Nähe beim Date

Wie viel Nähe beim Date ist okay?

von: Saskia Balke

Keinerlei Körperkontakt beim ersten Date - oder doch eine flüchtige Berührung oder sogar gleich ein erster Kuss? Gar nicht so leicht, die Grenzen bei der körperlichen Annäherung auszuloten, wenn man sich noch gar nicht kennt. Auf das Erspüren des richtigen Tempos kommt es an - denn mit wohldosierten Berührungen lässt sich der Verlauf des Kennenlernens beeinflussen.

Vier unterschiedliche Distanzzonen

Die Hand geben? Den anderen umarmen? Oder Bussi-Bussi? Schon bei der Begrüßung ist sie da: Die Unsicherheit, wie viel Körperkontakt beim ersten Date eigentlich angemessen ist. Denn hier treffen zwei fremde Menschen das erste Mal persönlich aufeinander. Werden hierbei Körpergrenzen überschritten, kann das schnell nach hinten losgehen.
Schon in den 60er Jahren erforschte Edward T. Hall das Nähe-Empfinden von Menschen unseres Kulturkreises. Er unterscheidet vier Distanzzonen: Die öffentliche Zone gegenüber vollkommen fremden Menschen umfasst drei Meter und mehr. Treten zum Beispiel zwei von ihnen in Alltagssituationen in Kontakt, zum Beispiel im Supermarkt, wechseln sie in die soziale Zone, die sich auf bis zu 1,20 Meter reduzieren kann. Die persönliche Zone, die man zum Beispiel bei einem Gespräch mit guten Freunden oder Kollegen teilt, umfasst mindestens eine Armlänge. Näher als auf 45 Zentimeter dürfen in der Regel nur enge Vertraute und Partner rücken, das ist die sogenannte Intimzone. Wie ausgeprägt die Distanzzonen sind und wie schnell wir von einer in die andere wechseln, ist individuell. Extrovertierte Menschen neigen eher dazu, selbst fremde Menschen in einer Gesprächssituation zu berühren, während andere sogar wegrücken, wenn sie sich in der U-Bahn vom Sitznachbarn bedrängt fühlen.

Die Begrüßung beim ersten Date: Händedruck oder mehr?

Kein Wunder also, dass schon bei der Begrüßung eines Dates vielfach Verunsicherung herrscht. Denn eine verbindliche private Grußformel gibt es in Deutschland nicht, anders als im Süden Europas. Dort fliegen zur Begrüßung schon die ersten Wangenküsse, eine Kontaktkultur, die Berührungen zur Selbstverständlichkeit macht. Sie ist uns eher fremd, wobei sich auch hierzulande Abstufungen zwischen hanseatischer Distanz und rheinländischer Lockerheit abzeichnen. Gehauchte Wangenküsse konnten sich eher in bestimmten Kreisen als regionsabhängig durchsetzen, doch sie sind und bleiben Geschmacksache, wie die Diskussion im ElitePartner-Forum beweist: „Meine Ex z.B. hat mich beim 1.Date zur Begrüßung umarmt und links/rechts auf die Wange geküsst. Ich war damals ein wenig irritiert und später habe ich festgestellt, dass das für sie ganz normal war und so begrüßte sie eigentlich jeden“, erinnert sich ein Nutzer. Constanze mag es hingegen nicht so persönlich: „Ich gebe grundsätzlich die Hand“. Was bei Peter nicht gut ankäme, denn „bloßes Händeschütteln bei einem Date empfinde ich als ziemlich bieder und altbacken.“ >> Begrüßung beim Date  

Wer nun rätselt, welche Begrüßung beim ersten Date passt, sollte im Zweifel der Zurückhaltung den Vortritt lassen und die Hand geben. So formell der Händedruck auch scheint – wenn es um das erste persönliche Kennenlernen geht, fühlen viele Menschen sich mit dieser Form der Begrüßung am sichersten. Aus dem Augenblick heraus lässt sich auch ein kleines Extra ableiten, etwa eine Berührung am Arm mit der anderen Hand oder eine Umarmung – wenn die Körpersprache den Schluss zulässt, dass sie von beiden erwünscht ist. Gingen dem ersten Date vertraute Telefonate voraus, kann sich zwischen ihnen auch eine solch vertraute Geste absolut angemessen anfühlen.

Gibt es den richtigen Zeitpunkt für Nähe?

Doch die Kennenlernphase entwickelt nun einmal bei jedem Paar anders. „Checklisten und Standardprogramme gibt es da sicher nicht. Für mich laufen körperliche und intellektuelle Annäherung idealerweise parallel. Und das Tempo muss bei beiden ähnlich sein“, betont ein Nutzer. >> Unterschiedliches Körperkontakt-Bedürfnis In der Tat ein wichtiges Kriterium, denn wartet der eine bereits ungeduldig auf den ersten Kuss, während der andere noch überlegt, ob ihm das Händchenhalten nicht doch zu schnell ging, kann das für ein Treffen ein jähes Ende bedeuten. So wie für diese Single-Frau: „Würde mir ein Mann, den ich noch gar nicht kenne, durchs Haar fahren oder mich […] umarmen, wäre das Treffen beendet, ein zweites würde es nicht geben.“ >> Welcher Körperkontakt beim ersten Kennenlernen? Das verfrühte Betreten der Intimzone wirkt bedrohlich, wenn jemand noch Zeit braucht, um das Gegenüber einschätzen und die eigenen Eindrücke sortieren zu können. Das Tempo bestimmt also derjenige, der seinen unsichtbaren Schutzraum länger für sich beansprucht. „Die Menschen sind verschieden, manche fassen andere gerne an, manche sind sehr wählerisch. Beides ist ok und muss nicht analysiert und eingeordnet werden“, konstatiert eine 47jährige.Interesse mit Hilfe von Körpersprache ausloten

