Frau gibt Kulli zum Unterschreiben des Vertrags, weil sie getrennt leben

Stempel „Getrennt lebend“: Wenn Klischees auf Ängste treffen

von: ElitePartner Redaktion , 26. Juni 2015

Sind Getrenntlebende geeignete Kandidaten für eine neue Partnerschaft? Unter ElitePartner-Mitgliedern scheiden sich die Geister: Ist die Scheidung noch nicht durch, ist das für viele Singles offenbar ein rotes Tuch. Zu Unrecht, findet Single-Coach und Psychologin Lisa Fischbach - und erklärt, warum ein Umdenken von Reife zeugt.

Die radikale These von moralischen Defiziten

Der Status „Getrennt lebend“ trifft auf einen relativ geringen Teil von rund 15% der weiblichen und männlichen ElitePartner-Mitglieder zu. Sie haben es zuweilen nicht leicht bei der Partnersuche. Denn ihnen wird nachgesagt, vielleicht doch noch emotional gebunden zu sein, einfach nur fremdgehen zu wollen oder einen Rosenkrieg in Aussicht zu haben. Nicht wenige Frauen, wie beispielsweise Vikky aus dem ElitePartner-Forum, vertreten gar die radikale These: „Ein verheirateter Mann, der etwas mit einer anderen Frau anfängt, hat ein erhebliches moralisches Defizit.“ Und auch Männer stören sich an diesem Status, wie zum Beispiel Nutzer Dr. House: „Für mich ist bei der Partnersuche der Status „getrennt lebend“ einer Frau mit Sicherheit ein todsicheres Ausschlusskriterium. […] Ich bin mir bewusst, dass ein Scheidungsurteil keine Garantie für einen endgültigen Abschluss bedeutet, die Wahrscheinlichkeit ist jedoch wesentlich höher.“ (Hier die ganze Diskussion lesen: „Getrennt leben: Warum haben Männer mit diesem Status bei Frauen kein Problem?“)

„Noch kein Scheidungsdatum – na und?“

Der Wunsch nach geklärten Verhältnissen ist also offenbar bei beiden Geschlechtern groß, gerade, wenn eigene Erfahrungen die Sicht auf das Thema prägen. So wie bei einem Forums-User, der sich „Early Winter“ nennt: „Mir ist unverständlich, wie man sich so kurz nach der Trennung direkt schon wieder etwas Neues suchen kann. Im Traum wäre mir nicht eingefallen, während meiner Trennungszeit einen neuen Partner zu suchen. Da hatte ich noch genug damit zu tun, meine Ehe für mich selbst zu verarbeiten sowie mit mir selbst klarzukommen bzw. herauszufinden, wer ich bin, was ich in Zukunft für mich will usw. Klare Verhältnisse helfen allen Beteiligten am meisten.“ Doch es gibt eben auch Getrenntlebende wie Shaky68, die ernsthaft eine neue Beziehung zu suchen scheinen, aber an ihrem Status scheitern: „Warum ist Frauen das Scheidungsdatum so wichtig?“, fragt er. Die Dame, die er online voller Hoffnung gedatet hatte, hat sich von ihm abgewandt. „Scheiden lassen will und werde ich mich, nur kann ich eben noch kein Datum nennen.“

Vermeintliche Ausrede? Verantwortungsvolles Handeln!

