Frau schaut nachdenklich als Symbol für Selbstbild und Fremdbild

Selbstbild und Fremdbild: Sehen und gesehen werden

von: ElitePartner Redaktion , 15. Februar 2018

Es ist ihr erstes Date, zumindest in diesem Jahr. Aber nach so vielen Monaten musste sie endlich etwas tun. Nun ist Hannah viel zu früh dran, fühlt sich unsicher und würde am liebsten wieder gehen. Zu spät. „Moin, Moin, ich bin Paul“, sagt Paul und setzt sich. Er nimmt ein stilles Wasser, mühsam entwickelt sich ein Gespräch. Und dann sagt Paul plötzlich: „Du bist sehr selbstsicher, da hast du Glück. Mir fällt das immer schwer.“ Selbstsicher? Will der taffe Moin-Moin-Typ sie jetzt veralbern?

Dass wir uns selbst ganz anders sehen, als uns andere wahrnehmen, kommt häufig vor. Man spricht von einer Diskrepanz zwischen Selbstbild und Fremdbild. Ein typisches, wenn auch drastisches Beispiel ist die Magersucht: Der Erkrankte nimmt sich als unmäßig dick wahr, obwohl er an starkem Untergewicht leidet. Die Selbstwahrnehmung ist nahezu konträr zur Fremdwahrnehmung – und noch dazu weit von der Realität und vom Idealbild entfernt.

Welches Bild andere von Ihnen haben, können Sie in unserem Test zu Selbstbild und Fremdbild unten ganz leicht ermitteln.

Gewicht und Maße lassen sich messen, viele unserer Eigenschaften mit der Selbstbild-, Fremdbild-Brille nicht. Empfindet Paul sein Date als selbstsicher, liegt dies vielleicht daran, dass er selbst schwer aus sich herauskommt. Den „Intro“ nennen ihn seine Kumpels, und hätten sie ihn nicht bis zum Eingang des Cafés begleitet, hätte er garantiert nie einen Fuß über die Schwelle gesetzt.

Hannah wiederum lässt sich, wie es so schön heißt, die Butter nicht vom Brot nehmen. In ihrer Mädelsrunde gibt sie den Ton an, eigentlich immer schon. Nur mit den Jungs klappt es eben derzeit nicht. Da hat sie gleich Angst, dass man das merkt und tritt lieber noch ein bisschen offensiver auf. Von ihrem inneren Zwist ahnt Paul nichts. Ihr Selbstbild ist gleich doppelt „geschützt“.

Selbstbild, Fremdbild und Idealbild: Übereinstimmung ausdrücklich erwünscht

Unser Selbstbild bestimmt unser Handeln. Es entscheidet über unser Auftreten nach außen, unsere Gefühle und unser Denken, also die Reflexion über uns selbst und andere. Stimmt unser Selbstbild im Vergleich zum Fremdbild nicht mit dem eigenen Idealbild überein, kann das zu Problemen führen. Im besten Fall bringt eine kleine Korrektur, ein neues Outfit zum Beispiel, alles wieder ins Lot. Im schlechtesten entfernen wir uns immer weiter, eben weil unser eigenes Bild uns täuscht. Wir stehen vor einem Zerrspiegel und benötigen Hilfe.

Nicht weniger problematisch wird es, wenn wir uns selbst ganz anders sehen als die anderen. Gerade in einer Beziehung kann das zu dauerhaften Problemen führen – einfach, weil die Partner einander nicht verstehen. Auch der Versuch, sich in den anderen hineinzuversetzen, ist hier zum Scheitern verurteilt. Es ist ein bisschen so, als unterhielte man sich über ein bestimmtes Urlaubsfoto, wobei aber beide Partner eine ganz andere Reise im Kopf haben. Da sich die Verwechslung in diesem Fall leider auch nicht aufklärt, zieht man irgendwann kopfschüttelnd den Schlussstrich.

Die Single-Coaches Eric Hegmann und Lisa Fischbach beschreiben in ihrem Buch „Die Traumprinz-Falle“ noch ein ganz anderes Phänomen, das mit dem Selbstbild gegenüber dem Fremdbild einhergeht: Es wirkt, selbst wenn es eigentlich nicht stimmt. Fühlt sich ein Single erfolglos und nicht wert geliebt zu werden, kann dieses persönliche Bild in tragischer Weise zur Realität werden. Die niedrige Erwartung an sich selbst wird an die Umwelt vermittelt und damit zur „sich selbst erfüllenden Prophezeiung“.

Wer sich dessen bewusst ist, kann sich diese Beeinflussung natürlich zunutze machen. Es gibt zahlreiche Übungen, die das Selbstbild stärken und das Fremdbild im gewünschten Sinne prägen, sie reichen von Entspannung und Konzentration bis hin zur Hypnose. Oft hilft bereits ein offenes Gespräch mit Freunden, doch auch ein Psychologe oder Beziehungscoach kann wertvolle Anregungen geben.