Während eines ersten Date bewegen sich zwei Singles zunächst in der persönlichen Zone. Um einzuschätzen, wann im Verlauf des Kennenlernens mehr Nähe entstehen darf, hilft ein reflektierter Umgang mit der Körpersprache. Grundsätzlich sprechen eine offene Körperhaltung, Lächeln, intensive Blicke für Sympathie. Wie angenehm dem anderen die Nähe ist, lässt sich wohldosiert mit kleinen Gesten austesten: Wer sich im Restaurant während des Gesprächs immer wieder herüberneigt und einen tiefen Blick in die Augen riskiert, signalisiert starkes Interesse und kann mit etwas Feingefühl die Reaktion deuten. Erwidert das Gegenüber diese Geste, wird die Nähe offenkundig als angenehm empfunden. Ein Zurückweichen spricht meist dafür, dass der andere noch Abstand braucht. Der französische Psychologe ist jedoch davon überzeugt, dass wir beeinflussen können, ob sich jemand zu uns hingezogen fühlt: Eine leichte und kurze Berührung am Oberarm in dem Moment, in dem wir ihm ein Kompliment aussprechen, soll Sympathien entfachen.

Auch die familiäre Prägung hat Einfluss

Wie selbstverständlich der Einzelne Körperkontakt wahrnimmt und wie leicht die Kontaktaufnahme fällt, ist auch eine Frage der familiären Prägung. „Von der Erziehung her gibt es in meiner Familie eher weniger Körperkontakt, man schüttelt sich bei Bedarf […] mal die Hand und das war’s“, berichtet ein männlicher Single. Mit Folgen: „Mir fehlt völlig die Fähigkeit einzuschätzen, wann es angemessen wäre beim Spazieren gehen oder beim Sitzen im Café ihre Hand zu nehmen oder auch mal im Laufen meine Hand auf ihren Rücken/Schultern zu legen.“ >> Körperkontakt Hier ist Feingefühl gefragt! Stimmt die Chemie und deutet sich gegenseitige Sympathie über die Körpersprache spürbar an, ist der Startschuss zum Herantasten gefallen. Eine Forennutzerin rät: „Was Du beiläufig auch im Café tun könntest, wäre z. B., sie am Oberarm berühren (so eine halbe Streichel-Bewegung) und dabei sanft anlächeln, wenn sie etwas Witziges oder Treffendes gesagt hat.“ „Gemeinsam rumalbern hilft auch ein wenig“, rät ein anderer. Damit das nicht unbeholfen wirkt und die ersten Annäherungen nicht überlegt oder gezwungen erscheinen, sollten sie ganz natürlich aus der Situation heraus entstehen.

Aktivitäten reduzieren Distanz

Besonders leicht fällt das übrigens bei Aktivitäten außerhalb einer Bar oder eines Cafés. Die natürliche Distanz, die bei den ersten Dates oftmals den Ton angibt, lässt sich durch eine gewisse Dynamik beim Treffen deutlich reduzieren. Schon ein Besuch einer Ausstellung oder ein gemeinsamer Fotoausflug schafft viele Gelegenheiten, die Nähe und „zufällige“ Berührungen forcieren. „Einfach beim Spazierengehen ihre Hand fassen. Einfach tun. Die beste Gelegenheit“, empfiehlt ein Nutzer. Ausgeprägte Zurückhaltung über mehrere Dates hinweg kann das Gegenüber nämlich auch als Desinteresse werten. Vorsichtig einen kleinen Vorstoß zu wagen, belebt den Flirt. „Mit meiner jetzigen Freundin bin ich schon Hand an Hand nach dem 3. Date unterwegs gewesen und haben wir uns gemeinsam gezeigt. Uns beiden hat, bis heute, diese Nähe sichtlich gut getan“, bestätigt ein glücklich Vergebener.

Fazit: Gerade beim ersten Date zahlt es sich aus, eher zurückhaltend zu agieren und bei der Begrüßung die natürliche Distanzzone zu wahren als eine stürmische Umarmung einzuleiten. Ein Kompliment verbunden mit einer leichten Berührung am Oberarm kann aber eine erste Verbindung schaffen, sofern sich die Situation ergibt. Während des Treffens hilft die Analyse der Körpersprache des anderen, die Anziehung und Bereitschaft für Nähe einzuschätzen. Grundsätzlich gilt: Nichts überstürzen! Wenn Sie die folgenden Dates aktiv gestalten, ergeben sich die Gelegenheiten für erste Berührungen wie von selbst. Und die sollten Sie wahrnehmen – sonst droht die Kumpelschiene. Denn wenn wer über längere Zeit keine Initiative ergreift oder die Flirtsignale des anderen ignoriert, strahlt womöglich Desinteresse aus.

Autorin

Saskia
Balke

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