36 Fragen an die Liebe

Buchtipp: 36 Fragen an die Liebe

von: Juliane Rietzsch

Das neue Buch »36 Fragen an die Liebe - Für Paare« von Niklas Löwenstein ist genau das Richtige für frisch Verliebte, die sich besser kennenlernen wollen oder Paare, die auf eine lange Beziehung zurückschauen und neue Seiten am Partner entdecken möchten. Der Autor verrät im Interview, warum die vor knapp 20 Jahren entwickelten Fragen des US-amerikanischen Psychologen Arthur Aron auch noch heute einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung und Intensivierung der Partnerschaft leisten können und warum es sich lohnt, das Liebes-Experiment einzugehen.

Sie haben sich die 36 Fragen gemeinsam mit ihrer Frau gestellt. Wie kamen Sie darauf?

Niklas Löwenstein: Ich wollte mit ihr etwas Schönes am Valentinstag unternehmen. Da wir einen kleinen Sohn haben, war die Auswahl allerdings begrenzt. Ein schönes Essen in unserem gemeinsamen Lieblingsrestaurant schien mir eine gute Idee, aber ich wollte den Abend spannender gestalten. Da kam mir die Idee, doch einmal diese 36 Fragen auszuprobieren, von denen ich gelesen hatte. Ich dachte mir, wenn es Singles dabei hilft, sich an einem Abend ineinander zu verlieben, können wir ja vielleicht etwas Interessantes daraus machen. Meine Idee war es, zu versuchen, uns noch einmal so zu sehen wie zu der Zeit, bevor wir zusammen waren. Wenn man seinen Partner jahrelang kennt, hat man irgendwann ein ziemlich festes Bild von ihm und man kommt einfach nicht auf die Idee, ihn noch besser kennenzulernen. Und dann passiert es an so einem Abend ziemlich schnell, dass man über Familie und Alltagsdinge spricht. Ich dachte, wenn wir uns für den Abend diese 36 Fragen vornehmen, müssten wir uns ja eigentlich fast automatisch wieder wie Singles begegnen und es könnte ein wirklich besonderer Abend werden. Und das hat ja dann auch geklappt.

Wie kann man sich den Verlauf so eines Abends vorstellen?

Niklas Löwenstein: Nun, wir sind dafür in ein Restaurant gegangen. Ich hatte meiner Frau gesagt, dass ich mir etwas ausgedacht habe und hatte die Fragen einfach ausgedruckt. Wir bestellten zunächst das Essen und als die Getränke da waren, fingen wir mit den ersten Fragen an. Schon nach wenigen Minuten waren wir komplett in das Gespräch vertieft und die Zeit verging wie im Flug. Während der Gänge, (es waren 3) machten wir einfach weiter. Dadurch hat das Essen sicher weniger Aufmerksamkeit bekommen, als es verdiente, aber wir hatten wirklich Spaß.

Gibt es auch Fragen, die Sie lieber nicht beantwortet hätten?

Niklas Löwenstein: Nein, da es ja die ursprünglichen 36 Fragen waren, haben wir nur einige übersprungen, weil sie nicht wirklich sinnvoll in unserer Situation waren.

Damit die 36 Fragen auch für Paare funktionieren, mussten Sie sie ein wenig ändern. Worauf haben sie da geachtet?

Niklas Löwenstein: Die ursprünglichen Fragen gehen ja davon aus, dass sich die beiden Gesprächspartner gar nicht kennen. Das führt dazu, dass einige Fragen für Paare einfach keinen Sinn machen. Nach ein paar Jahren Beziehung weiß ich wie das Verhältnis zwischen meiner Frau und ihrer Mutter ist. Es wird mir auch nicht viel Neues bringen, wenn sie mir ihr ganzes Leben in vier Minuten zusammenfasst. Im Gegensatz dazu bringt die Frage, was das Mutigste war, das sie in ihrem Leben getan hat, das Gespräch in eine interessante Richtung. Oder die Frage, wen sie zum Abendessen einladen würde, wenn sie sich jede Person der Welt aussuchen könnte. Ich habe bei den Fragen für Paare versucht, die »gewöhnlichen« Fragen wegzulassen und dafür ungewöhnliche, interessante Fragen hinzuzufügen. Das Ziel dabei ist es, den Partner von einer Seite kennenzulernen, die man bislang noch nicht so gut kennt. Viele Leute können sich gar nicht vorstellen, dass das bei einem Menschen, mit dem man seit Jahren viel Zeit verbringt, überhaupt möglich ist. Aber es ist wirklich einfach und macht unglaublich Spaß. Das habe ich von vielen Leuten gehört, die diese Fragen ausprobiert haben und natürlich ist das auch unsere Erfahrung gewesen.

Ist es nicht manchmal besser, nicht alles über den Partner zu wissen?

Niklas Löwenstein: Ich glaube, es geht nicht darum, alles über den Partner zu wissen. Es geht vielmehr darum festzustellen, dass das Bild, das wir uns von unserem Partner gemacht haben, nicht vollständig ist und dass es auch nach Jahren noch sehr viel zu entdecken gibt. Und darum, was das mit einem selbst und der eigenen Beziehung an diesem Abend und in den folgenden Monaten machen kann.

Ist es Voraussetzung ehrlich zu sein, oder ist die eine oder andere Notlüge halb so wild?

Niklas Löwenstein: Das kommt wohl etwas auf die Beziehung und die beteiligten Personen an. Eigentlich sollte man ohne Notlügen auskommen. Auch wenn die Antwort, wen man denn gerne zum Essen einladen würde Scarlett Johansson ist, dürfte das in den meisten Beziehung wohl mit Humor genommen werden. Falls es aber »Jenny aus der Buchhaltung« ist, sollte man sich vielleicht besser mit einer Notlüge behelfen.

Meinen Sie, dass sich jeder nach den »36 Fragen an die Liebe- Für Paare« neu verliebt, oder kann die Fragestunde auch zu einer Trennung führen?

Niklas Löwenstein: Ich glaube nicht, dass sich jeder neu verliebt. Das wäre natürlich schön, aber am Ende reden wir hier von einer Liste an Fragen und nicht dem heiligen Gral. Aus einem schönen Date in einer angenehmen Atmosphäre, können die Fragen einen unvergesslichen Abend machen. Und ja, mir haben schon viele geschrieben, die sich tatsächlich neu verliebt haben. Aber man muss sich eben auch etwas Zeit nehmen und sich darauf einlassen. Ob die Fragen eine Trennung auslösen können? Gehört habe ich davon noch nichts, aber es ist sicher auch nicht unmöglich. Falls sie zufällig mit Donald Trump zusammen sein sollten, würde ich dafür keine Haftung übernehmen. Grundsätzlich haben die Fragen aber alle einen positiven Hintergrund. Es geht darum, neue Seiten an seinem Partner zu entdecken, nicht darum ihm irgendwelche Geheimnisse zu entlocken. Spätestens, wenn Sie bei der Frage nach der schönsten Erinnerung ihres Partners angekommen sind, werden Sie verstehen, was ich meine.

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