• 05.02.2018
    • Amelie_0104

    Wirkt sich die Kindheit auf die späteren Beziehungen aus?

    Hallo liebe Forumsteilnehmer,

    ich befinde mich in einer für mich zur Zeit schwierigen Phase im Leben. Mit 31 blicke ich auf meine bisherigen Beziehungen (auch Freundschaften zurück) und habe erkannt, dass meine Probleme wahrscheinlich durch die Prägung in der Kindheit resultieren.

    Kurz zu mir:

    meine Eltern habe ich als Kind nur streitend erlebt. Ich habe mich stark angepasst, um zu gefallen und wurde nur gelobt, wenn ich gute Noten hatte. Meine Mutter hat mich nie geschlagen, da sie selbst von ihrer Mutter oft Prügel bekommen hat. Mein Vater war dagegen eher dominant und streng. Lob gab es nie. Er hat mich nie meine eigenen Erfahrungen machen lassen und immer Angst gehabt. Dadurch traue ich mir sehr wenig im Leben zu, was mich immer sehr blockiert.

    Ich habe in meiner letzten Beziehung vor 4 Jahren einen Partner gehabt, der mich oft verbal attaktiert hat. Er hat mich abgewertet und kritisiert. Außerdem war er oft distanziert und körperlich/emotional abwesend.

    Freundschaften halten bei mir nie lange. Ich bin anfangs immer sehr euphorisch, wenn ich neue Menschen kennenlerne (bin gesellig/offen). Ich idealisiere Menschen sehr (auch meinen Ex früher) und irgendwann merke ich dann, dass die Menschen mir nicht gut tun. Ich höre gern zu (bin HSP und Scannerin) und möchte tiefgründige Gespräche führen. Die Menschen wollen meisstens ihren Ballast loswerden und man merkt einfach, dass sie sich für mich als Mensch gar nicht richtig interessieren. Kontakt abbrechen fällt mir irgendwie bei Freunden leichter, da ich mich verletzt fühle. Kann es sein, dass ich die falschen Menschen anziehe, da ich helfe/unterstütze?

    An euch habe ich die Frage wie ich mein Muster druchbrechen kann. Sollte ich bei Freunden nicht so anspruchsvoll sein und alles auf die Goldwaage legen? Wie schaffe ich es Partner zu wollen, die sich nicht distanziert verhalten und meine Verlustängste hervorrufen?
    (w31)
     
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    • # 1
    • 06.02.2018
    • Apfelmus
    Hallo Amelie,
    Deine Erzählung kling tfast 1/1 nach meiner Lebensgeschichte .
    Ja selbstverständlich wirkt sich die Kindheit auf das spätere Beziehungs, sprich Bindungsverhalten aus. Grosses Thema ist das Setzen von den eigenen Grenzen. Früh erkennen, was einem nicht gut tut, es kommunizieren und wenn es nicht hilft, Kontakt abbrechen. Du musst lernen, deiner eigenen Stimme zu vertrauen, und deinen Selbstwert nicht du die Bestätigung anderer abhängig machen - siehe dein Punkt mit der Anpassung/ Euphorie. Du fühlst dich gut, weil die Menschen dir Anfangs das Gefühl geben, sie fänden dich toll, ergo du machst alles richtig und gibst dann deine Grenzen auf, damit ja nur die Freundschaft erhalten bleibt. Deine “Anhänglichkeit” an den Partner, der dir nicht gut gesinnt ist, kommt auch aus der Kindheit, wo du anscheinend nicht bedingungslos geliebt wurdest sondern nur, wenn du brav warst, gute Noten hattest etc. so was schleicht sich ein, der Automatismus ist dann, dass man es anderen Recht machen will, weil man glaubt, sonst nicht liebenswert zu sein. Meistens findet man dann auch Männer “komisch”, die einen so nehmen wie man ist, weil man es nicht gewohnt ist, und sucht sich unbewusst Partner, welche einem das vertraute Gefühl geben, man müsse für seine Liebe Leistung erbringen.
    Ich hoffe, das war klar ausgedrückt, dafür kann es helfen, sich ein paar Stunden in eine Verhaltenstherapie zu begeben, um das Muster zu erkennen und zu durchbrechen.
     
    • # 2
    • 06.02.2018
    • Lynnea
    Ja ich kenne das nur zu gut. Mich beeinflusst meine miserable und lieblose Kindheit, jegliche Art von Familiensinn, Familiengründung und Zusammenhalt als etwas gutes zu sehen und mich dem vorbehaltlos zu öffnen. Einerseits Angst und andererseits kann ich andere, positive Erfahrungen weder mir selbst noch anderen einfach mal gönnen. Es ist furchtbar. Ich weiß auch nicht wirklich, wie ich das jemals überwinde.
     
    • # 3
    • 06.02.2018
    • Lionne69
    Natürlich wirkt sich die Kindheit auf das spätere Leben aus.
    Da werden grundlegende Erfahrungen gemacht. Man erlernt grundsätzliche Prägungen, Denk- und Verhaltensmuster.
    Außer dem Elternhaus können noch viele andere Eunflussfaktoren hinzu.
    Die Sozialkontakte, Schule, soziales Milieu, die Gesellschaft, in der man hinein wächst.
    Auch spätere Erfahrungen prägen einen, verstärken bereits Erlerntes, Erfahrenes.

    Durchaus vieles ist positiv, stärkend, benötigt der Mensch als Halt, zum generellen Überleben.
    Manche kritischen Erfahrungen haben einen zum Kämpfer machen lassen, Rückgrat, Energie, Resilienz erwerben lassen, andere haben einen zutiefst geschwächt.

