Frau strahlt - sie führt ein glückliches Leben

Die sechs Puzzleteile für ein glückliches Leben

von: ElitePartner Redaktion , 19. Februar 2018

Mein Haus, mein Auto, mein Boot – geht es nach der Werbung, sind Statussymbole die Quelle eines erfüllten Lebens. Glücksforscher sehen dies völlig anders. Wer sich zu stark auf materielle Dinge konzentriert, kann das einfache Glück aus den Augen verlieren.

Mein Haus, mein Auto, mein Boot – Kennzeichen für ein glückliches Leben?

Was kennzeichnet ein glückliches Leben? Seit Jahrtausenden beschäftigt sich die Menschheit mit dieser Frage. Als Urvater der Erforschung des Glücks gilt Aristippos von Kyrene, ein Schüler von Sokrates. Er sah zwei bestimmende, miteinander konkurrierende Zustände im Leben: Lust und Schmerz. Wer seine Lüste befriedigt, werde ein glückliches Leben führen, erklärte Aristippos. Der bewusste Genuss sei sogar der eigentliche Sinn des Lebens, behauptete er. Was Aristippos gleichzeitig auch zum Erfinder des Hedonismus machte.

Die längste Zeit beschäftigte sich ausschließlich die Philosophie mit dem Streben nach Glück. Was zu überaus deprimierenden Hypothesen brillanter Köpfe führte. Für Schopenhauer war das Glück ein Irrtum und die Welt ein „Jammertal“. Nietzsche attestierte glücklichen Menschen sogar, in einer Lebenslüge gefangen zu sein.

Glaubt man der Werbung, sorgt ein Wein der richtigen Marke für einen fröhlichen Abend mit Freunden und ein All Inclusive Urlaub mit Reiseveranstalter XY ist der Garant für eine glückliche, erfüllte Zeit. Nach dem Motto: mein Haus, mein Auto, mein Boot. Aber sorgt gut investiertes Geld wirklich für ein glückliches Leben?

Geld macht glücklich – doch nur bis zu einem bestimmten Level

„Man braucht natürlich ein gewisses Einkommen oder finanzielle Sicherheit“, sagt Karlheinz Ruckriegel, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Hochschule Nürnberg, „aber das wird grenzenlos überschätzt.“ Unterstützt wird Ruckriegels These von dem Ökonomen Angus Deaton, der die Zusammenhänge zwischen Konsum, Arbeit und Wohlfahrt untersuchte und dafür im vergangenen Jahr mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet wurde. Armut macht laut Deaton zwar unzufrieden oder gar unglücklich. Allerdings kann Geld nur bis zu einem bestimmten Jahreseinkommen unsere Zufriedenheit positiv beeinflussen.

„Wenn wir über ein gewisses Einkommen hinauswachsen, passen wir unsere Ansprüche nach oben an“

, bestätigt Ruckriegel, der sich selbst als Glücksforscher bezeichnet.

Gemeinsam mit Kollegen aus Fachrichtungen wie Betriebswirtschaft, Neurobiologie, Psychologie oder Medizin versucht Ruckriegel, ein umfassendes Bild davon zu erhalten, was Menschen glücklich macht. Denn die Quellen der Zufriedenheit werden heute nicht nur aus philosophischer Sicht ergründet. „Glücklich sein ist ein subjektives Wohlbefinden, das in zwei Ausprägungen wahrgenommen wird“, sagt Ruckriegel. „Einerseits gibt es das emotionale Wohlempfinden. Hierbei geht es um das Verhältnis zwischen positiven und negativen Gefühlen im Tagesdurchschnitt“, erklärt Ruckriegel. „Die andere Seite ist das kognitive Wohlbefinden. Hier geht es darum, wie ich mein Leben bewerte, vor dem Hintergrund meiner Ziele, Wünsche und Erwartungen.“

Die sechs Glücksfaktoren

Als glücklich bezeichnet Ruckriegel einen Menschen, der täglich drei positive emotionale Erfahrungen macht, denen höchstens eine negative Emotion gegenübersteht. Damit meint der Glücksforscher Situationen oder Erlebnisse, die ein gutes Gefühl in Bezug auf die eigene Person erzeugen. Glücklich ist zudem, wer seine kognitive Zufriedenheit auf einer Skala von eins bis zehn mindestens mit acht bewertet. Im Durchschnitt gäben sich die Deutschen allerdings lediglich eine Sieben, sagt Ruckriegel.

