Frau in Fußgängerzone hat Angst vor Gefühlen

Angst vor Gefühlen? Lernen Sie in nur 4 Schritten sich wieder zu öffnen

von: Saskia Balke , 7. September 2018

Die Angst vor Gefühlen ist oft das Resultat schmerzhafter Erfahrungen. Wer bereits einen Menschen verloren hat – sei es durch Trennung oder Tod – sieht in emotionalen Bindungen häufig auch die Gefahr, seelisch tief verletzt zu werden. Diese Schutzhaltung blockiert oft nachhaltig in ihrer Bindungsfähigkeit. Unsere Diplom-Psychologin und ElitePartner-Expertin Lisa Fischbach liefert Tipps, wie es gelingt, Gefühle (wieder) zuzulassen.

Warum die Angst vor Gefühlen blockiert

Die Verletzung sitzt tief. Katja wurde nach 17 Jahren Beziehung von ihrem Partner betrogen. Sie kannte die Frau gut, mit der ihr Mann fremdging. Eine Nachbarin, fast eine Freundin der Familie, die Kinder spielten immer zusammen. Die beiden Frauen saßen oft auf dem Sofa, auf dem Katja jetzt jeden Abend alleine verbringt. Zwei Jahre jetzt schon. Sie traf schon interessante Männer, durch Zufall und über Freunde, doch dann machte ihr ihre Angst vor Gefühlen einen Strich durch die Rechnung. Katja ging immer, wenn es an ihr gewesen wäre, sich zu öffnen. „Dieser Wunsch, die Kontrolle zu behalten, ist verständlich“, erklärt unsere Diplom-Psychologin Lisa Fischbach. „Er resultiert aus der Angst vor neuen Verletzungen, aber auch aus dem alten Schmerz, der Betroffene wieder überrollen könnte. Das Problem dabei: Es ist schwierig, nur die negativen Gefühle auszuklammern und dabei die positiven aufzunehmen.“ Auf diese Weise boykottiert die Furcht vor tiefen Emotionen jeden Versuch, sich auf eine neue Bindung einzulassen.

Emotional nicht verfügbar – nicht immer ist die Angst offensichtlich

Nach dem Tod seiner Frau ist der kinderlose Lars im Gegensatz zu Katja aktiv auf der Suche nach einer neuen Partnerin. Bei einer Online-Partnervermittlung angemeldet, steckt er in jedes Date die Hoffnung, die Leere füllen zu können. Hinter seinem Aktionismus verbirgt sich jedoch wie bei Katja die Angst vor Gefühlen. Kommt ihm eine Frau näher, findet Lars schnell Argumente, die gegen eine Beziehung mit ihr sprechen. Die Single-Frauen, die Lars treffen, erleben ihn als emotional unerreichbaren Mann.

„Wenn ein Mensch keine Gefühle zulassen kann, vermittelt sich das dem Gegenüber auf subtile Weise. Der Mensch wirkt ‚besetzt‘, schirmt sich und seine Gefühlswelt vor dem Außen ab. Die Bemühungen des anderen laufen hier ins Leere – er oder sie kann es gar nicht richtig machen“

, erläutert die Diplom-Psychologin. Der Wunsch eine Beziehung einzugehen, wird von unterschwellig aktiven Schutzmechanismen unterwandert. Irgendwann ahnt Lars, dass seine erfolglose Suche auf seine Furcht vor dem Zulassen tiefer Gefühle zurückzuführen sein könnte.

Wenn Sie in Ihrer Partnerschaft keine Gefühle zulassen können

Kerstin hat sich nach ihrer Scheidung bereits wieder gebunden. Am liebsten möchte ihr neuer Partner sie heiraten und eine Familie mit ihr gründen. Kerstin kennt seinen Wunsch. Doch sie liebt mit angezogener Handbremse: Sie möchte sich nicht noch einmal mit Haut und Haaren in einer Beziehung verlieren, die ja doch wieder scheitern könnte.

