Paar küsst sich und hat herausgefunden, wie man wieder zueinander Vertrauen erlangen kann

Belogen und betrogen – wie kann ich wieder vertrauen?

von: ElitePartner Redaktion , 4. November 2015

Es sind Bilder, die man ausradieren möchte: Der Ex-Freund hatte eine heimliche Affäre. Ein Seitensprung hat alles zerstört. Der Partner aus der sich anbahnenden Beziehung hat sich in Luft aufgelöst. Drei Beispiele, eine Auswirkung: Das Vertrauen ist weg! In den Menschen selbst, aber auch in jeden neuen potenziellen Partner. Wie soll man einem Partner in Zukunft vertrauen können? Die Diplom-Psychologin Lisa Fischbach erklärt, was man schrittweise tun kann, um wieder Vertrauen zu schöpfen und wirklich offen für Neues zu werden.

Große und kleine Verletzungen

Die alte Beziehung liegt zwar hinter einem, aber die Wunden sind immer noch offen. Sie heilen nur langsam, denn das Vertrauen wurde zutiefst missbraucht. Durch den Ex-Partner, der mit einer unverzeihlichen Affäre die Beziehung aufs Spiel gesetzt, oder durch einen Seitensprung die Basis der Partnerschaft zerstört hat. Oder sich in einem unglaublichen Netz aus Lügen verzettelt hat. Oder es war die frische Liebe, die schwer enttäuschte: Man hat einen tollen Menschen kennengelernt, wunderschöne Wochen oder Monate mit ihm verbracht, die Beziehung kam gerade ins Laufen – und plötzlich meldet er oder sie sich nicht mehr. Aus heiterem Himmel verschwunden – damit ist die Beziehung beendet, die gerade beginnen sollte.

Diese großen und kleinen Verletzungen wirken sich auf das grundsätzliche Vertrauen gegenüber Menschen aus. Man wird vielem gegenüber misstrauisch. Schon kleine Ungereimtheiten sorgen dafür, dass wir unsere Misstrauens-Antennen ausfahren und alles auf den Prüfstand stellen. Wie kann man seinen Kopf und die negativen Gefühle abschalten, offen für Neues sein? Wie soll man sich jemals wieder auf eine neue Partnerschaft einlassen? Die Diplom-Psychologin Lisa Fischbach hat die wichtigsten Antworten.

Vertrauen ist das Urbedürfnis einer Partnerschaft

Die stärkste Säule einer Beziehung ist gegenseitiges Vertrauen. Es ist das Urbedürfnis jedes Menschen, dem Partner blind vertrauen zu können“, erklärt die Beziehungsexpertin Lisa Fischbach. Deswegen tut es so unfassbar weh, wenn das Vertrauen missbraucht wurde. Es ist ein harter Weg, es wieder herzustellen. „Wie weit dieser Weg ist, hängt zum Großteil davon ab, was für ein Vertrauenstyp man ist“, so Fischbach.

Wie schnell man wieder vertraut? Typsache!

Wer ein positiv denkender Mensch ist, weil er positive Beziehungserfahrungen gemacht hat – und das schon in der frühen Kindheit –, hat es leichter, wieder Vertrauen zu schöpfen. Man hat bereits ein Urvertrauen in Beziehungen, das Fundament ist da, erschütternde Erfahrungen steckt dieser Vertrauenstyp besser weg. „Natürlich leiden auch diese Menschen nach einer tiefen Enttäuschung, aber es gelingt ihnen schneller, neu zu vertrauen und zu ihrem Grundgefühl zurückzukommen“, beschreibt Fischbach. Die Einstellung „das war eine Ausnahme, es muss mir nicht wieder passieren“ erlangen sie schneller als andere.

Bei dem anderen Vertrauenstyp ist der Weg, um Gefühlsverletzungen zu heilen, weiter. Sie haben meist schon früh in der Entwicklung erschütternde Erlebnisse durchgemacht, bei ihnen dauert es lange, bis sie wieder vertrauen. Das misstrauische Gefühl ist größer. Sie müssen nicht nur einen akuten Liebeskummer überwinden, sie fühlen sich bestätigt in dem, was sie von Menschen denken. Für sie scheint klar: „Das kann mir schnell wieder passieren.“

