Über die harte Arbeit der glücklichen Partnerschaft

Über die harte Arbeit der glücklichen Partnerschaft

von: Lisa Fischbach

Zusammenpassen ist kein Zustand, sondern das Ergebnis einer Entwicklung.

Von Anfang an muss alles passen, sonst kann die Liebe nicht gelingen… Hört sich romantisch an. Und einfach. Ist aber für eine lebenslange Liebe ziemlich unrealistisch und die falsche Einstellung. Gerne von Romantikern erträumt, gerne von bequemen Liebeskonsumenten angenommen.

Nur hat es wenig mit wirklicher Partnerschaft zu tun. Liebe macht Arbeit und es gibt keine Beziehung ohne Kompromisse. Wums…das hört sich erst einmal ziemlich unangenehm an. Ist aber so! Immer mehr Paarforscher und Psychologen stellen das deutlich heraus. Zuletzt Titelthema im Focus. Mitunter war sicher das neue Buch des Psychologen und Therapeuten Arnold Retzer „Lob der Vernunftehe“ Anlass zur Story. Er plädiert darin, pragmatisch mit seinen Träumen umzugehen. Nach der Analyse von Hunderten Beziehungsgeschichten und deren typischen Konflikten und Problemen empfiehlt er, Partnerschaften von unrealistischen Erwartungen und überzogenen Forderungen zu befreien. Seiner Meinung nach braucht ein langes, glückliches Miteinander eine realistische Grundlage. Die Liebe müsste dabei nicht verloren gehen. Im Gegenteil.

Die Betonung liegt dabei deutlich auf dauerhaftem Glück und realistischer Betrachtung. Einer für immer und für alles – dieses romantische Liebesideal ist nach wie vor en vogue. Und fast alle Männer und Frauen träumen von einer solchen Lebensliebe. Aber warum schaffen es so wenige? Und immer weniger? Weil wir unsere  Liebe und Partnerschaft mit Wünschen und Erwartungen überfrachten, genauso einem Ideal hinterher jagen. In einer Gesellschaft, die uns vorgaukelt, alles sei möglich und machbar, wird die Partnerschaft vor einer solchen Sichtweise nicht verschont. Vor 50 Jahren funktionierte dieses Ideal scheinbar. Jedenfalls hielten von außen betrachtet viele Ehen ein Leben lang. Dafür gab es Gründe, die heutzutage nicht mehr existieren. Frauen und Männer sind viel freier in der Partnerwahl und in der Realisation ihres Partnerschaftsmodells. Es gibt kaum noch äußere Zwänge, die eine Partnerschaft bedingen. Sex gibt es auch ohne eine Beziehung. Eine Stigmatisierung als Single oder als Beziehungshopper findet nicht mehr statt. Religiöse Werte verlieren an Wirkung. Bildung und Ansprüche nehmen überall zu. Warum also nicht auch in der Partnerschaft das Ultimative wollen. Erst dann ist sie für viele das Ideal von Liebe.

Aber was macht Liebe wirklich aus? Dauerhafte Liebe? Sicherlich verändert sich eine Liebe über die Jahre. Der Anspruch, das die leidenschaftliche Liebe ein Leben lang währt, ist so naiv wie unmöglich. Der vertraute Körper soll immer und immer wieder reizen, obwohl man ihn schon auswendig kennt. Doch für den Kick im Bett braucht es Fremdheit, die natürlich im Laufe der Jahre verloren geht. An diese Stelle treten andere Werte und Inhalte. Intimität, bedingungslose Loyalität, Vertrautheit. Vielen ist das ein höherer Wert als immer noch heißen Sex nach 20 gemeinsamen Jahren zu erwarten. Langjährige Paare sprechen von einer tiefen Freundschaft, die sie verbindet, von Seelenverwandtschaft, von größtem Zusammenhalt. Einen Menschen an der Seite zu haben, auf den man sich wirklich verlassen kann, der Jahrzehnte gemeinsam durch den teils belastenden Alltag ging, der in Krisen half, tröstete und blieb, der sämtliche Marotten, Stärken wie Schwächen kennt. Jemand, den man fühlt und weiß, was er denkt, ohne dass er etwas sagt.

Jeder entscheidet für sich, was er in einer Partnerschaft sucht und was er finden will. Ein gewisser Pragmatismus scheint das Erfolgsrezept vieler langjähriger Partnerschaften zu sein. In den Ohren von Romantikern und Frischverliebten mag das schmerzen. Doch die gemeinsame Gestaltung des Weges mit dem Wissen um Veränderungen und Verzicht ist unabdinglich für eine förderliche Einstellung. Ein Lebensliebe hat ihre eigenen Gesetze und fordert in einigen Bereichen ihren Preis. Ohne Enttäuschungen geht das nicht vonstatten. Wer damit umgehen kann, hat die Chance auf ein langes Miteinander. Zusammenpassen ist nun mal kein Zustand – es ist das Ergebnis einer Entwicklung.

