1. Ist es in Ordnung, dass ich mir Besuch wünsche?

    Vor 15 Jahren bin ich aus verschiedensten Gründen ca. 600km von meiner Heimat weggezogen. Zur Familie, die dort lebt und ein paar Freunden, zu denen ich Kontakt gehalten habe, besteht ein gutes Verhältnis. Trotzdem kann ich quasi abzählen, wie oft diese Leute mich in den vergangenen Jahren besucht haben. Sie argumentieren, dass es so weit zu fahren sei, ich ja mehr davon hätte, zu ihnen zu kommen usw.
    Im Abstand von ca. vier Wochen bis höchstens drei Monaten fahre ich dorthin. Allerdings lebe ich dann aus dem Koffer(raum), fahre von Hinz nach Kunz, um alle zu besuchen und bin eigentlich ununterbrochen am Organisieren, zu wem ich als nächstes fahre, wo ich übernachte usw., was auch nicht nur erholsam ist. An einem normalen Wochenende ist das kaum möglich und so kurz fahre ich nur zu Anlässen wie Geburtstagen, Hochzeiten usw., insgesamt schätze ich so 8 Mal pro Jahr.
    Ich kenne dort eher verstreut Leute, so dass ein Treffen gleichzeitig nicht möglich ist. Für diese Heimatbesuche gehen gut 2/3 meiner Urlaubstage jedes Jahr drauf. Ich will damit nicht sagen, dass ich nicht gern dort bin, aber auch wenn ich ungebunden bin, wünsche ich mir, dass sie auch mal zu mir kommen, und ich meine jetzt nicht die, die Kinder haben oder am Wochenende arbeiten. Andere Freunde, die weit weg wohnen, besuchen mich auch. Durch die ständigen Heimatbesuche, weil ich meine Eltern sonst auch monatelang nicht sehe, bleibt dann weniger Zeit, um andere Freunde in tollen Städten zu besuchen oder auch einfach mal Dinge zu Hause zu erledigen.

    Die Option, wieder dort hinzuziehen, besteht nicht, ich mag meine Wahlheimat, habe einen tollen Job und wäre in der doch ländlichen Heimat als Dauersingle ein totaler Exot, das merke ich schon bei den Besuchen.

    Findet ihr es in Ordnung, dass ich mir von meinen Freunden und Familie in der Heimat wünsche, öfter zu mir zu kommen oder bin ich selbst Schuld, da ich ja so weit weggezogen bin?
     
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  3. Liebe Pflanze ,

    Natürlich kannst Du es Dir wünschen, und Du kannst es auch äußern.

    Meine Erfahrung war leider die, in dem Augenblick, wo ich nicht mehr hinfuhr, schliefen die Kontakte ein.
    Und ich hatte nachvollziehbare Gründe, warum ich nicht ganz so mobil sein konnte, ich hätte mich aber über Besuch sehr gefreut.

    Enge Familie mag anders sein, aber die habe ich nicht.

    Du wirst für Dich die Balance finden müssen, wie es für Dich passt.
    Aber Du solltest auch parallel die Zeit nutzen, neue Kontakte aufzubauen.
     
  4. Ob es in Ordnung ist? Ja natürlich ist es in Ordnung, es ist doch dein Bedürfnis! Allerdings musst du auch Verständnis für das Bedürfnis anderer haben, dass diese Menschen eben keine lange Strecken fahren wollen.

    Ich sehe hier ein typisches beklemmendes Problem: Du kannst dir selber kein OK/keine Frehiet genehmigen, und genehmigst die Freiheit auch anderen nicht, für sich selbst zu entscheiden, was sie wollen oder nicht wollen. Sie müssen nichts, so wie du auch nichts musst!

    Du ziehst weg, dir ist es zu anstrengend alle 3 Monate mal den Koffer zu packen, aber andere sollen deinen Bedürfnissen nachkommen. Das nennt man Tyrannerei und Egoismus. Wenn dir die Familie so wichtig ist, dann gehe du bitte dort hin!

    Gleichzeitig ist das Problem von tyrannischen Leuten, dass sie sich nicht ablösen können, um andere Freunde in ihrer Heimat zu finden, denn das könntest du als sinnvolle Alternative tun. Ich verstehe dein Gejammere nicht, ich wäre mir zu fein, meine Familie zu dirigieren, zu mir zu fahren - insbesondere wenn sie nicht wollen.


    Die ländliche Heimat hat dich als Dauersingle wohl eher abhängig von deinem alten Kreis gemacht. Wenn ich weg ziehe, wäre ich doch froh, mal neue Menschen treffen zu können. Vielleicht ist das große weite Leben doch nichts für dich?
     
