Musik und Verführung

von: Volker Drewes, 23. April 2009

Musik hat eine ganz besondere Wirkung auf uns. Auch auf unser Liebesleben.

Musik und Verführung

Kennen Sie die Situation: man hat jemanden Neues kennen gelernt, und nun steht das erste Treffen in den eigenen vier Wänden bevor. Meist handelt es sich dabei um eine Einladung zum Essen.

Vor allem Männer scheinen heutzutage den Herd und die Kochkünste entdeckt zu haben und möchten dies natürlich nutzen, um ihren Verführungskünsten einen günstigen kulinarischen Rahmen zu verleihen. Für passende Rezepte finden Sie übrigens auch Anregungen in unserem Kochblog. Aber eine andere Frage, die sich dann stellt, ist: welche Musik soll ich auflegen? Beim Forschen im Netz bin ich doch auf recht unterschiedliche Vorschläge gestoßen, das ging von Marvin Gay über Barry White, Ice House und Police bis hin zu Gregorianischen Gesängen und Henry Mancini. Ein unterhaltsames Thema, auf jeden Fall. Vielleicht hilft bei der Auswahl eine Untersuchung von Saarikallio and Erkkila (2007), die herausfinden wollten, auf welche verschiedene Art und Weise Menschen Musik benutzen, um ihre Stimmung und ihre Gefühle damit zu beeinflussen bzw. in eine bestimmte Richtung zu lenken. Dabei ergab sich eine Liste von 7 Punkten:

1. Unterhaltung – Auf einer ganz grundlegenden Ebene stimuliert uns Musik einfach. Sie hebt die Stimmung, bevor man ausgeht, sie begleitet uns beim Autofahren, bei der Hausarbeit oder beim Lesen im Hintergrund.

2. Erneuerung – Am Morgen kann uns Musik lebendiger machen, am Abend beruhigen.

3. Starkes Empfinden – Musik kann uns in extrem tiefe und heftige Gefühlszustände versetzen, insbesondere beim eigenen Musizieren.

4. Ablenkung – Musik kann uns von unangenehmen Gedanken ablenken und den Geist beruhigen.

5. Entladung – Musik, die mit bestimmten inneren Zuständen mitschwingt, kann tiefe Gefühle freisetzen: als reinigende und befreiende Wirkung.

6. Geistige Tätigkeit – Musik kann das Tagträumen verstärken oder anregen, wenn man z.B. in alten Erinnerungen schwelgt.

7. Trost – Musik kann Trost spenden oder auch dabei helfen, Gefühle mit anderen zu teilen.

Diese sieben "Strategien" dienen immer zwei Zielen: die eigene Stimmung zu kontrollieren und zu unterstützen. Wenn man diese kleine Kategorisierung auf unser Vorhaben überträgt, könnte man sich fragen, welche dieser Strategien am besten zu einem selber passt und wie sich dies in der "Verführungssituation" auf mich auswirken wird. Wahrscheinlich werde ich also solche Stücke auswählen, die bei mir positiv besetzte Erinnerungen hervorrufen oder ganz allgemein meine Motivation in die "richtige Richtung" bringen.

Natürlich ist damit noch nicht die Frage beantwortet, ob der gewünschte Effekt auch beim Objekt der Begierde genauso eintreten wird. Denn bekanntlich können Geschmäcker sehr verschieden sein – und was mache ich, wenn sich beim Hören eines alten Mancini-Stückes bei mir der romantische Overkill anbahnt – sie aber dabei an den letzten Lover denken muss, der sie damit zu Tode gelangweilt hat? Aber was soll's – man kann ja in einem solchen Fall die unterschiedliche Reaktion auf die Musik dazu nutzen, sich näher kennen zu lernen. Hauptsache, man hat noch eine Alternative parat. Wenn dann das Endergebnis so ausfallen sollte, dass es gar keine Gemeinsamkeiten gibt, dann ist das ja auch ein Ergebnis: wahrscheinlich kann man sich nämlich dann alles Weitere sparen.

5 Kommentare

Hengst

30. November -0001, 00:00 Uhr

Erstaunlich, was die Musik mit uns anrichtet. Um eine Frau rumzukriegen, hab ich ein ganzes Repertoire an Verführungsmucke im CD-Regal. Bei eleganten, gebildeten Frauen gibts Ravels "Bolero", bei Verkäuferinnen die "Best of"-CD von PUR oder die letzte "Kuschelrock". Das klappt immer.

Gerda

21. Oktober 2008, 10:00 Uhr

@ Hengst:

Erstaunlich, dass ein vorurteilsbehafteter Steinzeit-Macho wie Du tatsächlich Erfolg hat. Stell Dir vor: Ich BIN Verkäuferin und höre weder PUR noch "Kuschelrock". Als Buddhistin werde ich ganz schwach bei CDs mit Musik des tibetischen Schneckenhorns. Aber solch erlesene, tiefsinnige Klänge hast Du sicher nicht in Deiner Sammlung.

Hengst

30. November -0001, 00:00 Uhr

@ Gerda:

Für Dich, Gerdaleinchen, lern ich sogar das tibetanische Schneckenhorn selbst zu spielen. Interesse?

macfan

2. November 2008, 07:00 Uhr

Ich lege Musik nur auf, wenn Sie es wünscht.
Mich lenkt sie nämlich vom Wesentlichen ab, dem Gespräch mit dem Gegenüber. Musik kann gut weichzeichnen und Gefühle wecken, die man ohne sie nicht hätte, das ist wie mit Gerüchen (Parfum) oder auch schöner, vorteilhafter Kleidung. Damit kriegt man vielleicht jemanden "rum", das wars dann aber auch. Wirklich authentisch ans Gegenüber "ran"gekommen ist man so noch lange nicht.
Mir geht es öfter so, daß ich darum bitte, die Musik auszumachen, weil sie – auch noch so leise – einfach ablenkt.
Und wenn Du – Hengst – den Bolero nur auflegst, um eine rumzukriegen, dann hast Du den tieferen Gehalt des Stückes sicher nicht erfaßt.
Schade für den Bolero.

viaGoogle

26. Juli 2009, 08:00 Uhr

Aufgrund der Tatsache, dass "Hengst" zumindest einen Bolero kennt, würde ich ihn noch nicht vollends aufgeben.

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