Alpha-Softie

Außen hart und innen ganz weich: Frauen suchen den Alpha-Softie

von: Sascha Gorhau

Die moderne Frau sucht keinen dominanten Versorger mehr, sondern einen einfühlsamen, kinderlieben und treuherzigen Partner? Nicht ganz. Denn die alten Rollenbilder haben sich nicht einfach verabschiedet. Stattdessen wünschen sich Frauen heute von beidem das Beste: den sogenannten Alpha-Softie. Doch sie stellen die Männerwelt damit vor unbekannte Herausforderungen.

Warum das männliche Partnerideal der Gegenwart so schwer greifbar ist

Eindeutige Rollenmuster? Klare Aufgabenteilung? Beziehungen sind im 21. Jahrhundert ein wenig komplexer. Denn Männer sind anders als früher – und Frauen auch. Genau wie ihre Ansprüche. Es mag Zeiten gegeben haben, in denen handwerkliches Geschick, ein solider Job und ein kantiges Kinn die Chancen für einen Mann auf dem Single-Markt gesteigert haben. So einfach haben es Männer heute nicht mehr. Denn Frauen erwarten Einfühlsamkeit, Romantik, Kinderliebe und Zärtlichkeit. Aber aufgepasst: Es hilft auch nicht, dieses genaue Gegenteil des Alpha-Typen zu verkörpern und von früh bis spät den Softie zu geben. Denn die alten Ideale haben sich nicht etwa aufgelöst – sie sind vielmehr mit den neuen Ansprüchen zu einem flexibleren, scheinbar widersprüchlichen und nicht weniger herausfordernden Männer-Ideal verschmolzen.

Frauen wünschen sich heute einen Mann, der beide Typen in sich vereint, sie mühelos ausbalanciert und dennoch seine Natürlichkeit nicht verliert: Sie wünschen sich sozusagen den Alpha-Softie. Der Alpha-Softie beschreibt die neuen Ansprüche an den Mann, klassische Rollen genauso zu erfüllen wie moderne. Das haben wir im Rahmen unserer großen ElitePartner-Männerstudie schon 2012 herausgefunden, die ElitePartner-Studie 2017 zeigte dann: Die Tendenz hat sich sogar noch verstärkt.

„Im Idealfall vereint sich in der Persönlichkeit des Alpha-Softies das Beste aus zwei Welten hinsichtlich seiner Beziehungsqualitäten. „Halb bodenständiger Versorger, halb einfühlsamer und inspirierender Partner für die gemeinsame Weiterentwicklung“, sagt unsere Single- und Paarberaterin Lisa Fischbach. „Die weiblichen Partnerwahlpräferenzen sind auf der einen Seite konservativ, archaisch und auf der anderen Seite offen, modern“, so die Diplom-Psychologin.

Alpha trifft Softie: Die wichtigsten Eigenschaften des modernen Mannes

Doch was genau erwarten Single-Frauen vom Alpha-Softie? Mehrere tausend von ihnen haben in unserer ElitePartner-Studie berichtet, welche Eigenschaften sie bei Männern besonders wichtig finden. Auf den oberen Plätzen finden sich viele Charaktereigenschaften, die in emanzipierten Beziehungen eine Rolle spielen und dem Mann erlauben, auch mal seine weiche Seite zu zeigen: Etwa wünschen sich 95 Prozent der Frauen, dass ein zukünftiger Partner warmherzig ist, ein treues und fürsorgliches Wesen sind fast ebenso gefragt. Für 93 Prozent gehört eine gefühlvolle und zärtliche Ader zu den wichtigsten Eigenschaften und humorvoll soll er natürlich auch sein (94 Prozent). Mehr als drei Viertel aller Frauen ist es wichtig, dass ihr Partner kinderlieb und familienorientiert ist (78 Prozent). Der Softie hat also Einzug gehalten in die Idealvorstellung vom Mann.

Doch der Alpha-Typ ist eben auch immer noch da. Typische Versorger-Qualitäten sind in der Liste der wichtigsten Eigenschaften genauso mit von der Partie. Bildung spielt nach wie vor eine große Rolle – 88 Prozent der Frauen legen darauf besonderen Wert. Auch der berufliche Status ist von Bedeutung. 54 Prozent wünschen sich einen beruflich erfolgreichen Partner und für ebenso viele sollte sich das auch explizit in einem hohen Einkommen niederschlagen. Zwei Drittel der Frauen wünschen sich außerdem einen Mann, mit guten Liebhaberqualitäten (76 Prozent). Auf der anderen Seite wäre es für mehr als jede zweite Frau ein Grund, keine Beziehung mit einem Mann einzugehen, wenn er zurzeit arbeitslos ist. Ähnlich viele möchten explizit keinen Partner, der weniger verdient als sie selbst. Der häufigste Grund dafür? Frauen möchten sich dem Partner gegenüber nicht überlegen fühlen.

„Männlichkeit ist nicht mehr eindeutig und selbstverständlich“

Fragt man die Frauen, welchen Typ sie bevorzugen – ob beruflich erfolgreicher Mann mit gutem Einkommen oder den Mann mit Familienqualitäten, der auch mal die Kinder nimmt – wünschen sich 86 Prozent eine Mischung aus beiden. Harter Tobak für Männer, die sich angesichts solcher Ansprüche fragen müssen, was Männlichkeit nun überhaupt noch bedeutet.