    Als Erwachsene*r kann man sich anschauen, was trägt mich, was belastet.
    Was nehme ich gerne mit.

    Determiniert ist nichts, man kann
    Denk- und Verhaltensmuster auf den Prüfstand stellen und diese verändern.
    Nicht einfach, ggf. braucht es die Unterstützung durch eine kürzere bis sehr intensive Therapie.
    Alleine schon, um zu erkennen, wo diese Muster sind.
    Aber auch das Sich selbst neuprogrammieren ist langwierig.

    Ein Therapeut veranschaulichte es mal so, wir haben in unserem Gehirn Autobahnen gelegt, die wir immer wieder ganz automatisch und intuitiv benutzen.
    Zum Ändern brauchen wir aber neue Wege, das sind am Anfang Trampelpfad, und es dauert, bis die alte Autobahn zuwuchert und die neue sich gebildet hat.

    Die wenigsten von uns sind mit rein positiven Prägungen aus ihrer Kindheit gekommen, es liegt aber an uns, ob man dies als Entschuldigung nimmt, sich als Opfer sieht, oder ob man neue Wege geht.

    Ich finde, es lohnt sich. Hat es sich auf jeden Fall für mich. Und ich arbeite immer noch daran.

    W,48
     
    • # 4
    • 06.02.2018
    • Pia62
    Guten Morgen liebe FS,

    solange du dein Leben nicht umschreibst, wird das alte Muster Kontrolle über dich haben. Die Entscheidung liegt bei dir und ist der erste Schritt.
    Es ist müßig, begreifen zu wollen, warum und wieso deine Eltern so handelten und reagierten, dass es dir nicht bekömmlich war. Sie waren in ihren eigene Mustern verhangen. Du kannst es besser, anders machen.
    Sehr hilfreich war mir, meine Kindheitsgeschichte so umzuschreiben und mental zu durchleben, wie es für mich bekömmlicher gewesen wäre. Dadurch konnte ich mich von der alten Geschichte distanzieren und lösen, so dass ich mich gedanklich mit meinen Eltern aussöhnen konnte. Der Weg für den zweiten Schritt war dann frei und ich konnte mein Leben in den schönsten Farben zeichnen und neu formulieren.
    Du wirst sehen, dass etwas mit dir passiert und du entsprechend ganz andere Erfahrungen in deinem Leben zulassen kannst.

    Es ist am Anfang nicht ganz einfach, aber ein konsequentes Training erfordert einen Willen und Ausdauer. Das ist die Leistung, die du dir selber gegenüber schuldig bist.
    Ein Versuch ist es wert, dich selber in den Arm zu nehmen, weil du es wert bist, dein Leben so zum Ausdruck zu bringen, dass es dich glücklich macht und dafür wünsche ich dir viel Glück!
     
    • # 5
    • 06.02.2018
    • schwalbenweg
    Ja natürlich hat die Kindheit Auswirkungen auf spätere Beziehungen. Und zwar auf alle: Freundschaften, im Kollegenkreis oder gegenüber dem Lebensgefährten.

    Der Weg zu glücklichen Beziehungen geht meiner Erfahrung nach nur über das eigene Glück, darüber, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, sich dabei jedoch nicht zu wichtig zu nehmen oder zu viele (negative) Gedanken zu machen.

    Liebe Amelie, daher rate ich dir, gar nicht zu sehr nach anderen zu sehen, sondern mehr nach dir. Was machst du gern, wobei hast du so richtig Spaß? Wo stehst du dir mit Ängsten, unguten Gefühlen, Hemmungen selbst im Weg? Wenn du selbst in den wesentlichen Punkten glücklich oder zumindest zufrieden bist - strahlst du das aus und brauchst dir gar keine Gedanken mehr darüber machen, wer zu dir passt. Automatisch bist du mehr mit den Menschen zusammen, die dir gut tun oder zu dir, deinen Interessen und Bedürfnissen passen. Zu den Menschen, die weniger gut passen, wird der Kontakt automatisch geringer bzw. sie werden eine bessere Passung suchen, um mit dir zusammen sein zu können. Außerdem wirst du mit positiver Ausstrahlung und positiven Gedankenn ganz andere Saiten in deinen Mitmenschen zum Klingen bringen und so entsteht ein schönes Wechselspiel von gegenseitigem Respekt und schönen Gemeinsamkeiten.

    Dies wird dir nicht überall gleich gelingen - Arbeit, Wohnumfeld, Familie, Verein, alte und neue Freunde/ Bekannte... und irgendwann kommt dann auch ein passender Lebensgefährte. Es liegt (auf lange Sicht bzw. von Ausnahmen abgesehen) nur an DIR SELBST, was und wen du in dein Leben lässt, wie lange du in unschönen Situationen ausharrst und wie selbstbewusst oder entspannt du Entscheidungen für dich triffst.
     
