Verliebt in den Chef

Verliebt in den Chef? So gehen Sie mit Ihren Gefühlen um

von: Sophie von Maltzahn

Sich in einen Arbeitskollegen zu verlieben, ist heutzutage nichts Außergewöhnliches mehr – das Phänomen „Verliebt in den eigenen Chef“ hingegen umso mehr. Wenn die neue Liebe eine Etage höher sitzt, gilt es einige Punkte zu beachten. Wir verraten Ihnen, worauf Sie in diesem Falle achten sollten und wie der Umgang damit gelingt.

Liebe am Arbeitsplatz: Jeden Fünften hat es schon erwischt

Die gute Nachricht vorweg: Liebe am Arbeitsplatz gewinnt immer mehr an Akzeptanz. Das belegt eine aktuelle Forsa-Studie. Demnach hat sich knapp ein Fünftel der bundesweit Befragten schon mal am Arbeitsplatz verliebt. 14 Prozent sind bereits eine feste Beziehung mit einem Kollegen oder einer Kollegin eingegangen, Tendenz steigend. Laut einer Emnid-Umfrage zeigen sich 80 Prozent der deutschen Unternehmen sogar tolerant gegenüber einer Beziehung unter Kollegen. Der Umstand „Verliebt in den Chef“ ist jedoch weiterhin ein Problemfeld. Job-Coach Andreas Föller warnt eindringlich:

„Auch wenn das Eingehen von Liebesverhältnissen mit direkt unterstellten Mitarbeitern immer wieder stattfindet, so ist es dennoch einer der kürzesten und zuverlässigsten Wege ins Desaster.“

Verliebt in meinen Chef oder in seine Position? Drei Fragen, die Klärung versprechen

  1. Machtfrage: Die dringlichste und gleichsam unbequemste Frage, die sich ein Arbeitnehmer stellen sollte, sobald er das Gefühl hat, sich in den Vorgesetzten verliebt zu haben, ist: Geht die Attraktivität vom Menschen oder von seiner Machtposition aus? Schließlich macht Macht und Geld erwiesenermaßen sexy. Wer sich diesen Aspekt nicht eingesteht, läuft Gefahr, die eigenen Gefühle falsch zu interpretieren.
  2. Typfrage: Die nächste Frage, die geprüft werden muss: Besteht zwischen mir und meinem Vorgesetzten ein großes Attraktivitätsgefälle, wie beispielsweise ein erheblicher Alters- oder Gewichtsunterschied, das durch die höhere Position ausgeglichen wird? Um mehr Klarheit über die eigenen Gefühle zu gewinnen, ist es sinnvoll, sich selbst zu fragen: Entspricht der Chef oder die Chefin einem Typen, den ich auch sonst anziehend fände?
  3. Realitätsfrage: Prüfen Sie weiter und fragen Sie sich: Bin ich verliebt in meinen Chef oder auch verliebt in den Menschen in seinem privaten Umfeld? Kann ich mir überhaupt ein Bild davon machen, wie sich der Mensch als Privatperson verhält? Im Berufsalltag agiert jeder entsprechend seiner Rollen und Aufgaben. Die Privatperson dahinter kann aber ganz anders sein. Einblicke ins private Leben, die im Arbeitsumfeld stattfinden, sind allerdings selten möglich und müssen über einen längeren Zeitraum akkumuliert werden, damit ein sinnvolles Bild entstehen kann.

Ist mein Chef in mich verliebt?

Verliebt in meinen Chef und nun? Nachdem Sie für sich geklärt haben, woher die Begeisterung für den Chef oder die Chefin wirklich rührt und dabei zu der Erkenntnis gekommen sind, dass Sie tatsächlich an der Person und nicht nur an der Position interessiert sind, sollten Sie einen Schritt weiter gehen. Wer den Wunsch nach echter Liebe im Chef oder in der Chefin erfüllt sieht, der wird sich irgendwann ein Herz fassen und erfahren wollen: Ist mein Chef in mich verliebt? Typischerweise bietet eine Betriebsfeier oder eine Geschäftsreise gute Möglichkeiten, um in dezenten Flirtmomenten auszutesten, ob der andere mehr in einem sehen könnte als nur einen Mitarbeiter.

Hier sollten Sie allerdings wachsam sein, ob der andere die Gefühle auch erwidert. Andernfalls droht die Situation schnell in Schieflage zu geraten: Es besteht die Gefahr, dass er oder sie nur einen unverbindlichen Flirt genießt, eine ernsthafte Beziehung und eine gemeinsame Zukunft aber zu keinem Zeitpunkt in Betracht zieht.

