Trennungsbilanzen

von: Sebastian Leyendecker, 23. April 2009

Zwei Menschen die sich als "Wir" empfanden, müssen sich plötzlich wieder in ein "Du" und "Ich" aufspalten.

Trennungsbilanzen

Jeder Trennung beginnt mit einer Beziehung. Und da die meisten Menschen doch weit mehr als eine Beziehung in ihrem Leben gehabt haben, enden die meisten Beziehungen mit einer Trennung.

Ein paar Glückliche können verbuchen, dass sie eine Beziehung mehr gehabt haben als Trennungen. Das sind die, die gerade in einer Partnerschaft leben. Aber ich nehme an, dass solche Menschen wohl kaum ein Blog, das sich mit Trennung beschäftigt, lesen würden. Es sei denn – sie haben vor, ihre "Beziehungs-/Trennungsbilanz" auszugleichen. In absehbarer Zeit.

Trennung: Zwei Menschen die sich als "Wir" empfanden, müssen sich plötzlich wieder in ein "Du" und "Ich" aufspalten. Mal ist man der Abspaltende und mal ist man der, der getrennt wird. Gründe gibt es zahllose, ebenso wie Formen, in denen eine solche Trennung stattfinden kann. Aber getrennt werden kann selbstverständlich nur das, was einmal zusammen gehörte. Und die wenigsten Trennungen die ich erlebte, waren besser als ihre vorangegangenen Beziehungen. Und Trennungen sollen endgültig sein. Sollen sie das? Selbst das ist heute nicht mehr sicher.

Reden wir also über Trennungen. Denn zusammen ist man ja nur eine Weile. Getrennt für alle Ewigkeit.

10 Kommentare

Claudia

16. Juli 2008, 15:00 Uhr

Leider wird nicht in jeder Beziehung/Partnerschaft/Ehe aus einem DU und ICH ein WIR. Ich bin nun über 11 Jahre verheiratet und noch immer gibt es viel zu oft MEIN und DEIN. Wenn dann das Ende einer Beziehung naht, ist es besonders schwer das aufzuteilen, was in der gemeinsamen Zeit geschaffen und erworben worden ist. Was ist MEINS, weil ich es bezahlt habe (ich habe schließlich auch das Geld verdient) oder ist es DEINS, weil du es immer benutzt hast? Ich denke, in dieser Situation hilft nur miteinander reden. Doch, ist dies möglich, wenn es schon in guten Zeiten nicht geklappt hat?

H.PaulSteiner

21. Juli 2008, 10:00 Uhr

Jede Beziehung, die mit einer Trennung beginnt, endet mit einer Trennung – na das ist doch so was von klar – weil alles was wir aus der Vergangenheit in eine vermeintliche rosige Zukunft nehmen – bleibt ein Bestandteil der Vergangeneheit. Die logische Konsequenz – nachdem wir uns ja trennen wollen von der Vergangenheit – hat auch diese Beziehung, die wir daraus mitnehmen, in unserer Zukunft nichts verloren – ergo – wir trennen uns wieder mit Hilfe einer neuen Beziehung und schaffen es ein weiteres Mal durch die mitgesogene Vergangenheit bereits die Zukunft am Start zu killen!

andreas

30. November -0001, 00:00 Uhr

Paul! – das is so negativ – wieso nicht die vergangene Beziehung als Teil von sich selbst begreifen – ohne den man vieles nicht gelernt hätte – was nun der neuen Beziehung zu Gute kommen kann? Ob es nun die Art ist wie man mit Konflikten umgeht, was eine Beziehung durchaus stabilisieren kann. ICH will auch alte Lieben garnicht vergessen, schließlich hatte ICH sie mir auch ausgesucht – jede NEUE kann sich bei den alten BEDANKEN, haben die mich doch zu dem gemacht, was sie heute erwählt. – ciao ah.g

Claudia

21. August 2008, 13:00 Uhr

Danke Andreas, dass es auch Männer gibt, die in einem Ende auch einen Neuanfang sehen. Zu Beginn der Trennung ist es immer schwer, diese positive Seite zu sehen und es bedeutet auch viel, viel Arbeit. Wir Frauen tun uns da vielleicht auch leichter, da wir eher bereit sind mit einer Freundin zu sprechen oder auch professionelle Hilfe anzunehmen. In diesem Fall ist es wirklich so – geteiltes Leid, ist halbes Leid. Nun denn, lasst uns anfangen uns selbst zu ändern, denn dann wird sich etwas verändern!

