Frau hält Gesicht des Mannes

Die Emanzipation des Mannes

von: Saskia Balke

Fast nebenbei haben sich auch die Anforderungen an den modernen Mann in Sachen Familiensinn erhöht, gleichzeitig bindet ihn die Gesellschaft noch immer an seine traditionelle Versorgerrolle. Wagen sich Männer in Frauendomänen vor, riskieren sie schiefe Blicke und einen Karriereknick. Doch die Belohnung für gelebte Emanzipation ist stattlich, mehr Sex zählt auch dazu.

Der moderne Mann soll Karriere, Küche und Kinder unter einen Hut bekommen

Die Emanzipation der Frau hat nicht nur erfolgreich am weiblichen Rollenbild gerüttelt, sondern auch das männliche erschüttert: Noch nie waren die gesellschaftlichen Erwartungen an Männer so hoch wie heute. Traditionell gelten sie noch immer als Versorger der Familie, doch ist es damit längst nicht mehr getan. Stattdessen wird das archaische Männerbild immer stärker abgelöst von widersprüchlichen Erwartungen an den emanzipierten Mann.

Die ElitePartner-Männerstudie mit 12.000 Befragten ergab: Frauen suchen den Alpha-Softie, der Karriere macht und zu Hause mit familiären Qualitäten glänzt. Nicht nur „sympathisch, treu, charmant und humorvoll“ (90%) soll der ideale Partner sein, sondern auch über „Intelligenz und Bildung“ (88%) sowie „beruflichen Erfolg“ (52%) verfügen. Zudem sollte er „romantisch, zärtlich und aufmerksam“ (77%) sowie „kinderlieb und familienorientiert“ (69%) sein. Ursprünglich genügte es, wenn ein Mann seiner Versorgerrolle gerecht wurde. „Seit etwa zehn bis 20 Jahren kommt hinzu, dass der Mann jetzt auch noch gefühlsbezogen sein soll“, konstatiert Psychotherapeut Björn Süfke gegenüber der Welt.

Jeder dritte Mann fühlt sich überfordert

Frauen sind heute besser ausgebildet als Männer, die wirtschaftliche Abhängigkeit ist in modernen Beziehungen zur Ausnahme geworden. Warum spielt der berufliche Erfolg eines Mannes noch immer eine so große Rolle für weibliche Singles, die einen Partner suchen? „Dieses Partnerwahlmuster scheint bei Frauen unbewusst zu wirken und sich ihrer rationalen Kontrolle zu entziehen“, erklärt Diplom-Psychologin Lisa Fischbach von ElitePartner. „Denn eigentlich könnten moderne, beruflich erfolgreiche, finanziell unabhängige Frauen diese Suchstrategie längst aufgeben. Doch unser Partnerwahlverhalten hat sich über Jahrtausende entwickelt, so dass sich die Überlebensstrategie – die Wahl des Alpha-Mannes und Versorgers – nicht von heute auf morgen verändert.“ Und das führt laut der Allensbach-Studie „Wie tickt der Mann“ zu einer großen Verunsicherung: Jeder dritte der befragten 950 Männer fühlt sich überfordert. Besonders der Anspruch, die Zeit mit der Familie als Priorität zu sehen und dafür beruflich auch mal kürzer zu treten, wird als Herausforderung empfunden. Dabei bewertet mit 61% die Mehrheit der Männer die Auflösung fester Geschlechterrollen als positiv. Doch ein Blick hinter die Kulissen moderner Beziehungen zeigt, dass die Emanzipation des Mannes noch in den Kinderschuhen steckt – und das nicht nur, weil Männer sich nicht aus ihrer alten Rolle herausbewegen wollen. Oft werden sie auch nicht „herausgelassen“.

