1. Warum verhält sich Freund mit Behinderung so unmöglich?

    Guten Tag, meine Lieben

    Vor ca. 18 habe ich (45) einen netten Mann mit einer mittelgradigen körperlichen Behinderung kennengelernt. (Er sitzt nicht im Rollstuhl, ist aber beeinträchtigt.) Für mich war die Behinderung nicht der Grund, keine Beziehung einzugehen, aber sein Umgang mit dieser. Es war damals ein grosse Thema für ihn, dass er keine Frau abbekommen hat mit damals Anfang 30 und ich habe dieses unwiderstehliche "Ich-lasse-mir-doch-nicht-mein-Leben-vermiesen-Selbstbewusstsein" vermisst, das gewisse Leute mit Beeinträchtigungen haben (können). Ausserdem haben ihm wohl seine Mutter und seine Schwester immer eingeredet, er würde nie eine abkriegen. Nicht grad förderlich.

    Wir haben dann eine Freundschaft begonnen, die mal sehr innig war, dann wieder einige Jahre unterbrochen. Vor einigen Monaten haben wir den Kontakt wieder aufgenommen und er hat angefangen per Mail ziemlich zu flirten, ich bin darauf eingegangen.

    Von einem Tag auf den anderen hat er, für mich auf eine ziemlich verletzende Art, die Reissleine gezogen. Wir haben uns ziemlich gezofft per Mail, Funkstille, dann erneutes Annähern.

    Tja, was soll ich sagen? Plötzlich, nach 18 Jahren, fand ich ihn attraktiv, das "Verhängnis" nahm seinen Lauf. Er hat wieder Mail über Mail geschrieben, wie toll er mich fände und so weiter. Dann habe ich was gesagt, was für mich ein "Scherz mit Totalschaden" ist, für den ich mich auch entschuldigt habe.

    Er hat sich daraufhin zurückgezogen (erst unmerklich), dann behauptet, ich würde ihm die Luft zu Atmen nehmen, von mir verlangt, dass ich mich von einem Tag auf den anderen nicht mehr melde. (Was für mich ohne klärendes Gespräch schwierig ist.)

    Mittlerweile reden wir wieder miteinander. ich tue mich im Moment extrem schwer. Erstens verstehe ich sein Verhalten nicht. Wieso baggert er dermassen, wenn es ihm dann so bald wieder auf die Neven geht? Zweitens möchte ich die Freundschaft nicht aufgeben. Wäre er schüchtern, hätte er Angst vor seinen Gefühlen, könnte ich über sein Verhalten hinwegsehen. Aber ich möchte weder eine Freundschaft noch eine lockere Bekanntschaft, mit jemandem, der einfach sein Spiel mit mir spielt.

    Kann mir jemand helfen im Sinne, dass ich das Ganze verstehen kann? Er ist ein eher zurückgezogener, schüchterner Typ, dem ich es nicht zutraue, knallhart mit mir zu spielen.

    Vandana
     
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  3. Hi Vandana,
    bitte informiere uns noch, was genau Du gesagt hast. Ein "Scherz mit Totalschaden" ist eine immens wichtige Information, die wir benötigen, um hier schreiben zu können.
    Herzliche Grüße, w 36 Jahre
     
  4. Er glaubt nicht, dass ein Behinderter dir gefallen kann und denkt, dass dein Eingehen auf sein Flirten ein Spiel mit ihm ist. Aus Angst von dir abserviert zu werden, serviert er vorsorglich dich ab.

    Solche Nähe-Distanz-Spielchen sind typisch für Beziehungsgestörte. Er ist kein klassischer Beziehungsgestörter aber hat mit Sicherheit ein riesiges Selbstwertproblem.

    Werd dir klar ob du ihn tatsächlich willst und als was? Partner oder Kumpel! Wenn du dir sicher bist, sagst du ihm, dass er das oder das von dir bekommen kann, wenn er mit seinem Gezicke aufhört. Wenn er weiter zickt, würde ich ihn ignorieren.
     
  5. Er ist also nicht schüchtern.

    Und hier ist er doch schüchtern. Was denn jetzt? Deine paradoxe Beschreibung impliziert, dass du ihn eigentlich gar nicht kennst, sodass hier wohl niemand mit solchen vermuteten Aussagen über ihn etwas gescheites dazu sagen kann.