  5. Ich weiß wie anstrengend das ist.

    Du bist schon gut davor: Geben kommt vor nehmen.

    Wenn deine "Freunde" nicht von sich aus zu dir fahren, kannst du es eh schon abhaken. Das gerät aus der Balance und ist ungesund für dich.

    Du kannst also nicht mehr tun, als zuerst geben, und wenn du irgendwann ein blödes Gefühl dabei bekommst (was du wohl schon hast), stellst du es ein. Anders geht es nicht. Es sei denn du willst ewig darunter leiden.
     
  6. Die Ausgangslage war bei mir relativ ähnlich und gerade über die Feiertage letztens habe ich mir ebenso viele Gedanken gemacht.

    Bei mir hat es sich so entwickelt, dass ich in der Wahlheimat sehr seßhaft geworden bin, mein Umfeld liebe, meinen Partner, meine Freunde, meine Hobbies. Alles ist hier. Außer der Verwandschaft verbindet mit nichts mehr mit der alten Heimat.

    Ich finde es sehr löblich, wieviel Zeit du für die Besuche investierst, mir wäre es obendrein zu stressig. 1-2 Mal im Jahr bin ich noch dort. Und das ist für mich auch ok. Ich bin dazu übergegangen klar zu kommunizieren, dass mein Lebensmittelpunkt nunmal jetzt hier ist. Damit fordere ich keine Besuche ein, aber umgekehrt bin ich eben nur noch zu den wirklich großen Anlässen wie Hochzeiten und runden Geburtstagen anwesend, mehr Erwartungen will ich einfach nicht mehr züchten.
     
  7. Tröste dich.. meinem Freund gehts genauso und der ist "nur" 140km weggezogen. Er wohnt seit einem Jahr hier und in dieser Zeit hat sich von seinen Freunden nicht ein einziger herbequemt. In 3 Wochen feiert er hier seinen Geburtstag, von 6 eingeladenen Freunden haben gerade mal 2 zugesagt, der Rest hat "wichtigeres" zu tun.
    Seine Familie war zwei mal hier.
    Er selbst fährt mindestens jeden Monat einmal, oft sogar zweimal nach Hause.
    Im Endeffekt ist das nun für ihn Ansage genug, er konzentriert sich nun hier einen Freundeskreis aufzubauen.
    Er hat eingesehen dass Freundschaft keine Einbahnstraße ist.
     
  8. Du kannst dir alles wünschen und erwarten. Bedauerlicherweise ohne jeden Anspruch. Vorwürfe bringen gar nichts außer Störgefühle und Differenzen. Wenn du das Bedürfnis nach Kontakt und Nähe hast, wirst du deinen Beitrag weiterhin leisten müssen. Willst du das nicht mehr, weil dich die Einseitigkeit belastet, fahre nicht mehr hin und respektiere die Konsequenzen. Übernimm die Verantwortung für dich selber. Nervt dich die Situation, ändere deinen Beitrag. Einen Anspruch auf den Investmentwillen deiner Familie und Freunde hast du nicht.
     
  9. Hi,
    So wie dir geht es vielen. Wie schin andere sagen: wünschen kann man sich vieles.
    Ich bin auch seit 15 Jahren fern der Heimat, auch 600km dazwischen, aber ich fuhr von Anfang an nur 2-3 mal im Jahr, wenn es bei MIR passte. Gegenbesuch kam von meiner Kernfamilie pro Person alle 3-5 Jahre. Früher fand ich das mal doof, aber inzwischen sage ich mir, wir haben trotz allem telefonisch ein herzliches Verhältnis, und wenn ich wirklich Hilfe brauche, dann bekomme ich die unter bestimmten Umständen, soweit möglich. Das ist keine emotionale Sache mehr, sondern ICH wollte wegziehen und auf eigenen Beinen stehen, also muss ICH auch mit dem wenigen Kontakt leben.
    Was ich aber nie machen würde: mich zu Besuchen bei Hinz und Kunz verpflichtet fühlen so wie du.
    Du benötigst mehr Selbstbewusstsein. Was rennst du zu irgendwelchen Freunden, wenn das langfristig kein Geben und Nehmen ist? Das sind keine Freunde.
    Familie ist Familie, da sehe ich das anders, aber auch dort bist du in der Rolle des pflichtschuldigen Kindes gefangen:

    Ich war.auch eine Weile noch im Familienrollenverhalten gefangen, z.b. wenn meine Schwester um etwas bat, sprang ich sofort, das musst du ablegen. Ihr seid jetzt alle gleichwertige Erwachsene!