    • # 6
    • 06.02.2018
    • Lavieestbelle
    Eine gute Frage und das ist auch mein Problem gewesen. Ich war extrem anpassungsfähig, ehrgeizig, schnell. Das hat mir viele Türen geöffnet aber von der anderen Seite sehr oft habe ich nur reagiert auf die Chancen, die sich ergaben und nicht agiert. Obwohl ich wirklich viel Glück und Chancen bekam, empfand ich mein Leben sehr oft als unbefriedigend, ich wollte immer mehr, so schnell wie möglich sehr viele Ziele erreichen. Ich war rastlos. Ich hatte Freunde aber ich fühlte mich dennoch sehr einsam. Die Themen haben mich nicht interessiert. Genauso wie du sehe ich immer das Gute in Menschen, bin euphorisch, idealisiere Menschen sehr stark und dann kommt natürlich der Tag der Wahrheit, wo alles sich in Schall und Rauch auflöst. Mittlerweile kenne ich mich sehr gut und weiß wie ich bin und versuche mich auf die Treffen mit meinen Freunden vorzubereiten und habe akzeptiert, dass ich nicht mit jedem ein tiefgründiges Gespräch führen muss. Das ist auch auf Dauer echt langweilig und es macht auch manchmal Spaß albern und kindisch zu sein. Ich sage mir dann immer: "konzentriere dich auf das Thema, auch wenn es nur um Kochrezepte geht" und ob du es glaubst oder nicht, Kochrezepte können auch sehr schön sein. Mit meiner Mutter führe ich andere Gespräche als mit meinen Kindern und mit meinen Freundinnen rede ich anders als mit meinen Kolleginnen. Ich habe gelernt mich bereitflächig auf Menschen einzulassen und nicht viel erwarten und nicht nur an einen Menschen kleben.
    Ansprüche runterschrauben würde ich aber nicht. Das ist nicht zielführend aber vielleicht zu akzeptieren, dass andere Menschen anders sind und jeder irgendwie etwas positives anzubieten hat. Verlange nicht überall Picasso und Brecht zu begegnen. Lerne dich für das unbekannte zu öffnen und lerne zu vertrauen. Aktiv entscheiden, wer zu Deinem Leben gehört und wer nicht.
     
    • # 7
    • 06.02.2018
    • Rosendame
    Ja, ich glaube die Kindheit ist ganz maßgebend für die späteren emotionalen Beziehungen eines Menschen. Wenn ein Kind eine desaströse Kindheit hatte, dann ist es gezeichnet für das ganze Leben. Irgendwo gibt es immer einen großen wunden Punkt der das Zusammenleben mit ihm/ihr erschwert.

    So waren zumindest meine Erfahrungen mit den Männern von den ich wußte, daß sie massive Konflikte zu Hause hatten bzw. selbst sagen, daß sie vom Elternteil vernachlässigt wurden.

    Was ich feststellen konnte war eine für mich stressige Kombination im Charakter von extremer Sensibilität und Wut. Oder Bedürftigkeit nach Liebe und Distanz.

    Keine Ausgeglichenheit weder privat und oft auch nicht wirklich beruflich so als wären sie permanent auf der Suche nach etwas Verlorengegangenem und konnten es dennoch nicht finden oder wußten nicht mal wonach sie suchten.
     
    • # 8
    • 06.02.2018
    • Ejscheff
    Solange es darum geht authentisch aufzutreten und sich nicht zu verstellen ist dieser Ansatz nachvollziehbar,

    Allerdings ist auf der anderen Seite aber auch Selbstreflektion und gute Wahrnehmung notwendig. Denn wenn ich authentisches Auftreten mit grenzenloser Selbstverwirklichung und Rechthaberei verwechsele, stehe ich ebenfalls schnell allein da.

    Das alte Umzuschreiben halte ich für schwierig. Ebenso ist eine grundsätzliche Umprogrammierung kaum möglich.

    Wenn ich mir aber bewusst bin warum ich so und nicht anders ticke, kann ich bewusst an meinem Verhalten und damit an meiner Wirkung auf andere arbeiten.

    Die schwierigste Aufgabenstellung ist es, sich selbst gerecht zu werden, daher authentisch zu sein aber auch den anderen gerecht zu werden, in dem man ihre Bedürfnisse nicht ignoriert.

    Ein ausgewogenes Geben und Annehmen sollte das Ziel sein. Was du gibst liegt in deiner Hand. Auf keinen Fall darst du dich dabei überfordern. Nicht bestimmen kannst du was dir gegeben wird. Du entscheidest aber was du annimmst und wie du damit umgehst.
     
    • # 9
    • 06.02.2018
    • Kathyberlin
    Tja, das ist eine Frage ... Ich bin mittlerweile Ende 40 und habe noch immer bestimmte Muster, obwohl ich schon seit Jahren daran arbeite. Ich ziehe magisch ähnliche Menschen an wie Du. Meine Frauenfreundschaften sind stabil, aber distanziert. Meine Männerbeziehungen sind immer dieselbe Laier mit verschiedenen Ausprägungen. Ob die Theorie mit der Kindheit so stimmt, weiß ich nicht so recht. Klar findet man immer Begründungen, aber es gibt auch eine erhebliche Komponente Genetik. Bei den drei kleinen Kindern meines Bruders (darunter zweieiige Zwillinge) beobachte ich jetzt schon starke Unterschiede im Beziehungsverhalten und der Emotionalität. Die Kleinste versucht unbedingt zu gefallen, tröstet ihre Geschwister usw. Sie ist ein angepasster Helfertyp, und ihr Zwillingsbruder ist jetzt schon ein Macho, der alles besser weiß und kann. Und das mit nicht einmal eineinhalb Jahren. Ich glaube nicht, dass das bei so kleinen Kindern irgendwas mit Erziehung zu tun hat. Alle werden gleichermaßen geliebt und gefördert. Zu Dir selbst: Sei froh, dass Du das Muster so früh erkannt hast. Ich glaube zwar nicht, dass man sich selbst so umprogrammieren kann, dass man auf einen ganz anderen Männertyp steht, aber vielleicht kann man lernen, Grenzen zu setzen und hält sich damit zumindest die schlimmsten Psychos vom Hals. Denn solche Menschen merken schnell, bei wem sie leichtes Spiel haben und bei wem nicht.

    Und dann gibt es in der Pychologie noch den Begriff der Resilienz. Manche Menschen kommen mit schlimmen Lebenslagen besser klar als andere. Wir sind auch von Geburt an unterschiedlich robust.
     
