Freundin fiel das Thema wortwörtlich auf fruchtbaren Boden. Ihre Begleitung hatte im Fernsehen eine Reportage über das Thema Samenspende gesehen, sie selbst hatte darüber gelesen. „Da dachte ich zum ersten Mal, dass das was für mich sein könnte.“ Wieder zu Hause recherchierte sie im Internet und stieß auf die Angebote skandinavischer Fertilitätskliniken, die mit deutschsprachigen Websites auf die Nachfrage deutscher Patientinnen bestens vorbereitet sind. Karina hofft nun, dass auch das Beratungsgespräch auf Deutsch erfolgen wird, damit sie alles besser versteht. Sie will sich gut aufgehoben fühlen, „wenn das reine Geldmacherei wäre, würde ich es nicht machen.“

„Premiumsamen kostet 1000 Euro.“

Anfang 2016 soll es soweit sein. Karina wird dann ihre Reise mit dem Ziel Mutterschaft antreten. Drei Versuche räumt sie sich ein. Denn immerhin kostet eine Runde inklusive Samenspende, Übernachtung und Ultraschall rund 1.000 Euro. „Ich habe mich dafür entschieden, den Premiumsamen zu nehmen – dann hat mein Kind später die Möglichkeit, Kontakt zu seinem Vater aufzunehmen.“ Offener Spender mit erweitertem Profil nennt sich das, die Frauen erhalten detaillierte Informationen zur Krankengeschichte, zu Familienverhältnissen, Hobbys. Außerdem können sie sogar Babyfotos vom Spender begutachten und einer Stimmprobe lauschen. Die non-contact-Spende ist günstiger, „sie ist aber auch ein Überraschungspaket, was die Herkunft angeht“, erklärt Karina. Das sogenannte Basisprofil gibt nur Aufschluss über die Augen-, Haut- und Haarfarbe, die Größe, das Gewicht und die Blutgruppe. Hat sie denn Präferenzen in Bezug auf das Erscheinungsbild? „Einen Vikinger lehne ich nicht ab“, scherzt sie. „Ich habe selbst skandinavische Wurzeln, dabei bleibe ich.“

„Ich gehe offen mit meinem Plan um.“

Karina hat das Glück, die Reise nicht alleine antreten zu müssen, sie hat eine Verbündete für ihr Vorhaben gefunden. Zu verdanken hat sie das ihrem offensiven Umgang mit dem Thema. „Für mich gibt es grundsätzlich fast keine Tabuthehmen. Im Freundes- und erweiterten Bekanntenkreis gehe ich offen mit meinem Plan um. So kam ich auch mit einer Frau ins Gespräch, die ähnliche Pläne hat und mit der ich mich über diese Gemeinsamkeit angefreundet habe.“ Ein Glücksfall, denn die beiden werden nicht nur die Reise gemeinsam antreten, sondern wollen sich auch später als alleinerziehende Mütter gegenseitig unterstützen. Im Gegensatz zu Karina hat die Freundin den Wunsch nach einer Partnerschaft schon ad acta gelegt und ist umso fokussierter auf die Samenspende. Karina spürt noch einen Funken Hoffnung, dass es doch noch klappen könnte mit dem klassischen Mutter-Vater-Kind-Modell. Einfach, weil es eben doch schöner wäre, ein Kind zu bekommen aus Liebe.
Angst vor gesellschaftlichen Repressionen hat Karina aber nicht. Ihr eigenes Umfeld hat bis jetzt überwiegend positiv reagiert. Nur ein Bekannter vertrat die Haltung, dass es nicht richtig sei, dem Kind eine Vaterfigur vorzuenthalten. Karina kontert: „Klar sollte es immer auch eine männliche Bezugsperson geben, aber das kann auch ein junger Opa wie in meinem Fall, ein Freund der Familie, ein Trainer oder Lehrer sein.“ Und sie ergänzt: „Auch Paare trennen sich. Und wie viele Väter sind auf Karrierekurs und glänzen in der Familie durch Abwesenheit.“