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5 Kommentare

Sina

16. Oktober 2009, 17:00 Uhr

Toller Artikel! So ist es, weg mit der rosa Brille und Ziele setzen. Alles hat seinen Preis, Mann muß nur wissen, was Mann wirklich will. Schliesslich auch kämpfen und nicht gleich kapitulieren.

Pierre

30. Oktober 2009, 14:00 Uhr

Diesen Beitrag finde ich ganz toll; besonders jetzt in einer wirtschaftlch etwas schwierigen Zeit bringt er die Frage auf den Punkt. Ich persönlich würde die rosa-rote Brille dennoch nicht aus dem Blickfeld verlieren und sie zwischendurch zu zweit auskosten; das spendet gute Energien!

Beate

31. Oktober 2009, 22:00 Uhr

Liebe Frau Fischbach, leider, leider sprechen Sie die Wahrheit, die die meisten von uns nicht hören wollen;-). Und auch nicht wahr haben wollen. Die Liebe soll bitte wie der perfekt ausgestattete Porsche Cayenne vom Himmel fallen. Ein alter Mini Cooper ist zwar auch sehr cool, aber nervt an allen Ecken und Enden, bis man einsieht, dass das Ding weg muss, will man nicht den Kfz-Mechaniker dazu heiraten.
Liebe macht Arbeit. Und es ist eben immer noch die Königsdisziplin, eine Liebe zu ERHALTEN. Blitzverlieben kann sich jeder und macht auch Freude, aber eben meist nicht für lange. Wobei "lange" ja relativ ist.
Bleibt die grosse Frage an Sie: WIE kann man ALLES, was man sich von einer dauerhaften Partnerschaft wünscht, erhalten? Wenn der Wunsch an sich lautet: Einer für immer für alles!

harrycool

6. Juli 2010, 17:00 Uhr

Zwei Kardinalfehler liegen meines Erachtens einerseits im Schummeln und andererseits in fehlender Selbstinfragestellung. Das hat partout nichts mit Herabsetzung des Ego zu tun, sondern mit dem Sinn für Realität, der in dieser Gesellschaft und folglich auch im Internet (zu) oft abhanden kommt. Was sich bei der Partnersuche darin äußert, dass wir so handeln, als könnten wir unsere Chancen auf den Traumpartner manipulieren, indem wir so schreiben, so telefonieren und versuchen, uns live so darzustellen, wie wir idealerweise gerne wären, ohne zu erkennen, dass wir das gar nicht durchhalten können, eben weil wir nicht so sind, weil wir bewusst oder vielleicht sogar unbewusst mehr oder weniger geschummelt haben. Und uns dann auch noch schmerzlich wundern, wenn in diesem Theater der Vorhang recht schnell wieder fällt. Und sollte dieser erste Kardinalfehler nicht so ausgeprägt sein, wie ich ihn hier skizziere, dann kann der zweite Kardinalfehler derjenige sein, der Hoffnungen und Träume schnell zum Platzen bringt: Wer macht sich bei der Suche nach dem neuen Lebenspartner wirklich Gedanken über seine eigenen Schwächen? Die meistens doch auch zum Verlauf der vergangenen Beziehungen beigetragen haben dürften? Und die bestimmt keine Garantie dafür sein dürften, dass die nächste Beziehung dank beidseitig eingebrachter Erfahrungen zwangsläufig besser sein muss? Eine distanzierte Betrachtung im Spiegel, vor dem eigenen geistigen Auge und in offenem Gespräch mit Freund oder Freundin kann der entscheidende Faktor sein, der die Gefahr einer überzogenen Selbstdarstellung sowie einer überzogenen "Schau mal was ich Tolles suche"-Darstellung verringert. Und damit die Chancen darauf verbessert, weitgehend finden zu können oder gefunden werden zu können und mit dem Ergebnis glücklich werden zu können. Viel Erfolg

phill

18. August 2010, 08:00 Uhr

Eine andere harte und insbesondere für Frauen ab 40 unfaire Wahrheit ist, dass viele junge Frauen den einfachen weil bequemen Weg gehen und sich einen älteren, vermeintlich gut situierten Mann suchen.
Das Angebot ist riesig und viele dieser Frauen verstehen es nahezu perfekt sich in Szene zu setzen. Da kann man als Mann schnell schwach werden. Man lebt ja schließlich nur einmal und das Leben ist offenbar zu kurz und bietet zu viel als das man da nicht zugreifen möchte. Mann holt sich vermeintlich die Jugend zurück. In diesen Momenten verschieben sich die Wertevorstellungen gewaltig.

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