Was macht das unser eigenes Bild aus und wie entsteht es?

Unser Selbstbild ist ähnlich wie das Fremdbild komplex, verschiedene Faktoren spielen mit hinein und kämpfen um die richtige Balance. Einerseits ist da das innere Bild unserer Eigenschaften und unserer gesellschaftlichen Position. Sehen wir uns selbst als bedacht und zurückhaltend oder als forsch und geradeheraus? Ist die bisherige Karriere ein Erfolg oder weit unter Mittelmaß? Solche Fragen müssen wir uns beantworten, bewusst und unterbewusst. Aus den Antworten entwickeln sich unsere Ideale und Wertvorstellungen, nicht zuletzt unsere Selbstliebe, unser Egoismus und unser Charisma.

Das Streben nach einem positiven Selbstbild wohnt den meisten Menschen inne – und das ist durchaus gesund. Selbstbild-Fremdbild-Übungen wie zum Beispiel eine allzu positive Selbstbeurteilung kann als kleine Notlüge fürs innere Gleichgewicht durchgehen. Eigenlob stinkt zwar, aber nur, wenn es zu stark nach außen dringt.

Glücklich ist der, der in einem sehr positiven Umfeld agiert. Nicht zuletzt ist es die Wertschätzung, die wir empfangen, die unser Selbstbild ausgehend vom Fremdbild stärkt. Dankbar geben wir gleich ein Lob zurück, was gerade in der medialen Öffentlichkeit gern peinlich wirkt.

Analyse: Warum driften Selbstbild und Fremdbild so oft auseinander?

Der Baseler Psychologie-Dozent Michael F. Gschwind erklärt zur Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung:

„Wir sehen am anderen nur das, was man sehen kann und hören kann, aber in jedem Menschen stecken ja noch viele andere wichtige Faktoren, etwa Bedürfnisse oder Einstellungen, und die sieht man eben nicht.“

Gschwind macht dabei deutlich, dass viele Menschen – sei es beruflich oder privat – ein bestimmtes Außenbild vermitteln und dafür bewusst andere Facetten ihrer Persönlichkeit verbergen. Das Fremdbild bleibe im Vergleich zum Selbstbild damit „immer unvollkommen.“

Gschwinds Analyse zufolge sind Selbstbild und Fremdbild in verschiedenen Lebensbereichen auch unterschiedlich gefragt. Im Beruf, in dem wir ständig bewertet werden und vorankommen wollen, spiele das Fremdbild eher die Schlüsselrolle. In einer Beziehung, „in der man nur auch mal einfach man selbst sein kann, ist das Selbstbild das wichtigere.“

Selbstbild vs. Fremdbild: Machen Sie den Test!

Eine positive Selbstwahrnehmung trägt maßgeblich dazu bei, dass Sie auch auf andere positiv wirken. Umso besser Selbstbild, Fremdbild und Idealbild übereinanderliegen, desto authentischer werden Sie wirken, und desto weniger Missverständnisse wird es geben, gerade in der Partnerschaft. Unser Selbstbild ist dabei keineswegs immer gleich – und kann im Bedarfsfall positiv beeinflusst werden.

Wie Sie selbst auf andere wirken, können Sie in unserem Test „Fremdbild und Selbstbild: Das bin doch nicht ich, oder?“ herausfinden.

  1. Sie sind auf einer Party zu fortgeschrittener Stunde. Wo findet man Sie in der Regel?
  2. Unterwegs mit guten Freunden. Was ist Ihre Rolle in der Gruppe?
  3. Erstes Treffen mit den Eltern Ihrer neuen Flamme. Wie verhalten Sie sich?
  4. Auf der Hochzeit eines guten Freundes. Welche Peinlichkeit wäre Ihnen am ehesten zuzutrauen?
  5. Ein Wochenende mit Freunden droht aufgrund eines Streits über gemeinsame Unternehmungen ein abruptes Ende zu nehmen. Wie gehen Sie mit der Situation um?
  6. Eine klassische Paarsituation: Sie sind auf dem Weg zum Grillen bei neuen Arbeitskollegen. Das Navi versagt, keiner von Ihnen kennt den Weg. In welcher Reaktion erkennen Sie sich wieder?
  7. Als Pärchen haben Sie Ihre Freunde zum Abendessen eingeladen. Welche Grundstimmung strahlen Sie aus?
  8. Ein erstes Date, welche Themen sind für Sie tabu?
  9. Sie kennen sich erst wenige Monate, und als Sie eines Abends zum ersten Mal Freunde treffen wollen, erscheint er/sie in einem Outfit, das Sie unmöglich finden. Wie reagieren Sie?
  10. Sie sind mit Ihrem Freund/Ihrer Freundin in großer Runde in der Kneipe. Pärchen-Anekdoten landen auf dem Tisch. Bleiben Sie? Machen Sie mit? Oder sind Sie peinlich berührt?

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