Sarah

23. August 2008, 23:00 Uhr

Ich denke, einmal Trennung und dann aber nur noch die neue Beziehung zu Besuch!
Sind wir doch mal ehrlich. Was erwartet einen auf dem Geschlechtermarkt? Entweder man bekommt jemanden, der noch bei Mama wohnt oder therapiebedürftige Ex-Ehemänner! Also was sind wir dann in der neuen Beziehung? MAMA oder THERAPEUTIN!
Im übrigen ist Claudias Einstellung für jede Frau, die über dem verflixten 7. Jahr verheiratet ist, nachvollziehbar.

Dagmar

31. August 2008, 21:00 Uhr

Sarah, auch wenn ich deinen Frust verstehe, weil ich auch in dem Alter bin, in dem Man(n) nur noch aus gescheiterter Ehe kommt…
Aber wer hat die Männer denn therapiebedürftig gemacht, wenn nicht die Frauen, von denen sie geschieden sind?
Mit diesem Gedanken möchte ich dich keineswegs angreifen, doch er kam bei mir auf, weil ich meinen Partner leider durch seinen Tod verloren habe und mich nun auf einem ‘Markt’ wiederfinde, auf dem es viel zu viele gefrustete Männer und Frauen gibt, die lieber ihre Angst ausleben als sich die Chance zu geben, wieder glücklich zu sein.

Bibi

26. September 2008, 09:00 Uhr

Wer hat die Männer therapiebedürftig gemacht…wenn nicht sie selbst? Wir reden von Männern, von erwachsenen Menschen und da bin ich nicht bereit, für einen die Verantwortung zu übernehmen. Ich bin für MICH verantwortlich, aber doch nicht für (m)einen Mann. Ich will Partnerin, Geliebte, Freundin usw…eines selbst-bewußten Mannes sein, aber nicht Mutter meines Freundes oder Mannes!!!

Claire

10. Oktober 2008, 20:00 Uhr

@ Bibi: Das ist komisch, wie Du das beschreibst. Du willst etwas von jemandem sein und glaubst, das hat keinen Einfluss auf ihn? Wenn du ihm weh tust? Ich bin völlig Beziehungsunfähig und ziemlich sicher, daß meine Kerle (die schlecht ausgewählt waren) dabei nicht untätig waren.

Zuppi

7. März 2011, 17:51 Uhr

Irgendjemand sagte zu mir, dass die meisten 100% in einer Beziehung wollen, aber selbst nur maximal 10% geben wollen.
Mir ist selber aufgefallen, dass das Märchen vom Fischer und seiner Frau gerade in Beziehungen zutrifft. Immer höher, schneller, weiter.
Was fehlt ist Demut. Damit meine ich nicht Unterwürfigkeit, sondern runter von der Maßlosigkeit, wissen, wo meine Leisten sind, und in welcher Liga ich spielen kann. Wenn ich als durchschnittlicher Mann eine überdruchschnittliche Frau möchte, geht es schief.
Sehr schnell fühlt sich dieser Mensch unterlegen und ist dann weg. Bedenklich finde ich auch, dass es keine Verbindlichkeiten mehr gibt, man sich wegen Banalitäten trennt, weil man gerade in einer so wichtigen ‘persönlichen ‘Entwicklung ist.
Alles Ausreden, um sich vor der Beziehungsarbeit zu drücken, die leider immer noch zum größen Teil von Frauen geleistet wird.

muschelschubser67

22. Juli 2011, 21:18 Uhr

Wahre Worte, Zuppi. Aber noch ein Wort zur These, Beziehungsarbeit würde immer noch überwiegend von Frauen geleistet: Meine Frau hat Ihre Familie zerstört, weil Sie eben nicht in der Lage war, Beziehungsarbeit zu leisten. Dabei war Ihr offenbar egal, ob unser damals dreieinhalbjähriger kleiner Sohn zum Scheidungskind wird. Herzlichen Glückwunsch zu soviel Beziehungsfähigkeit, kann ich da nur sagen. Ich bin nun seit gut zwei Jahren wieder Single mit wechselnden (Bett-)Partnerinnen – und habe doch den Verlust meiner Familie, für die ich alles gegeben habe, immer noch nicht verwunden. Der Grashalm (s.o.) ist quasi platt. Vielleicht keimt ja irgendwann irgendwo ein neuer…

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