Mann schaut aus dem Fenster und denkt über Bindungsangst nach

Wenn Bindungsangst eine glückliche Partnerschaft gefährdet

von: ElitePartner Redaktion , 23. Juli 2018

Das ist doch nicht zu fassen. Erst Peter, dann Michael und jetzt Alex. Lena kann sich nicht erklären, warum sie immer an den Falschen gerät. Was hat sie nur für ein Pech. Dabei fing es jedes Mal so hoffnungsvoll an. Doch spätestens nach zwei Jahren war immer Schluss. Der Grund dafür: Bindungsangst. Warum musste Peter auch auf eine gemeinsame Wohnung beharren und Michael sie so schnell seinen Eltern vorstellen? Dafür fühlte sich Lena einfach noch nicht bereit.

Bindungsangst: Eine Definition

Reiht sich eine gescheiterte Beziehung an die nächste, verhärtet sich der Verdacht, dass Ihr neuer Partner Angst hat sich zu binden. Hat er viele Verflossene, sollten Sie hellhörig werden. Es könnte ein Hinweis darauf sein, dass er nicht genug Nähe zulässt, sich nicht auf eine Beziehung einlassen kann – aus Bindungsangst. Die meisten Menschen sind sich dieser Angst jedoch nicht bewusst. Eigene Gründe für das Scheitern zu sehen, auf die Idee kommen Singles wie Lena meist nicht. Das macht es schwer – für den Betroffenen selbst und jeden neuen Partner.

Was steckt hinter dem Phänomen?

Es gibt mehrere Ursachen von Bindungsangst. Sie liegen bei den heute 20- bis 40-Jährigen Singles oftmals in der Verunsicherung oder sogar Angst, sich dauerhaft festzulegen. Ein Grund sind die häufig überzogenen Ansprüche der Generation Y – oder „Generation Beziehungsunfähig“ – an einen perfekten Partner. Weitere Gründe sind:

  • Ein geringes Selbstwertgefühl: Der Betroffene hält sich selbst nicht für liebenswert und lässt Nähe nicht zu, um sein Gegenüber vor sich selbst zu bewahren. Er besitzt ein geringes Selbstbewusstsein.
  • Trennungen: Bindungsangst beruht oftmals auf schlechten Erfahrungen aus vergangenen Partnerschaften. Je schmerzhafter die Beziehung oder Trennung verlief – etwa weil der Partner eine Affäre hatte – desto länger braucht die Seele, um zu heilen. Es braucht Zeit, um in der Beziehung wieder Vertrauen aufbauen zu können.
  • Probleme in jungen Jahren: Besonders problematisch ist Bindungsangst, die auf Verletzungen des Ur-Vertrauens in der Kindheit zurückgeht. „Wenn die Beziehung zwischen Eltern und Kind durch Unsicherheit, Zurückweisung oder Vernachlässigung gestört wird, flüchtet der Erwachsene, sobald es ernst wird“, erklärt unsere Diplom-Psychologin Lisa Fischbach das typische Verhalten von Bindungsangst, deren Ursachen in der Kindheit liegen. Insbesondere Misshandlung oder Missbrauch können dramatische Auswirkungen auf den späteren Bindungsstil haben und damit auf die Beziehungs(un)fähgkeit. „Wir werden geprägt durch die Erfahrungen, die wir bei der Erziehung durch unsere Eltern und andere vertraute Personen machen“, so Fischbach. „Besonders die Beziehungserfahrungen in den ersten drei Lebensjahren haben einen stark prägenden Einfluss.“ Bindungsangst bei Opfern seelischer oder körperlicher Gewalt in frühen Lebensjahren äußert sich später häufig unbewusst als Angst, wieder verlassen, enttäuscht oder verletzt zu werden. Werden die traumatischen Erfahrungen aus der Kindheit nicht aufgearbeitet, droht eine Bindungsstörung, erläutert die Diplom-Psychologin. „Die daraus resultierenden, zumeist unbewussten Ängste können schlimmstenfalls zu einem neurotischen Beziehungsmuster führen.“ Bis hin zu Depressionen und Suizid reichen die möglichen Folgen.