    Noch ein Zeichen, dass deine Abnabelung nicht abgeschlossen ist. So einen Gedanken habe ich nie ernsthaft in Erwägung gezogen! Mein Leben, meine Entscheidung!
    Wir haben jetzt das Problem, Job und Kinder komplett ihne Großelternunterstützung zu managen, aber wir haben es aktiv so entschieden, also ist innerer Frieden angesagt. Jetzt fahre ich noch seltener nach "Hause" (mein zu Hause ist hier!!!), Und seit der Geburt der Kinder kommen meine Eltern und Geschwister tatsächlich einen Tick häufiger, weil ich ja jetzt auch Hinderungsgründe habe.

    Also, arbeite an deinem Selbstbewusstsein und an deinem familiären Rollenverhalten, that should do it :)

    w35
     
  10. Ich hab ein ähnliches Problem. Es sind bei mir nur 70 km, aber mich besucht kaum jemand .

    Ich fahre so wie es für mich machbar ist und ansonsten telefoniert man eben .

    Ich ziehe aber auf Dauer wieder zurück .

    Würde mir da keinen Stress mehr machen, dann sieht man sich eben weniger . So sind die Leute .
     
  11. Liebe Pflanze23,
    ich habe auch den Eindruck, dass die Abnabelung von zuhause und das Ankommen in der Wahlheimat noch nicht abgeschlossen sind.

    Du hast deinen Herkunftsort verlassen, damit lässt Du auch Deine Familie und Deinen Freundeskreis ein stückweit zurück und gehst alleine in die Welt. Zum Erwachsensein gehört es dazu, dass Du Dich selbst versorgen kannst mit Essen, Schlaf und auch sozialen Kontakten/Freunden.

    Alle 8 bis 12 Wochen 600 km zurück zu fahren, bedeutet einen großen finanziellen und zeitlichen Aufwand für Dich.
    Verzettle Dich nicht und achte genau, wofür Du Deine Zeit und Geld investierst.

    Diesen Aufwand würdest du weniger betreiben, wenn Du in Deiner Wahlheimat schon sozial eingebunden wärst. Ich vermute, dass Du noch keinen neuen Freundeskreis aufgebaut hast, vielleicht keine verbindliche Beziehung hast und Dich vielleicht auch einsam fühlst. Da gehst Du zurück zur Heimat.

    Möglicherweise haben Deine Freunde den Eindruck, dass Du sowieso wegen Deinen Eltern heimfährst und dann eben auch bei Ihnen und den anderen vorbei fährst.

    Möglicherweise hast Du das Gefühl, dass Du nicht dazu gehörst. Dann schau mal, ob Du das Gefühl schon als Kind hattest.
     
  12. Ich finde Seinen Wunsch verständlich.

    Nachempfinden kann ich die Situation nicht, da ich nie mehr als 70km weg war. Und meine extrem ordentliche Mama auch nicht unbedingt regelmäßig in meiner Studentenbude hätte brauchen können.

    Jetzt sind meine Eltern über 70, meine Mutter unglücklich mit dem Auto alleine auf der Autobahn und mein Vater arbeitet immer noch.
    Nein ich bin mir sicher, dass wäre ihnen wohl auch zu stressig.

    Meist ist es aber doch der Gedanke der Gedanke der zählt.

    Welche Begründung hat Seine Kernfamilie?
    Sind sie wenigstens schon mal bei Dir gewesen?
    Fühlen Sie sich vielleicht in der Stadt nicht wohl?
    Und bieten sie Dir mal etwas an um es Dir angenehmer zu machen?
    Bahn Ticket, Flug...?

    Bei Freunden denke ich, ist es doch fast egal worum es geht, wenn sich immer nur eine Seite bemüht, sollte man es einschlafen lassen.

    Wer ist Dir von Herzen in der Heimat wichtig?
     
  13. Was du machst würde ich nicht tun, da wäre mir meine Zeit und meine Energie viel zu kostbar, dazu kommt dass ich Pflicht- Besuche nicht mag, du hast ein riesen Problem, dass du nicht alleine mit dir sein kannst, wie das so viele haben, das ist ein Grundproblem. Da du nicht zufrieden bist mit deiner Situation, deswegen meldest du dich hier, dir kann aber hier niemand helfen, da die Leute verschiedene Interessen haben und nicht unbedingt das tun würden, was du tust. Es gibt zwei Möglichkeiten, du machst das gern, dann tue es, oder du machst es nicht gern, dann tue es nicht und verlange nicht von diesen Leuten, dass sie es tun, was du tust, das wäre dann auch wieder eine Pflichtkür. Einseitige Besuche sind nicht in der Balance, nicht im Einklang und auch für mich nicht zufriedenstellend und nicht positiv.
     