Im Einzelnen hat die Glücksforschung sechs Faktoren identifiziert, die das persönliche Wohlbefinden maßgeblich beeinflussen:

  1. ein liebevolles und stabiles soziales Umfeld
  2. psychische und physische Gesundheit
  3. eine befriedigende Tätigkeit oder ein erfüllendes Engagement (als Beruf, aber auch unentgeltlich)
  4. Unabhängigkeit oder das Gefühl, das Leben in gewissen Maßen selbst steuern zu können
  5. eine positive Einstellung
  6. die nötigen finanziellen Mittel, um die Grundbedürfnisse befriedigen zu können

Die Maxime glücklicher Menschen: Das Glas ist halb voll!

Im Allgemeinen, so Ruckriegel, ist es notwendig, dass jeder Mensch ein Mindestmaß an Zufriedenheit in allen sechs Kategorien empfindet. Die Qualität der sozialen Kontakte sei allerdings besonders entscheidend.

„Das Wichtigste für uns sind gelingende soziale Beziehungen auf der gesamten Bandbreite. Und wie kann man dies erreichen? Indem man andere so behandelt, wie man selbst behandelt werden möchte.“

Der Wissenschaftler legt zudem Wert darauf, dass eine Partnerschaft nicht unbedingt der einzige Schlüssel zum Glück sein muss. Vertrauensvolle, innige Freundschaften oder ein liebevolles familiäres Umfeld können das Bedürfnis nach sozialen Bindungen genauso gut oder sogar besser befriedigen.

„Wer im Kopf den Schalter umlegt, wird auf natürliche Weise optimistischer.“

Ein anderer entscheidender Faktor kann jederzeit selbst von uns beeinflusst werden: die eigene Einstellung. Ist das Glas halb leer oder halb voll? Viele Menschen würden optimistischer auf ihr Leben blicken, wenn sie sich schöne Erlebnisse explizit verdeutlichen und sie aufschreiben würden, sagt Ruckriegel. „Dann wird nämlich die Welt eine andere, obwohl sie real gesehen dieselbe ist. Aber im Kopf verändert sich etwas“, so der Glücksforscher. „Wer im Kopf den Schalter umlegt, wird auf natürliche Weise optimistischer.“ Mit einem solchen Dankbarkeitstagebuch ließen sich sogar Ressourcen positiver Gefühle anlegen, auf die man in schwereren Zeiten zurückgreifen könne. In gewisser Weise kann also jeder seine eigene Einstellung trainieren.

„Die Arbeit ist wichtig, aber nicht allein ausschlaggebend.“

Auch die Arbeit ist ein wichtiges Puzzleteil, das für ein erfüllendes Leben notwendig ist. „Aber damit hat es sich schon“, resümiert Ruckriegel. Die Fokussierung auf übermäßigen Wohlstand und Geldreserven als Quelle des Glücks seien allerdings ein Generationenproblem. Während viele Menschen aus der Generation der Babyboomer ihre Arbeit und ihr Gehalt als wichtigen Teil ihrer Identität begriffen, sei dies bei der sogenannten Generation Y, den zwischen 1980 und 1999 Geborenen, oft nicht die oberste Priorität. „Fakt ist, dass diese junge Generation ganz fest ein ganzheitliches Leben im Auge hat“, erklärt Ruckriegel. „Die Arbeit ist ihnen wichtig, sie dient als Antrieb und Engagement. Ein Einkommen brauchen sie, aber auch das ist nicht allein ausschlaggebend. Sie wollen darüber hinaus Zeit für die anderen Glücksfaktoren haben. Und das ist ein sehr guter Weg.“ Diese Einstellung hat mehrere Gründe. So hätten viele Angehörige der Generation Y aus den Fehlern ihrer Eltern gelernt. Zudem sei auch der demografische Wandel auf ihrer Seite. Da sie zahlenmäßig weitaus weniger sind als die Babyboomer, könnten sie gegenüber der Wirtschaft die Bedingungen, zu den sie arbeiten wollen, zukünftig stärker beeinflussen.

„Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein.“

Neben den Prioritäten der ganz Jungen sind aber auch die Fehler der ganz Alten interessant. Ein besonders eindringliches und ergreifendes Beispiel liefert die australische Autorin Bronnie Ware in ihrem Buch „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“. Jahrelang begleitete Ware Menschen als Pflegerin während deren Lebensabenden. Viele ihrer Patienten offenbarten ihr dabei, dass sie im Nachhinein gern weniger gearbeitet hätten und lieber ihren wahren Interessen gefolgt wären. Ebenso bereuten viele, Freundschaften nicht intensiv genug gepflegt oder nicht öfter ihre wahren Gefühle gezeigt zu haben. Am häufigsten wurde Ware allerdings gestanden: „Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein.“

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