    • # 10
    • 06.02.2018
    • Jana_09/15
    Ja. Du bist quasi ein Magnet für solche Leute.
    Bin ich auch schon seit ewig, und irgendwie frustriert es mich, dass ich irgendwie nur solche Leute kennenlerne. Kaum kommt man mit einem neuen Menschen ins Gespräch - schwupps gehts um seine/ihre Probleme.
    Ich bin jetzt ein wenig dazu übergegangen, Plärr-Versuche einfach mal zu ignorieren. Oh Wunder, man hört nichts mehr von den Leuten. Das ist offenbar der Preis.
    Ansonsten hab ich das erste Mal in meinem Leben eine Freundin, die genauso gern gibt wie ich. Es ist ein komisches Gefühl, ziemlich ungewohnt, aber schön.
    Dem stimme ich zu. Üben, üben, üben. Rückschläge wegstecken, weiter trainieren. Es wird Jahre dauern, darüber sei dir bewusst. Schließlich hast du dir die ungesunden Verhaltensweisen auch nicht über Nacht angeeignet.
    Dass du dir überhaupt Gedanken darüber machst, ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Nun nur nicht aufgeben.
     
    • # 11
    • 06.02.2018
    • Pia62
    ...du meinst sicherlich, dass man Altes nicht ungeschehen machen kann, stimmt. Aber man selber kann bestimmen und lernen, das Alte abzulegen und als erledigt zu betrachten. Meine Idee, die ich selber erfolgreich ausprobierte, erforderte eine Willensentscheidung. Diese verbunden mit Kreativität hat mich ausprobieren lassen. Es gab einen flüchtigen Moment, als sich diese Art und Weise für mich offenbarte. Allein das Bewußtwerden reicht nicht. Es wird immer ein Teil als unerledigt unter dem Deckmäntelchen aufgesetzte Authentizität, bleiben. Es nutzt eben nichts, nur eine Wohnung auf Vordermann zu bringen, wenn man den Keller nicht auch aufräumt und von altem Müll befreit. Nun, das benötigt ein bisschen mehr Arbeit, als Zweckoptimismus, Selbstreflexion, sondern eine Willensentscheidung, Hingabe und Ausdauer. Dann muss man auch nicht den eigenen Müll kompensieren, indem man ihn anderen überstülpt, oder sich im Kreis dreht.
    Ein Umschreiben ist mehr als eine statische, vom Kopf gesteuerte Umprogrammierung, die in der Tat niemals funktionieren wird. Die damit verbundenen Gefühle sind entscheidend und die dementsprechenden Handlungen im täglichen Leben.
     
    • # 12
    • 07.02.2018
    • Cho Oyu
    Liebe Amilie,

    mich belastet meine Kindheit zum Teil bis heute. Nicht im normalen Alltag aber immer wieder mal. Es gab keinerlei Lob, ich war für alles zu doof (trotz Abi???). Geschlagen wurde ich selten. Es war völlig lieblos. Ich hatte meine erste Freundin sehr spät. Auch da war die Basis mein Elternhaus. Sie haben mir keinerlei Selbstbewusstsein mitgegeben und zudem immer das jeweilige andere Geschlecht niedergemacht...
    Besser wurde es immer wieder schubweisen Schritten. Der letzte massive Schritt kannst du z.B. hier im Forum nachlesen. Die letzte Trennung hat mich zur Therapie gebracht. Ich hab hier und in andern Foren viel gelesen, wenig Bücher.
    Aber es musste dieser radikale Schritt von meiner Ex kommen, bis ich massiv in die richtige Richtung ging. Erst danach habe ich die narzisstischen Züge erkannt, die ich von meiner Familie geerbt hatte.
    Einen Rat kann ich Dir nicht geben. Zeit und viel hinterfragen hilft.

    M 48
     
    • # 13
    • 07.02.2018
    • Sirius97
    Ja, leider ist es so. Durch Deine Beschreibung wird auch sehr deutlich, wie sich solche Kindesmißhandlungen über viele Generationen hinaus auswirken. Auch diese schrecklichen Mechanismen hat Apfelmus aus meiner Sicht sehr gut beschrieben.
    Das habe ich auch in meinem Leben genauso erlebt, wie "tröstlich" es ist schlecht behandelt zu werden. Man ist es ja auch nicht wert besser behandelt zu werden. Es fühlt sich so vertraut an, außerdem kann man die Hoffnung schöpfen, dass man jetzt endlich jemanden dazu bringen kann, so geliebt zu werden wie man ist. Derjenige verhält sich wie das auslösende Elternteil, aber derjenige könnte einen ja endlich lieben. Das wäre wertvoll.
    Das ist natürlich Unsinn und nicht erstrebenswert. Man wiederholt wirklich nur fatale erlernte Muster aus der Kindheit. Es ist mit das grausamste, das seinem Kind antun kann.

    Ich finde nicht, dass man für immer in diesen Mustern gefangen sein muss. Es schwierig neue Wege zu gehen und sie zu finden, aber möglich. Der erste wichtige Schritt ist sich der Muster bewußt zu werden und Grenzen zu setzen. Genau wie es Apfelmus so wunderbar beschrieben hat.
    Es ist wichtig sich vor der Partnerwahl dieser Muster bewußt zu sein und darauf zu achten, damit Du es für Dein Leben möglichst durchbrechen kannst.
    Für mich fand ich die Bücher von Susan Forward sehr hilfreich. Erst dadurch wurde ich mir der Mechanismen bewußt. Vorher habe ich nur gefühlt, dass mit mir etwas nicht stimmt.
    Alles Gute für Dich.
     