Mehr Sex, wenn Männer mehr putzen

Das gilt nicht nur für Hausarbeit: Jede zweite Frau wünscht sich von ihrem Mann mehr Hilfe im Haushalt, wie eine Umfrage der Frauenzeitschrift Laura aus dem Jahr 2010 ergab. 31 Prozent gaben an, dass ihr Partner nur sporadisch im Haushalt hilft. Eine neuere Untersuchung der amerikanischen Wissenschaftler Constance T. Gager und Scott T. Yabiku zeigt, dass es sich für putzwillige Männer auszahlt, Bügeleisen und Wischmop zu schwingen: Je mehr sie im Haushalt mit anpacken, desto mehr Sex haben sie in ihrer Beziehung. Dennoch bleibt die Hausarbeit Frauensache, wie auch ein Artikel der Zeit online bestätigt. 164 Minuten wendet eine Frau täglich für den Haushalt auf, Männer kommen nur auf die Hälfte der Zeit. Laut einer Studie der Bergischen Universität Wuppertal ändert daran auch die Berufstätigkeit der Frau nichts: „Brachten die Frauen sogar mehr Geld nach Hause als ihre Ehegatten, engagierten sie sich über die Maßen stark im Haushalt. […] Eine mögliche Ursache sehen die Forscher im Bemühen der Frauen, sich in ihrer traditionellen Geschlechterrolle beweisen zu wollen.“ Dass das auch anders geht, beweist das Vorzeigebeispiel Schweden: Dort sind Frauen nur eine Viertelstunde länger mit dem Haushalt beschäftigt als Männer.

Väter, die Emanzipation wagen, fühlen sich ausgebremst

Dass die Aufgaben und die Verantwortung im Privaten nicht ausgeglichen sind, zeigt sich auch in einem anderen Punkt: Männer fühlen sich laut der Allensbach-Studie ihren Frauen gegenüber benachteiligt. Etwa bei der Kindererziehung – hier sind es sogar 27% der Väter von unter 6-jährigen Kindern, bei Diskussionen (13%) und bei der Aufteilung der Hausarbeit (10%). Und sie sind es auch, wenn es im Beruf um die Elternzeit geht: Zwar nimmt laut der Studie „Nachhaltige Effekte durch Elterngeldnutzung durch Väter“, beschrieben in einem Artikel der Welt (>> hier lesen), mittlerweile jeder dritte Vater sein Recht auf Elternzeit wahr. Wagen es moderne Väter jedoch, länger als zwei Monate zu Hause zu bleiben, folgen nicht selten Repressionen. „Neben Ansehens- und Einkommensverlusten kommt es am häufigsten zu schlechteren Aufstiegsmöglichkeiten“, sagen die Autoren der Studie. Wer als Mann in einem Unternehmen arbeitet, das sich Familienfreundlichkeit auf die Fahnen schreibt, erlebt womöglich eine böse Überraschung: „Familienorientiert heißt nicht väterorientiert.“

Das Resultat: Trotz der gesetzlichen Möglichkeiten der Männer, ihr Engagement für die Familie zu vergrößern, kehren viele Familien spätestens beim zweiten Kind zur traditionellen Rollenverteilung zurück. Nicht zuletzt auch, weil Männer immer noch mehr verdienen als Frauen: 21,6% Gehaltsdifferenz bei gleicher Arbeit, meldeten Zeitungen der Funke-Mediengruppe zuletzt. Und der Spiegel berichtet: In Start-up-Unternehmen ist die Kluft noch größer, hier verdienen Männer ganze 25% mehr als Frauen. Auch, wenn der Wille da ist, Gleichberechtigung zu leben, sorgen die wirtschaftlichen Strukturen dafür, dass bahnbrechende Veränderungen in der Emanzipation des Mannes ausbleiben.