  14. Liebe Fragestellerin,

    sich Etwas zu wünschen was einem selbst gut tut ist immer ok! Ich (m 36) selbst war in einer ähnlichen Situation, wie du. Für meine Karriere bin ich ca. 500km weit weg und ich konnte mir regelmäßige Heimflüge leisten, bis ich irgendwann ehrlich zu mir selber wurde. Ich wollte einfach keine Veränderungen und hatte Angst davor. Es war verdammt schwierig, aber ich konnte mir in meinem neuen zu Hause einen Freundeskreis aufbauen, wo ich mich auch geborgen fühle. Übrigens hätten mich meine "sehr guten" Freunde auch nie besucht. Wie gesagt, es lag an mir. Ich wünsche dir viel Kraft, so dass du richtige Entscheidungen treffen kannst.
     
    • # 13
    • 09.02.2019
    • frei
    Naja, derjenige, der mehr Bedarf hat, muss halt fahren.

    - eine Bekannte, die hier keinen Freundeskreis hatte, obwohl das hier ihre Heimatstadt ist, fuhr lange Zeit jedes WE nach Köln zu einem befreundeten Paar und schlief auch bei ihnen. Sie kamen nie, warum auch ? Nicht allein sein wollte ja meine Bekannte, die beiden anderen hatten ja sich und dort ihre Freunde.
    - meine Tochter kommt ca. 8-10 x/ Jahr hierher, ebenfalls ca. 600 km weit weg. Ich fahre allerdings auch ca. 1-2x/Jahr hin. Das mache ich aber nur, weil sie mir sehr wichtig ist. Ich will erstens sehen, wie sie dort lebt und ich will ihr zweitens einen Gefallen tun. Für niemand anderen täte ich das, jedenfalls nicht für eine beliebige Freundin. Vielleicht für einen Mann, den ich liebe.
    - ich fahre ca. 3-4x/ Jahr nach Venedig und verbringe dann auch viel Zeit bei und mit meiner Freundin. Sie besucht mich nur ca. 1x/ Jahr. Nunja, sie hat an Deutschland kein besonderes Interesse, ich an Venedig aber sehr wohl. Also fahre ich.

    Es geht hier immer nicht nur um die eine Person.
    Der Aktive will ja immer noch was anderes, ganz egoistisches. Du willst z.B. Leute treffen, irgendwelche, verschiedene. Wegen der Treffen, der sozialen Kontakten.
    Wenn es dort in deiner Heimat nur eine einzige Freundin oder Schwester gäbe, würdest du auch nicht so oft hinfahren.

    Klar kannst du dir wünschen, dass sie dich besuchen, aber das werden sie nicht. Oder nicht oft. Oder nur kurz. Und das finde ich nachvollziehbar und legitim.
    Du bist im übrigen nicht 'schuld' daran, dass sie dich wenig besuchen und du fahren musst, vielmehr ist es eine logische Konsequenz deiner Entscheidung, wegzuziehen.
    Ehrlich gesagt verstehe ich auch nicht, dass du dich wunderst, dass du fahren musst. Ist das nicht selbstverständlich ?

    w 51
     
  15. Liebe Pflanze23

    Ich bin auch weit weg von meiner Familie und ursprünglichen Freunden. Bei mir war es auch so, dass ich vorrangig heimgefahren bin, wobei mir das eigentlich nichts ausgemacht hat. Ich fand es ok, dass ich heimfuhr und sie mich 1-2x pro Jahr besuchen. Wichtig ist, dass Du nur so oft hinfährst, wie Du möchtest, es Dir guttut und sich mit Deinen restlichen Prioritäten (zu Hause etwas machen, andere Freunde besuchen) vereinbaren lässt. Die Prioritäten setzt Du. Wünsche an Deine Familie und Freunde solltest Du auch klar äussern. Aber was sie tun, musst Du bei Ihnen belassen.

    Bei mir war es so, dass ich vor einigen Jahren einen Unfall hatte, durch den ich nicht mehr gut so weit fahren kann. Meine Eltern besuchen mich jetzt alle 6 Wochen, Freunde ca. 1x im Jahr ein Wochenende. Das passt für mich sehr gut, zumal ich hier und woanders noch Freunde habe und auch mal ganz gern ein Wochenende für mich habe.
     