Seine Gründe klingen wohlüberlegt: „Weil ich mich mit meiner Frau noch immer verstehe, möchte ich das alles langsam und geregelt abwickeln. 26 Jahre sind eine lange Zeit, ich möchte, dass es allen Beteiligten so gut wie möglich geht.“ Für diese Einstellung erntet Shaky68 im Forum viele Anfeindungen. Diplom-Psychologin Lisa Fischbach rückt die Verhältnisse gerade: „Das ist ein sehr verantwortungsbewusster Ansatz zu handeln. Wer sich aus einer Konstellation mit Vermögen und Kindern ohne Rosenkrieg lösen möchte, sollte sich die Zeit dafür nehmen dürfen. Trotzdem kann der Getrennte emotional bereit für eine neue Beziehung sein und sollte nicht pauschal den Vorwürfen ausgesetzt werden, er sei nicht konsequent.“ Doch für seine neue Online-Bekanntschaft war seine vermeintliche Unentschlossenheit der Grund, das Kennenlernen abzubrechen. Resigniert stellt Shaky68 fest: „Weil ich kein Datum nennen konnte, hatte meine neue Beziehung keine Chance.“ Eine Erfahrung, die eine rege Diskussion im ElitePartner-Forum auslöste.

Getrennt lebend: Dieser Status kennzeichnet für viele Singles einen Schwebezustand, der viele Unsicherheiten zu forcieren scheint, welche sich in vielen sehr emotionalen Annahmen und Ängsten äußern:

1. Angst davor, dass doch immer die Ehefrau gewinnt

„Ich bin durch die Hölle gegangen!“, schreibt eine Schweizerin von ihrer Erfahrung mit einem getrennt lebenden Mann. „Ich war 3 Jahre mit [ihm] zusammen. Er war bereits ausgezogen, hatte regelmäßig die Kinder und zu seiner ‚zukünftigen Ex’ ein einigermaßen gutes Verhältnis. Er wollte sich nicht scheiden lassen, da die Kinder erst 5 und 7 sind und er wollte ihnen das Haus nicht wegnehmen.“ In der Schweiz kann eine Scheidung sehr teuer werden, die neue Partnerin zeigte also Verständnis und fühlte sich sicher: „Ich kannte alle und war auch das eine oder andere Mal dabei.“ Doch dann das: „2 Wochen vor Weihnachten ist er zurück um der Familie nochmals eine Chance zu geben. […]“ Es sind Geschichten wie diese, die insbesondere bei Frauen Misstrauen schüren, wenn es darum geht, einem noch verheirateten Mann eine Chance einzuräumen. Für Männer scheint dieser Punkt weniger eine Rolle zu spielen, „kann man sich bei ‚getrennt lebenden‘ Frauen doch recht zuverlässig darauf verlassen, dass sie nicht nur eine Affäre und auch nicht zum Ehemann zurück wollen. Es ist unwahrscheinlich, dass man mit einer solchen Angabe von Frauen hinters Licht geführt wird“, mutmaßt Dr. House.

2. Die Sorge, alle Strapazen einer Scheidung als neuer Partner mittragen zu müssen

Wenn Kinder und Vermögen im Spiel sind, kann ein Scheidungsprozess eben auch mit Reibereien und seelischem Druck einhergehen. „Ich habe es 2 x durch und nie wieder. Ja, die beiden Herren waren schon getrennt, relativ lange, aber noch nicht geschieden. Es lag auch an Eigentum und gemeinsamer Firma. Ständig drehte sich nur alles um die Ex, die Streitereien, ER war gar nicht bei mir und sich selbst, da war zu viel Stress und Energie noch bei der Ex, wobei ich schon sicher war, dass er die nicht mehr liebt.“ So wie es eine Gastnutzerin im ElitePartner-Forum beschreibt, haben es mehrere Frauen erlebt. Manche fühlten sich danach als „Übergangsfrau“ ausgenutzt.

3. Die bange Frage: Ist er wirklich offen für etwas Neues?

Die Mehrzahl der Männer und Frauen zweifelt zudem an, ob die Trennung schon verarbeitet oder überhaupt schon ausgesprochen ist. „Am Anfang war ‚getrennt lebend‘ bei mir [kein Ausschlusskriterium]“. […]Dann habe ich aber immer wieder festgestellt, dass [das] ein dehnbarer Begriff ist. Einige wohnten z.B. mit der Frau noch zusammen. Einige waren erst ganz frisch getrennt, einer hatte seine Frau vor drei Wochen verlassen, weil er sie in flagranti erwischt hatte und er brauchte mich nur, um die ganze Zeit abwechselnd über sie her zu ziehen und von ihr zu schwärmen“, erzählt eine Frau.