„Wer seine Gefühle nicht spüren möchte, weil sie zu belastend sind, unterbricht die Wahrnehmung der eigenen Emotionen. Das wirkt im Außen kühl und unnahbar. Für einen Partner oft schwer auszuhalten, versteht er die sichtbare Lieblosigkeit nicht und fühlt sich zurückgewiesen“

, erklärt Lisa Fischbach. Mit dieser vermeintlichen Schutzhaltung verhindert Kerstin also eigentlich die erfüllte Partnerschaft zugleich. Auch ihr Partner wird sich vielleicht nicht dauerhaft an dieser Mauer ‚abarbeiten‘. Es ist Zeit zu handeln, wenn die Angst vor Gefühlen ihre destruktiven Seiten zeigt. Diese Anstrengung lohnt sich, erklärt Lisa Fischbach:

„Öffnen wir uns den eigenen Emotionen, schaffen wir Raum für alle Gefühlsqualitäten.“

Für Menschen wie Katja, Lars und Kerstin hat die Diplom-Psychologin vier Coaching-Übungen entwickelt, die helfen können, Blockaden schrittweise zu überwinden.

Angst vor Gefühlen? Mit diesen Coaching-Übungen gehen Sie damit um

1. Emotionen beobachten und vorüberziehen lassen

Machen Sie sich bewusst: Gefühle sind vergänglich. Auch die unangenehmen. Fischbach empfiehlt In den die nächsten vier Wochen folgende Beobachtungsaufgabe an drei Tagen pro Woche: Taucht eine kleine, aber prägnante Emotion auf, etwa eine leichte Traurigkeit, wenden Sie sich bewusst diesem Gefühl zu. Geben Sie ihm Raum. Beobachten Sie, wie sich das Gefühl verändert. Sehr wahrscheinlich werden Sie spüren, dass es erst stark ist und dann schwächer wird.

2. Teilen Sie schrittweise alltägliche Emotionen mit, um die Angst vor Gefühlen zu bewältigen

Trauen Sie sich aus Ihrem emotionalen Schneckenhaus: Erzählen Sie Ihrem Partner etwas über Ihre Gefühle. Nicht gleich die größten Ängste, Sehnsüchte oder Bedürfnisse, sondern Nuancen von dem, was Sie gerade empfinden. Das Positive zu zeigen, fällt anfangs möglicherweise leichter: Sagen Sie, wie Sie es genießen, Hand in Hand spazieren zu gehen oder wie viel Ihnen Ihre kleinen Rituale bedeuten. Schrittweise zeigen Sie mehr von sich. Achten Sie dabei aber immer darauf, dass Sie sich dabei wohl fühlen.

3. Sie können keine Gefühle zulassen? Dann erwidern Sie liebevolle Gesten

Erkennen und nutzen Sie im nächsten Schritt auch die Momente, in denen Ihr Partner sich emotional besonders zugänglich zeigt. Es ist eine Einladung, ihn auch Ihre Gefühle spüren zu lassen. Im Austausch entstehen schöne Momente der Nähe. Die Erfahrung positiver Erlebnisse lässt Vertrauen wachsen. Erwarten Sie jedoch nicht zu viel auf einmal – auch das braucht Zeit.

4. Sprechen Sie offen über Ihre Grenzen und Hemmungen

Sie fühlen sich in Ihrer Angst vor Gefühlen verletzlich und unsicher, doch Ihr Schutzschild lässt Sie eher unnahbar wirken. Darum ist es hilfreich, dem Partner auch auf der Metaebene zu kommunizieren, dass Sie gerne mehr Gefühle zeigen würden, aber das noch nicht können. So geben Sie dem Partner die Möglichkeit, sich mit der Situation zu arrangieren. Das ist viel konstruktiver, als mit kühler Miene Gefühle von sich zu weisen.

Tipp: Wenn Sie gerade Single sind, können Sie die Coaching-Übungen auch mit einem gutem Freund oder einer guten Freundin ausprobieren.

Fazit: Angst vor Gefühlen lässt sich schrittweise überwinden

Vielleicht ist Ihnen selbst bereits bewusst, dass Sie sich schlecht öffnen können, möglicherweise lassen Sie aber auch erst die Vorwürfe Ihres Partners hellhörig werden. Die Konsequenzen daraus emotional nicht verfügbar zu sein wiegen schwer für die Betroffenen – daher lohnt es sich, mit Hilfe unserer Coaching-Übungen schrittweise mehr Emotionen aufnehmen und damit umgehen. Erleichternd wirkt dabei, dass man nicht gleich alle Gefühlstore aufreißen muss und sollte, um wieder einen Zugang zu seinen Gefühlen zu finden und diese in die Partnerschaft zu bringen. Es genügt, sich schrittweise zu öffnen, um die Liebes- und Lebensqualität zu verbessern.

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