Fremdgehen

Beziehungskrise Fremdgehen – so finden Sie wieder zueinander

von: Kristina v. Klot

Lässt sich Fremdgehen verzeihen? ElitePartner zeigt den typischen Umgang eines Paares mit diesem Thema und Diplom-Psychologin Lisa Fischbach erklärt wie Sie verlorenes Vertrauen nach einem Fehltritt wieder aufbauen und Ihre Beziehung retten können.

Eine(r) geht fremd – und keiner kann es fassen

Alles schien perfekt zu laufen: Sonja (35) und ihr Mann Albrecht (37), die vor sechs Jahren geheiratet hatten, galten in ihrem Freundeskreis als das Traumpaar. Bis alles zu zerbrechen drohte, weil er ihr sein Fremdgehen gestand. Wie aus heiterem Himmel, dachte zumindest sie, die es nicht fassen konnte, als er ihr gestand, dass da eine andere Frau in seinem Leben aufgetaucht war. „Als er mir von seiner Untreue erzählte, riss es mir den Boden unter den Füßen weg“, erinnert sich Sonja an den „dunkelsten Moment“ in ihrem Leben. Denn plötzlich erschien es ihr, als sei von einem auf den anderen Moment alles Wesentliche in ihrem Leben infrage gestellt worden: die Liebe zwischen ihr und ihrem Mann, das glückliche Zusammenleben der letzten Jahre und der gemeinsame Traum, miteinander alt zu werden. Sollte sie sich alles das bisher nur eingebildet haben? Auch ihr Mann Albrecht war von sich selbst entsetzt, weil er es vorher nie für möglich gehalten hatte, sich jemals auf eine andere Frau als Sonja einlassen zu können.

„Wenn mir jemand vorhergesagt hätte, dass ich mal fremdgehen würde, hätte ich nur gelacht. Ich war mir immer sicher: Mir könnte so etwas nie passieren.“

Jetzt stehen beide vor einem Scherbenhaufen. Das einzige, was sie zu diesem Zeitpunkt gefühlsmäßig noch verbindet, ist der verzweifelte Wunsch, ihre Beziehung zu retten. Die Frage ist nur: Kann man nach einem Fehltritt so leicht Vertrauen wieder aufbauen – und wenn ja, wie?

Erste Hilfe nach dem Fremdgehen

Für die Paartherapeutin Lisa Fischbach, die in ihrer Praxis häufig Paare nach amourösen Fehltritten oder einer Affäre berät, ist das Allerwichtigste: „Für Ruhe sorgen. Aber das ist leichter gesagt als getan, denn mit dem Auffliegen oder dem Geständnis bricht für das betroffene Paar tatsächlich eine ganze Welt zusammen.“ Diese schwere Krise, die in der Regel als traumatisch wahrgenommen wird, führe häufig dazu, dass mindestens der oder die Betrogene seelisch und körperlich in sehr schlechter Verfassung sei. „Hinzu kommt, dass der Vertrauensverlust durch das Fremdgehen das Misstrauen nährt, dass schon viel länger die gesamte Beziehung nicht gestimmt hat, sodass plötzlich zu Unrecht auch das infrage gestellt wird, was vorher gut war“, weiß Fischbach aus Erfahrung. Um eine Beziehung zu retten, könne es deeskalierend wirken, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, etwa in Form einer Paarberatung oder eines Coachings. Ein solcher Prozess benötige viel Zeit, trage aber tatsächlich dazu bei, langfristig wieder Vertrauen aufzubauen. „Vom Paar erfordert es allerdings die Bereitschaft, radikal aufrichtig mit sich und dem anderen zu sein und ehrlich mit der Beziehung ins Gericht zu gehen“, sagt Fischbach.

Ungeliebte Wahrheit: Fremdgehen hat immer eine Vorgeschichte

„Es war doch eigentlich alles gut zwischen uns, wie konnte das überhaupt passieren?“, war nicht nur die erste Reaktion von Sonja, sondern auch die von Albrecht. Das von beiden mehr oder weniger geteilte Unverständnis ist typisch für die erste Phase nach dem Fremdgehen.

„Zunächst wollen die Betroffenen es nicht wahrhaben: Kein Seitensprung geschieht zufällig, es gibt dazu immer eine Vorgeschichte innerhalb der Beziehung“, weiß Fischbach.

Bei dem Versuch, gemeinsam dahinterzukommen, was zum Beispiel auf der sexuellen Ebene vielleicht schon über einen längeren Zeitraum nicht gestimmt hat, stehen sich die Betroffenen häufig selbst im Weg. „Während der oder die Betrogene sich beim Suchen nach Beweisen für die eine sogenannte Wahrheit verrennt, würde der Fremdgeher das Geschehene am liebsten ungeschehen machen“, sagt Fischbach. Ein Verhalten, das Sonja nur zu vertraut ist: „Immer wenn ich Tacheles reden möchte über die Gründe für sein Fremdgehen, sagt Albrecht nur: ‚Jetzt lass das Ganze doch endlich mal ruhen‘.“ Tatsächlich, so Fischbach, sei es unerlässlich, die beiden Lager wieder an einen Tisch zu bringen, um gemeinsam einen Bogen in die Vergangenheit zu schlagen und sich über die Gründe klar zu werden. Nur auf diese Weise kann der Betrogene Vertrauen wieder aufbauen. „Wenn aber einer von beiden dazu nicht bereit ist, wird das Thema immer wieder hochkommen und die Beziehung erneut gefährden können.“