  16. Ich habe mir gerade einen anderen Beitrag von dir durchgelesen, in dem du schreibst, dass deine beste und eine längste Freundin weit entfernt wohnen und du viele Freunde überall verteilt hast, die du durch Umzüge kennengelernt hast.

    Meine sehr guten Freunde wohnen alle in meiner Nähe und es ist manchmal trotzdem nicht einfach, allen gerecht zu werden. Ich spreche von 3 sehr engen und ein paar weiteren Freundinnen. Und dann noch die Familie, die auch da ist und mit der ich gerne Zeit verbringe.

    Zurück zu deiner Frage: ich denke, dass im Laufe des Lebens Freundschaften sich verändern und gerade durch Wegziehen kommen neue dazu und alte werden vielleicht weniger wichtig. Du klingst, als wolltest du alle quer im Land verteilten Freundschaften (und es scheinen viele) pflegen und aufrechterhalten. Ich würde für mich hinterfragen, welche Freundschaften noch wichtig sind, auf wen könnte ich mich verlassen, wenn ich Hilfe brauche. Was sind nur Bekannte. Und auch alte Freundschaften sind kein Garant für Zuverlässigkeit.

    Die Entfernung von 600 km ist schon nicht ohne, das macht man nicht mal eben für ein Wochenende, der Alltag vereinnahmt jeden, auch ohne Kinder. Für meine Eltern wäre so eine Strecke auch eine Anstrengung, sie würden es vielleicht einmal im Jahr machen.

    Du schreibst, dass einige dich besuchen kommen, vielleicht solltest du in diese Freundschaften die meiste Energie stecken und ein paar 'alte' loslassen und in der alten Heimat hauptsächlich den Kontakt zur Familie pflegen.
     
  17. Ich finde es verwunderlich, dass du nach 15 Jahren immer noch so an deiner Ex-Heimat festhältst. Anscheinend bist du in deiner Wahlheimat trotz tollem Job und toller Stadt mit dem Herzen nie angekommen.
    Von Freunden kann man nicht erwarten, dass sie einen besuchen, aber man kann sie natürlich einladen, muss aber verstehen, wenn sie nicht kommen. Wieso fährst du immer noch alle 3 Monate 600km in deiner frühere Heimat?
    Ich wohne auch 600km von meiner früheren Heimat entfernt, fahre da aber maximal 2x im Jahr hin - 2x im Jahr kommt noch meine Mutter und das ist es. Freunde von früher sehe ich gar nicht mehr und wenn, dann besuche ich sie.
    Nach 15 Jahren weg von der Heimat hat an doch einen neuen Freundeskreis oder nicht?
    Also deinen Freunden kannst du keine Vorwürfe machen.
    Ich denke, du vermisst deine Heimat immer noch.
     
  18. Ich habe eine Tante, die wohnt 600 km weit weg von mir. Ich habe sie dort zweimal besucht. Die Fahrt dauert um die 6-7 Stunden (inklusive Stau etc.). Und dann hat man auch so hohe Erwartungen ("Wenn ich nun extra so weit gefahren bin, dann sollen mich bitte auch alle mit Begeisterung empfangen"). Dort wohnte auch mein Cousin, der wenig Interesse an meinem Besuch zeigte und schon war ich frustriert.
    Ich fahre da also nicht mehr hin.

    Was aber ganz gut klappt, ist, dass sich die Familie einmal im Jahr an einem Ort dazwischen trifft. Da haben wir eine Gaststätte + Pension und jeder kommt da aus seiner Richtung, wobei es für beide Seiten nicht so extrem weit ist.
     
  19. Ich finde das nicht normal und nicht in Ordnung, weil du andere Leute zwingst, dich jetzt besuchen zu kommen.

    Generell finde ich in Ordnung, Heimweh oder Wünsche zu haben, aber dir geht es um was anderes: Andere sollen für dich jetzt was machen.

    Nach 15 Jahren würde ich doch lieber wieder in die Heimat zurückziehen. Du sprichst von deinem Dorf nicht gut, fühlst dich als "Exot" und meinst da nicht reinzupassen, aber ich glaube, genau das passt du rein und ist dein Platz.
     
  20. Ne, das sehe ich nicht so.
    Auch Familie ist keine Einbahnstraße.

    Meine Oma zum Beispiel freut sich über jeden Besuch sehr und war auch schon oft in meiner Ecke, wir haben ganz unkompliziert etwas zusammen gemacht. Obwohl sie diejenige in der Familie ohne Auto ist, höre ich von den anderen immer nur "Kommst du...?". Und ne, dann komme ich nicht mehr einfach so im Laufe der Jahre. Auch nicht mehr wie selbstverständlich an den Feiertagen. Auch Familie muss man sich verdienen.
     
