Frau mit Rollkoffer als Symbol für Wochenendbeziehung

Wochenendbeziehung – so kann sie auch langfristig funktionieren

von: Saskia Balke

1,7 Millionen deutsche Paare führen eine Wochenendbeziehung. Alle Erwartungen und Sehnsüchte der ganzen Woche konzentrieren sich auf ein Zeitfenster von nur 48 Stunden. Kann das gutgehen? Unsere Paarberaterin und ElitePartner-Expertin Lisa Fischbach hat einige überraschende Tipps zur Hand, wie Sie der Liebe auf Distanz eine echte Perspektive geben können. Warum Sie auch Ihr Alleinsein zelebrieren sollten und weitere inspirierende Tipps für Ihre Wochenendbeziehung lesen Sie hier.

An fünf Wochentagen unfreiwillig Single

Wohl jede Wochenendbeziehung kennt diesen schmerzhaften Moment: Sonntagabend, wenn der Wind über den Bahnsteig fegt und der Abschied vom Partner naht. Karin lässt Carstens Hand los und greift nach ihrem Trolley. Der Zug nach Berlin steht schon bereit. Sie hat es nicht eilig, schließlich wartet nur ihre kleine anonyme Wohnung auf sie, wo sich die Arbeitswoche zäh vor ihr ausgebreitet. Von Montag bis Freitag leben Karin und Carsten unfreiwillig wie ein Single.

So ähnlich geht es jedem achten Paar in Deutschland. Bei den einen sind die vielen Kilometer erst durch berufliche Veränderungen ins Spiel gekommen, die anderen haben sich bereits in dem Wissen kennengelernt, dass sie eine mehr oder weniger große Entfernung überbrücken müssen.

Wochenendbeziehung: Platz 5 der Beziehungskiller

Eine Wochenendbeziehung – wie lange geht das gut? Das fragen sich viele Partner, die eine räumliche Trennung hinnehmen müssen. Wie sehr sie die Partnerschaft belasten kann, bestätigt auch unsere Elitepartner-Studie. Sie ergab, dass 43 Prozent eine Wochenendbeziehung als Beziehungskiller werten. Nach Zeitmangel, Stress, Finanz- und Sexproblemen rangiert sie auf Platz 5.

„Dieses Beziehungsmodell ist eben ganz und gar kein Selbstläufer. Für Persönlichkeiten mit einem sehr hohen Nähebedürfnis kann Liebe auf Distanz zur Überforderung werden“

, erklärt unsere Paarberaterin Lisa Fischbach. Die Diplompsychologin rät: „Investieren Sie viel Zeit in die folgenden Punkte, um Ihre Beziehung für die Herausforderungen einer Wochenendbeziehung auf Dauer zu stabilisieren.“

Wie eine Wochenendbeziehung langfristig glücklich wird

1. Vertrauen Sie

Nur zwei von sieben Tagen verbringen Sie gemeinsam, an den restlichen fünf macht der Partner, was er will. Da lauern – zumindest in der Vorstellung so mancher Partner – Flirts im Fitnessstudio und Avancen im Afterwork-Club. Was bedeutet es, keinerlei Kontrolle zu haben? „Gelegenheit macht Liebe, heißt es ja so schön“, resümiert Lisa Fischbach die Bedenken vieler Paare. „Studien wie die der Humboldt Universität Berlin geben aber Entwarnung.“ Offenbar neigen Partner in einer Wochenendbeziehung auf Dauer sogar weniger zum Fremdgehen als in einer Partnerschaft am selben Ort oder im selben Haushalt. „Hier zeigt sich einer der Vorteile zwischen Nähe und Distanz„, erklärt Lisa Fischbach. „Die Beziehung und auch der Sex bleiben länger aufregend. Wer trotzdem betrügen will, betrügt – ob in einer Nah- oder Fernbeziehung.“ Eine Garantie für Treue gibt es also nicht.

„Vertrauen ist das Fundament, Kontrollversuche und unbegründete Eifersucht sind hingegen Gift für jede Beziehung, für Wochenendbeziehungen besonders.“

Beide Partner sollten unter der Woche soziale Kontakte und Hobbys pflegen und sich beide darin unterstützten statt boykottieren. „Vertrauen ist ein Geschenk, das man freiwillig in die Beziehung investiert. Es ist nicht die Aufgabe des Partners, dafür zu sorgen! Kommen Misstrauensgefühle auf, sollte man diese aber offen ansprechen und seine Sorgen mit dem Partner teilen.“