Nach Seitensprung: nicht in der Opferrolle verharren

Noch Monate nachdem Albrecht seiner Frau das eigene Fremdgehen gestanden hatte, kam Sonja im Gespräch mit ihren Freundinnen nie über den Punkt hinaus, ihm die alleinige Schuld zuzuschreiben und sich in Vorwürfen zu ergehen: „Ich verstehe einfach nicht, wie er imstande war, mich derart zu verletzen und bloßzustellen. Wie konnte er nur? Mir hätte das nie passieren können.“ Diese Tendenz, sich als Betrogene(r) in der moralisch überlegenen Position zu wähnen, markiert für Fischbach einen Moment der Stagnation bei der Beratung von Paaren. „Solange jemand in dieser anmaßenden Opferrolle verharrt, ist die Arbeit an einer gemeinsamen Zukunft fast unmöglich.“ Auch wenn sie sich damit als Therapeutin bei der betrogenen Person regelmäßig unbeliebt macht, versucht sie dem Paar stets zu vermitteln:

„Es geht beim Fremdgehen nicht um die Ermittlung eines Schuldigen, sondern darum, gemeinsam Verantwortung für die Entstehungsgeschichte zu übernehmen.“

Ziel dabei ist, dass der oder die Betrogene nach dem Aufarbeiten bereit ist, seine oder ihre Opferrolle abzulegen und den Seitensprung verzeihen kann. Angesichts der erlittenen Demütigung sei das tatsächlich keine leichte Sache, so Fischbach: „Seitensprung verzeihen, braucht Zeit. Manche übertreiben es allerdings und kosten es geradezu aus, den anderen über die Maßen leiden zu lassen, bevor sie sich zur Versöhnung bereit zeigen.“

Einfach passiert? Fremdgehen ist eine bewusste Entscheidung

Von guten Freunden auf sein Fremdgehen angesprochen, beharrte Albrecht lange Zeit darauf, mehr oder weniger zufällig in die verfängliche Situation geraten zu sein. „Es war wahrscheinlich ein Drink zu viel an dem Abend, und dann hat es sich einfach so ergeben. Das habe ich eigentlich gar nicht gewollt.“ Aussagen wie diese, die den Initiator des untreuen Verhaltens entschuldigen sollen, kennt die Therapeutin Fischbach aus ihrer Praxis:

„Die Ausreden ähneln sich alle in dem Versuch, sich von der Verantwortung für das Geschehene freizusprechen. Doch man hat die immer Wahl, auszusteigen, bevor es zum Äußersten kommt, und Nein zu sagen.“

Um die Beziehung zu retten, komme Albrecht nicht umhin, sich damit auseinanderzusetzen, inwieweit vielleicht das Verhältnis zu seiner Frau Sonja mit seiner Affäre zu tun haben könnte. „Die entscheidende Frage lautet: Was sagt das über meine Bedürfnislage aus? Ist das nur das Durchschlagen meines Stammhirns, oder liegt unser eheliches Sexleben danieder?“ Selbst für den Fall, dass der Sex zu Hause gut lief und tatsächlich vor allem der Reiz des Neuen und die Gelegenheit ausschlaggebend für das Liebesabenteuer waren, müsse er seine Beziehung von nun an mit anderen Augen betrachten, so Fischbach: „Und wenn es vermeintlich nur seine eigene Lust war, der er sich hingegeben hat, und er seine Frau nach wie vor liebt, sollte er umso mehr über eine neue Form der gemeinsamen Erotik nachdenken. Das Stichwort lautet: Raus aus der Bequemlichkeit!“ Nach Untreue verändere sich die Beziehung ohnehin von Grund auf. Beide, so Fischbach, seien nun gezwungen, sich verstärkt auf ihre eigenen Bedürfnisse zu besinnen, um sich in diesem Bewusstsein erneut für eine Beziehung mit dem geliebten Gegenüber zu entscheiden. „Das kann zum Beispiel dazu führen, dass er oder sie sich ausbittet, bestimmte Dinge in der Sexualität auszuleben, die zuvor nie zur Sprache gekommen waren. Die Hauptsache ist, dass beide sich darüber klar werden, ob und wie sie in Zukunft zusammenbleiben wollen. Um die Beziehung zu retten, ist es entscheidend, einander von nun an nichts mehr zu versprechen, das man nicht halten kann.“

Beziehung retten: Vertrauen wieder aufbauen

Sonja und Albrecht ist das gelungen. Sie konnte den Seitensprung verzeihen und wieder Vertrauen aufbauen, und beide haben ihr eigenes Rezept für eine Beziehung gefunden, die gegen Fremdgehen besser gefeit zu sein scheint. Albrecht: „Vielleicht haben wir unsere Liebe als zu selbstverständlich betrachtet. Inzwischen ist mir die Fragilität unserer Gefühle viel mehr bewusst, und ich gebe mir mehr Mühe, Sonja zu zeigen, wie viel sie mir bedeutet.“ Und seine Frau fügt hinzu: „Außerdem tut es uns gut, dass wir nicht mehr so eng zusammenglucken. Wir machen jetzt verstärkt auch unser eigenes Ding, unternehmen Sachen unabhängig vom anderen. Dadurch hat jeder heute mehr Raum, sich weiterzuentwickeln, und wir haben uns wieder viel mehr zu erzählen. Und auf einmal bleibt man auch als sehr vertrautes Gegenüber interessant und anziehend für den anderen.“

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