Date-Ausreden

„Opa ist tot!“ – Was hinter den schrägsten Date-Ausreden steckt

von: Saskia Balke

Die Freude aufs Date ist groß. Dann die Absage: Grippe, Kreislaufzusammenbruch - und manch ein Single lässt sogar die Oma sterben. Dabei lautet die Diagnose in vielen Fällen nicht Exitus, sondern: Kalte Füße! Lesen Sie hier, mit welchen schrägen Ausreden Nutzer des ElitePartner-Forums bereits abserviert worden sind.

 „Warum hat er nicht einfach Überstunden vorgeschoben…?“

Die SMS erreichte Simone zwanzig Minuten vor ihrem zweiten Date mit Frank. Sie öffnete sie auf dem Weg zum Auto – und wäre fast vor den Laternenpfahl gelaufen. „Mein Opa ist gerade gestorben. Ich kann leider nicht kommen“, las sie. Dass ein 41-Jähriger überhaupt noch einen Großvater hat, ist ja selten genug. Und jetzt sollte sie glauben, dass sein plötzliches Ableben so kurzfristig ihr Date vereitelt? Wie das Leben so spielt. Oder der Tod. Oder der Single.
Sie war irritiert, aber Frank hatte so sympathisch gewirkt, dass sie ihm nicht zutraute, was sich ihr aufdrängte: dass er ihr eine Lüge auftischte, und zwar eine äußerst geschmacklose. Als sie entdeckte, dass er in den nächsten Tagen selbst in tiefer Trauer fleißig sein Profil aufrief, war ihr alles klar. Heute kann sie über diese Geschichte lachen. Obwohl sie sich bis heute fragt, warum er nicht einfach Überstunden vorgeschoben hat. Im ElitePartner-Forum fand sie in einem Thread zu einem ähnlichen Fall einige Antworten – und stellte fest, dass sie nicht die einzige ist, die aufgrund eines vermeintlichen Trauerfalls versetzt wurde.

Ich habe noch mein Beileid ausgesprochen – und nie wieder was gehört.

„Ich kenne das auch. Mein Date musste auf eine Beerdigung (hat er mir drei Stunden vor dem Date verkündet)“, berichtet Gertraud. Und eine weitere Nutzerin schreibt: „Bei meinem Date ist auch „mal der Vater gestorben“ und ich habe noch mein Beileid ausgesprochen. Nie wieder was gehört. Es gibt Menschen, die schrecken vor nichts zurück! Und der Todesfall scheint prima zu sein, um sich die Leute auf Abstand zu halten […]“ Hier lesen Sie den Foren-Thread>>
Diplom-Psychologin Lisa Fischbach stimmt dieser These zu: „Wer einen Todesfall vorschiebt, wählt eine besonders dramatische (Not-)lüge, die das Gegenüber kaum wagt zu hinterfragen. Außerdem reagieren beim Thema Tod viele verunsichert – und ziehen sich respektvoll zurück.“ Gerade wenn man sich noch nicht gut kennt, stirbt mit dem nahen Anverwandten im übertragenen Sinne auch die Chance auf ein weiteres unbeschwertes Kennenlernen. „Eben darauf zielt diese Lüge ab.“ Doch nicht immer geht dieser Plan auf, wie ein 26-Jähriger im Forum bekennt: „Also, ich habe das auch schon als Ausrede gebracht….war ziemlich dumm, weil die dann einfach nicht locker gelassen und wochenlang nachgefragt hat.“ Geschieht ihm recht, dachte Simone, als sie das las. Und: Wie respektlos! Tatsächlich handeln Menschen, die Todes-Ausreden gebrauchen, nicht gerade moralisch. Sie stellen die Absicht, sich ohne weitere Erklärung aus der Affäre zu ziehen, in den Vordergrund. „So einer will dich nicht einmal mehr warmhalten“, ist Simone sich sicher.

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Einer musste dringend ins Krankenhaus, starke Kreislaufprobleme!

Wenn das berühmte Hintertürchen im Spiel ist, fallen die Ausreden eher softer aus. „Schon wieder einer, der plötzlich krank ist“ heißt ein Thread im ElitePartner-Forum. Der Fragestellerin wurden „Hals-Nacken-Probleme, die sich wochenlang hinziehen werden“ als Absagegrund präsentiert. Der Mann wolle sich melden, wenn er wieder fit sei. Schon das dritte Mal, dass ihr das passiere, berichtet sie. Eine andere Nutzerin plaudert ebenfalls aus dem Nähkästchen: „Einer musste ganz dringend in Krankenhaus – starke Kreislaufprobleme! – und das genau an dem Tag, an dem wir uns treffen wollten.“ Im Fall einer anderen Single-Frau hatte der Mann plötzlich Grippe. „Und dann ging es ihm endlich besser, da musste er aber auf einen Geburtstag und dann zum Grillen fahren, Sonntag Nachmittag, 200 km. Ich denke halt das gehört zum Warmhalten, wenn man nicht so genau weiß, was man will. Krankheit ist perfide, man kann ja schlecht sagen: du bist nicht krank.“ Vielfach wollen sich Singles, die aus völlig unterschiedlichen Gründen kalte Füße bekommen, einfach Luft verschaffen. Zum Beispiel, weil sie mehrere Eisen im Feuer haben oder bemerken, dass sie doch nicht so verliebt sind, wie sie dachten. Simones Freundin Regina hatte mal ein sehr beschäftigtes Date, das nach einigen Treffen von Burnout sprach. „Gib mir etwas Zeit“, war das letzte, was sie von dem Mann hörte. An so manchem Rotwein-Abend mit Simone ärgert sich Regina immer noch, dass sie diese Ausrede im ersten Moment sogar ernstgenommen hatte und immerhin drei Wochen auf seine Nachricht hoffte – bis sie ihn mit einer anderen Frau im Arm in der Stadt traf.