Wenn Bindungsangst nur vorgetäuscht wird

Wenn die Zuneigung zum Partner doch nicht so groß ist wie erhofft und sich bereits wieder abkühlt, muss die Angst vor der Liebe oft als Ausrede herhalten. Gibt der Partner an, er könne sie nicht überwinden, geht es vielleicht um etwas ganz anderes.

Dem sollten Sie auf den Grund gehen. Dann klärt sich schnell, ob es um konkrete Aspekte in Ihrer Partnerschaft geht, oder ob ein Partner wegen seiner Bindungsangst grundsätzlich mit Beziehungen Schwierigkeiten hat. Betrifft es die konkrete Beziehung, reicht die Anziehungskraft nicht aus, sollten Sie so bald wie möglich einen Schlussstrich ziehen. Nur so eröffnen sich für beide Partner neue Chancen auf eine erfüllte Liebe.

Bindungsangst überwinden: So funktioniert‘s

Indem Sie sich der Gründe bewusst werden, haben Sie schon einen wichtigen Schritt für Ihre Beziehung getan. Handelt es sich um die typischen Verunsicherungen der Generation Y oder mangelndes Selbstbewusstsein, können Sie gezielt gegensteuern. Beim Kampf gegen Letzteres sollten Sie Ihrem Partner, der bindungsunfähig zu sein scheint, durch Worte und Gesten Ihre Liebe bekräftigen – häufiger, als Sie es vielleicht im Moment tun. Sagen Sie, was genau Ihnen an ihm gefällt, was Ihr Partner besonders gut kann oder was ihm besonders gut gelungen ist. Liebesbeweise eigen sich hervorragend als Therapie bei Bindungsangst. Damit stärken Sie sein Vertrauen und helfen ihm, sich Ihnen ganz und gar zu öffnen. Mit wachsendem Selbstvertrauen wird er dann keine Angst mehr haben, sich an Sie zu binden.

Wenn in der Vergangenheit gescheiterte Beziehungen der Grund für die Bindungsangst sind, lassen Sie es in Ihrer neuen Partnerschaft langsam angehen. Nach Auffassung der Paartherapeutin Gerhild von Müller können Bindungsscheue durchaus eine dauerhafte Beziehung pflegen, wenn es dabei genügend Möglichkeiten gibt, ihr Bedürfnis nach Abstand wahrzunehmen. Das setze allerdings voraus, dass der andere unter den Fluchttendenzen nicht leide. „Diese Menschen müssen eben eine Menge Faktoren in ihre Beziehung einbauen, die einander auf Distanz halten. Getrennte Urlaube, zwei Wohnungen oder eine Wochenendbeziehung sind Bedingungen, die für sie durchaus akzeptabel sein könnten“, sagt die Expertin. Hilft alles nichts, ist eine Therapie der letzte Ausweg.

Bindungsangst: Einsicht ist der erste Weg zur Besserung

Wer darunter leidet, hat Schwierigkeiten sich auf eine Partnerschaft einzulassen beziehungsweise Gefühle zuzulassen. Mögliche Ursachen für Bindungsangst sind ein mangelndes Selbstwertgefühl, schlechte Erfahrungen mit Beziehungen oder Probleme in der Kindheit. Wenn Sie sich herausfinden wollen, ob Sie unter Bindungsangst leiden, dann machen Sie den Test.

Doch genauso wie man bindungsscheu wird, können Betroffene dem ganzen auch wieder ein Ende bereiten. Der erste Schritt zur Besserung ist Einsicht. In weiteren Schritten spielt der Partner eine entscheidende Rolle. Er kann dem Betroffenen die Selbstzweifel nehmen, indem er ihm immer wieder sagt und zeigt, was er an ihm schätzt. Zudem hilft es, die Partnerschaft zu entlasten und Distanz zu wahren, um die Bindungsangst zu überwinden. Und auch eine Therapie kann den Weg in eine glückliche Partnerschaft eben. Wenn Ihre Beziehung mit diesem Problem zu kämpfen hat, dann sollten Sie jedenfalls nicht gleich aufgeben.

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