Mann sitzt draußen und denkt über Bindungsstörung nach

Bindungsstörung – wenn Liebe Angst macht

von: ElitePartner Redaktion

Sie haben keine Lust auf eine ernste Beziehung oder würden sich sogar als Bindungsphobiker beschreiben? Wenn jemand seine Unabhängigkeit mehr liebt als einen potenziellen Partner, kann das viele Gründe haben. Während die einen vollkommen selbstbestimmt kurzzeitig eine wilde Phase durchleben, übernehmen bei anderen Ängste, die aus schlechten Erfahrungen resultieren, die Kontrolle. Doch es gibt Wege aus der Bindungsstörung.

Bindungsstörung – Signale richtig deuten

Mit dem Werk „Generation Beziehungsunfähig“ hat Autor Michael Nast einen Nerv getroffen. Nast wird als Sprachrohr einer ganzen Generation gefeiert, einer Generation, die nur um sich selbst kreist, mit 30 noch nicht dem traditionellen Lebensmodell mit Ehe, Haus und Kind entspricht, dafür alles für die Karriere gibt und sich in puncto Partnerschaft möglichst unverbindlich hält. Damit spricht er auf erfrischende Art und Weise vielen aus der Seele, die doch eigentlich insgeheim an die große Liebe glauben möchten. Denn eigentlich ist die Bindungsstörung ein Mythos: Wie unsere ElitePartner-Studie zeigt, streben knapp drei Viertel der Deutschen eine lebenslange Partnerschaft an, nur etwa jeder Fünfte bevorzugt die serielle Monogamie, also mehrere längere Partnerschaften.

Bindungsstörung trotz Wunsch nach einer Partnerschaft

Doch für manche bleibt der Wunsch nach einer stabilen, glücklichen Beziehung unerfüllt. Sie leiden unter klaren Signalen einer Bindungsstörung und können sich von den Ängsten, die sie beherrschen nur schwer lösen. Allerdings ist nicht gleich jeder, der in seiner derzeitigen Situation von einer festen Beziehung Abstand nehmen möchte, ein Bindungsphobiker. Erst wenn der Betroffene sich ohnmächtig fühlt, sich seine Wünsche nach emotionaler und sexueller Intimität zu erfüllen – trotz aller Bemühungen – spricht man von einer Bindungsstörung. Die Betroffenen wünschen sich nichts sehnlicher, als Nähe und eine Beziehung – sind jedoch unfähig, dies tatsächlich zuzulassen, weil sie panische Angst davor haben, verletzt zu werden.

Probleme, die eine Bindungsstörung in einer Beziehung verursachen

Oft liegt es nicht am aktuellen Partner, dass die Angst die Oberhand gewinnt – der Grundstein für die Bindungsstörung in der Beziehung wird meist schon in der Kindheit gelegt.

„Wenn die Beziehung zwischen Eltern und Kind durch Unsicherheit, Zurückweisung oder Vernachlässigung gestört wird, flüchtet der Erwachsene, sobald es ernst wird“,

erklärt unsere Diplom-Psychologin Lisa Fischbach.

„Auch schlechte Erfahrungen in einer früheren Liebesbeziehung können schuld an der Bindungsangst sein.“ Zwar liege laut unserer Diplom-Psychologin bei den vielen vermeintlich Beziehungsunfähigen eine weitreichende Störung in massiver Ausprägung, wie es bei einer psychologisch diagnostizierten Bindungsstörung der Fall ist, eher selten vor. Dennoch sei die Entwicklung des eigenen Bindungsstils entscheidend bei der Ausbildung einer gesunden Beziehungsfähigkeit und den daraus resultierenden Partnerschaften.

„Konnten in der Kindheit keine stabilen, zuverlässigen und liebevollen Beziehungen zu den Eltern oder adäquaten Beziehungspersonen erlebt werden, kam es stattdessen zu Ablehnung, Vernachlässigung, Gewalt oder sogar Missbrauch, werden Bindungsstile entwickelt, die einem im späteren Leben den Weg in eine Beziehung erschweren oder unmöglich machen.“

So behindert eine Bindungsstörung sowohl den Weg in eine Beziehung, als auch die gesunde Entwicklung. Die betroffene Person provoziert möglicherweise absichtlich Streit und distanziert sich ohne Vorwarnung von ihrem Partner.

