Erster Eindruck Date

Warum nur 30 Sekunden beim ersten Date entscheiden

von: Saskia Balke

Innerhalb weniger Augenblicke entscheidet unser Unbewusstes, ob wir jemanden attraktiv finden. Was dabei gesagt wird, ist übrigens Nebensache. Welche Faktoren stattdessen eine Rolle spielen und wie Sie beeinflussen können, wie Sie auf andere wirken, verrät eine Psychologin.

Halten die Erwartungen der Realität stand?

Die 39-jährige Prokuristin Julia dachte schon beim Lesen von Hannos Profil: Das passt ja! Seine Liebe zu Julias Sehnsuchtsort Sylt, die gleiche Leidenschaft fürs Segeln – ein Volltreffer in der Flut der Partnervorschläge. Die witzigen und charmanten Mails, die Hanno schrieb, berührten sie unerwartet stark. „Über den schriftlichen oder telefonischen Austausch kann bereits viel Nähe zu einem eigentlich fremden Menschen entstehen“, erklärt Psychologin Lisa Fischbach, „das ist eine der Besonderheiten beim Online-Dating.“ Auch bei Julia und Hanno stimmte beim Telefonieren die Wellenlänge, sie plauderten fast jeden Tag, stundenlang. Bei jedem Telefonklingeln spürte Julia Schmetterlinge im Bauch. „Ein Mensch, den man noch nie getroffen hat, bietet eben eine ideale Projektionsfläche für Wünsche und Sehnsüchte“, erläutert Lisa Fischbach. „Beim ersten Treffen kommt es dann zu einem Realitätsabgleich. Nicht immer hält die subjektive, aber gefühlt echte Wirklichkeit der objektiven stand.“

Jeder fünfte Single entscheidet sofort

Innerhalb der ersten 30 Sekunden einer Begegnung fällt unser Unterbewusstsein bereits ein Urteil über unser Gegenüber. „Zu 55 Prozent entscheidet die Körpersprache darüber, wie jemand wirkt, zu 38 Prozent tragen Gestik und Mimik zur Meinungsbildung bei und nur zu sieben Prozent ist wichtig, was derjenige sagt“, erklärt Lisa Fischbach. „Gerade bei einem Date spielen außerdem die Optik und die Biochemie, also beispielsweise der Geruch, eine weitere wichtige Rolle.“

Wie schnell der erste und entscheidende Eindruck entsteht, bestätigt auch das Ergebnis einer ElitePartner-Umfrage, für die 2.000 Singles befragt wurden. Die meisten Singles können bei einer ersten Begegnung spätestens nach wenigen Minuten einschätzen, ob es funken wird. Jeder fünfte Single weiß sogar innerhalb weniger Sekunden, ob er sich in sein Gegenüber verlieben kann. So erging es auch Julia.

Erster Eindruck besteht aus:

  • 55% Körpersprache
  • 38% Gestik und Mimik
  •  7% Dem Gesagten

In nur einem Augenblick ist alles entschieden

Kurz bevor Hanno sie vom Hamburger Hauptbahnhof abholte, fühlte sie sich wie ein Teenager. „Ich hatte feuchte Hände vor Aufregung und bemerkte, wie viel mir die Begegnung bedeutete. Ich hatte mich hübsch gemacht und sogar extra meinen Friseurtermin vorverlegt.“ Beim Aussteigen aus dem Zug erkannte sie Hanno jedoch nicht gleich. Dann machte sie ihn unter den Wartenden aus, ging auf ihn zu – und in nur einem Augenblick war bereits alles entschieden. „Ich lächelte ihn zwar an, aber ich hatte richtig Angst, dass mir meine Gesichtszüge entgleisen und meine Enttäuschung auf der Stirn geschrieben steht. Dabei sah er schon irgendwie aus wie auf den Fotos, aber ich hatte mir einen anderen Typ Mann vorgestellt.“

Dieser erste Eindruck entsteht durch blitzschnell gescannte Signale, die das Unbewusste verarbeitet. „Eine reflexartige Reaktion, die sich unserer Kontrolle vollständig entzieht“, so Lisa Fischbach. „Damit schaffen die ersten 30 Sekunden eine Wahrheit, die sich schwer modifizieren lässt.“ Schuld daran ist der sogenannte „Primäreffekt“, ein psychologisches Phänomen: Je früher Informationen im Gehirn eintreffen, desto besser erinnert es sich daran. Die erste Einschätzung überstrahlt damit auch spätere Botschaften. Doch nicht jeder Mensch ist gleich empfänglich für die unumkehrbare Wirkung des ersten Eindrucks.