  21. Ich würde auch keine Freunde besuchen die soweit weg wohnen. Das habe ich einmal gemacht. Das war zwar nur ein Kumpel. Für eine Frau die ich liebe ist es natürlich was anderes.

    Ich kam mir da ehrlich gelinde gesagt ausgenutzt vor. Ich meine jetzt weniger das Fahren. Er hätte nicht mal was zum Essen zuhause. Musste dann im Restaurant auch noch Geld ausgeben. Das waren auch bestimmt 600 Kilometer. Von Baden-Württemberg aus dem Raum Stuttgart nach Sachsen an die Tschechische Grenze. Also wir sind Schwaben und er ist dahin gezogen. Habe sogar von unterwegs noch Essen besorgt.

    Ich bin natürlich für meine Freunde da. Nur wenn man mich ausnutzt kann ich stinksauer werden. Wenn man nach so einer langen Fahrt ankommt hat man sich zumindest ein Warmes Essen verdient.

    Ich fahre zwar gerne Auto. Ich frage mich allerdings für was ich das machen soll. Ich kenne da auch niemanden.
     
  22. Natürlich kannst du dir das wünschen, es sind ja deine Wünsche und deine Gefühle. Wenn du allerdings nicht bekommst, was du willst, dann ist die Frage, wie du damit umgehst.
    So wie es jetzt ist, hast du nur Frust, und der wird immer größer. Was kannst du also daran ändern? Im Grunde nur, dass du deine Besuchstätigkeit anders gestaltest, also weniger, und deine Erwartungen runterschraubst. Wenn niemand auf Besuch kommt - their loss!
     
  23. ich finde deine Erwartungen übertrieben. Du solltest dir einen Freundeskreis in deiner Wahlheimat aufbauen. Nimmst du dir ein Hotelzimmer wenn du deine Freunde besuchst oder erwartest du, dass sie dich bekochen und ein Bett für dich beziehen?Ich kann es mir kaum vorstellen, neben einer Vollzeitstelle an freien Wochenenden dauernd Freunde aus weiter Entfernung zu besuchen und mich in deren Alltag einzuklinken. Andersherum würde ich erwarten, dass sich die Freunde, die aus weiter Ferne zu mir kommen und tagelang bleiben wollen, ein Hotelzimmer nehmen. Ich finde, jeder hat seinen Alltag, seinen Beruf, Haushalt, Hobbies- und die meisten wollen doch lieber mit ihren Familien zusammen sein am Wochenende und nicht ständig Besuch bekommen oder Fahrten über 600 km machen. Erwarten denn deine Freunde und Eltern, dass du so oft kommst? Wenn du dies so weiter praktizierst, wirst du dir an deinem Wohnort kein eigenes Leben aufbauen können. Ist es die Angst vor Einsamkeit? Dagegen kann man etwas tun.
     
  24. Hallo FS,

    ich kann dich schon verstehen. Du möchtest ein geben und nehmen sowie Wertschätzung haben. Momentan fährt du ja ziemlich oft dahin (jede 4 Wochen bis 3 Monate) und verbringst einige Tage dort. Außerdem verlierst du ja auch viel Urlaub dadurch. Mich würde es nerven an deiner Stelle und 600 km fände ich auch eher weit. Bist du dir sicher, dass du dich in deiner Wahlheimat wohl fühlst? Hast du auch hier Freunde bzw. eine Gemeinschaft?

    Ich habe bei dir das Gefühl, dass du einsam bist oder nicht loslassen kannst. Vielleicht siehst du in den Freunden aus der Heimat noch mehr, als sie selbst in eurer Freundschaft sehen. Es ist eben immer schwierig Freundschaften aus großer Distanz zu pflegen, weil man den Alltag nicht gemeinsam verbringt. Klar ist es schön und wie früher, wenn man sich nicht sieht. Jeder hat aber auch seine Verpflichtungen und ggf. Familie und Partner. Du bist ja auch single und hast diese Verpflichtungen nicht und fühlen sich nicht einsam.

    Du kannst von anderen nichts erwarten,. Du kannst die Bitte äußern, aber jeder sollte doch auch die Freiheit haben selbst zu entscheiden, ob er/sie die Fahrt auf sich nimmt. Wenn ich jetzt mit dir befreundet wäre, könnte ich dich vermutlich nur 1 mal im Jahr besuchen. Mehr wäre nicht drin, weil man auch nur begrenzt Urlaub hat und noch anderweitig verreist.