Faule Ausrede oder doch bittere Wahrheit?

Ob Krankheit oder Todesfall: Wer eine solche Nachricht erhält, wünscht sich Gewissheit über den Wahrheitsgehalt. Oftmals auch, weil das Bauchgefühl widersprüchliche Signale sendet und man an der eigenen Menschenkenntnis zweifelt. Doch die Tatsachen kennt nur der Absender. „Ob solche Ausreden infame Lügen sind oder tatsächliche Ereignisse, macht natürlich einen großen Unterschied aus. Was zählt ist aber, ob es danach weitergeht. In den Fällen von plumpen Ausweichmanövern ist eins klar: So enttäuschend es ist, der andere will Sie nicht treffen. Versuchen Sie, das zu akzeptieren, ohne weitere Energie zu investieren. Lassen Sie sich durch solche Einzelfälle aber nicht Ihr Männerbild überschatten. Wer so handelt, ist weder wertschätzend im menschlichen Umgang noch couragiert“, fasst Single-Coach Lisa Fischbach zusammen.

Ein Internetphänomen

Warum berichten relativ viele Singles von solchen Absagen und müssen leider tatsächlich davon ausgehen, mit einer Lüge abgespeist worden zu sein? „Ich halte das für ein gesamtgesellschaftliches Problem, da Lügen und Unehrlichkeit […] ziemlich weit verbreitet sind […]. Beim Online-Dating lügen Frauen und Männer vielleicht noch häufiger, weil es so leicht ist“, mutmaßt ein Nutzer. Lisa Fischbach gibt zu bedenken: „Wenn Sie jemanden aus dem erweiterten Freundeskreis daten, ist die Hemmschwelle zu lügen natürlich ungleich höher. Bei der Online-Partnersuche fördert die Anonymität, mit einer Ausrede abzutauchen, ohne dass man auffliegt und der Ruf in Gefahr ist.“

Lügen: Eine Geschlechterfrage?

Im ElitePartner-Forum berichten vor allem Frauen über krasse Fälle von Notlügen. Immer wieder diskutieren die Teilnehmer, ob es sich um ein rein männliches Phänomen handelt oder ob Frauen ebenso gut im Ausredenfinden sind. „So viel vorweg: Die Geschlechter lügen gleich viel“, konstatiert Lisa Fischbach. Ein Forums-Nutzer nennt ein Beispiel (hier nachzulesen): „[Frauen] erzählen Dir, dass sie anrufen und verschieben ein einfaches Telefonat Woche für Woche bis zu einem halben Jahr. Und haben dann keine Zeit. Anstatt gleich ehrlich zu sein und zu sagen ‚ich habe kein Interesse‘.“ Frauen lügen also auch, aber anders. Lisa Fischbach weiß, warum: „Drastisches oder blumenreiches Lügen hat weniger mit Fantasie zu tun. Es ist eine Schwäche, sich vor der Ehrlichkeit zu drücken, auf der anderen Seite sich dadurch einen Vorteil zu verschaffen – sei es das Vermeiden von Konflikten oder eine Warmhalte-Taktik. Da Männer häufig mehr Probleme mit Konflikten in emotionalen Bereichen haben, greifen sie eher zu drastischen Ausreden. Sie wollen dadurch einen klaren Schnitt erzeugen. Frauen flunkern eher etwas harmloser, sie haben häufig aber auch mehr kommunikative Strategien zur Verfügung.“

Sozialverträgliches Verabschieden

Hinter diesen Flunkereien lässt sich bei Männern und Frauen immerhin auch eine gute Absicht verorten: Sie wollen den anderen nicht verletzen. Dabei handeln sie nach dem Motto: Der Zweck heiligt die Mittel. Manche Menschen schießen dabei aber eindeutig übers Ziel hinaus. Doch bei weitem nicht jeder hadert mit dieser Form des Kontaktabbruchs, wie dieser Eintrag im Forum zeigt: „Also ich finde das nicht weiter schlimm, wenn mir eine solche Absage gegeben wird. Man weiß dann auch so Bescheid und muss sich nicht anhören, man sei zu unattraktiv oder uninteressant, was ja im Regelfall der (mutigen) Wahrheit entsprechen würde. Ich würde das Verhalten also nicht feige nennen, sondern ‚sozialverträgliches Verabschieden’.“ Das ist aber eindeutig Geschmackssache. Denn zwischen ungelenken Absagen, die der ungeschminkten Wahrheit entsprechen, und dem Griff ins absurde Ausredenfach gibt es noch einige Graustufen, die moralisch verträglich sind.

Autorin

Saskia
Balke

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