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Das Geheimnis der Schönheit: Was Männer und Frauen attraktiv finden

von: Sophie Rummelsburg

Volles Haar, zwölf Prozent Körperfett, Kindchenschema – Attraktivität regiert nach strengen Gesetzen. Und ständig liefert die Forschung neue Erkenntnisse, was attraktiv ist und was nicht. Das kann Singles ganz schön unter Druck setzen. Die Lösung? Kritisch bleiben, frei denken und dann entspannen: Ganz so einfach, wie mancher Attraktivitätsforscher es gern hätte, ist es dann nämlich doch nicht.

Wie eine Suche nach dem heiligen Gral

Die Suche nach den Formeln für Attraktivität ist so alt wie der Mensch selbst. Schon die alten Griechen dachten über diese Frage nach. Für Platon war es das Zusammenspiel von äußerer und innerer Schönheit, das den Eros stimuliert. Das klingt nach einer simplen Wahrheit. Sie findet derzeit in der Forschung allerdings wenig Beachtung. Heute liefern vor allem Evolutionspsychologen neue Erkenntnisse, was einen Menschen attraktiv macht. Für sie beruht alles auf dem Kampf um die besten Gene. Schon kleinste körperliche Abweichungen reichen aus, um Attraktivität zu verringern.

Medien mögen solche Ergebnisse, weil sie neu und teilweise sehr provokant sind. Wer gerade auf Partnersuche ist und die eigene Attraktivität dabei besonders auf den Prüfstand stellt, mag diese kalten Fakten weniger – zu Recht. Man sieht sich einem Bewertungskatalog gegenüber, der nahezu unmenschlich wirkt und für individuelle Schönheit keinen Platz lässt. Zwar darf man die Ergebnisse interessant finden. Sie liefern einen Erkenntnisgewinn, keine Frage. Die letzte Wahrheit über die Geheimnisse der Attraktivität haben aber auch diese Forscher nicht gefunden, auch wenn sie gerne den Eindruck erwecken.

Über Geschmack lässt sich streiten

Noch in den 60er-Jahren dachte man ganz anders über Attraktivität nach als heute. Damals war es auch in der Wissenschaft verpönt, Attraktivität mit äußerlicher Schönheit gleichzusetzen. Ideale körperliche Einheitswerte verletzten das ethische Gefühl. Man bedenke: Es war noch nicht so lange her, dass solche Messwerte von den Nazis als menschenverachtende Propaganda missbraucht wurden. Davon musste man sich klar abgrenzen. Darüber hinaus festigte sich die Vorstellung, dass die Welt immer nur subjektiv und damit individuell wahrgenommen werden kann. Und das galt auch für Schönheit und Attraktivität. So entstand der Spruch „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“. Dieser starke Satz machte Attraktivitätsforschung gut 30 Jahre lang überflüssig.

Dann drehte sich das Rad weiter. In den 90er-Jahren fand man heraus, dass es universelle physische Eigenschaften gibt, die allgemein als schön und attraktiv gelten. Dazu gehört beispielsweise ein symmetrischer Gesichtsaufbau und eine proportionale Aufteilung von einem Drittel zu zwei Dritteln. Die Büste der altägyptischen Königin Nofretete gilt wohl als populärstes Beispiel dafür, weil sie den gefundenen Messwerten verblüffend nahekommt.

Bevor man sich nun die aktuelle Forschung anschaut, lohnt es sich, ein Zwischenfazit zu ziehen: Was in den 60ern und 90ern geglaubt wurde, steht in starkem Gegensatz zueinander. Schließen sich die Ansichten deswegen aus? Hat die eine die andere widerlegt? Eben nicht. Sie haben beide ihre Berechtigung, liefern beide einen Erkenntnisgewinn und müssen sogar nebeneinander existieren dürfen. Wahrheit ist nicht schwarz oder weiß, sondern komplex und nie absolut. Es ist wichtig, sich dies noch mal vor Augen zu führen, bevor man sich den vielen Forschungsergebnissen der aktuellen Stunde widmet.

Schönheit – ein Tempel auf acht Säulen

Hier kommt das Stichwort „Evolutionäre Ästhetik“ ins Spiel. Man sucht nach Merkmalen, die Fruchtbarkeit und Reproduktionserfolg versprechen. So wurden die acht Säulen der Schönheit identifiziert: ein Begriff, der durch seinen esoterischen Klang ein bisschen schmunzeln lässt und tatsächlich gerne im Kontext von Feng-Shui benutzt wird.

Was sind also diese wissenschaftlichen acht Säulen der Schönheit?

  • Symmetrie
  • Jugendlichkeit
  • Textur (von Haut und Haaren)
  • Proportionen
  • Hormonmarker (Hinweis auf Gesundheit)
  • Durchschnittlichkeit (entspricht dem, womit man vertraut ist)
  • Bewegung
  • Geruch

Das alles sind Träger biologisch relevanter Informationen, die den Eindruck von Attraktivität ausmachen. Man darf sich an dieser Stelle bewusstmachen, dass einige dieser Faktoren nur erkennbar sind, wenn die Person vor einem steht. Eine Fotografie kann keine Schönheitssignale von den Säulen „Bewegung“ oder „Geruch“ übermitteln.

