Das Kennenlerntempo

von: Annette Riestenpatt, 23. April 2009

Die Mail, das Telefonat, das Treffen - wie verläuft das Kennenlernen nach Plan? Wir wollen ja nicht hetzen, aber ein paar Dinge sollten Sie über das Tempo der Partnersuche wissen. Auch - wenn jeder seine eigene Geschwindigkeit hat.

kennenlerntempo

Das Telefonat

Laura war leicht irritiert über die Mail von Konstantin (43), der ihre Anfrage beantwortete. Er schrieb sehr knapp und zurückhaltend. "Ich war verunsichert", erzählt sie. "Ich wusste nicht, ob er schüchtern ist oder eigentlich gar kein Interesse hat." Sie tat das Richtige und fragte vorsichtig an, ob er Lust habe, ein wenig mehr von sich zu schreiben. Prompt kam die Antwort, E-Mails schreiben falle ihm schwer. Laura schlug den nächsten Schritt vor: Ein Telefonat. "Das war etwas vollkommen anderes", sagt sie. "Am Telefon war er charmant und souverän. Ich mochte seine Stimme sofort. Das hätte ich nach den Mails nicht erwartet. So kann man sich täuschen!"
Natürlich ist beim Telefonieren mehr Nähe und Austausch möglich als per E-Mail: "Man führt einen Dialog und bekommt sofort eine Reaktion", sagt Lisa Fischbach. Aber stimmt die Chemie wirklich, werden die Funken sprühen? Das zeigt nur das Treffen – live und in Farbe. Lisa Fischbach rät deshalb, mit dem wirklichen Kennenlernen und dem ersten Date nicht zu lange zu warten: "Bei zu langem Hin- und Hermailen kreieren wir ein Traumbild vom anderen. Darin sind alle Hoffnungen, Wünsche und Erwartungen enthalten – aber schlimmstenfalls hat das mit der Realität wenig zu tun." Besser: Zügig verabreden und schauen, ob es wirklich passt.

Das Treffen: Live und in Farbe

Der erste Eindruck beim realen Treffen zählt: "Innerhalb von Sekunden passiert der Realitätsabgleich: Wie passt meine Vorstellung zu dem, was ich vor mir sehe?", erklärt die Psychologin. Man erlebt den anderen jetzt komplett: Inklusive Mimik, Gestik, Kleidung, Geruch und Ausstrahlung. Ein spannender Moment: Jetzt entscheidet sich, ob die Chemie stimmt.
Aber keine Angst: Unveränderbar und felsenfest ist der erste Eindruck auch nicht. "Geben Sie nicht auf, wenn Sie der Anblick nicht gleich in Euphorie versetzt", sagt Lisa Fischbach. "Manchmal ist eben ein zweiter Anlauf nötig, um jemanden so wahrzunehmen, wie er ist."
Viele gehen mit riesigen Erwartungen zum Date und fordern die Enttäuschung geradezu heraus. Der Rat der Psychologin: "Sehen Sie es spielerischer. Das erleichtert das Kennenlernen und macht offener."
Ehrlichkeit gehört dazu – auch wenn Sie aufgeregt und nervös sind. Bleiben Sie authentisch und verstellen Sie sich nicht. "Natürlich wollen Sie Ihre Schokoladenseite zeigen", so die Psychologin, "aber vermitteln Sie trotzdem ein realistisches Bild von sich." Sonst kann es schnell zu Irritationen führen, wenn Sie später erst zeigen, wie Sie wirklich denken.

Nett aus Unsicherheit

Grit (33) hat diese Erfahrung gemacht. Zuerst fand sie Lars sehr charmant: "Er machte mir dauernd Komplimente, das war sehr schmeichelhaft." Irgendwann wurde es ihr aber zu viel. "Er war überhaupt nicht greifbar und hat immer genau das gesagt, was ich hören wollte." Ein klares Zeichen von Unsicherheit, findet Lisa Fischbach: "Man möchte gefallen und versucht deshalb, ihm zu vermitteln, man sei ganz seiner Meinung und teile die gleichen Interessen." Manche verbergen so ihre Angst vor Ablehnung. Aber wie gehe ich damit um? "Geben Sie Ihrem Gegenüber das Gefühl von Sicherheit", rät Fischbach. "Stimmen Sie ihm zu, hören Sie zu und haken Sie nach. So locken Sie ihn langsam aus der Reserve."
Bei Grit hat es nicht funktioniert. Nach mehreren ergebnislosen Treffen gab sie entnervt auf. "Er hat sich fast angebiedert und ich hatte das Gefühl, dass er nicht ehrlich war", erklärt sie.
Inzwischen trifft Grit sich mit Tom (33), mit dem das Annähern wie von selbst klappt. Ganz richtig, findet Lisa Fischbach: "Wenn sich nach einiger Zeit nichts ändert, seien Sie konsequent und ziehen Sie den Schlussstrich." Schlimmstenfalls kann sich ein solches Verhalten nämlich in die Beziehung übertragen.

Anderes Tempo

Ein Patentrezept fürs Kennenlernen? Gibt es leider nicht. Am Anfang gehören Unsicherheiten zur Tagesordnung. Schließlich kennt man sich nicht und tastet sich langsam heran. Jeder hat dabei ein anderes Tempo. Das kann irritatieren: Was der eine als forsch findet, ist für den anderen normal: "Respektieren Sie Ihre Grenzen – und die des anderen." Hören Sie auf Ihre innere Stimme, machen Sie sich Ihre Gefühle klar. Lassen Sie sich nicht von Äußerungen des anderen überrumpeln. So schützen Sie sich vor Enttäuschungen. Denn nicht immer endet die Liebe vor dem Altar.

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