    • # 14
    • 07.02.2018
    • Moona
    Liebe Amelie. Immerhin hattest Du Deine bahnbrechende Erkenntnis viel viel früher als ich. Als Kind dachte ich immer, ich würde mein Elternhaus an dem Tag hinter mir lassen, an dem ich ausziehe. Und genau für diesen Tag habe ich gelebt, er hat mich am Leben erhalten.

    Meinen Frieden habe ich gefunden, als ich mal die Kindheit meiner Eltern genau angesehen habe, und die meiner Großmutter, denn da haben sich wirklich Tragödien abgespielt. Wenn ich daran denke, dann ging es mir um Welten besser. Meine Eltern haben im Prinzip ihr bestes gegeben, mehr war ihnen nicht möglich. Das honoriere ich. Sie hatten ein hartes Leben.

    Und ja, ich kann Dir ganz genau erklären, welche meiner Verhaltensmuster auf welchen Umstand im Elternhaus zurückzuführen ist bzw. welches elterliche Trauma sich heute noch auf mich auswirkt.

    Und wer glaubt, man wäre mit seinen Erzeugern nicht verbunden, wenn man woanders aufwächst, dem sei gesagt, dass die Forschung nachgewiesen hat, dass traumatische Erlebnisse vererbbar sind und sich bemerkbar machen, selbst wenn man seine Eltern gar nicht kennt.

    Meine entsetzlichen Verlustängste kann ich mir sehr wohl erklären. Meine Großmutter, deren Eltern vor über 100 Jahren starben und bei einer strengen Tante aufwachsen musste. Meine Mutter, die von ihr rausgeschmissen wurde, als sie 18 und schwanger war. Die nicht wusste wohin und dann froh war, als sie geheiratet wurde. Mein Vater, der nie Liebe zeigen konnte. Weil er sie als Waisenkind nie wirklich bekommen hat. Aber Schläge gab es genug für ihn.

    Nun habe ich meinen Frieden geschlossen. Auch mit meinen "Störungen". Ich kämpfe nicht mehr dagegen. Vielleicht ist das der erste Schritt. Wir leben miteinander und ich gebe mein Bestes. Und ja, es gelingt mir immer öfter, sie zu durchbrechen. Erst mit 49 Jahren ist es mir gelungen, mein ungutes Beuteschema in Bezug auf Männer hinter mir zu lassen und habe einen Mann geangelt, der so unglaublich perfekt ist.

    Jetzt bin ich gerade dabei, zu lernen, Vertrauen zu entwickeln und das Gute annehmen zu können. Für meine Verhältnisse mache ich das schon ganz gut. Und ich werde immer besser. Es ist sehr wohl möglich über seine Störungen hinauszuwachsen, aber das ist ein Prozess. Es gibt nirgends einen Knopf, mit dem man sie einfach ausknipsen kann. Viel Glück liebe Amelie
     
    • # 15
    • 07.02.2018
    • kcLydia
    Liebe Amelie,
    ich stimme dir zu, dass die Kindheit wie auch das weitere Leben das jetzige Leben beeinflussen.
    Konkret sehe ich bei dir aber keinen Zusammenhang zwischen Kindheit mit Ursprungsfamilie und jetzigen zwischenmenschlichen Beziehungen.
    Was die freundschaftliche Komponente betrifft: eine gewisse quantitative Oberflächlichkeit erlebt jeder. Manche begnügen sich damit. Manche (wie du) leiden darunter.
    Wenn du ich allerdings selbst als Scanner bezeichnest, beinhaltet dies eine gewisse Oberflächlichkeit, die dir wahrscheinlich nicht bewusst ist. Viele Infos in kurzer Zeit aufnehmen zu können, IST gehobene, man kann sagen, Elite- Oberflächlichkeit. Du kannst diese Eigenschaft der schnellen Infoverarbeitung positiv nutzen oder darunter leiden, es liegt an dir!

    Was deine negativen Partnerschaftserlebnisse, ich wage von der Mehrzahl zu sprechen, betrifft, es ist leider normal. Frauen sind bzgl. Partnerschaftsumsetzungen das überlegene Geschlecht.
     
    • # 16
    • 07.02.2018
    • carpe
    Die Erfahrungen in der Kindheit beeinflussen ganz bestimmt das spätere Verhalten in Beziehungen.
    Da meine Bezugspersonenen als Kind wechselten und ich nicht bei meinen Eltern aufgewachsen bin, hatte ich später in meinen Beziehungen Probleme, Nähe zuzulassen.
    Zum Glück zog ich nie Männer an, die mich abwerteten und respektlos behandelten. Vielmehr hatten meine Beziehungspartner selbst eine schöne Kindheit, nichtgetrennte Eltern, wuchsen behütet auf und hatten auch beruflich einen perfekten Lebenslauf.
    Vielleicht habe ich versucht, mir so einen nachträglichen Familienersatz zu schaffen. Aber leider reizten mich diese Männer nicht lange. Sie waren dadurch, dass sie sich nie durchbeißen mussten, weich, rückgratlos, passiv, in meinen Augen langweilig. Oft zu abhängig von der Meinung ihrer Eltern, besonders der Mutter.

    Mit meinem jetzigen Partner habe ich zum ersten Mal jemanden kennen gelernt, der auch eine sehr schwierige Kindheit hatte, seine Eltern früh verloren hat und sich alles selbst erkämpft hat. Man merkt es seinem Charakter heute an. Für ihn ist nicht alles selbstverständlich, er kann sich durchsetzen. Seine Biografie ist sehr interessant, er hat einfach unheimlich viel erlebt. Das macht ihn für mich sehr interessant und es passt gut zu meiner Geschichte.
    Er musste genau wie ich sehr an sich arbeiten, um Nähe zuzulassen und eine gesunde Beziehung zu führen. Das ist leider der Nachteil an Menschen wie uns. Zum Glück haben wir uns spät kennengelernt, da waren wir reif genug für eine gute Beziehung.