Außerdem sollten Sie bei allem, was Sie tun, nie außer Acht lassen: Was mache ich, wenn es zu einer Affäre oder Beziehung kommt? Was passiert bei einer möglichen Trennung? Kann ich meinem Chef oder meiner Chefin aus dem Weg gehen oder muss ich weiterhin eng mit ihm oder ihr zusammenarbeiten? Wäre ich notfalls dazu bereit, zu kündigen? All diese Gedanken lassen sich auch in einer Frage widerspiegeln: Ist mir mein Arbeitsplatz oder eine potenzielle Beziehung wichtiger? Diese Frage können nur Sie individuell für sich beantworten.

Beziehung mit dem Chef: wie und wann beichten?

Verliebt in den Chef und die Gefühle beruhen auf Gegenseitigkeit? Im Idealfall werden die Gefühle erwidert und beide spüren eine einzigartige und tiefe Zuneigung zueinander. Sie beschließen, ihre Liebe nicht nur im Verborgenen zu leben, sondern wollen sich zum anderen bekennen. „Will ein Paar seine Beziehung am Arbeitsplatz nicht weiter verheimlichen, sollte die Beichte zum richtigen Zeitpunkt stattfinden“, rät Paartherapeut Stefan Woinoff. „Am besten wartet man so lange, bis beide zusammenziehen wollen.“ Das passende Maß an Seriosität wäre damit sichergestellt. „Handelt es sich um eine Affäre, sollten die Kollegen auf keinen Fall Bescheid wissen“, sagt er.

„Die Beziehung sollte nur öffentlich gemacht werden, wenn es wirklich Liebe ist.“

Eine Betriebsfeier ist aufgrund des informellen Rahmens eine hervorragende Gelegenheit, um Transparenz zu schaffen und für die Akzeptanz der Verbindung zu werben. „Bei größeren Unternehmen muss sogar die Personalabteilung informiert werden“, stellt der Berliner Kommunikationsberater Karsten Noack klar. „Das macht dann derjenige von beiden mit dem ranghöheren Posten – in dem Fall also der oder die Vorgesetzte.“

Eine vorhersehbare Frage des Umfelds wird sein: Seit wann bist Du verliebt in den Chef und seit wann besteht dieses Verhältnis schon? Bei letzterer Frage schwingt unumgänglich Argwohn mit. Denn die Kollegen fragen sich, wie lange die Beziehung verheimlicht wurde und ob in der Zeit vielleicht sogar eine Bevorteilung stattgefunden hat. Es ist wichtig, dass das Paar nun einheitlich und eventuell – je nach Situation – sogar gemeinsam kommuniziert. Es muss sich den Fragen und Sorgen im Umfeld widmen, nur so können sich die Wogen glätten.

Beziehung am Arbeitsplatz – so meistern Sie den Arbeitsalltag

Verliebt in den Chef zu sein, ist die eine Sache. Zur Herausforderung wird es, wenn die Gefühle auf Gegenseitigkeit beruhen, die Beziehung gebeichtet wird und der Arbeitsalltag weitergehen muss. Sobald ein Liebesverhältnis bekannt wird, stehen beide unter besonderer Beobachtung. Aus Führungsperspektive stellt sich das leichter dar als mitten im Feld. Ab dem Moment des Bekanntwerdens muss die Arbeit doppelt so sorgfältig erledigt werden. Fehler werden in so einer angespannten Atmosphäre nämlich nicht so leicht verziehen. Auf keinen Fall darf die Leistung nachlassen, weil das Liebesverhältnis die Arbeit beeinträchtigt, zum Beispiel durch spontane Besuche an der Bürotür oder zweifelhafte Vier-Augen-Gespräche hinter verschlossener Tür. Der Arbeitgeber kann per Gesetz eine Liebesbeziehung nicht verbieten. Die Begründung liefert Artikel 2 des Grundgesetzes:

„Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit.“

So schwer der anfängliche Weg auch sein mag: Wenn es wahre Liebe ist, wird eine Beziehung mit dem Chef oder mit der Chefin möglich sein. Mit weniger als das – einer mittelprächtigen, an den Nerven zehrenden Affäre beispielsweise – sollte man sich allerdings nicht zufriedengeben. Das wäre die Sache nicht wert und der Wunsch nach echter Liebe in einer vertrauenswürdigen und zukunftsfähigen Partnerschaft zu kostbar, um ihn dafür zu verschwenden.

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