„Paare, die Kinder bekommen, sind genauso egoistisch!“

Karinas Freunde und Bekannten freuen sich über ihren unkonventionellen Entschluss. Auch vor Fremden will sie ihn nicht leugnen. Wer nach dem Vater fragt, wird die Antwort „ein Skandinavier“ erhalten, wer nachhakt, die nackte Wahrheit. Für Karina ein Schritt zu mehr Akzeptanz von gesellschaftlicher Vielfalt. „Ich finde es schade, wenn mit dem Finger auf alles gezeigt wird, was nicht der Norm entspricht. Solange man niemandem schadet, sondern es sogar positiv ist, gibt es keinen Grund, alternative Lebensmodelle zu verteufeln“, ist ihre Überzeugung. Doch was, wenn doch mal der Vorwurf laut werden würde, dass sie aus purem Egoismus ein Kind von der Samenbank alleine großzieht? Ihre Haltung dazu ist klar: „Paare, die Kinder bekommen, sind genauso egoistisch, da sehe ich keinen Unterschied! Es ist so, dass es für mich beim Elternsein darum geht, das Leben für das Kind so zu gestalten, dass es ihm an nichts fehlt.“ Fehlt ihm aber nicht die Identität? Wird es mit dem Wissen, dass es aus tiefgefrorenem Samen eines Fremden entstanden ist, gut leben können? Wie es sich anfühlt, von einer Samenbank zu entstammen und auch am Wochenende keinen Papa um sich zu haben, mit 18 vor einem fremden Spender zu stehen, der auf diese Weise vielleicht 10-15 Halbgeschwister gezeugt hat – das wissen nur die Spenderkinder selbst. „Von diesem Tag an, machte der Gedanke, dass viel Geld bezahlt werden musste, um mich zu bekommen, mich irgendwie stolz und verlieh mir einen messbaren Wert“, schreibt eine Frau im Forum Spenderkinder.de. Doch es gibt auch andere Stimmen: „Immer mal wieder […] schießt es mir kurz in den Sinn, dass ich meinen Erzeuger nicht kenne und nie kennen lernen werde. In diesen Minuten fühle ich mich wie gelähmt. […] Die Vorstellung, meine Identität nicht zu 100 Prozent zu kennen und beim Blick in den Spiegel nur einen Teil meines Wesens rekonstruieren zu können, ist einfach nur furchtbar.“

„Wird mein Kind mir Vorwürfe machen? Ich schließe es nicht aus…“

Karina war sich von Anfang an darüber klar, dass die spätere Kontaktmöglichkeit zum Spender eine wichtige Voraussetzung darstellt, so dass ihr Kind seine Wurzeln zurückverfolgen kann, wenn es das will. „Ich erachte das als sehr wichtig für die Bildung der eigenen Identität.“ Sie möchte von Anfang an offen mit ihrem Kind und ihrer Umwelt sein, was die Zeugungsgeschichte angeht. Experten bestätigen immer wieder, dass dies der richtige Weg ist, auch Familientherapeutin und Autorin Petra Thorn, die mit dem Buch Die Geschichte unserer Familie: Ein Buch für Familien, die sich mit Hilfe der Spendersamenbehandlung gebildet haben Eltern hilft, ihr Spenderkind über seine Herkunft aufzuklären. Sie vertritt die Auffassung, dass ein Kind aus einem unsicheren Umgang der Mutter mit dem Thema nur folgern kann, dass seine Zeugungsart negativ behaftet sei. Karina möchte ihr Bestes geben, dass es dazu nicht kommt. Doch sie schließt nicht aus, dass ihr Kind ihr irgendwann mal Vorwürfe macht. „Meine Antwort wird sein: Ich habe mir dich so sehr gewünscht! Wäre ich diesen Weg nicht gegangen, wärst du jetzt nicht auf der Welt.“

„Zweifel? Dann ist es nicht der richtige Weg oder nicht der richtige Zeitpunkt“

Anderen Single-Frauen, die den Schritt einer Samenspende erwägen, rät Karina: „Das Gefühl, hundertprozentig hinter dem Entschluss zu stehen ist wichtig. Wenn das fehlt, ist es vielleicht nicht der richtige Weg oder nicht der richtige Zeitpunkt.“ Dass sie nächstes Jahr schwanger sein wird, daran hat Karina keinen Zweifel. „Vielleicht klappt es nicht gleich beim ersten, aber bestimmt beim zweiten Mal.“ Durchschnittlich nur zwei Inseminationen bis zum Wunschkind, verspricht die Kinderwunschklinik. Das klingt vielversprechend, aber auch fast zu unkompliziert, um wahr zu sein. Was, wenn die drei Versuche fehlschlagen? „Dann würde ich akzeptieren, dass es eben nicht sein soll. Eine Adoption oder die ehrenamtliche Arbeit mit Kindern, das wäre ein möglicher Plan B.“ Den wischt sie jedoch schnell wieder vom Tisch. Als geborene Optimistin glaubt Karina an ihr Wunschkind. „Am meisten freue ich mich darauf, meiner Oma von meiner Schwangerschaft zu erzählen. Dass sie ihren Urenkel kennenlernt, ist mein größter Wunsch.“

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