Auch Prinzen müssen Pipi

Buchtipp: Auch Prinzen müssen Pipi

von: Janin Minkus

Wir sprachen mit der Paarberaterin und "Auch Prinzen müssen Pipi"-Autorin Stephanie Katerle über den Zweck der Liebe, das richtige Auftreten bei der Partnersuche und über Glaubenssätze, die uns bei der Suche nach einer Beziehung ausbremsen.

Ihr neues Buch heißt „Auch Prinzen müssen Pipi“. Was wollten Sie mit diesem ungewöhnlichen Titel ausdrücken? Warum haben Sie ihn gewählt?

Stephanie Katerle: „Ein Prinz ist ein besonders edles Wesen. In feinsten Zwirn gekleidet, fehlerfrei und wunderschön trabt er mit perfekt sitzender Frisur auf dem weißen Ross durch sein Reich, immer auf der Suche nach der Schönsten, Liebreizendsten und Anmutigsten im Lande. Die potentiellen Prinzessinnen tun alles dafür, ebenso unfehlbar schön, glatt und fehlerfrei zu sein, wie sie den Prinzen vermuten. Doch der ist in Wirklichkeit ein ganz normaler Mensch mit ganz normalen Bedürfnissen. Auch so etwas vermeintlich Peinliches wie Pipimachen ist ihm nicht fremd. Prinz zu sein ist ganz schön anstrengend. Vielleicht sehnt er sich danach, es einfach mal mit einer netten, unkomplizierten Frau zu tun zu bekommen, die in ihm den Menschen sieht statt des Prinzen und seine Bedürfnisse und Macken gelassen und humorvoll akzeptiert, weil sie diese von sich selbst gut genug kennt und damit umgehen kann. Eine Frau, bei der er so sein kann, wie er ist: normal, manchmal langweilig, manchmal ungeschickt und gar nicht perfekt. (Nebenbei: Prinzessinnen müssen übrigens auch Pipi. Noch häufiger als Prinzen. Aber sie beißen sich lieber die Zunge ab, als es zu sagen.)“

Sie fragen in Ihrem Buch nach dem „Wozu“, dem Zweck der Liebe. Können Sie uns sagen, was der Zweck der Liebe bei uns in der westlichen Kultur ist?

Katerle: „Liebe ist in unserer Kultur ein Phänomen, das immer nur halb betrachtet wird und zwar vom Suchen und Finden übers Kennenlernen bis zum Verlieben. Danach werden Liebespaare für die Medien uninteressant. Liebe im Alltag ist anscheinend öde. Alle Liebesfilme enden deswegen auch beim Anfang einer neuen Liebe. Der erlösende Kuss, Schlussfanfare und: „The end“. Dabei fängt der interessante Teil doch gerade erst an: Was habe ich in meinem Leben noch vor und wobei könnte mir diese Liebe, diese Beziehung helfen? Was an ihr bringt mich weiter? Wenn ich weiß, wohin ich will und wozu mir mein Partner in einem guten Team und inniger Verbundenheit verhelfen kann, erkenne ich den Wert der Beziehung, der über äußere Attraktivität und das romantische Ideal hinausgeht. Unter diesem Aspekt bin ich auch bereit, mehr und langfristiger zu investieren. Der Beziehung geht es gut, wenn beide wissen, was sie an ihr haben. Wenn Sie wissen, was ihre Liebe alles kann, werden Sie auch gut auf sie Acht geben, damit sie lange hält.“

Mehr über Stephanie Katerle: www.erstens-hoch-zwei.de

Welche drei knackigen Tipps können Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben, wenn diese alte, bremsende Glaubenssätze bei der Partnersuche ablegen wollen?

Katerle: „Erstens: Fehler zu machen gehört dazu. Fehler sind lehrreich und sie sind gut. Verurteile dich nicht, wenn du daneben greifst, sondern sieh den Lerneffekt darin. Zweitens: Was Frauenzeitschriften, die ‚Kumpels‘ oder Mama sagen, stimmt nicht automatisch. Mach dir die Mühe, deine eigene Wahrheit über die Liebe zu suchen und gib dich nicht mit einfachen Lösungen zufrieden. Und drittens: Jugendlichkeit, perfektes Äußeres und Reichtum helfen bei der Partnersuche genau dann, wenn man einen narzisstischen Oligarchen oder eine vergnügungssüchtige Zicke sucht – oder Spaß am Scheitern hat. Ein guter Partner achtet intuitiv darauf, eine gesunde Mischung aus ‚lieb, lustig und hübsch‘ zu finden. Nicht ‚perfekt‘, soll der Wunschmensch sein, sondern ‚gut genug‘.“

Sie sprechen in Ihrem Buch davon, dass manch einer so unauffällig einen Partner sucht, dass es jahrelang niemand bemerkt. Was würden Sie also raten: Wie sucht man „auffällig“ nach einem Partner, ohne dabei verkrampft zu wirken?

Katerle: „‚Auffällig‘ zu suchen, würde bedeuten, mit einer riesigen Werbetafel vor der Brust herumzulaufen. „Seht her, so toll bin ich, nehmt mich!“ Das klappt zwar prima, aber meistens bei den Falschen. Dem Wunschpartner aufrichtig zu sagen, wie toll er oder sie ist, mit einer positiven, fehlerfreundlichen und offenherzigen Einstellung durch die Welt zu gehen, ist schon Erfolg versprechender. Eine solche Haltung signalisiert nämlich, dass man ein angenehmer Partner ist, mit dem das Zusammensein Spaß macht, weil man auch bei anderen großzügig, wertschätzend und gelassen bleibt. Super ist es, wenn man vielfältige Interessen und Bezugspunkte hat: Kollegen, Freunde, Familie und Freizeitkontakte, die uns reflektieren und alle Facetten der eigenen Person ausleuchten. Leidenschaften und Lieblingsbeschäftigungen sind wichtig. Bei ihnen findet man die Menschen, die sich vielleicht gegenseitig von einem selbst erzählen, neue Netzwerke schaffen und weitertragen, wie nett man ist. Im Marketing würde man das „Public Relations“ nennen. Partnersuche hat eine Menge mit Selbstmarketing zu tun. Zu wissen, was man kann (und was nicht), sich auf eigene Stärken zu konzentrieren und dennoch um die eigenen Schwächen zu wissen, erhöht die Chancen, das zu finden, was man sucht und was tatsächlich passt.“

Das Buch können Sie hier bestellen: Auch Prinzen müssen Pipi: Warum der perfekte Partner nicht perfekt sein muss – und wie Sie ihn finden

Zum Abschluss: Können Sie uns kurz und prägnant sagen, was Ihr Buch beim Leser bewirken soll?

Katerle: „Das Buch soll in erster Linie Mut machen. Mut zur Selbsterkenntnis und zur Selbstliebe. Dass wir Fehler und Macken haben, können wir nicht verstecken. Wenn wir aber gelassen damit umgehen, können wir auch den Macken unseres Gegenübers souveräner begegnen. Wer großzügig, sorgsam und liebevoll mit sich selbst und dem eigenen Körper umgeht, wirkt auf andere Menschen automatisch sympathisch und anziehend.“

Autorin

Janin
Minkus

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