Männer vernachlässigen Freunde: Die Frau als engste Vertraute

In anderen Fällen sind die verkrusteten Strukturen wortwörtlich hausgemacht. So überlassen Männer ihren Frauen häufig die Pflege der sozialen Kontakte, wie Psychologin Insa Fooken gegenüber fr-online.de bestätigt: Sie organisieren Treffen mit den Pärchenfreunden, kaufen Geschenke für gemeinsame Bekannte und Familienmitglieder, schreiben die Postkarte aus dem Urlaub. Sie gelten ja auch als das kommunikativere Geschlecht. Auffällig ist aber, dass junge Männer in Sachen Kontakte den gleichaltrigen Frauen den Rang ablaufen. Der Hintergrund: „Männer um die Zwanzig verspüren […] oft einen größeren Drang ihre gesellschaftliche Beliebtheit zu festigen“, heißt es im Die Welt-Artikel >> hier lesen. Später sind die Netzwerke eher funktionaler Natur und werden auf die Vorteile abgeklopft, die diese einem Mann bringen, wie aus dem Artikel „Männer sind Kontaktmuffel“ hervorgeht. Kontakte unter Männern sind in der Regel weniger tiefgründig. „Wenn Frauen nach ihren engsten Vertrauten gefragt werden, nennen sie ihre beste Freundin. Männer nennen ihre Ehefrau“, erklärt Fooken. Sobald die Ehe scheitert oder die Frau stirbt, droht die Vereinsamung. Hier ist der Mann gefragt, seine kommunikative Ader aus den Zwanzigern wiederzubeleben, alte Freundschaften zu reaktivieren und neue zu schließen. Fun fact: Ab Mitte 80 kommunizieren Männer wieder häufiger. Einige Jahrzehnte früher etwas mehr Engagement in Sachen sozialer Kontaktpflege an den Tag zu legen, würde für mehr Stabilität von Freundschaften im Verlauf des Lebens sorgen.

So geht Emanzipation: Wie Männer sich von veralteten Klischeevorstellungen lösen können

Die Realität der verschiedenen Lebensbereiche zeigt: Die Gesellschaft hinkt dem Idealbild einer gleichberechtigten Rollenverteilung bei allen guten Absichten gewaltig hinterher. Auch im Forum von ElitePartner wird das Thema lebhaft diskutiert. So schreibt Annie83: „Für mich ist ein Mann vor allem dann emanzipiert, wenn er zu sich stehen kann. Und sich weder für die Anerkennung seiner Eltern, oder einen Beruf, den gesellschaftlichen Tenor, seine Freunde oder Partnerin ewig verbiegt. […] Was ich als ‚unemanzipiert’ erlebe, ist die heutige Ratlosigkeit mancher Männer. Denn wenn man nicht weiß, wohin, wird man irgendwann von anderen dirigiert.“

Autor Herr Krawalli fordert schon im Untertitel seines Artikels „Die Emanzipation des Mannes“ auf Neon-online: „Männer, befreit euch!“ Er beobachtet, dass Frauen Männern in Sachen Emanzipation eindeutig voraus sind – weil sie die stereotypen Vorstellungen davon, wie Frauen zu sein haben, weitgehend hinter sich gelassen haben. Männer hingegen sind noch in der Welt „echter Kerle“ verhaftet, die Schwächen oder als „unmännlich“ konnotierte Vorlieben lieber nicht zugeben. Es hilft nur, das eigene Leben zu reflektieren und den Mut zu haben, es anders zu machen. Herr Krawalli konstatiert: „Ich bin für die Selbstverwirklichung des Mannes. Bist du Papa, sei stolz. Kannst du den Kühlschrank nicht alleine in die neue Dachgeschoßwohnung tragen, gehe nicht ins Fitnessstudio und nimm Anabolika, sondern frag das nächste Umzugsunternehmen. Weine, wenn du traurig bist. Verzichte auf den Karrieresprung, wenn du keine Lust auf den Job hast. Trenne dich von deiner Freundin, wenn sie nicht in dein Lebenskonzept passt. Habe ruhig einen Lebensplan. Wenn auch nur grob.“ ElitePartner-Forist Karlo beschreibt, wie er männliche Emanzipation lebt: „Ich fühle mich wirklich emanzipiert und meine Frau bezeichnet mich auch so. Das heißt aber weder, dass ich domestiziert bin noch dass ich ‚weibliche‘ Hobbys habe. Hätte ich solche Vorlieben, wäre ich selbstbewusst genug, sie auszuüben. […] Ich kann jede Haushaltsarbeit machen, mache einiges gern und einiges weniger gern und erkenne die Erfolge meiner Frau an, so wie sie meine. Wir stehen in jeder Hinsicht füreinander ein, keiner ist der Schmarotzer des anderen. Das finde ich emanzipiert.“

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