Auf dem Schlachtfeld der Fortpflanzung

Besonders provokante Thesen liefert der Evolutionsbiologe und Verhaltensforscher Karl Grammer. „Bei der Beurteilung von Schönheit geht es nicht um innere Werte“, sagt er in einem Interview mit der Zeitschrift NEON. „Aus evolutionsbiologischer Sicht kommt es nur auf das Aussehen an, weil hübsche und wohlgestaltete Individuen über die besten genetischen Voraussetzungen verfügen, um sich fortzupflanzen.“ Und er macht außerdem klar: „Im Fortpflanzungskampf geht es um Hierarchien.“

Laut Grammer wählen Männer ihre Partnerinnen letztendlich aufgrund deren Attraktivität aus. Ein Frauengesicht wird dann als besonders hübsch eingestuft, wenn es ein kleines, kindlich wirkendes Untergesicht ausweist, das auf einen hohen Östrogenwert in der Pubertät und damit auf Fruchtbarkeit schließen lässt. Gleiches gilt für volle Lippen und kleine Nasen. Diese Merkmale lassen sich unter dem Begriff „Kindchenschema“ zusammenfassen, der auf den Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz zurückgeht. Auch hohe Wangenknochen punkten bei Männern. ElitePartner-Psychologin Lisa Fischbach weist allerdings darauf hin: „Bei den Forschungsstudien in der Attraktivitätsforschung handelt es sich im überwiegenden Maß um Laboruntersuchungen oder um die Beurteilung von statischen Bilden. Das bedeutet, dass dieses Untersuchungsdesign etwas Künstliches hat und zudem versucht, nur eine einzige Ebene – nämlich die Optik – mit in die Bewertung zu bringen.“

Frauen sind komplizierter – bewiesenermaßen

Der Wissenschaftler Karl Grammer weist auf die Unterschiede in der Attraktivitätswahrnehmung von Männern und Frauen hin: „Frauen legen weniger Wert auf körperliche Attraktivität als Männer. Für sie zählen Ruhm, Geld und Ansehen.“ Und sogar Intelligenz oder andere positive Persönlichkeitsmerkmale, so haben seine Forschungen ergeben, würden nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die Partnerwahl der Frau ist alles andere als einfach zu verstehen – eventuell auch für die Frau selbst. Denn ihre Wahrnehmung ändert sich innerhalb ihres Zyklus. Zum Zeitpunkt des Eisprungs findet sie supermännliche Typen toll, den Rest des Monats bevorzugt sie eher androgyne Softies. Unter Umständen sucht sich eine Frau als Kurzzeitpartner sogar einen Mann, der ihrem „Feindbild“ entspricht, wie amerikanische Forscher um Victor S. Johnston herausfanden.

Volles Haar, markantes Kinn – was Frauen attraktiv finden

Mehrere Forscher haben in ihren Untersuchungen weiter konkretisiert, was Frauen mögen. Dazu gehört volles Haar, ein markantes Kinn und außerdem legen Frauen Wert auf die Körpergröße. Das ist auch durch Erfahrungswerte von Speed-Datings belegt. Regelmäßig forderten Frauen ihr Gegenüber auf, sich neben sie zu stellen, damit sie sich einen Eindruck von der Größe machen konnten. Manche Speed-Dating-Anbieter hatten daraufhin die Regel eingeführt, dass die Teilnehmer während der Veranstaltung nicht aufstehen dürfen. Aber es geht noch spezifischer: Man fand heraus, dass Frauen einen Mann attraktiv finden, wenn der Anteil seines Körperfetts ungefähr bei zwölf Prozent liegt – daraus lässt auf sich ein gutes Immunsystem schließen.

Das Tor zur inneren Schönheit

All diese Erkenntnisse mögen wahr sein, aber eben nicht nur. Zwölf Prozent Körperfett mögen attraktiv sein, unterhalten kann man sich mit ihnen nicht. Teilen, was das Leben einem bisher gebracht hat und wie man damit umgegangen ist, auch nicht.

Ein Tor zur Innenwelt, aus der Schönheit entsteht, lässt sich beruhigenderweise auch bei der aktuellen Attraktivitätsforschung finden. Man nennt sie hier „Ausdruckfeatures“. Sie vermitteln Signale über die emotionalen Zustände des Gegenübers. Klaus Möller erklärt: „Ein positiver Gesichtsausdruck lässt auf Freundlichkeit, Gesundheit oder erwünschtes Sozialverhalten schließen. Merkmale, die solche Eigenschaften vermitteln, sollen die Attraktivität eines Gesichtes steigern.“

Es ist also gar nicht so schwer, attraktiv zu sein. „Lächeln, Lockerung der Gesichts- und Kiefermuskulatur, tiefe, ruhige Atmung und eine klare Kontaktaufnahme mit den Augen“, rät ElitePartner-Psychologin Lisa Fischbach. Und man kann sogar ein bisschen tricksen. „Das bewusste Hochziehen der Wangen zu einem Lachen, also das Nachahmen von einem Lächeln, hebt nachweislich die Stimmung. Die Motorik kann also auch unsere Psyche beeinflussen. Das sollte man nutzen. Wer es nicht glaubt: ausprobieren.“

Am sloganhaften Satz „Schönheit kommt von innen“ ist also etwas dran. Sie kommt von innen – aber eben nicht nur.

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