Deshalb gibt es die Liebe auf den ersten Blick wirklich

Beim Online-Dating fließen schon vor dem ersten Treffen Informationen über einen Menschen. „Diese können die erste Begegnung bereits positiv beeinflussen, wenn keine überhöhten Erwartungen im Spiel sind“, konstatiert die Psychologin. „Mails und Telefonate führen dazu, dass Menschen ihre Tür schon ein Stück öffnen. Insbesondere emotional intuitivere Menschen lassen sich dazu verleiten, nach dem ersten Treffen die Tür wieder komplett zu verschließen – oder sie bei Bestätigung des ersten Gefühls ganz aufzureißen. Dann strömt die rosarote Welle unaufhaltsam.“ Hanno kann ein Lied davon singen. „Ich war gleich geflasht von Julia, von ihrer Ausstrahlung, wie sie auf mich zulief. Wir konnten uns super unterhalten und fanden immer mehr Gemeinsamkeiten.“ Ein Effekt übrigens, der durch die selektive Wahrnehmung unterstützt wird. „Dass Verliebte vor allem ihre Ähnlichkeit wahrnehmen und Unterschiede ausblenden, ist typisch für die Anfangsphase einer Beziehung“, erklärt Lisa Fischbach. Nahezu schicksalhaft wirkt die Begegnung dann auf Schockverliebte wie Hanno. „Ein Reetdachhaus auf Sylt, das ist ein Lebenstraum, den wir beide teilen. Das konnte doch kein Zufall sein, dachte ich.“ Noch ahnte er nicht, dass Julia diesen Zauber nicht erlebte, obwohl sie ihn sich sehnlichst wünschte.

Dass Julia anders als Hanno nicht sofort entflammt war, ließ sie allerdings ganz und gar nicht kalt, sondern fast verzweifeln. „Objektiv betrachtet passte beim ersten Date doch alles so gut. Dieselben Vorstellungen vom Leben, ein gutaussehender Typ, wir konnten uns toll unterhalten. Doch der Funke sprang einfach nicht über. Dabei wollte ich mich so gerne verlieben!“ Sie ließ sich auf ein zweites und drittes Treffen ein, in der Hoffnung, dass sich das verliebte Kribbeln doch noch einstellt.

Wann sich ein zweiter Blick wirklich lohnt

„Wer Sympathie empfindet und wie Julia nur noch auf den Funken wartet, sollte ruhig einen weiteren Blick riskieren“, rät auch Lisa Fischbach. Denn der kann sich auch später noch entwickeln. Beispiel Arbeitsplatz: Mehr als jeder Dritte hat sich schon mal in einen Arbeitskollegen verliebt, war wohl aber selten bereits im ersten Moment wie vom Donner gerührt. Es langsam anzugehen, ohne den großen Funkenflug zu erwarten, kann sich also lohnen. „Stellen Sie sich einfach die Frage: Könnte das ein guter Freund von mir werden? Dann stimmt schon mal die Schnittmenge für eine weitere Annäherung“, weiß Autorin Fischbach, die darüber auch schon in Ratgebern schrieb. „Nicht jeder sprüht bei einem ersten aufregenden Date vor Charisma. Aufregung und der Wunsch, alles richtig zu machen, lässt uns verkrampfen und wenig authentisch wirken. Das legt sich häufig bei einem zweiten Treffen.“ Aussichtslos ist ein weiteres Date meist aber dann, wenn die Biochemie nicht passt, man einander also nicht riechen kann oder das Bauchgefühl rebelliert.

In Julias Fall blieben trotz guter Voraussetzungen auch nach dem zweiten oder dritten Date die Schmetterlinge aus. „Die Fallhöhe war hoch“, erläutert Lisa Fischbach. „Sie hatte schon vor dem ersten Treffen ein Bild von Hanno konstruiert, das mit der Realität nicht übereinstimmte. Diese Divergenz lässt sich auch später schwer ausgleichen.“ Ratsam sei es daher, sich schnell zu treffen und die Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben. Auch, wenn der erste Eindruck entscheidet: Es muss nicht sofort funken! „Wer zu sehr auf die Erwartung fixiert ist, dass im ersten Moment ein Feuerwerk entfacht, riskiert eine herbe Enttäuschung. Lieber nur von einem netten Gespräch ausgehen – und sich vom ersten Eindruck überraschen lassen!“

Drei Tipps für einen guten ersten Eindruck

Die Biochemie lässt sich nicht austricksen! Wenn sie nicht stimmt, wird definitiv kein Paar aus Ihnen und Ihrem Date. Doch ein bisschen können Sie schon beeinflussen, ob Sie einen guten ersten Eindruck hinterlassen:

  1. Schnell treffen! Positives Vorwissen zum Beispiel über gemeinsame Interessen ist vorteilhaft, zu hohe Erwartungen durch intensiven virtuellen Kontakt eher von Nachteil.
  2. Nutzen Sie den großen Einfluss der Körpersprache! Stehen Sie locker und aufrecht, das wirkt selbstbewusst. Ihre offene und sympathische Art unterstreichen Sie, wenn Sie sich Ihrem Gegenüber zuwenden. Ein authentisches Lächeln gewinnt Herzen! Während des Dates: Spiegeln Sie den anderen unauffällig, das weckt unbewusst Sympathien. Greift Ihr Date beispielsweise zum Weinglas, ergreifen Sie Ihres ebenfalls.
  3. Achten Sie auf Ihr Verhalten beim Abschied. Ein Kompliment machen, Kavalier sein, ein strahlendes Lächeln: Der letzte Eindruck hallt nach und ist fast so wichtig wie der erste!
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