    Dass Freundschaften insgesamt heute nicht sehr stabil sind, musste ich auch feststellen. Aber das liegt auch an mir. Ich bin gerne alleine, melde mich bei Freundinnen zu selten, bin oft umgezogen. Es ist sicher leichter, eine Freundschaft zu pflegen, wenn man immer im selben Dorf wohnt und ein geselliger Mensch ist.

    Menschen, die immer nur von sich erzählen, langweilen mich schnell. Ich würde die schnell aussortieren, so dass es erst gar nicht zu emotionalen Missbrauch kommt.
     
    • # 17
    • 07.02.2018
    • Toxicgirl90
    Genau wie du hatte ich auch eine traurige Kindheit. Bei uns wurden keine Gefühle zugelassen, weder meine Mutter noch mein Vater zeigte uns Kindern das wir geliebt wurden. Durch diesen Schaden war ich lange Zeit nicht beziehungsfähig. Ich lese heute noch ab und zu meine Tagebucheinträge, die ich mit 12 geschrieben habe. So viel Traurigkeit und Ablehnung musste meine Kinderseele aushalten. .
    Ich war lange Zeit in psychologischer Behandlung, jedoch konnte außer mir selbst, kein anderer helfen.

    Heute kann ich von mir behaupten, sehr wohl Gefühle meinen Partner gegenüber zu zeigen, jedoch brauche ich sehr lange um Vertrauen aufzubauen. Wie ich es trotzdem geschafft habe eine liebevolle Beziehung zu führen? Ich musste erst den richtigen Partner finden, der mir zeigte das ich geliebt werde, genau so wie ich bin. Der die Verlustängste vernichtet und zeigt das Liebe schön ist. Mein Exfreund war in der Hinsicht meine Rettung (wofür ich ihn noch heute dankbar bin) und der Startschuss in ein besseres Leben mit mehr Liebe. Aber es ist immer wieder ein Kampf nicht in alte Muster zurück zu fallen
     
    • # 18
    • 07.02.2018
    • Powerzone
    Definitiv wird in der Kindheit das Fundament gelegt, für spätere Beziehungen/Beziehungsfähigkeit.Allerdings bringt das Kind schon auch Charakter und Gene mit.Der spätere Bindungsstil wird in der Kindheit erworben und geübt.
    Der Stil, den man gelernt hat, den hält man erstmal für "normal". Wenn das jemand mit unsicherem Bindungsstil ist ( ich z.b.)
    Weiss man erstmal gar nicht ,wieso es mit
    Beziehungen nicht langfristig klappt.
    Gute langfristige Beziehungen haben aber vornehmlich Menschen mit sicherem Bindungsstil....eng am Bindungsstil dran
    Ist das frühe Urvertrauen. Ein ernsthafter Mangel daran später nicht nachholbar.Dabei müssen es nicht Eltern sondern enge Bezugspersonen sein, die
    Emotionale Geborgenheit/Sicherheit/
    Akzeptiertwerden geben in der frühen Kindheit. Sind die og. Faktoren nicht gegeben ,ist es eine schwere Hypothek für
    Gedeihliche Beziehungen.Je früher man diese seelische Behinderung an sich selbst kennt und
    Akzeptiert, um so eher kann was Positives draus entstehn.Leugnung/Bagatellisierung des Leids führt zu Verzweiflung und endlosem
    "Warum bin ich nicht ok., finde meinen Platz in der Welt nicht....etc. , andern nicht vertrauen können....
    W
     
  2. Wow.

    Es ist so schön, all diese Geschichten zu lesen. Meine ist ähnlich.
    Es tut gut, zu lesen, dass viele hier mit ähnlichen Problemen gekämpft haben.

    Die Susan Forward-Bücher kann ich auch empfehlen. Sie schärfen den Blick für diesen gewissen, schädlichen Männertypus. Bzw. man lernt die eigene, innere Stimme wahrzunehmen und ihr zu trauen.
    Es ist wie Training.

    Bei mir tut sich was. Diese eiskalten, narzißtischen Alpha-Typen auf die ich früher abgefahren bin, die haben ihren Reiz verloren. Das heißt, es bewegt sich was. Auch wenn ich noch Single bin - mein Fokus hat sich verändert. Auf einmal sind Dinge attraktiv, wie Fürsorglichkeit, warme Augen, Empathie.

    :D

    Es wird!

    Ja, Kindheit beeinflusst unsere Bindungsmuster, und man kann sie verändern.
     
    • # 20
    • 08.02.2018
    • Rabentochter
    Ja genau. Es dauert etwas, es geht nicht auf Knopfdruck, die guten Buchtipps hier also nicht als Knöpfe missverstehen. Sie helfen beim Aufwachen, aber die Veränderung ist dann ein langsamer Entwicklungsprozess.

    Ich wünschte, ich hätte in deinem Alter diese Frage nicht nur gestellt, sondern auch Hilfe bei der Beantwortung gesucht und dann schon mit der Veränderung beginnen können, hab ich aber nicht,bzw erst mit Mitte vierzig, dem klassischen Midlife-crisis-Alter. So lange musst du ja nicht warten und leiden.