Beim Online-Dating gilt häufig: Hopp oder Top!

Natürlich schrecken solche Erfahrungen ab. Hinzu kommt, dass schwarze Schafe, die noch nicht einmal wirklich getrennt sind, beim Online-Dating leichteres Spiel haben. Umgekehrt ist es für misstrauische Singles aber auch einfacher, die noch nicht geschiedenen Kandidaten auszusortieren. „Wahrscheinlich sind viele Männer mit dem Status „Getrennt lebend“ dabei, die wirklich eine neue Partnerin suchen und mit der alten abgeschlossen haben, aber ich kann mich doch nicht mit allen erst mal ausführlich darüber unterhalten“, wirft eine Frau ein.

„Sie verzichten auf viel Potenzial, den passenden Partner zu finden!“

„Warum eigentlich nicht?“, fragt sich Diplom-Psychologin Lisa Fischbach. „Wenn andere Parameter sehr gut passen, lohnt sich solch ein Gespräch.“ Sie kennt die Konstellationen von Getrenntlebenden und die Befürchtungen der Singles aus ihrer Praxis. So erlebt sie häufig getrennte Paare, die ganz klar und eindeutig einen Schlussstrich gezogen haben, ohne sich zeitnah scheiden lassen zu wollen. So wie es ein männlicher Forennutzer beschreibt: „Also, wir werden uns nicht scheiden lassen, aus rein finanziellen Gründen. Es gibt genügend Möglichkeiten eine neue Partnerin abzusichern. Getrennt leben wir schon eine Weile und Kontakt haben wir nur ab und an, wenn es z.B. um die Hypothek geht. Eine möglich neue Partnerin muss das akzeptieren oder eben nicht.“ Gleichzeitig kennt Lisa Fischbach Singles, die aus Angst vor einer Enttäuschung alle getrennt lebenden Singles über einen Kamm scheren und jeden Kontakt abwehren. Und natürlich gibt es eben auch jene Getrenntlebenden, die noch nicht mit ihrer vorherigen Beziehung abgeschlossen haben oder sich nicht endgültig entscheiden wollen. „Wenn Singles sich jedoch allein vom Status „Getrennt lebend“ abschrecken lassen, verzichten sie auf das Potenzial, unter diesen Menschen einen passenden Partner zu finden“, gibt Lisa Fischbach zu bedenken. Sie möchte Singles dazu motivieren, differenzierter hinzusehen.

Ernsthaft getrennt, unentschlossen oder Täuscher?

Ein zweiter Blick hilft, zwischen ernsthaft Getrennten, den Unentschlossenen und den Täuschern zu differenzieren statt pauschalisierend den Stempel „Getrennt lebend“ aufzudrücken. Zumal dieser Status im Laufe des Lebens auf jeden zweiten Verheirateten zutreffen wird.“ Wer sich in der Realität verliebt, arbeitet ja auch keine Checkliste ab, sondern lässt sich von seinem Gefühl leiten. „Wenn ich im wahren Leben jemanden kennen lernen würde, bei dem sich dieser Status dann später herausstellt, hätte ich damit wohl kein Problem, weil ich dann ja merken würde, ob er noch verletzt ist und wie lange getrennt usw.“, bestätigt eine Forenteilnehmerin.