    Gäbe es bei dir die Möglichkeit mit Freunden einen Treffpunkt in der Mitte zu finden? Ich hatte das schon einmal mit einer Freundin gemacht und ein Wellnesswochenende geplant. Jeder hat dann nur einen kurzen Anfahrtsweg gehabt.
     
  25. Vielen Dank für die Antworten!
    Als erstes muss ich jedoch ein großes Missverständnis klären:
    An meinem jetzigen Wohnort HABE ich ein großes Netzwerk, viele Kontakte, Freunde, Bekannte, Kollegen, Nachbarn, andere Verwandte. Ich bin hier gut eingebunden und auf keinen Fall einsam. Dazu kommen ja noch die Freunde, die überall verstreut wohnen (nicht die in der Heimat).

    Aber den Kontakt zu meinen Eltern möchte ich auch pflegen, sie freuen sich und wollen, dass ich komme. Und auch wenn einige dazu eine andere Meinung haben, möchte ich meine Eltern mehr als drei Mal im Jahr sehen und dass sie in ihrem Alter die lange Strecke nicht fahren wollen, kann ich auch nachvollziehen. Nur deswegen fahre ich dorthin.

    Es geht mir eher darum, dass es, wenn ich dort bin, immer so ein Hin und Her ist und ich einfach mal gern mehr Zeit mit den einzelnen Personen/Paaren verbringen würde, ohne auf dem Sprung zu sein.

    Auch als ich nicht Single war, habe ich meine Eltern regelmäßig besucht. Und ich finde, dass das auch nach der „Abnabelung“ (ja, ich kann mich selbst versorgen, verdiene sehr gut usw.) legitim ist. Und wie gesagt habe ich ja an meinem Wohnort genügend Kontakte, aber ich finde die Familie halt auch wichtig und sie wollen ja auch, dass ich komme. Ich habe hier fälschlicherweise wohl den Eindruck erweckt, dass ich mich einsam fühle und dann aus Langeweile zurück ins heimatliche Nest fliege, aber so ist es nicht!

    Ich habe diese Gedanken auch nur hier geäußert und noch nie irgendjemanden gezwungen, etwas gefordert oder sonstwas; nur gesagt, dass ich mich freuen würde, wenn sie auch mal kommen. Sie wissen also gar nichts davon, dass ich die Besuche dort auch anstrengend finde. Und wie gesagt, war es auch für mich nie eine Option, dorthin zurück zu gehen, das habe ich nur erwähnt um zu vermeiden, dass dieser Vorschlag kommt.

    Wie mehrere geschrieben haben, gibt es dafür wohl keine ultimative Lösung und die Freunde, denen es hier vor Ort genauso geht (sind viele Zugezogene, deren Eltern auch weit weg wohnen) haben das gleiche Problem und fahren auch immer. Ich werde es wohl einfach akzeptieren und das Beste daraus machen.
     
  26. Meeresbrandung. Ich gebe dir zum größten Teil recht. Ich finde auch nicht, dass man erwarten kann, dass Freunde einfach mal so sich für paar hundert Kilometer ins Auto setzten nur um einen zu besuchen. Wenn aber mal wirklich ein guter Freund bzw. Freundin sich auch den langen Weg macht kann man doch nicht erwarten, dass diejenigen ins Hotel gehen. Die haben ja schon die ganzen Kosten wie Sprit, Abkürzung vom Auto aus. Jetzt sollen die auch noch Geld für ein Hotelzimmer ausgeben. Wenn das jemand bei mir machen würde, wäre er die längste Zeit mein Freund gewesen. Ich würde den Teufel tun und meine Freunde ins Hotel zu schicken. Außerdem kommen die Freunde ja nicht immer. Außerdem würde ich nie jemanden besuchen der Arbeiten muss, sondern gerade Urlaub hat.
     
  27. Liebe Pflanze ,

    Nimm mal das Wort Heimat.
    Dort, wo Du jetzt lebst, ist Deine Wahlheimat.
    Was macht für Dich Heimat aus?
    Anscheinend vor allem die Menschen?

    Für mich ist Heimat ein Gesamtpaket - angefangen mit meiner Wohnung. Wenn ich die Tür aufmache, bin ich Zuhause.
    Ich muss mich an dem Ort wohlfühlen, die Umgebung ist mir wichtig, Natur, Berge, Möglichkeiten zum Fortgehen, verschiedene Unternehmungen.
    Die Menschen - komme ich mit ihnen klar, mit den Denkweisen, Einstellungen. Ich gehöre hier dazu - als Grüne, nicht katholische AE, Single im ländlichen Oberbayern. Das soziale Netzwerk vor Ort.
    Der Beruf ist dann der letzte Punkt, der das Paket vervollständigt.