    Ich habe mich also, wie viele hier im Forum, professionell begleiten lassen - und ich würde dir auch raten, dir die Möglichkeit zumindest mal anzusehen. Wenn du die Auswirkungen deiner Kindheitserlebnisse auf dein jetziges Verhalten verstehen, aufarbeiten und produktiv neu ausrichten möchtest, so dass du gesündere Beziehungen führst, eignen sich insbesondere tiefenpsychologische Verfahren.

    Die haben den Vorteil, dass sie auch von der Krankenkasse bezahlt werden.

    Zwei Verfahren werden übernommen: Verhaltenstherapie und tiefenpsychologische Verfahren. Ob das bei dir übernommen werden kann und in welchem Umfang, kannst du in einem Erstgespräch mit einer (kassenärztlich zugelassenen) Therapeutin klären.

    Wenn du dir unsicher bist, wo zuerst gucken: in jeder größeren Stadt gibt es ein Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie (das wäre die tiefenpsychologische Richtung), die kompetente Beratung auch in deiner Region vermitteln.
     
    • # 21
    • 08.02.2018
    • Nice
    Nach dem was ich gelesen habe, gibt es zwei Konzepte und beide sind gleichwertig:
    1. Alles aufarbeiten, mit Psychotherapie nach Freud etc.
    2. Gras über die Sache wachsen lassen und nicht mehr unnötig in der Vergangenheit herumwühlen.

    Ich bin für zweitens. Allerdings unterscheide ich auch zwischen oberflächlichen Freundschaften und tieferen Freundschaften. Und jemand, der mir erklären möchte, ein kleiner Klaps habe noch niemandem geschadet, ist dann definitiv "raus".

    Was mir nicht klar war und was ich echt nicht gedacht hätte, nachdem ich dachte, ich hätte in meiner Kindheit das schlimmste schon erlebt, es kann noch schlimmer kommen in einer Ehe mit Kind.
     
    • # 22
    • 09.02.2018
    • Rabentochter
    Huch? Wie meinst du das? Magst du mehr erzählen? Willst du damit sagen, dass dich die schlimmen Kindheitserlebnisse in der Ehe dann doch eingeholt haben? Das wäre ja dann aber ein Indiz, dass das hier nicht funktioniert hat, oder?
    Werde aus deinem Beitrag nicht ganz schlau!
     
    • # 23
    • 09.02.2018
    • annie83
    Liebe FS
    Einen ausgezeichneten Thread hast du hier gestartet und ich danke meinen Vorposterinnen für ihre offenen Berichte, aus denen ich für mich auch etwas mitnehmen kann.
    Ich bin auch geprägt von meinen Eltern. Aber mir hilft es, immer wieder bewusst die Verantwortung für mein Leben zu übernehmen. Inventur zu machen, was läuft gut, was nicht, was könnte ich wie verbessern etc.
    Wenn man immer dieselben Leute anzieht, verhält man sich immer wieder einladend ihnen gegenüber. Oder weist sie nicht in die Schranken. Also ist der nächste Schritt: Nein (oder nein danke) sagen lernen, innerlich und äußerlich. Es ist auch nicht immer vollkommener Kontaktabbruch nötig, es reicht schon, dort abzusagen wo es keinen Spass macht, oder mal zu widersprechen statt höflich zu nicken. Das macht einen auch als Mensch spürbarer und interessanter.
     
    • # 24
    • 11.02.2018
    • Nice
    Es ist etwas anderes, was man als Kind erlebt hat, wo man frei ist von Verantwortung und einfach versucht durch zu kommen und dem was man als Erwachsener erlebt, wenn man Verantwortung für ein Kind hat und sich von der Frau trennt.
    Die Rollen sind völlig verschieden und man ist als Mensch ein anderer. Die Lebenslagen sind nicht vergleichbar.
     
    • # 25
    • 11.02.2018
    • Lionne69
    Funktioniert nur bedingt.

    Ich habe über Jahrzehnte verdrängt, manches war mir nicht bewusst.
    Ich habe mein Leben gestaltet, mir eine sehr stabile Fassade aufgebaut.
    Wollte alles richtig und gut machen. Schule, Ausbildung, Studium, Beruf, Ehe, Haushalt, Kinder, eigenes Haus. Leistung und Perfektion.
    Es geht sehr viel in einen 24h Tag, und wenn der Schlaf immer weniger wird, noch mehr.

    Bis zu dem Tag, wo ich das, was da auf dem Bildschirm stand, nicht mehr lesen konnte, Wege, die ich fuhr / ging nicht mehr erkannte, die Beine nur noch mit Willen oder gar nicht mehr trugen, nicht nur bei Stress, sondern gerade auch bei Dingen, die ich gerne mache, ich lernte, was Panikattacken, aus dem Nichts heraus, sind, und was Dissoziative Zustände bedeuten.
    Gute 2 Jahre kein Zeichenprogramm möglich, und auch meine wichtigsten Hobbys - Lesen, Berge gehen, Kochen / Gäste bewirten. Vieles andere noch, aber das holte ich mir schneller wieder.

    Ab dem Moment ist es vorbei mit Verdrängung.
    Und leider die Feststellung, dass egal wieviel Aufarbeitung, Abschließen, Ressourcen erfolgt, die volle Belastbarkeit nicht mehr herstellbar ist. Egal, wieviel Wille dahinter steht. Dieser Schaden ist irreparabel.
    Sobald die (Belastungs)Grenzen überschritten werden, gibt es die psychosomatischen Warnzeichen. Erst leise, die ggf. aber richtig laut werden. Und so bleibt ein Immer wieder Nagen an den Grenzen, ein Ausdehnen, ein sehr achtsames Gestalten des Alltags und des Lebens und oft genug das Aushalten der Konsequenzen, wenn es doch mal wieder etwas mehr war, als man hätte sollen.