Wenn die vermeintliche Bindungsstörung die Partnersuche sabotiert

Während Single sucht läuft er Gefahr, mit dem Etikett „beziehungsunfähig“ abgestempelt zu werden, das unter anderem durch den Bestseller von Nast als anerkanntes Phänomen dargestellt wird. Deshalb warnt unsere Diplom-Psychologin Lisa Fischbach: „Läuft es beim Kennenlernen nicht rund oder wird aus einem Flirt keine große Liebe, ist die Diagnose anhand dieser Bindungsstörungssignale schnell zur Hand: Eindeutig ein Fall von Beziehungsunfähigkeit. Der andere hat einen Knacks, bei mir selbst ist alles in Ordnung.“

Die Haltung, die Verantwortung an den anderen abzugeben oder von einem „Generationenproblem“ zu sprechen, um sich keine Mühe geben zu müssen, das Problem zu lösen, kann Gift für eine Partnerschaft sein, davon ist Fischbach überzeugt: „Für das Gelingen eines stabilen Miteinanders sollten beide Partner 100 Prozent Verantwortung tragen und weder den anderen verantwortlich machen, noch selbst resignieren.“

Das eigene Bindungsverhalten erkennen

Leide ich unter einer Bindungsstörung? Stellen Sie sich folgende Fragen, um sich selbst und den eigenen Verhaltensmustern näherzukommen, vor allem, wenn Sie bereits in einer Partnerschaft leben:

  • Welche Verhaltensmuster ziehen sich durch meine vergangenen Beziehungen?
  • Wo stoße ich in Beziehungen an meine Grenzen?
  • Wie begegne ich meinem Gegenüber in Konfliktsituationen?
  • Habe ich ein übertriebenes Nähe- oder Distanz-Bedürfnis?
  • Wenn ja, welche Ängste stecken dahinter?
  • An welchen Punkten stießen meine Partner bei mir an ihre Grenzen?

Die Reflexion des eigenen Scheiterns in Beziehungen kann unangenehm sein. Aber denken Sie daran: Selbsterkenntnis ist ein erster Schritt in die richtige Richtung bei Bindungsstörung. Nur wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind, können Sie Mittel und Wege finden, alte Denkstrukturen und Muster zu durchbrechen.

Therapie gegen Bindungsstörung – die Angst bekämpfen

Doch was tun, wenn die Signale unübersehbar sind? Wer sich seinen Ängsten stellt, übernimmt Verantwortung. Allerdings sollten Sie vorsichtig mit Schuldzuweisungen umgehen, auch wenn eine Bindungsstörung aus psychologischer Sicht meist im Kindesalter begründet liegt. „Eltern bringen ebenfalls ihre eigenen Muster mit und versuchen ihrem Kind in der Regel das Beste mit auf den Weg zu geben, was ihnen in ihrer eigenen Situation möglich ist“, erklärt Lisa Fischbach. „Späte Schuldzuweisungen sind nicht zielführend und deuten auf ein unerwachsenes Beziehungsverhalten hin.“ Leiden Sie unter großen Ängsten vor Nähe und Intimität? Dann sollten Sie nicht zögern, Ihre Bindungsstörung in einer Therapie aufzuarbeiten. Darüber hinaus können Sie auch mithilfe von Selbstreflexion innerhalb Ihrer Beziehungshistorie dem Problem auf den Grund gehen. Stecken Sie bereits in einer Beziehung und werden sich erst jetzt Ihrer Bindungsproblematik bewusst, sollten Sie diese Ihrem Partner erklären. So kann er sich auf die Situation einstellen, und Sie können gemeinsam einen Weg finden, damit umzugehen.

Fazit: Echte Bindungsstörungen gibt es – und die Heilung ist nicht leicht

Wer unbewusst keine tiefen Gefühle zulässt oder eher dazu neigt, lockere Beziehungen zu führen, um nicht Gefahr zu laufen, zu viel von sich selbst preisgeben zu müssen, wird zum Opfer seiner Ängste, eine massive Bindungsstörung ist die Konsequenz. Andererseits müssen Sie sich auch darüber bewusstwerden, dass Sie Ihr Gegenüber vor den Kopf stoßen.

Der einzige Ausweg ist eine Therapie der Bindungsstörung, um sich und seine Gefühle besser wahrnehmen zu können und den Ängsten auf die Schliche zu kommen. Stecken Sie trotz Bindungsstörung bereits in einer Beziehung, sollten Sie sich Ihrem Partner anvertrauen. Denn nur so hat er die Möglichkeit, Sie zu verstehen und sich voll und ganz auf Sie einzulassen. Wenn Sie ihn aufrichtig einweihen, kann er Ihnen genau den Freiraum geben, den Sie benötigen. Und er wird Ihr Vertrauen mit Sicherheit zu schätzen wissen.

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