    Wenn ich heute mal zurück fahre, bin ich dort fremd.

    Du bist es in der alten Heimat inzwischen auch, das merkst Du selbst. Du bist gegangen, aber noch nicht angekommen.
    Und so pflegt Du Kontakte, wo nicht mehr viel zurück kommt.
    Du hast Freunde, die auch kommen, da ist gegenseitiges Interesse, da findet man die Möglichkeiten. Diese Kontakte sind wichtig, tun gut.
    Die anderen sind Energiefresser und verhindern nur das Ankommen, wo Du jetzt bist.
    Bei diesen Anderen solltest Du für Dich prüfen. Sind es noch Freunde, oder hältst Du nur an der Erinnerung an einer Freundschaft fest?

    Parallel, prüfe, was Dir vor Ort fehlt, dass es nicht nur Wahlheimat sondern Heimat wird.
    Vielleicht ist es noch nicht Dein Ort, ich brauchte 15 Jahre und ein paar Anläufe - und ich habe festgestellt, dass sogar 10km einen großen Unterschied machen können (wird jede*r Einheimische bestätigen).

    Das Wichtigste - realisiere, dass Du nicht zurück willst. Lass diese Heimat los, vorher wirst Du woanders nicht heimisch werden.

    W,49
     
    • # 27
    • 11.02.2019 um 08:00 Uhr
    • Anita36
    Dass du nach 15 Jahren immer noch so oft in die "alte Heimat" fährst, finde ich seltsam. "Normal" wäre m.E., 1-2 mal im Jahr die Eltern zu besuchen und dabei so viele Freunde zu sehen wie möglich, ansonsten aber dein eigenes Leben in deiner neuen Stadt mit neuen Freunden und Bekannten zu leben.
     
  28. Ich bin in der gleichen Situation und "Schuld" ist die falsche Kategorie, aber letztlich bist natürlich Du weggezogen und nicht sie. Ich fahre allerdings nicht regelmäßig in die "alte Heimat", sondern treffe alte Freunde mal im Urlaub zum Skifahren oder mal zu passenden Gelegenheiten, die man aber aktiv schaffen muss. Feier Deinen Geburtstag größer schmeisse eine Silvesterparty. Und kümmere Dich vor allem darum, in Deiner Wahlheimat einen Freundeskreis aufzubauen.
    Bei mir ist aber auch klar, dass niemand aus dem Kofferraum lebt. Ich habe entsprechend Platz, meine Freunde auch. Mir erscheinen Deine Besuche oder Freunde irgendwie seltsam.
     
  29. Ich verstehe deinen Wunsch, gleichzeitig bist du weggezogen, dir ist es zu stressig immer wieder in die Heimat zu fahren, andere sollen dafür aber zu dir fahren..
    Wenn ich so weit weg ziehe, muss ich schon auch bedenken, dass das anderen Leuten einfach zu weit sein kann, um mich regelmäßig besuchen zu kommen.

    600km sind ja nicht gerade wenig. Zuletzt bin ich so eine Strecke in den Urlaub gefahren, für einen netten Tag wäre mir das dann schon auch zu viel Aufwand ehrlich gesagt, also würde ich das mit einem Kurzurlaub bei dir verbinden. Gibt es in deiner Wahlheimat etwas interessantes für einen Kurzurlaub? (ich fahre jetzt nicht mehrmals im Jahr 600km um dort dann nur Kaffee trinken zu gehen & zu quatschen..) Da tut sich dann die Frage auf, wo wird übernachtet. Hast du Platz für Besucher um bei dir zu übernachten? Falls nicht, die Anfahrtskosten, Hotel, Essen usw ist alles nicht günstig & dementsprechend würde ich das maximal 1-2 mal im Jahr machen.
    Wenn du in die Heimat fährst, hast du dort ja auch Kindheitserinnerungen etc, die Familie, die dich besuchen kommt, habt in deiner Wahlheimat "nur" dich & einen langen Weg nach Hause.

    Vielleicht braucht es etwas mehr Anreiz um zu dir zu kommen.
    Kannst du vielleicht ein langes Wochenende mit Aktivitäten & Ausflügen für die Familie bei dir planen?
    Könnt ihr euch in der Mitte treffen?
     

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