    Ätzend, wenn man an sich ein aktiver Mensch ist.
    Und trotzdem gut, weil wohl ohne diese Seite sonst die eigenen Grenzen noch viel, viel enger geworden wären und immer enger würden.
    Ich kann, im kleinen Rahmen wieder arbeiten, meinen Alltag leben, bin wieder oben auf dem Berg, und bin jedes mal unendlich dankbar - die ersten Male habe ich geheult. Nur müssen geht gar nicht.
    Und es bleibt eben ein sehr feines Gefühl dafür, was ist machbar, was in diesem Moment grenzwertig, was zuviel.

    Allerdings, dass die Fassade zusammen gebrochen ist, war gut. Ich weiß heute, wer ich bin, schätze und mag mich, wie ich bin und bin innerlich viel freier, habe ganz andere Lebensqualitäten entdeckt, und ich genieße viel bewusster.
    Und ich ziehe - Thema Partnersuche - ganz andere Männer an als früher.
    Gehe nicht nur mit mir anders um, sondern auch mit anderen Menschen.

    Ich hätte mir nur gewünscht, ich hätte die Schubladen nicht so fest zugemacht, und früher ausgeräumt - die Warnzeichen wären früh genug da gewesen.

    Dafür aber mein entdecktes Lieblingsmotto - das Leben ist bunt, vielseitig und wunderbar.
     
    • # 26
    • 11.02.2018
    • Rabentochter
    Ja, na ja, das ist ja eigentlich klar, weshalb ich mich wundere, dass du die Verbindung herstellst, denn du schreibst doch:
    Meinst du für dein Kind oder dich selbst?
     
    • # 27
    • 11.02.2018
    • QFrederick
    Aus meiner Sicht eine sehr naive Sichtweise und die mir zeigt, dass Du noch einen sehr weiten Weg vor Dir hast sofern Du überhaupt ankommen möchtest. Du scheinst da einiges missverstanden zu haben: Selbstverständlich sind die Situationen in ihren Gegebenheiten nicht vergleichbar. Die Frage ist aber, wie es heute aussähe, wenn es damals anders, gut, gewesen wäre.

    Die Kindheit ist das Fundament, die Prägung der Persönlichkeit und die Startbedingung für das eigene Leben.

    Meine Mutter hat mir ihre eigene unermessliche Unfähigkeit und Hilflosigkeit ihre eigenen traumatischen (Kindheits)Erlebnisse nicht aufarbeiten zu können mit auf meinen Weg gegeben, mich mit ihrem Gemocht-werden und Nicht-wahrhaben-wollen missbraucht und nicht geschafft mich unbeschwert in mein eigenes Leben zu entlassen. Ein riesiger Rucksack, der mir erst jetzt, nach herben eigenen Verlusten, bewusst geworden ist und es mir nun möglich macht daran zu arbeiten, Ballast abzuwerfen und Muster zu durchbrechen.

    Da möchte ich Dir nur sehr hoch- und dichtwüchsiges Gras wünschen, damit Du nicht irgendwann sehen und bereuen musst, Dich und Dein Leben übersehen zu haben.

    Ich für mich habe festgestellt, dass man manchmal sehr tief fallen und derb aufschlagen muss, um die Chance zu haben, abzuschließen und neu anfangen zu können. Inwieweit ich es vermag zu Ende zu bringen, vermag ich (noch) nicht ab- und einschätzen zu können. Ich bin sehr froh und mittlerweile auch glücklich diese Chance bekommen und neverever die Augen verschlossen zu haben, auch nicht hinter irgendwelchen Gräsern.
     
    • # 28
    • 11.02.2018
    • Ejscheff
    Die/der eine oder andere ist es noch mit 50. Fehlende Reife kann sich unterschiedlich ausdrücken. In einem missionarischen und besserwisserischen Verhalten oder in Beziehungsunfähigkeit.

    Das Alter macht wahrlich nicht klüger.

    Genauso wenig sind die Folgen der Kindheit nicht immer eine unveränderliche Prägung. In den Fällen wo das wirklich zutrifft, ist das Ergebnis dann tatsächlich eine psychische Störung. Selbst in diesen Fall haben solche Menschen keinen absoluten Kontrollverlust.

    Aber sich gehen lassen, andere verantwortlich machen oder auf wirres Brauchgrummeln hören ist halt bequemer als den Problemen zu arbeiten.
     
    • # 29
    • 12.02.2018
    • Pfauenauge
    Das sehe ich eher nicht so. Wer als Kind in einer "gefährlichen" Umgebung lebte und ständig seine Umgebung einschätzen musste, hat gelernt, kleinste Signale aufzufangen um sich selber aus der Schusslinie zu nehmen beispielsweise. Auch habe ich heute eine interessantes Video gesehen, wonach traumatisierte Meneschen dazu neigen, vorschnell Bindungen zu anderen aufzubauen, ohne zu prüfen ob diese überhaupt zu Ihnen passen.
    Möglich, dass es genetisch bedingt ist. Vielleicht gibt es auch Rollenvorbilder in der Familie, an denen sich die Kinder unbewusst orientieren. Vielleicht bekommt der kleine Bruder von der Mutter immer einen anerkennden Blick für sein Machoverhalten oder vom Vater Bestätigung und die Schwester ebenso für ihr Verhalten. Hier geht es weniger um das äussere Verhalten der Eltern, sondern um das Mikroverhalten, ein Tonfall in der Stimme, ein Blick, eine Gestik. Das läuft alles unbewusst ab, auch wenn die Eltern aufgeklärte Zeitgenossen sind. Zu 80% ist die Körpersprache/Stimme entscheidend, und weniger was gesagt wird.
     

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