Spaß im Bett: Ein Paar beim Kuscheln

Stress-Abbau, Bestätigung, Jahrestag: Studie zeigt die wahren Gründe für Sex

von Beatrice Bartsch , 24. Februar 2020

Einfach nur aus Lust? Von wegen! Beziehungssex ist eine komplexe Angelegenheit, wie die Ergebnisse der bevölkerungsrepräsentativen ElitePartner-Studie 2020 zeigen. Während Männer verwöhnen möchten, suchen Frauen eher Selbstbestätigung. Für nicht wenige Paare ist ein stressiger Tag im Büro erst recht ein Grund, im Bett zu landen. Allerdings holt sich jeder siebte Mann vorher woanders Appetit.

Pure Lust spielt nicht immer eine Rolle –

In einer Beziehung gibt es viele Gründe, miteinander ins Bett zu gehen – und nicht immer ist dabei Lust das vorrangige Motiv. Sexuelles Verlangen wird zwar von den 4.000 befragten Liierten am häufigsten genannt. Es ist gleichzeitig aber nur bei zwei Dritteln „oft“ oder „sehr oft“ Anlass für Sex. Dabei zeigen sich nur geringe Unterschiede zwischen der Libido von Frauen (62 Prozent) und Männern (67 Prozent). Physische Anziehung zum Partner ist in 58 Prozent der Fälle ein Grund, einander näher zu kommen. Genauso wichtig ist aber emotionale Nähe – Sex als Ausdruck von Liebe. 61 Prozent der Frauen und 57 Prozent der Männer schlafen mit dem oder der Liebsten, um sich emotional nah zu fühlen.

Verwöhnen oder Bestätigung: Männer haben altruistischer Sex als Frauen

Auch wenn sich Frauen und Männer in ihren grundlegenden Motivationen sehr ähneln, zeigen die Daten doch eine klare Tendenz: Männer geben sich in puncto Sex, zumindest in Beziehungen, längst nicht so egoistisch wie ihnen nachgesagt wird. Sie haben öfter als Frauen Sex, weil sie ihre Partnerin verwöhnen und ihr etwas Gutes tun möchten (Männer: 52 Prozent, Frauen: 46 Prozent) und nutzen Intimitäten im Vergleich häufiger, um sich zu versöhnen (Männer: 23 Prozent, Frauen: 17 Prozent). Frauen dagegen scheinen etwas selbstbezogener: Jede zweite liierte Frau schläft „oft“ oder „sehr oft“ mit ihrem Partner, um sich geliebt zu fühlen (Frauen: 50 Prozent, Männer: 45 Prozent). Und jede Dritte verführt ihre bessere Hälfte häufiger, um sich begehrenswert und attraktiv zu erleben (Frauen: 34 Prozent, Männer: 25 Prozent).

Ohne Antrieb oder mit Terminkalender: Jeder Zweite macht es oft dem Partner zuliebe

Jeder zweite Liierte lässt sich offenbar gerne bitten: 46 Prozent der Frauen und 49 Prozent der Männer in Beziehungen geben an, „oft“ oder „sehr oft“ Sex zu haben, weil der Partner oder die Partnerin es gerne möchte. Für jeden Dritten läuft Sex häufig nach Plan: Jahrestag, Urlaub oder Geburtstag sind dann ein Grund, sich mal wieder näherzukommen (31 Prozent).

Von wegen Ausrede: Jedem Fünften dient Sex zum Stress-Abbau

Was für die einen die Lust killt, ist für die anderen erst recht ein Grund: Nach einem stressigen Tag bei der Arbeit geht es bei jedem fünften Paar heiß her. 23 Prozent der Männer und 19 Prozent der Frauen nutzen Sex gerne und regelmäßig zum Stress-Abbau. Besonders häufig ist das bei Akademikern der Fall: 25 Prozent der Frauen und 28 Prozent der Männer mit Uni-Abschluss stellt Sex regelmäßig ein Ventil für Stress dar.

Er denkt an eine andere: Jeder siebte Mann holt sich regelmäßig woanders Appetit

Ob er dabei so ganz bei der Sache ist, ist allerdings ungewiss – denn vielleicht denkt er auch an die hübsche Kollegin aus dem Workshop: 15 Prozent der liierten Männer geben zu, „oft“ oder „sehr oft“ Sex zu haben, weil sie sich davor woanders Appetit geholt haben. Nur sieben Prozent der Frauen lassen sich von ihren Träumereien so unmittelbar zum Sex animieren.

Sex nach Plan: kinderfreie Zeit und Familiengründung

Sobald die Kinder aus dem Haus sind, reißen sich die Eltern die Kleider vom Leib – zumindest bei 37 Prozent der Liierten mit Kind ein häufiges Szenario. Sex zur Fortpflanzung ist dagegen heutzutage eher selten, und meist zeitlich limitiert. In den Dreißigern schlägt dieser Wert noch am höchsten aus: 16 Prozent der 30- bis 39-Jährigen gehen „oft“ oder „sehr oft“ miteinander ins Bett, um Kinder zu bekommen.

Diplom-Psychologin Lisa Fischbach von ElitePartner: „Sex ist Kommunikation“

 „Körperliche Nähe und Sexualität erfüllt in Beziehungen ganz unterschiedliche Funktionen“, ordnet Diplom-Psychologin Lisa Fischbach von ElitePartner die Ergebnisse ein. „Gerade, wenn die Hitze der ersten Verliebtheit nicht mehr ständig für den Auslöser spontan aufkommender Lust sorgt, werden andere Motive wirksam. Sexuelle Intimität ist eine besondere Form partnerschaftlicher Kommunikation: Im körperlichen Austausch wird eine bedeutsame Nähe erlebt, durch Berührungen und Zärtlichkeit Zuneigung ausgedrückt und sich als liebendes Paar bestätigt. Zudem wirkt sich erfüllender Sex positiv auf die psychische und physische Gesundheit aus, beispielsweise sinkt bereits beim Küssen der Spiegel des Stresshormons Cortisol.“