Absichten und Lebensumstände kristallisieren sich schnell heraus

Lisa Fischbach ermutigt Singles dazu, diesem Bauchgefühl zu folgen, auch, wenn sie Einwände wie folgende kennt. „Viele Männer suchen nur ein Sprungbrett und eine Erlösung aus ihrem Leid. Sie orientieren sich erst an neuen Frauen um, bevor sie sich trennen. Bzw. sie trennen sich dann doch nicht. Sie lassen die Alte daheim glauben, alles ist in Ordnung“, fürchtet eine Forennutzerin. Das kann vorkommen – aber der Täuscher fliegt in der Regel schnell auf. „Häufig kristallisieren sich Absichten und Lebensumstände schon in den Mails heraus. Wenn ein Getrenntlebender nie in den Abendstunden telefonieren möchte, sexuelle Vorlieben in den Mails thematisiert oder sich auch nach mehreren Treffen nicht auf ein Date in seinem Zuhause einlässt, könnte es natürlich sein, dass noch eine ahnungslose Ehefrau im Spiel ist“, sagt Lisa Fischbach. Dann ist immer noch Gelegenheit, sich zu distanzieren. „Guter Selbstschutz ist, vorher ein paar tiefergehende Fragen zu stellen und mit Intimitäten zu warten, bis man mehr vom anderen erfahren hat.“

Eine Scheidung gibt keinen Aufschluss über Gefühle

„Menschen leben sich auseinander, Ehepaare verlieren sich über Jahre aus den Augen. Natürlich können diese offen für eine neue Beziehung sein, unabhängig davon, wie lange die Trennung bereits beschlossen ist. Wann sie sich innerlich voneinander entfernt haben, kennzeichnet kein Trennungs- oder Scheidungsdatum“, erklärt die Paarberaterin. Aussagekräftiger für zwischenmenschliche Qualitäten seien andere Kriterien als eine schnell vollzogene Scheidung, zum Beispiel Rücksichtnahme gegenüber der Familie, ein fairer und wertschätzender Umgang mit der Ex-Liebe. Schließlich wird diese nicht zu einer Unperson, nur weil die Liebe verloren ging. „Eine Beziehung ‚abschließen‘ erfolgt im Inneren. Ein äußeres Zeichen ist meiner Meinung nach kein Beweis für ein inneres Abschließen, kann, muss aber nicht. Des Weiteren kann man gelebte Zeit niemals ‚abschließen’. Sie bleibt immer Teil von einem, ohne sie wäre man nicht der oder die man ist. Und man muss daher auch nicht „verteufeln“, z.B. den Expartner“, ist Kolibri22 überzeugt. Auch IrmaLaDouce kann von einem positiven Beispiel berichten: „Bin selbst seit über 5 Jahren nur getrennt lebend, mein Ex und mein jetziger Partner können seit 5 Jahren zusammen Fußball schauen oder ein Zimmer renovieren, ohne irgendwelche negativen Befindlichkeiten. Wenn ich das aber im weiblich dominierten beruflichen Umfeld erzähle, bekommen viele Frauen den Mund nicht mehr zu.“ Viele Menschen klammern sich an eng gesteckte Vorstellungen, wie Dinge zu sein haben. Dabei könnte es sich lohnen, offen für neue Modelle zu sein.

Der souveräne Umgang zeugt von Reife

„Für mich zählt der Mensch wesentlich viel mehr als nur ein Stück Papier, so einfach ist das für mich“, bekennt ein Nutzer namens Inspirationsmaster. „Eine reife Einstellung“, konstatiert Lisa Fischbach. Diese beobachtet eine 46-jährige noch verheiratete Frau auch bei der neuen Freundin ihres Mannes: „Sie fühlt sich [durch die ausstehenden Scheidung] nicht entwertet. Sie drängt ihn ganz und gar nicht, denn sie ist selbst erfahren darin.“ Das Leben folgt eben keinen starren Schemata, auch, wenn es uns das Online-Dating scheinbar ermöglicht, uns vermeintliche Wunschpartner ohne Altlasten herauspicken zu können“, sagt Lisa Fischbach. „Ein Mensch passt nicht automatisch besser zu Ihnen, nur weil er den Status ‚Single‘ statt ‚getrennt lebend‘ angeklickt hat. Wer sich innerlich von solchen statischen Mustern befreit, kann auf seine persönliche Einschätzung vertrauen.

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