Männlichkeit habe sich flexibilisiert und ihre Ränder seien unscharf geworden, diagnostizierte Sozialpädagoge Lothar Böhnisch in einer Bestandsaufnahme zum aktuellen Stand der Männerforschung. „Männlichkeit hat also an Eindeutigkeit und Selbstverständlichkeit verloren“, so Böhnisch weiter. Die Folge für die Männer sind Zweifel. Zahlen von ElitePartner zeigen: Ein Drittel der Single-Männer kann nicht einschätzen, was sich Frauen genau von ihnen wünschen. Sind die Männer erst einmal unter der Haube, werden sie diesbezüglich sicherer. Dennoch können selbst 20 Prozent der liierten Männer die Erwartungen ihrer Partnerinnen nicht genau einordnen.

Das klingt, als ob Männer an sich selbst hart arbeiten müssten, um ihre Partnerin zufriedenstellen zu können. In der Tat ist Flexibilität gefragt. „Erstmals müssen sich Männer den Frauen anpassen, um soziokulturell mithalten zu können – zuvor war es stets umgekehrt“, schreibt Christian Schuldt vom Frankfurter Think-Tank Zukunftsinstitut 2015 in einem Essay über Männerbilder.

„Frauen, die einen solchen Partnertypus wünschen und hohe Ansprüche stellen, schätzen sich selber als ebenbürtiges Pendant ein. Viele Frauen haben in den letzten ein, zwei Jahrzehnten sehr viel verändert, sich aus alten Rollen gelöst, selbstbewusst immer mehr Gleichberechtigung gefordert, viel in persönliche Entwicklung, Bildung und Beruf investiert“, sagt Psychologin Fischbach. Es habe sich unter Frauen, besonders unter Akademikerinnen, eine Haltung entwickelt nach dem Motto: Wer selber viel zu bieten hat, darf auch viel von seinem Partner fordern.

Neuer Typus: der Stehauf-Mann

Das Ende des althergebrachten Männerbildes? Mitnichten. „Am Ende ist lediglich der alte Typ Mann. Dieses Relikt aus vergangenen, starr strukturierten Zeiten kann in der neuen Netzwerkgesellschaft mit ihrem Fokus auf Flexibilität nur noch als abschreckendes Beispiel dienen“, schreibt Schuldt in seinem Essay. Als neuen Typus definiert er den „Stehauf-Mann“. Er habe gelernt, Männlichkeit potenziell und situativ zu definieren, stelle sich die Frage nach seinem Mannsein ständig neu und modifiziere so sein Verhalten. Die Folge: „Damit ist er gut gerüstet für das Zeitalter der Kontextualisierung und Koordination, in dem wir künftig leben werden“, bilanziert Schuldt.

Flexible und reflektierte Männer sind so tatsächlich die perfekten Partner. Denn die „neuen Männer“ streben nach neuen Beziehungs- und Vaterqualitäten, wie Schuldt es formuliert. Dafür spricht auch der Wunsch der Frauen nach zärtlichen wie familienorientierten Männern.

Dennoch haben Frauen und Männer offensichtlich ein Bedürfnis, ihre im Nachkriegs-Westeuropa klassisch geprägten Geschlechterrollen auszuleben. Zukunftsforscher Schuldt spricht in diesem Zusammenhang von einer „Retraditionalisierung“. Beispiel gefällig? Bürohengste, die den Großteil des Tages vor dem Computer sitzen, tragen auf einmal Bärte im archaischen Holzfäller-Look. Tätowierungen, die früher als verrucht galten, sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen, und der Markt um vermeintliche Männerhobbys wie Fußballschauen oder Grillen erfährt einen bisher nicht gekannten Hype.

Tendenz zum Alpha-Softie verstärkt sich – und bietet Chancen

Entwarnung gibt es für die Männer, die sich weiter entweder mit dem Alpha oder dem Softie identifizieren, also nicht. Die Tendenz hin zum Alpha-Softie hat sich, das zeigt der Fünfjahresvergleich der ElitePartner-Studien von 2012 und 2017, sogar noch verstärkt. Besonders die Softie-Eigenschaft „kinderlieb, familienorientiert“ ist wichtiger geworden: der Anteil der Frauen, die darauf Wert legen, ist von 69 auf 78 Prozent gestiegen. Bei den Alpha-Attributen sind es vor allem die Liebhaberqualitäten, die an Bedeutung gewinnen: Von 65 auf 76 Prozent.

Lisa Fischbach führt das auch darauf zurück, dass Frauen generell immer anspruchsvoller werden: „Die Selbstoptimierungstendenzen werden bei beiden Geschlechtern nicht weniger. Und somit auch nicht die Suche vieler nach dem besten Partner, mit dem man die perfekte Beziehung führen kann.“ Dennoch, liebe Männer, keine Angst vor Individualität. Statt angesichts der gestiegenen Ansprüche einzuknicken sollten Männer das neue Partnerideal lieber als Chance sehen, viele Facetten von sich zeigen zu dürfen, die ohnehin schon in ihnen stecken. „Der Mann von heute muss nicht unbedingt Holz hacken und einen Porsche besitzen, um als männlich oder Alpha-Typ wahrgenommen zu werden – und auch nicht unbedingt Hausmann sein oder Gedichte schreiben, um seine Softie-Qualitäten zu beweisen“, so Fischbach. „Viel wichtiger ist seine Einstellung zu den verschiedenen Lebens- und Beziehungsbereichen. Wer seine Ziele mit Ambition und Ehrgeiz verfolgt, für die Partnerin einsteht und ihr auch mal etwas bietet, zugleich Lust und Bereitschaft hat, ihr auf Augenhöhe zu begegnen und sich offen den eigenen Gefühlen und denen in der Partnerschaft zu stellen, der ist dem Alpha-Softie schon näher als er denkt.“

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