    Grunsätzlich kann ich zu solchen einem Verhalten im allgemeinen Sinne sagen, dass du ihn eventuell mit deinem Witz verletzt hast (An dieser Stelle wäre es gut zu wissen, was für einen Witz du da gemacht hast) oder ihn aufgrund deiner Art irgendwie genervt hast. Er sagt doch selber: „du nimmst mir die Luft zum Atmen weg“. Das sagt doch alles. Irgendwie hast du ihn im Laufe des Gesprächs verärgert.
     
  6. Liebe Vandana. Zunächst eine Bitte: ist er behindert? Oder krank (MS??). Ist er es schon immer? Nunja, das Leben ist grausam und so hat er wohl immer wieder Enttäuschungen einstecken müssen.

    Und nun verhält er sich wie ein Bindungsgestörter: macht lieber selbst Schluss, als dass er wieder eine Ablehnung oder ein Schlussmachen Deinerseits erträgt. Macht Dich schlecht, denn jeder, der ihn mag, mit dem kann was nicht stimmen. Oder er stänkert so lange rum, bis Du Schluss machst. On-Off. Getragen von mangelndem Selbstbewusstsein und einer wirklich schlechten Prägung. Schliesslich hat man ihm ja auch eingeredet, er bekäme keine mehr ab. Und siehe da: es stimmt. Oder wird stimmig gemacht.

    Permanente Ablehnung und Benachteiligung können massive Störungen in der Bindungsfähigkeit hervorrufen. Und genauso benimmt er sich. Ihm will ich zugute halten, dass er wohl viel durchgemacht haben muss.

    Dir muss ich ans Herz legen, dass Du ihn nicht wirst retten können. Nimm lieber Deine Beine in die Hand und laufe. Hier wirst Du kein Land gewinnen.
     
  7. Er hat Probleme mit seinem Ego. So schön, so gut. Es ist aber nicht Deine Aufgabe, ihm damit zu helfen. Entweder er kommt klar oder nicht. Mach Dich nicht klein, damit er klarkommt. Das wäre ein gravierender Fehler.
     
  8. Hallo Vandana,

    ohne seine Behinderung zu kennen, ohne deren Geschichte, ohne deinen blöden Witz zu kennen und die Inhalte eurer mails - wie sollen wir fundiert einen kompetenten Tip geben?
    Ich empfehle, was ich in solchen Fällen immer empfehle. Telefonieren. Noch besser - persönlich zusammensitzen und reden.
    Zwischenmenschliches ist so viel besser zu klären, trotz noch so teurer Technik. Ganz einfach - du (und er) kannst nicht stundenlang über einem Satz brüten, interpretieren ... und dann eine Antwort schicken. Sondern musst sofort reagieren. Siehst die Körpersprache dazu. Die Mimik und Gestik. Kannst am Tonfall die Stimmung erkennen.
    Ist der Mann dir wichtig, dann beraube dich und ihn nicht dieser Möglichkeit.
     
  9. Naja, ich denke, dass du für dich erstmal klarmachen solltest, was du eigentlich von ihm willst. Willst du jetzt eine Beziehung mit ihm, oder willst du mit ihm befreundet sein? Je nachdem, wie deine Antwort darauf ausfällt, würde ich ihm das genau so in deutlichen Worten kommunizieren. In beiden Fällen würde ich aber auch deutlich machen, dass beides im Falle weiterer Zickerei nicht mehr möglich ist, da er damit jegliches Vertrauensverhältnis bzw. positive Gefühle zwischen euch zerstört und auf dieser Grundlage kann weder das eine, noch das andere gedeihen. Nach 18 Jahren kann man sich sowas schon mal sagen.

    Der Scherz sei mal dahingestellt, vor allem, wenn du dich schon dafür entschuldigt hast. Menschen machen Fehler, und er beweist nur eins, wenn er deswegen noch weiter rumdickscht: Dass er nachtragend ist. Das würde ich ziemlich unsexy finden.

    Alles in Allem wirkt euer Verhältnis aber ziemlich anstrengend und aufreibend. Ich verstehe nicht, wieso du das spannend findest. Du musst dir eins klarmachen: wenn ein Mensch, egal ob behindert oder nicht, so viele Probleme mit seinem Selbstwert hat, dass er andere wegstößt, dann solltest du nicht diejenige sein, die im hinterherrennt und irgendwas erzwingen will. Das bringt dich unfreiwillig in die Therapeutinnenrolle, und das bist du nicht.
     