Schrittweise das Vertrauen zurückgewinnen

Wer belogen oder betrogen wurde, ist verunsichert, hat starke Zweifel an die Beziehung. An sich selbst, an der Zukunft, an allem. Doch unabhängig davon, welcher Vertrauenstyp man ist – so kann man es schaffen, sich schrittweise wieder auf einen neuen Partner einzulassen:

  1. Suchen Sie ein klärendes Gespräch: Wenn es möglich ist, sollte man die Chance zur Klärung nutzen. Antworten finden, Klarheit schaffen. Ein klärendes Gespräch mit dem Partner, der betrogen oder den Schmerz verursacht hat, ist zwar hart und schmerzvoll, aber besser, als sich wochen- oder monatelang den Kopf zu zerbrechen über das Wieso, Weshalb, Warum. Das viele Hin-und-Her-Interpretieren bringt Sie nicht voran, klare Aussagen bringen Sie weiter!
  2. Werfen Sie das Schuldkonzept über Bord: Verordnen Sie sich selbst, die Opferrolle abzustreifen. Es geht nicht um die Schuldfrage, sondern um eine klare Sicht auf die Dinge und um die Übernahme von Verantwortung. Welchen Teil der Verantwortung können Sie selbst übernehmen, welche Verantwortung müssen Sie abweisen? Haben Sie das herausgefunden, streifen Sie diesen Teil der Verantwortung ab!
  3. Lassen Sie sich Zeit: Das viele Nachdenken und Grübeln ist normal! Genauso auch das Gefühl von Wertlosigkeit. „Das sind normale Reaktionen nach einer tiefen Enttäuschung, die man akzeptieren und annehmen muss. Man kann das, was passiert ist, nicht einfach wegschieben, die Verarbeitung braucht Raum und Zeit. Die Psyche reagiert so und braucht das auch. Doch irgendwann sollte die Grübelei ein Ende haben“, so Fischbach. Wann? Wenn der Schockzustand überstanden ist – das kann einige Wochen dauern – und man keine Antworten findet. Dann muss man Bilanz ziehen, sortieren, differenzieren, die Opferrolle abstreifen, loslassen. Und dann steigt man wieder in die Selbstwirksamkeit ein!
  4. Geben Sie Gefühlen Raum: Wenn man spürt, dass man sauer wird, ist man auf dem Weg der Besserung. Man muss den Gefühlen Raum geben, sich öffnen, mit den besten Freunden Gefühle teilen. Bei seinen engsten Vertrauten kann man ganz ungeniert die Tränen laufen lassen. Wut ablassen ist befreiend und der beste Weg raus aus dem Sumpf der Enttäuschungen.
  5. Konzentrieren Sie sich auf das Lohnenswerte: Lenken Sie Ihren Blick darauf, warum es sich lohnt, wieder zu vertrauen. Falls Sie jemanden neu kennengelernt haben, achten Sie auf die positiven Verhaltensweisen des Menschen. Stürzen Sie sich nicht auf das, was fehlt oder komisch ist. Es gibt so viele Dinge an diesem anderen Menschen, die dafür sprechen, wieder vertrauen zu können.

Schock verarbeitet – und dann?

Wenn Sie sich Zeit zur Verarbeitung genommen haben und sich wieder auf eine neue Bekanntschaft einlassen können, gibt es für eine unbeschwerte neue Partnerschaft noch eines zu bedenken: Ihr neuer Partner ist nicht dazu da, alte Wunden zu heilen. Also, der Bekanntschaft nicht sofort haarklein die Details der letzten Enttäuschung auftischen und Forderungen stellen. Er oder sie trägt dafür keine Verantwortung. Falls Sie sich dabei erwischen, ein leichtes Misstrauen zu entwickeln, sprechen Sie mit Ihrem Partner über Ihre Sorgen, beziehen Sie ihn ein, aber ohne ihn unter Druck zu setzen: „Ich bin sensibel, brauche Unterstützung und mehr Transparenz.“ Vertrauen kann man nicht erzwingen, der Partner muss es von selbst entgegenbringen.

Und sollte Sie noch mal eine Welle der Eifersucht überkommen und sollten Sie den Drang verspüren, die E-Mails oder SMS Ihres Partners zu überprüfen: Finger weg. Lenken Sie den Blick wieder hin zu den positiven Seiten, sorgen Sie für sich selbst, verabreden Sie sich mit Freunden, gestalten Sie Ihre Zeit aktiv. Das bringt Sie schnell auf positive Gedanken.

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