2. Ziehen Sie für eine gelingende Wochenendbeziehung regelmäßig Bilanz

In einer Beziehung, die zwei Partner an einem Standort führen, finden sich viele Gelegenheiten, um Gespräche zu führen, Konflikte auszutragen oder auch Zwischentöne herauszuhören. Das Gespür dafür, ob die gemeinsame Blickrichtung noch stimmt, ob beide Partner sich verstanden und gewertschätzt fühlen, ist daher besser greifbar als in einer Fernbeziehung. Wenn beide Partner hingegen viel Zeit ohne den anderen verbringen, können nicht nur wichtige Themen unter den Tisch fallen: Auch die Vorstellungen und Zukunftspläne können zunächst unmerklich auseinanderdriften und dazu führen, dass sich die Partner entfremden. Daher rät Lisa Fischbach für eine glückliche Wochenendbeziehung:

„Nehmen Sie sich in regelmäßigen Abständen Zeit für ein Beziehungsgespräch. Bilanz zu ziehen, ist wichtig, um mit den eigenen Bedürfnissen und denen des Partners in Kontakt zu bleiben. Sprechen Sie Punkte an, mit denen Sie sich nicht so wohl fühlen und Wünsche, die bisher unausgesprochen geblieben sind. Ermutigen Sie auch den Partner, sich zu öffnen.“

Ein erwünschter Nebeneffekt: Schwelende Konflikte ersticken Sie auf diese Weise bereits im Keim. Die gewünschte Harmonie muss nicht erzwungen werden, sondern ergibt sich von selbst. Sollte doch mal ein Streit in der Beziehung in der Luft liegen, sollten Sie diesen möglichst in Ruhe klären. Unsere Paarberaterin Fischbach gibt Paaren in einer Wochenendbeziehung Tipps wie die Konfliktthemen nach Möglichkeit lieber zu vertagen und die eigenen Gefühle so gut wie möglich zu regulieren. „Vermeiden Sie ausufernde Konflikte kurz vor oder während der Trennung voneinander. Wenn im Affekt ein Streit entbrennt, kann es helfen, die Situation zu verlassen und kurz durchzuatmen. So lassen sich die Emotionen ausbremsen. Vereinbaren Sie, beim nächsten Treffen Ihrer Wochenendbeziehung in Ruhe über Ihr Thema zu sprechen. So können Sie sich trotz Konflikt mit gutem Gefühl voneinander verabschieden.“

3. Machen Sie Nägel mit Köpfen

Für die meisten Paare ist die Liebe auf Distanz ein Kompromiss, eine Übergangslösung. Eine Wochenendbeziehung – wie lange geht das gut? „Nur sehr wenige Paare wählen dieses Modell bewusst, um allzu große partnerschaftliche Nähe zu vermeiden“, so Fischbach. „Seine Chancen auf eine langfristige Zukunft liegen besser, je stärker der Zeitraum limitiert ist.“ Dass eine Wochenendbeziehung auf Dauer an Perspektive verliert, zeigt auch die Studie der Humboldt Universität. Nach drei Jahren sinkt die Zufriedenheit.

„Tatsächlich ist das Erfolgsgeheimnis einer glücklichen Beziehung in solch einem begrenzten Zeitfenster, Nägel mit Köpfen zu machen“

, bestätigt Lisa Fischbach. „Nicht nur, indem sich beide die gemeinsame Zukunft an einem Ort im Blick behalten und sie immer wieder ansprechen, herbeisehnen und ihre Pläne ausschmücken.“ Auch sonst sei Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit elementar. „Wenn Sie beispielsweise sagen, dass Sie abends anrufen, sollten Sie dies zuverlässig in die Tat umsetzen.“ Auf diese Weise können Rituale entstehen, die an feste Zeiten und Abläufe gebunden sind. „Sie verleihen beiden Partnern in einer Wochenendbeziehung Halt und Sicherheit.“

Fazit: Auch Konflikte stärken die Wochenendbeziehung

Harmonie satt? Sie sollten einander trotz der wenigen gemeinsamen Zeit nicht mit Samthandschuhen behandeln und den Alltag keinesfalls ausklammern. Finden Sie lieber heraus, ob Ihre Partnerschaft auch unter realen Bedingungen bestehen kann. Hier die wichtigsten Tipps für eine glückliche Wochenendbeziehung:

  • Unterstützen Sie den anderen vertrauensvoll in seinen Interessen außerhalb der Beziehung
  • Vermeiden Sie Eifersuchtsszenen und kontrollieren Sie Ihren Partner nicht
  • Führen Sie in regelmäßigen Abständen Beziehungsgespräche und finden Sie Lösungen für unerfüllte Bedürfnisse
  • Vermeiden Sie Streitigkeiten kurz vor oder während der Trennung
  • Wenn dennoch ein Konflikt durch die Wochenendbeziehung entbrennt, vereinbaren Sie ein ausführliches Gespräch beim nächsten Wiedersehen
  • Seien Sie verbindlich in Ihren Worten und Ihrem Handeln
  • Geben Sie Ihrer Beziehung eine Perspektive, indem Sie das Zusammenleben an einem Ort häufig thematisieren und forcieren

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