  10. Er baggert, weil er dich noch immer mag und du vielleicht auch die einzige Frau bist, mit der er mehr erleben kann. Andererseits hast du vermutlich selber eine derart schroffe Art an dir, die einfach stört und beleidigend ist, woman man(n) nicht umgehen kann.
    Du hast ihn beleidigt. Wenn mich jemand einmal beleidigt, bin ich auch weg. Weil so ein Muster wiederholt sich und tut einem nicht gut. Entschuldigungen helfen einem hypersensiblen Mann da nicht weiter. Das ist einfach zu viel Stress, als dass es wert ist, mit dir zusammenzusein. Er wollte halt nur mal abchecken, wie sich die Lage mit dir gebessert hat und ob seine Illusion von dir der Realität entspricht. Sein Traumschloss ist wiedermal geplatzt. Als hypersensibler Mann mit Behinderung diesem Stress aus der Familie wird er eine geringe Fruchttoleranz haben. Zudem hast du ihn damals abgelehnt. Normal sind das Schäden, die bei Männer alle nicht mehr gut zu machen sind.

    Entweder lernst du zu "schlucken" oder ich sehe da keine Hoffnungen. Man muss nicht alles ausdiskutieren, um Streit zu provozieren. Solche Menschen können sehr nervig werden. Lasse ihn doch einfach mal machen und nimm es wortlos hin. Warum trefft ihr euch nicht normal und macht was Schönes zusammen? Man muss nicht immer alles totreden.
     
  11. Hallo

    So viele Antworten. Vielen Dank.

    Also zur Beleidigung: er hat mich auch zutiefst beleidigt, sich entschuldigt und nun ist wieder gut.

    Und nun zum "Scherz mit Totalschaden" : wir haben uns verliebt, schnell, heftig, ich bin am Anfang aber damit nicht klargekommen, war von meine Gefühlen völlig überrumpelt. Ausserdem war ich nicht sicher, ob ich eine Beziehung will. Er ist trotz Studium finanziell nicht gut gestellt und ich müsste ihm vieles bezahlen, was für mich selbstverständlich ist (mal ins Kino, Theater, Urlaub). Wäre machbar, im Moment (!) verdiene ich ordentlich. Aber es ist sicher verständlich, dass man da erst überlegt.

    Dann haben mich meine Gefühle halt übermannt und ich habe ihn geküsst. Er hat mich gefragt, wieso ich ihn denn küssen würde, wenn ich weiterhin nur Freundschaft wolle. Wir hatten schon ein paar Gläser Wein intus und ich habe gesagt, der Kuss sei ein Versehen gewesen, allerdings im sehr scherzhaften Ton.
    Zum Vorwurf, ich würde die Luft zum Atmen nehmen: er hat von sich aus immer viele Mails geschickt, wie sehr er mich lieb hätte (O-Ton), wie wunderbar ich sei etc.
    So viele Mails, dass es mir zu viel wurde. Ich habe deutlich weniger zurück geschrieben, jedes Mail beantwortet, aber sachlicher als er und kürzer. (Mag es nicht, Gefühle über Mail zu verbreiten.)

    Und dann kam der Vorwurf, ich nähme ihm die Luft zum Atmen, dabei kam die Initiative von ihm aus. Das finde ich unfair.

    Übrigens sind wir beide 45.
     
    Moderationsanmerkung: Beitrag wurde durch einen Moderator editiert
  12. Ich denke, dass der Mann nur seine Behinderung benützt, um knallhart mit dir zu spielen.
    Durch die Behinderung denkt er, dass er einen Art von Welpenschutz hat. Dies habe ich schon öfters gesehen, dass sich Menschen mit einer Behinderung mehr erlauben und damit durchkommen.
    Ohne die Behinderung hätte man diese Menschen viel mehr angegriffen, aber durch die Behinderung lässt man es durchgehen.
     
  13. Ich habe auch einmal eine ähnlich verstörende Erfahrung gemacht. Der Mann war zwar nicht behindert, jedoch körperlich beeinträchtigt; sein Krankheitsbild stellte auch eine ernstzunehmende Krankheit dar. Er war sehr selbstzentriert und mal überschwänglich vor Gefühlen und idealisierte mich total (was mich unter Druck setzte), dann hochtiefbetrübt. Er drängelte auch auf Sex, mit dem Hinweis er wisse ja nie wie lange er noch lebe. Es wurde mir dann auch zu viel; ich habe mich nie auf ihn eingelassen weil ich das Gefühl hatte, die Krankheit wäre die Ausrede für alles. Insbesondere das Instrumentalisieren geht einem ziemlich schnell auf den Keks. Deine Geschichte erinnert mich daran.
     

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