Beim Flirt zählt der erste Eindruck – und auch wieder nicht

Beim Flirt zählt der erste Eindruck – und auch wieder nicht

von: Dr. Marcus Damm

Vieles, was sich in unserem Kopf beim Flirt abspielt, ist Mumpitz. Aber auch reizvoll.

Bei den meisten Flirts kommt es bei den Beteiligten zu einem typischen Phänomen: Dem Kopfkino! Dann wird der Andere auf Teufel komm raus analysiert. Macht das Sinn?

Beim letzten Männerabend ging es in illustrer Runde um das Thema „Sich beim Verlieben (viel) zu viele Gedanken machen“. Alle üblichen Verdächtigen – einschließlich meiner Person – kamen zu dem Schluss: Es gibt kaum eine andere Situation im Leben, in der man so viele Kopf-Kinofilme ablaufen lässt, wie wenn man auf Wolke Sieben schwebt. Gut, vielleicht noch im Falle eines großen Lottogewinns. Aber wann passiert das schon?

Beim Verlieben geht also in unserem Gehirn „die Luzie ab“. Daran sind natürlich vor allem die Glückshormone „schuld“, die den Ausnahmezustand provozieren. Dass der glückselige Zustand nicht von Dauer ist, ist natürlich nichts Neues. Und das ist auch von Mutter Natur gar nicht gewollt. Würden wir ständig auf Wolke Sieben schweben – wir wären nicht mehr in der Lage, unseren Alltag zu bewältigen. Wir würden keinen Pflichten mehr nachkommen. Es geht ja dann nur noch um „die Liebe“. Kurz gesagt: Die Menschheit wäre in skizziertem Fall schon längst ausgestorben.
Der bekannte Philosoph Richard David Precht sagte einmal in einem Interview sinngemäß: Beim Verlieben werden bestimmte Hirnareale gar nicht mehr genutzt, sie verlieren an Funktionskraft – weshalb der Mensch bei permanenter Verliebtheit nach spätestens ein paar Jahren völlig verblöden würde.
Egal, ich will auf etwas anderes hinaus: In wenig stärkerer Ausprägung werden auch Kopf-Kinofilme beim Flirten produziert. Das kennt jeder. Dem Anderen werden innerhalb kurzer Zeit bestimmte Charaktereigenschaften zugeordnet, andere spricht man ihm ab. Viele Menschen „machen“ sich ein spezielles Bild vom Flirtpartner. Dass dieses gar nicht unbedingt zutreffen muss, liegt in der Natur der Sache. Der Volksmund spricht von der „rosaroten Brille“, die die Wahrnehmung eintrübt, die Sozialpsychologie, unromantisch, wie sie ist, konkret von Wahrnehmungsverzerrungen.

Kurz gesagt: Vieles, was sich in unserem Kopf beim Flirt abspielt, ist Mumpitz. Aber auch gleichzeitig reizvoll. Ein Dilemma, an dem vor allem Vorurteile beteiligt sind. Da nun jeder Mensch Vorurteile hat, die beim Flirten aktiviert werden – sie gehören zur Funktionsweise unseres Gehirns – lohnt es sich, professionell mit ihnen umzugehen.
Grundsätzlich gilt also: Sollte man mit jemand auf Tuchfühlung gehen, darf man sich schon in Sachen Vorurteile selbst bremsen. Denn meistens basieren Voreingenommenheiten lediglich auf eigenen Erfahrungen. Dieser Sachverhalt wird häufig nicht gesehen. Stattdessen sprechen Betreffende von „Menschenkenntnis“ – und meinen damit nur die Verallgemeinerungen ihrer Erlebnisse.
Tatsache ist: Es dauert seine Zeit, meistens Jahre, bis man einen Mitmenschen auch nur ansatzweise versteht.

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